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Full text of "Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten"

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HARVARD UNIVERSITY 




LIBRARY 



MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY 



JSo-tc-Q.ür 




L, i^i2.^_ 



JUL 2 6 1929 



Jahrbuch 



der 



Hamburgischen ^j^^^,,. 



Wissenschaftlichen Anstalten. 



V. Jahrgang. 



1887. 



Hamburg 1888. 

Gedruckt bei Lütckc & Wulff, K, H. Senat« liuclidiuckern. 



J_/ie Gesammtheit der wissenschaftlichen Anstalten 
Hamburgs ist in diesem Jahre von einem schweren Ver- 
luste betroffen worden. Am 4. März 1887 starb 

Herr Bürgermeister 6. H. Kirclieiipaiier, 

Dr. jur. utr. et phil., Magnificenz, 

im 80. Jahre seines arbeitsreichen Lebens. Die Ham- 
burgischen wissenschaftlichen Anstalten, die er als 
amtlicher Vorgesetzter während einer langen Reihe von 
Jahren mit steter Liebe gefördert und gepflegt, verehrten 
in ihm ebenso den treuen, verständnissvollen, von edelster 
Humanität erfüllten Freund der Wissenschaften, wie 
den erfolgreichen, selbständigen Forscher. \Yie in allen 
wissenschaftlichen Kreisen unserer Vaterstadt, so wird 
auch in unserer Mitte sein Andenken für immer ein ge- 
segnetes sein. 



a* 



I. 



Jahresberichte 
der wissenschaftlichen Anstalten 

für das Jahr 1887. 



1. Stadtbibliothek. 

Bericht des Direktors Professor Dr. Eyssenliardt. 

In dem Beamtenpersonale ist im Jalire 1 S87 Iceiue Veränderung 
eingetreten. 

Der Büclierhestand wurde nm 41(11 Nnnnnern vermeln-t. Die 
Zeitschriften, deren einzelne Helte l)ei ihrem Erscheinen besonders 
gebucht werden, sind hierin nicht enthalten. Die Zahl der jetzt 
gehaltenen periodischen Schriften beträgt 292. 

Neben den laufenden bibliothekarischen Arbeiten Avurde die 
Katalogisirung der Nicolai- Partliey 'sehen Bibliothek soweit ge- 
fördert, daß auch die Geographie ganz, sowie der grciüte Teil der 
deutschen Literatur erledigt worden ist. Es bleibt somit noch etwa ein 
Drittheil der deutschen Literatur, ferner Archaeologie, Museographie 
und etwa die Hälfte der Staatswissenschaften, Jurisprudenz und Päda- 
gogik zu erledigen. 

Geschenke erhielten wir — in chronologischer Ordnung — von 

E. H. Senate, den Herren Geh. JustizratK Dr. Gfffd-en, Di". Leesenhcrf/, 
H. W. Schill, Hofrath Professor Dr. Zmif/emeister in Heidelberg, 
Professor Dr. ScJndfpss, Sr. Durchlaucht dem Reichskanzler Eürsten 
von Bismarck, dem Generalconsul C. Yega Belgrano, Generaldirector 
Professor Dr. Wümanns in Berlin, Oberbibliothekar Dr. Sfeffenliagen 
in Kiel, Sr. Magnificenz Herrn Bin-germeister Dr. Versmann, Direktor 

F. Wihel, E. A Hcrfz, Landrichter Dr. C. Amänck, C. Hammer in 
Stockholm, Geh. Admiraliliitsrath Dr. Nmmayer, Th. Mehring, Dr. K. 
Meyer, C. Radenhaamn, Dr. Ed. Herz, Dr. CJirgsaudei; Lic. SeeJmver 
in P)romberg, Dr. Zimmermann in Wolfen])üttel. Kector Setfz in 
Itzehoe, Dr. Sicmsscn, O. L. Tcs/Iorjf, Pliysicus Di-. Uci^whe, Ernesto 



VIII Stadtbiljliothek. 

Hahn, W. O. Alirens, Frau lUirgermeister Weber, dem Vereine für 
Hambiirgische Geschichte, den Administratoren der Bürgermeister 
Kellinghusen-Stiftung, der Cincinnati Chamber of Commerce, der 
Verwaltung der Großherz. Hofbihhothek zu Karlsruhe und dem Natur- 
wissenschaftlichen Vereine Hamburg-Altona. 

Nicht aufgeführt sind hierbei die uns im Tauschverein zu- 
gehenden Werke ; betreffs der in Hamburg erscheinenden Verlagsartikel 
ist zu bemerken, daß die im Laufe eines Jahres verlegten Schriften 
größtentheils im Beginn des nächsten Jahres zur Ablieferung gelangen ; 
es sind demnach von den 187 Hamburger Verlagsartikeln des Jahres 
1886 im Ganzen 51 eingeliefert und dankend entgegengenommen 
worden. 

Im Lesezimmer wurden 13 453 Bände benutzt. Ausgeliehen 
wurden 7312 Bände, darunter fiO Handschriften; von diesen gingen 
44 nach auswärts, und zwar nach Jena 14, Stralsund 13, München 5, 
Freiberg in Sachsen, Göttingen, Greifswald, Utrecht je 3, Rom, Dresden, 
Kiel und Schwerin je eine; 25 wurden von hiesigen benutzt. Außerdem 
wurden nach 41 auswärtigen Orten 354 B>ände versandt. 

Um jedocli eine genauere Kenntnis der Art zu gewinnen, in 
welcher die Bibliothek benutzt wird, als sie diese summarische Jahres- 
Statistik zu gewähren vermag, wurde in Folge einer dankenswerten 
Anregung eine genauere Beobachtung während 30 auf einander fol- 
gender Tage vorgenommen. Diesellje ergab folgendes Residtat : 

Im Lesezimmer witi-den 1443 Bücher verlangt, daruntei- 
79 vergeblich. Dieselben vertheilen sich unter die Benutzer so, daß 
von Theologen verlangt wurden 184, von Juristen 91, von Philologen 
und Historikern G39, von Naturwissenschaftlern 30, von Kaufleuten 41, 
von Künstlern 1, von Soldaten 5, von Musikern 9, von Seeleuten 15, 
von Rentiers 3, von Privatgelehrten 17, von Privatlehrern 34, von 
Volksschullehrern 59, von Studenten 53, von Gymnasiasten, Realgym- 
nasiasten und Seminaristen 52, von Staatsangestellten ohne Universitäts- 
bildung 17, von Damen 4, von Literaten 56, von Mathematikern 84, von 
Unbekannten 60. 

In der Expedition wurdcm von Hiesigen verlangt 1224 Bücher. 
Diesell)en vertheilen sich auf die Benutzer so, daß von Theologen 
verlangt wurden 65, von Juristen 67, von Medicinern l(i. von Philologen 
und Historikern 521, von Naturwissenschaftlern 73, von Kaufk'uten 60, 
von Rentiers 2, von Privatlehrern 3, von Volksschullehrern 131, von 
Studenten 23. von Gymnasiasten, Realgymnasiasten und Seminaristen 201, 
von Staats;iiig('st('lltcii ohne Universitätsbildung 8, von Diinien 16, von 



Stadtbibliothek. IX 

Mathematikern 25, von Literaten 11, von ihrer Lebensstelkmg nach 
Unbekannten 2. 

In der Expedition wurden von Auswärtigen verlangt im Ganzen 
86 Bücher. Dieselben vertheilen sich auf die Benutzer so, daß von 
Theologen verlangt wurden 38, von Medicinern 5, von Philologen und 
Historikern 40, von einem Kaufmann 1, von Mathematikern 2. — 
Unter den in der Expedition verlangten Büchern sind 231 vergeblich 
verlangte mit inbegriffen. 

Was die Individuen anlangt, so Avurde das Lesezimmer benutzt 
von 147 verschiedenen Personen, darunter 12 Theologen, 5 Juristen, 
32 Philologen und Historikern, 5 Naturmssenschaftlern, 9 Kaufleuten, 
1 Rentier, 3 Musikern, 1 Techniker, 1 Militair, 2 Seeleuten, 3 Privat- 
lehrern, 8 Volksschullehrern, 1 ■ Privatgelehrten, 2 Staatsbeamten ohne 
Universitätsbildung. 12 Studenten, 12 Gymnasiasten, Realgymnasiasten 
und Seminaristen, 2 Damen, 3 Literaten, 2 Mathematikern, 31 ihrer 
Lebensstellung nach Unbekannten. 

Nach Hause entheben Bücher 185 verschiedene Personen, 
darunter 8 Theologen, 9 Juristen, 52 Philologen und Historiker, 
9 Naturwissenschaftler, 4 Mathematiker, 2 Mediciner, 10 Kautieute, 
1 Privatlehrer, 22 Volksschullehrer, 5 Studenten, 56 Gymnasiasten, 
Realgymnasiasten und Seminaristen, 6 Damen, 1 Privatgelehrter. 

Vergleicht man die Zahl der zum häuslichen Gebrauch verlangten 
Bücher, viz. 1310, mit den im Lesezimmer verlangten, viz. 1443, so 
ergiebt sich eine verhältniC3mäßig geringe Benutzung des Lesezimmers; 
entspräche dasselbe den bescheidensten Anforderungen an Raum und 
Bequemlichkeit, so würde es vermuthlich sehr viel stärker in Anspruch 
genommen werden. Jetzt können 16, zur Noth 18, Personen darin, nicht 
arbeiten, sondern lesen; die Tische sind nämlich so schmal, daß die 
Benutzung z. B. eines Bandes der Hamburger Nachrichten seitens 
eines Besuchers etwa 4 Plätze aljsorbirt, von einem eigentlichen Arbeiten, 
das heißt der Benutzung einer größeren Anzahl von Bücliern also keine 
Rede sein kann. 

Legt man die Zahl der in der Expedition verlangten Bücher zn 
Grunde, viz. 1310, so erhält man eine Jahresl)e)nitzung von rot. 16000, 
während z. B. die Universitätsljibliothek zu Würzburg außer dem Hause 
im Wintersemester 1884^^5, 518!» lUichei-, im Sommersemester 1885 
nur 4511, zusannnen also in einem Jahre 9700 verlieh, wobei zu 
bemerken ist, daß eine Universitätsbildiotliek ilir Hauptpublicum in 
den Studenten und Universitäts-Professoren hat, ein Publicum, Avelches 
uns so gut wie ganz fehlt. 

b 



X Stadtbibliothek. 

Es ergiebt sich hieraus die dringende Nothwendigkeit : 

1) ein größeres Lesezimmer sowie ein Journalzimmer einzurichten, 

2) der Bibliothek die Räume des Naturhistorischen Museums 
zur Unterbringung des sich stets mehrenden Bücherbestandes zu über- 
weisen, da die sub 1) als erforderlich bezeichneten sowie immer noth- 
wendiger werdende ausgedehntere Arbeitsräume nur in dem Obergeschoß 
gewonnen und daher im Erdgeschoß ersetzt werden müssen. Hierzu 
kommt, daß unsere sonstigen, jetzt eigentlich nur verpackten, aber weder 
geordneten noch übersichtlich untergebrachten Sammlungen ebenfalls im 
Obergeschoß Platz finden müssen, und dadurch die Unterbringung auch 
des entsprechenden Teils unseres Bücherbestandes in den untern Räumen 
nothwendig wird. Dadurch würde dem Grunde genügt werden, aus 
welchem schon im Jahre 1875 der Bau eines Naturhistorischen 
Museums seitens E. H. Senates empfohlen wurde. Es heißt über den- 
selben in dem Antrage vom 8. September 1875: 

'Ueber dem Museum befindet sich die Stadtbil)hutliek, bekanntlich 
eine der bedeutendsten öffentlichen Bibliotheken Deutschlands. Als 
dieselbe im Jahre 1840 dieses Local bezog, fand sie Platz genug, 
und man holfte eine lange Reihe von Jahren mit demselben auszu- 
kommen; die eingetretene Vermehrung ließ aber auch hier alle Be- 
rechnungen weit hinter sich, und in den seitdem verfiossenen 35 Jahren 
hat sich die Bücherzahl nahezu verdop})elt. Natürlich ist dadurch 
auch hier sehr großer Mangel an Raum entstanden. Die Bibliothek- 
verwaltung hat wiederholt um Beschaifung neuer Räumlichkeiten 
gebeten; in der letzten desfallsigen Eingabe (vom Januar d. J.) wird 
angeführt, daß manche Fächer jetzt so ])esetzt seien, daß kaum noch 
ein einzelnes Buch hinzugefügt werden könne ; in einigen habe dadurch 
nothdürftig Platz gewoinien werden müssen, daß man eine Eeihe von 
Büchern auf den Boden versetzte. Da die Vermehrung der Bändezahl, 
wenn die Bibliothek ihren praktischen Werth behalten soll, von Jahr zu 
Jahr fortgehen muß, so ist hier Abhülfe dringend nothwendig, und die 
einzige Art diesellje zu beschaffen, wenn man nicht etwa den Bücher- 
schatz in verschiedene Gebäude vertheilen will, liesteht darin, daß 
die gegenwärtig vom Museum occui^irten Säle der Bildiothek eingeräumt 
werden. Hierin liegt der erste Grund der Übersiedelung 
des Naturhistorischen Museums in ein anderes Gebäude'. 

In wie unerträglichem Maße in den seitdem verstrichenen 
dreizehn Jahren der Raummangel gestiegen ist, braucht kaum ausein- 
andergesetzt zu werden. 

Vielleicht ist es in diesem Zusammenhaiige nicht überflüssig, 
auf ein historisches Factum hinzuweisen, welches freilich noch nicht 



Stadtbibliotliek. XI 

sehr alt ist, aber doch hi einer schnell lebenden Zeit leicht der Ver- 
gessenheit anheimfällt. 

Der Grundstein des Haupt- (Mittel-) Gebäudes des Johanneums 
trägt die Inschrift: 'q. f. f. (j. s. in hac area, antiquissiino urbis templo 
eoque cathedrali olim ornata , deinde per XXXIV annos uacua aedi- 
ficium Gymnasio academico nuper instaurato et bibliothecae 
publica e dicandnni auspicantil)us scholarchis S. P. Q. H. exstrui iussit 
calendis decembribus a. d. MDCCCXXXVl', mit andern Worten, das 
Gebäude ist nur für das akademische Gymnasium und die 
Stadtbibliothek aufgeführt worden, die Räume des ehe- 
maligen akademischen Gymnasiums werden noch weiterhin 
zu Vorlesungen benutzt, und die Stadtbibliothek hat einen 
Teil der für sie bestimmten Räume so lange an das 
Nat urhistorische Museum abgetreten, als dasselbe noch 
kein eigenes Haus besaß. 

Da die Bibliothek so geordnet ist, ihiiS die Bücher nach Band 
und Seite des wissenschafthchen (Real-) Kataloges aufgestellt sind, so 
ist die Möglichkeit, ein Buch ohne großen Zeitverlust aufzufinden, 
mir dann vorhanden, wenn in dem al})habetischen Kataloge bei dem 
Titel desselben sein Standort nach dem Realkataloge angegeben ist. 
Leider fehlt diese Bezeichnung noch l)ei einem sehr großen Theile des 
Bücherbestandes. Bei dem geringen Beamtenpersonale kann diese un- 
erläßliche Arbeit üljcrhaupt nur alhnälig gefördert werden: in dem 
Berichtsjahre wurde die Ueljcrtragung der ersten neun Bände von PO 
(Liturgik und Hynniologie) sowie der Rest von Q II (Schluß der 
jüdischen Literatur, Sainaritaner und Moabiter) vollendet. Von Q III 
ist übertragen die aramäische und phönicische Literatur und etwa 
ein Viertheil der arabischen. 

Ferner fehlte einem großen Teil des Bücherbestandes die inner- 
hall) des Buches anzuln-iiigende Signatur; dies ist soweit nachgeholt 
Avorden, daß im wesentlichen mir noch die Staatswissenschaften und 
Hamburgensien signirt Averden müssen. 

Endlich ist es gelungen, die Bezeichnung der Bücherbretter nach 
dem Realkataloge so Aveit zu fördern, daß nur noch das Fach L (Staats- 
Avissenschaften) übrig ist. 

Die beiden an letzter Stelle erAvähnten Arl)eiten konnten in 
dem Berichtsjahre niii' Lingsam fortschreiten, weil der gesammte 
Bestand der Portrait- und Kupferstichsammlung (rot. 'JüOOO Stück), 
von welchem kein einziges Stück mit dem Bibliotheksstempel versehen 
war, ebenso durchgestempelt Averden mußte Avie die zahllosen in M;q)i)en 
zerstreuten Holz-, Kupfer- und Stahlstiche. 



XII Stadtbibliothek. 

In Alinea 1 des § 5 des Gesetzes vom 21. Mai 1883 ßndet sich 
folgender Passus: 'Der Director der Stadtbibliothek ist verpflichtet, 
alljährlich entweder eine das Publicum über den Handschriften- oder 
Bücherbestand der Bibliothek orientirende Schrift oder eine Abhandlung 
aus den Gebieten der Bibliographie und der Bibliothekswissenschaft 
zu veröffentlichen'. Derselbe wird noch weiter erläutert durch 
Alinea 3 des § 2 : 'Zur Herausgabe solcher Schriften, welche das 
Publicum über den Handschriften- oder Bücherbestand der Stadt- 
bibliothek zu Orientiren geeignet sind, wird eine alljährlich zu be- 
stimmende Summe in das Staatsbudget eingestellt'. 

In Folge dieser gesetzlichen Vorschrift hat der Berichterstatter 
im vorigen Jahre veröffentlicht: „Nachrichten eines Engländers ül)er 
Holstein, Hamburg, Altona, etwa 1785" Fortsetzung, Analecta Italica, 
enthaltend einen bisher unbekaimten und für die Beurtheilung des 
Verfassers äußerst wichtigen Brief des Thomas Campanella-, und 
Analecta Hispanica, enthaltend zwei zur Geschichte des Jesuitismus 
in Spanien wichtige Stücke. Es braucht kaum bemerkt zu werden, 
daß der Druck etwa von Katalogen dem Shnie des Gesetzes nicht 
entsprechen Avürde, daß dagegen die Veröffentlichung bisher unge- 
druckten, in der Bil)liothek vorhandenen, Materials, so mühsam und 
zeitraul)end dieselbe auch ist, ebenso von dem Gesetzgeber in Aussicht 
genonmien wurde, als sie dem Herausgeber, welchem die freie Auswahl 
des zu Veröffentlichenden gesetzlich allein überlassen bleibt, angemessen 
erscheint. 



Muscuni l'ür Knust und Gewcrljc XIII 

2. Hamburgisches 
Museum für Kunst und Gewerbe. 

Bericht des Directors Dr. Jus tu s Brinckmann. 



Die Verwaltung. 

Die teclinisclic Coiiiiiiission des Museums für Kunst und Gewerbe 
hatte im Jahre 1887 das Ableben des Herrn Bürgermeister G. H. 
KircheniJcmer Dr. zu bekhagen, welcher seit dem Uebergang der Anstalt 
in die Verwaltung des hamburgischen Staates im Jahi-e 1877 den Vor- 
sitz dieser Commission geführt hatte. An seiner Stelle übernahm der 
nnnmehrige Präses der Oberschulbehörde, Herr Senator Stammann Dr., 
den Vorsitz. Die ü])rigen Mitglieder, die Herren Tischlermeister 
Q. B. Richte)", Landgerichts-Director Heinrich Föhring Dr., Bildhauer 
E. O. Vivie, Kaufmann Robert Mestern, Schlossermeister H. J. Eduard 
Schmidt, Kaufmann Carl PopeH, Architect Eduard Hallier und Gewerbe- 
schul-Director E. J. A. Stuhlmann Dr. verblieljen in der Commission. 
Im Bestände der Angestellten des Museums sind Aenderungen 
nicht eingetreten. Die für das folgende Jahr beantragte feste Anstellung 
des bisher diätarisch beschäftigten Zeichners Herrn Wilhelm Weimar 
wurde in das Budget aufgenommen und ist nach dessen Genehmigung 
durch die Bürgerschaft auf den I.Januar 1888 erfolgt. 

Die von Senat und Bürgerschaft liewiUigten Geldmittel beliefen 
sich im Jahre 1887 auf ^ 'il 000 für Gehalte, auf J^ 28 500 für die 
Vermehrung der Sammlungen, .^ ,S000 für die Bibliothek und J6 10 800 
für die allgemeinen Verwaltungskosten einschliesslich des im Vorjahre 
unter den Gehalten aufgeführten Postens für Hülfsarl)eit. Die all- 
gemeinen Verwaltungskosten stellten sich folgendermassen : 

Hülfsarbeit J( 9. .500,75 

Hülfsaufsicht „ 558, — 

Restaurirung und Aufstellung „ 1 990,05 

Reisen, Fracht und Verpackung „ 2 494,45 

Drucksachen, Buchbinderarbeit, Schreibmaterialien ,. (;07,,tO 

Tagesblätter und Inserate „ 255,50 

Porto und Bureauausgaben „ 152,33 

Reinhaltung „ 1 502,40 

Verschiedene notliwendigc und kleine Ausgaben „ 737,54 

Zusammen J^ \() 799.92 



XIV Museum für Kunst und Gewerbe. 

Eine einmalige Bewilligung von M 3000 für die Herstellung 
eine« illustrirten Führers gelangte im Jahre 1887 nicht ganz zur Ver- 
wendung, da w^ohl der gTößte Theil der Cliches zu den Illustrationen 
noch in diesem Jahre, der Druck des Buches selbst aber erst im Jahre 
1888 beschafft werden konnte. 

Eigene Einnahmen hatte die Anstalt, abgesehen von Zuwendungen 
für die Vermehrung der Sammlungen, nur aus dem Erlös des I'ünfjahres- 
Berichtes von 1882, für welchen nachträglich noch JC G eingingen und 
an die Haupt-Staatskasse abgeliefert wurden. 



Die Vermehrung der Sammlungen. 

Auch in dem verflossenen Jahre haben sich die Sammlungen 
mehrfaclier Zuwendungen seitens der Freunde der Anstalt zu erfreuen 
gehabt. 

Eine dieser Zuwendungen ist unter so besonderen Umständen 
erfolgt, daß ihr an erster Stelle unter dem Ausdruck Avärmsten Dankes 
für die freundlichen Geber zu gedenken ist. 

Als hier in den Ostertagen die Anzeige und der Katalog der 
auf Montag, den 1 8. April 1887 im Hotel Drouot zu Paris angesetzten 
Versteigerung der keramischen Sammlung des in Brüssel verstorbenen 
Herrn Frederic Fetis eingetroffen war, verciffentlichte der Director, 
welchem diese ausgezeichnete Sammlung von jener grossartigen Aus- 
stellung, mit welcher die Belgier die fiudzigjährige Feier ihrer Unab- 
hängigkeitserklärung begangen hatten, bekannt war, in dem Ham- 
burgischen Oorrespondenten vom 13. April einen Aufsatz über die 
„Fayencen des Museums für Kunst und Gewerbe". In diesem 
Aufsatz wurde die Entwickelung dieser Sammlung binnen der zehn 
Jahre seit dem Einzug des Museums in seine jetzigen Räume nach- 
gewiesen und geschildert, Avie diese Samndung so rasch mit verhältniss- 
mässig geringen Geldopfern, dank den in den Bauernhäusern der 
Umgegend Hamburgs erhalten gewesenen Resten alten Hausrathes zu 
ihrer ansehnlichen Bedeutimg angewachsen sei. Hieran knüpfte sich 
ein Hinweis auf Lücken der Sammlung, welche auf demselben Wege 
sich nicht würden füllen lassen, sowie auf den bevorstehenden Verkauf 
der Sammlung Fetis. Der Aulsatz schloss mit dem Ausdruck der 
Hoffnung, da es der Anstalt an eigenen Mitteln, bei diesem Anlass zu 
kaufen, gebreche, möge in dieser letzten Stunde noch ein bekannter 
oder unliekaimter Freund des Museums mit raschem Entschlnss dem 
Museum die Mittel zur Verfügung stellen, welche zum Ankauf wenigstens 
einiger der schönsten Stücke der Sammlung Fetis aenüfften. 



Museum i'üv Kunst und Gewerl>e. 



XV 




Teller von Fayence von Ronen, Dui'clim. 2') cm, 

bemalt in Elan und Roth. Anfang fies is. Jahr- 

linnderts. (Hanssen'sclie Schenkung.) 



Die Frage „Wird dieser 
Helfer sieh tiiiden?" fand 
schon am nächsten Tage die 
liebenswürdigste Beantwortung 
ans dem Munde der Herren 
Adolph und Bernhard Hmissen, 
welche dem Director eine 
nandiafte Summe behändigten, 
um für dieselbe einige ausge- 
zeichnete keramische Arbeiten 
in Paris zu ersteigern und als 
Schenkung des Vaters der Ge- 
ber, des Herrn C. P. L. Haussen 
„zur Erinnerung an den 1 8. April 
des Jahres 1887"' dem Museum 
einzuverleiben. 

So konnte denn der Director 
noch rechtzeitig in Paris eintreffen und eine Anzalil vortrefflicher 
Fayencen ankaufen, welche seitdem im Schrank der neuen Er- 
wer1)ungen ausgestellt gewesen und nunmehr der Sammlung einge- 
ordnet sind. Es sind dies folgende Stücke: eine 1)lau decorii'te 
Schüssel von L'ayence von Ronen, eine der grössten und schchisten 
ihrer Art, in der Mitte mit einem grossen Wappen, ringsum mit 
schön gezeichneten Ornamenten bemalt, von einer Feinheit der 
Ausführung im Einzelnen, von einer Grösse und von einer Schönheit 
der Gesammtersclieinung bei vollkommener Erhaltung, wie diese Vor- 
züge sich nur äusserst selten vereinigt finden. Ferner eine kleinere, 
gleichfalls in Plan l)emalte Anbietplatte mit Fuss in dem schönsten Stil 
des strahligen Behang-Ornamentes, welches zu Ronen seine reizendste 
Ausbildung erhalten hat; ein Teller desselben, in Blau und Roth aus- 
geführten Ornamentes, eine für Rouen bezeichnende, uns bis dahin 
fehlende Farbenverbindung; ein Teller der bisher in unserer Sammlung 
nicht vertretenen Fayence von Saint Amand mit zart bläulichgrauer 
Glasur, von welcher sich bunte Blumenmalereien zwischen weiss auf- 
gesetzten, spitzenartigen Ornamenten abheben. Von nicht französischen 
Fayencen zunächst ein prachtvoll in Roth, (irau. Blau und Gold über 
der Glasur in Anlehnung an chinesische Porzellane dccorirter Teller 
mit einer merkwürdigen türkischen Inschrift, nach welcher derselbe 
als ein Geschenk eines polnischen Königs für den Sultan angefertigt 
worden. Dieses merkwürdige und prächtige Stück galt liisber in den 
keramischen Handbüchern als ein Erzcniüniss der Mailänder Fabrik, 



XVI 



Museum für Kunst und Gewerlie. 



während wir in ihm ein Beweisstück dafür sehen, dass um die Mitte 
des vorigen Jahrhunderts, als aller Orten die Fayence-Fahrication ihre 
glänzendsten Blüthen trieb, auch in der polnischen Hauptstadt Warschau 
eigenartige Fayencen geschaffen wurden. Ferner eine nach dem Vor- 
hilde der bekannten vierdochtigen, verstellbaren italienischen Messing- 
lampen geschaffene, sehr hübsch profilirte und blau 1)emalte Lampe 
mit der Inschrift „Fabrica di Majolica di Urbino, gii 30 Sl)n' 1772", 
ein gleichfalls in den Handbüchern mehrfach erwähntes Stück. Weiter 
zAvei Teller von weichem Porzellan, der eine von Sevres in Gestalt 

einer vollgeöffneten, flach aus- 
gebreiteten grossen Blüthe, 
deren Bau in der Schweifung 
des Randes und in dem zarten, 
an den Rändern durch rothe 
Bemalung und Vergoldung be- 
tonten Relief der Fläche zum 
schcinsten Ausdruck gelangt ; 
der andere aus der bisher bei 
uns noch nicht vertretenen 
Fabrik von l'ouriiay. leidlich 
ein gutes 'riionrelief, Louis XV, 
von ,1. I>. Nini und eine reiz- 
voll modellirte Gru})})e in der 
italienischen Tracht vom Knde 
des IS. Jahrhunderts, aus dem 
hellgrauen glasigen Porzellan 
Venedigs, ebenfalls eine Neuheit für unsere Sammlung. 

Wie im Jahre 1S.S7 die Sammlungen im Uebrigen aus staatlichen 
Mitteln vermehrt wurden, erhellt aus der nebenstehenden Uebersic-ht. 
Nach derselben behaupten dieses Jahr die IVIöbel- und Holz- 
schnitzereien wit'der den ibnen im Hinblick auf das wichtigste der 
hamburgischen Kunstgewerbe zukommenden ersten Platz. Die günstige 
Gelegenheit hierzu wurde uns durch den vom Maler C. C. ]\I(U)iins^fn 
in Schleswig beabsichtigten Verkauf seiner Sannnlung ge])oten. Bis 
zur Mitte der 70er Jahre war diese Sammlung in dem Wohnhaus und 
Atelier des Herrn Magnussen hier in Hamburg aufgestellt gewesen, 
den Künstlern und Kunstfreunden Avohlbekannt und zum Theil auch 
weiteren Kreisen durch die Leih-Ausstellung alter Kunstgcwerbs- 
Erzeugnisse, mit welcher die Begründer des Hamburgischen Museums 
für Kunst und Gewerbe im Jahre lS(in den ersten Schritt an die 
OcfCentiichkeit thaten. Mit Bedauern sah man daher die Samndung 




Tellor von wcicliem Porzellan von Si''vres, Dnrchm. 

•-T) 1/2 cm, geformt, die Ränder dnnkelroth. J.aliros- 

bucbstab D = 17.')t'>. (Hanssc-n'sche Schenkung.) 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



XVII 



Uebersicht der Ankäufe 

füi' das Hambui'gische Museum für Kunst und Gewerbe 
aus dem Budget des Jahres 1887. 



10. 

11. 

12. 
13. 
14. 
15. 
16. 



I. Niicli technischen Gruppen. 



stück Preis ■,/<. Stüuk Preis Jl, 

Gewebe HO 2.544 

Stickereien 37 373,92 

Textil-Arlieiten im Ganzen 07 



Bucheinbände und Leder 4 

Fayencen 18 1 916,50 

Porzellane 8 1 122,69 

Steinzeug etc 6 156,14 

Keramische Arl leiten im Ganzen 31 

Glas , 1 40 

(ilasnuilcreien — — 



2 917,92 
1470 



3 195.33 



Glas im Ganzen 1 

Möbel 2 205 

lldlzschnitzereien 14 282,50 

Holzarbeiten im Ganzen Ki 

Lackarlieiten 3 

Schmiedeeisen 5 

Bronze, Kupfer, Zinn etc 12 

Edelmetall-Gefässe {Grosserie) — — 

Schmuck (Minuterie) 48 523,48 

Edehnetallarbciten im Ganzen 48 

Emailarbeiten 4 

Japanische Schwerdtornamente n. dgl 67 

Kleines Gerätli aus verschiedenen Stoffen 4 

Korbiiechtarbeiten — 

Architectonische Ornamente — 

Arljciten der polygraphischen Künste — 

Verschiedene Techniken 3 



40 



487,.50 
85 
1 105 
1 893,55 



523,48 
226 
2 743,22 
112 



201 



im Ganzen 295 15 000 



IL Nach 



Abendland 



Morgenland : 



1. 

2. 
3. 
4. 

5. 
6. 
7. 
8. 
9. 
10. 



11. 
12. 
13. 



»eschichtlichen (Jriippen. 

stück Preis J{, Stück Preis Jl/ 



Prähistorisches 

Aejjypten — 

Classisches Alterthuui — 

V.— X. Jahrhundert 47 

XI. - XV. Jaln-hundert 7 

XVI. Jahrlnuidert 13 

XVII. Jahrhundert 5 

XVIII. Jahrhundert 68 

XIX. Jahrhundert 11 

Persien — — 

Türkei 3 543 

Iiulicn — — 

China 18 

Japan 123 

Anderer Herkunft — 



\ 030 

142,94 
1817 

769 
i 109,08 

333,20 

543 

582,31 
673,47 



im Ganzen 295 15 000 



XYIII 



Museum f'iu' Kunst und Grewei'be. 




Grirt' e. Mangelbrettes 

V. Eichenbolz 111. Kerb- W.n.flo-at'ifpl -ni^ 

Schnitzerei. 17. Jabrh. » '"Kl.^öt'lK-i clUb 



sen'sche Sammlung.) 



von liier scheiden, als Herr Magnussen nach Schleswig 
ühersiedelte, um der PÜege jener landeswüchsigen 
Holzschnitzkunst zu leben, deren Erzeugnisse er in 
vielen Stücken seiner Sammlung mit Recht bewunderte. 
Als nach einem Jahrzehnt der Arbeit die zu diesem 
Zwecke begründete Holzschnitz- Schule in der einer 
rührigen Industrie entbehrenden Stadt Schleswig die 
Hoffnungen, welche ihr Begründer auf sie gesetzt 
hatte, nicht zu erfüllen vermochte, und Magnussen 
sich daher zur Veräusscrung seiner Sammlung eiit- 
schloss, gelang es, uns diejenigen Bestandtheile der- 
selben zu sichern, Avelche als Ergänzungen unserer 
schon so reichen Sammlung verwandter Arbeiten für 
uns Bedeutung hatten. So sind denn im Spätsommer 
des Jahres 1887 nach zwölfjähriger Abwesenheit nach 
Hamburg zurückgekehrt u. A. das reichgeschnitzte 
dem sog. Wallenstein-Zimmer zu 
li^^ih;®s:,,.?nhfr'r Kwidsburg, wohl zweifellos ein Werk des um das 
Jahr IfiOO dort und in Flensburg vielbeschäftigten 
Bildhauers Heinr. Ringeling, das reizende Mangelbrett 
\om Jahre 1G25, welches die beigegebene Abl)ildung 
zeigt, ehr guter Holländer-Schrank von einem bisher 
hier nicht vertretenen Typus, der schöne HoUänder- 
risch, welcher in unserer Ausstellung des Jahres 
1809 inmitten des damals in den Börsen- Arkaden 
( ingerichteten alt-hamburgischen Zimmers stand, eine 
111 gleicher Weise mit Ebenholz -Einlagen in Eichen- 
holz verzierte holländische Lehienpresse, drei seltene 
niederländische Stühle vom Ende des 16. Jahrhunderts, 
eine grosse geschnitzte Truhenplatte v. J. 1578 mit 
der uns bis dahin fehlenden volksthüinlichen, auch 
auf einem Holzschnitz-Titelbilde Lucas Cranach's zu 
einer der frühesten Wittenberger Bibel -Ausgaben 
Luthers vorkommenden Darstellung vom Baume, 
w^elcher verdorrt über den Gestalten des Alten 
Bundes, aber grünt und Früchte trägt über denen 
des Neuen Bundes, ein musterhaft gedrechselter Stuhl 
aus Dagebüll v. J. 1780, eine Reihe von 42 Kerb- 
?ScheSS/Ker'b- schnittarbeiten aller Art, darunter viele durch ihre 
Äum^'^lT.^jährMt. sinnvollen Sprüche ausgezeichnete Geräthe und einige 
'ieu-sciitfiäämmiuns.') bisher bei uns nicht vertretene Anwendungen dieser 




Museum für Kuust und Gewerbe. 



XIX 



scliüiien, au unseren Nord- 
meerküsteu seit Jahrhun- 
derten bodenwüchsigen 
und seit wenigen Jahren 
hier liir den Handfertig- 
keits - Unterricht wieder 
üi Schwung gekommenen 
einfachen Schnitzweise, so 
z. I). vortrefriiche Salz- 
fässer , Bandweben und 
ein besonders hübscher 
Sextanten - Kasten v. J. 
1772, sämmtlich Arbeiten, 
welche von ihrem früheren 
Besitzer im Lande selbst, 
vorzugsweise in der 
Gegend von Bredstedt, 
Husum, auf Sylt, Wyck 
und den Halligen ge- 
sammelt worden waren. 
Auch sonst wurde in 
diesem Jahre unsere schon 
früher bedeutende Samm- 
lung von Kerbschnitze- 
r e i e u durch mannich- 
fache Käufe gefördert, 
so dass "dieselbe jetzt mit 
rund 150 auserlesenen 
Nummern die bedeutendste 
ihrer Art ist. Der EinHuss 
dieser Specialität unseres 
Museums hat sich in er- 
freulichster Weise durch 
die Wiederbelebung der 

Kerbschnitzerei in weitesten Kreisen bemerkbar gemacht, wobei in 
richtigem Erkennen der Bedeutung dieser Arbeiten als Ziel nicht die 
gewerbsmässige Herstellung zu Erwerbszwecken in den Vordergrund 
gestellt wird, sondern das Streben nach geschmackvoller Ausstattung 
hölzerner Gegenstände durch eigene Arbeit für den Gebrauch im eigenen 
Haushalt vorwiegt. 

Den Holzarbeiten zunäclit unter den Ankäufen des Jahres 188() 
stehen die keramischen Arbeiten mit einem Gesammtaufwande 




/ur 



Gescliuitztes Mangelbrett mit der luschrift: „Wenn alle 

Waldtvoglcin gelien zu Niste, so ist uouh mein Sjiat- 

cicreu mit Jungfrawen das Beste — Anuo KiL'ö." Aus 

Holstein. ','4 Nat.-Gr. ( Maguussen'schc Sammlung.) 



XX 



Müseutn für Kunst und Gewerbe. 




Bandwebe mit Kerljsclmitzerei von eleu schleswigschen 

Nordsee - Inseln. 17. Jahrhundert, y:^ natürl. Grösse. 

(Magnussen'.sche S;iminluiig.l 



von K^ o 195,00, wovt)ü 
nahezu ein Dritttlieil 
zum Ankauf eines aus- 
tjezeichneten Ofens aus 
der Stockelsdorffer 
Fald'ik Lei Lübeck ver- 
ausgabt wurde. Dieser 
Ofen stand bis dabin 
in einem Bürgerbause zu 
Heibgenhafen, wohin er 
der Ueberbeferung nacli 
vor mehr denn hundert 
Jahren als ein Geschenk 
des damaligen Besitzers 
der Fabrik gelangt war. 
In dem reichen Aulljau 
mit zwei Nischen ülx-r- 
einander und der krö- 
nenden Vase ist dieser 
vorwiegend in Braun 
und stumpfem Grün be- 
malte, reich mit Gold 
gehöhte Fayence - Ofen 
ein überaus stattliches 
Denkmal der Blüthe, zu 



welcher sieb die deutsehe Fayence -Industrie im dritten Viertel des 
IS. Jahrhunderts nördlich der Flbe aufgeschwungen hatte. Auch sonst 
fand sich mehrfach Gelegenheit, Erzeugnisse der Stockelsdorffer und 
der Kieler Fayence-Fabrik anzukaufen, desgleichen Fayencen der 
Stadt Rendsburg. 

Im Uebrigen konnten einzelne Stücke den Gruppen der Fayence 
von Rouen und von Marseille (Fabrik der Veuve Perrin), eine 
Netzvase aus der Fa])rik von Münden in Hannover, ein Majohca- 
Teller mit süddeutschem Fainilieii-Wappen und ein gutes Beispiel der 
uns bisher ganz fehlenden „Terre d'Avignon" in Gestalt einer braun 
und grün glasirten, mit gepressten Verzierungen belegten Vexirkanne 
eingereiht werden. 

Unter den neuerworbenen Porzellanen ist hervorzuheben ein 
reich modellirter Saucenguss aus dem unlängst vereinzelten Service, 
welches zwischen 1730 und 1734 für den Fürsten Sulkowsky in der 
Meissener Manufactur ausgeführt und mit dem Sulkowsky-Stein'schen 
Heirathswappen bemalt wurde. Ferner eine etwas jüngere Suppenterrine 



Museum für Kunst und Gewerbe. 



XXI 



nebst üiiterscliüssel von jener feinen Art, deren aus dvv Tlionnuisse 
fietbrnite und eiselirte Ornamente dureli die dünne, durelisiclitige 
Ghisur zu seliünfster Geltung gebraelit werden, ohne dureli die nur 
spärlielie IJemalung mit iStreublümchen und kleinen farbigen Wappen 
in ihrer Wirkung geschmälert zu werden. 

Plastische Arbeiten aus Porzellan, an denen es der Sannnlung 
noch allzusehr mangelt, konnten leider nur in geringer Zahl, ohne her- 
vorragende Bedeutung erworben werden. Auch für die keramischen 
Erzeugnisse des Orients standen keine Mittel zur Verfüouno:. 



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Thoil eines aUkopti-sclion Umliaugtuehes mit Ziorstück und Borde aus einge- 
wirkter Wolle ; die acht spitzen Blätter der Rosette dunkel-violett mit gelbem 
Auge, die eckigen Muster zwischen diesen Blättern rotli, grün und gelb. Die 
Einfassung des Achtecks dunkel-violett mit gelben Augen. Borde dunkel- 
violett mit einem Mittelstreifen in zweierlei Gelb, .i.— 7. Jcihrhund(n-t. Breite 
dos Ziorstückos "JHcrn. 



An dritter Stelle treuen wir die Textil - Arbeiten mit 
zusammen .4 ^917/)'^, wovon über zwei Dritttheile dem Ankauf einer 
etwa fünfzig Nunnnern zählenden 8ainnilunir von Oewandresten 



XXII Museum für Kunst und Gewcrlje. 

aus küptischcu Grä.l)ci-u des 4. Ins 8. Jalirliuiiderts unserer Zeit- 
rechnung zu gute kamen. Angeregt durch Muthmassungen des Wiener 
Orientalisten Prof. Dr. Karabaczek hatte vor noch nicht 10 Jahren der 
Wiener Kaufmann Herr Theodor Graf die Griechen- und Eömergräher 
der christlichen Zeit Aegyptens durchforscht und damit den Schleier 
gelüftet, Avelcher bis dahin die textile Kunst des Alterthunis vor unseren 
iVugen verborgen hatte. Auch unter der Herrschai't des Christenthums 
hatte sich der altägyptische Brauch der Mumihcirung der Leichen er- 
halten. Man bekleidete den Verstorbenen nach der üblichen Waschung 
und Salljung mit den reichsten Gewändern , die ihm im Leben zur 
Auszeichnung gedient hatten, legte ihn auf ein Brett und umwickelte 
dieses und den darauf ausgestreckten, mit gekörntem Salpeter bestreuten 
Leichnam mit Leintüchern und Binden, oder man legte die Gewänder 
auf den zuvor mit Binden umwickelten Todten und fuhr daim mit dem 
Umwickeln fort. Der heisse, ausdorrende Wüstensand, in welchem die 
Bestattung stattfand, vollendete die Mumificirung des Körpers und 
bewahrte, die mit diesem bestatteten GeAvebe und Stickereien durch 
anderthallj Jahrtausende, oft in vollendetster Erhaltung mit völliger 
Frische ihre ursprünglichen Farben. Diese zuerst von Graf entdeckten, 
von ihm dem Oesterreichischen Museum für Kunst und Industrie ülier- 
lassenen textüen Arbeiten aus einer Zeit, aus welcher sonst nur äusserst 
spärliche Gewebereste auf uns gekommen sind, gehören der Hauptsache 
nach der Cultur der christlichen Kopten an; einerseits haben sich in 
ihnen viele Motive der römischen Zierkunst erhalten, oft und sogar 
meistens ohne deutliches Eindringen christlicher Motive; anderseits 
weisen Einzelheiten, insbesondere Inschriften auf den Einfluss der 
mohammedanischen Araber, welche bereits im 7. Jahrhundert von den 
eutychianischen Christen Aegyptens zum Beistand gegen die bis dahin 
dort herrschend gewesenen byzantinischen, nicht der Lehre des Eutyches 
von der Einheit der göttlichen Natur Christi folgenden Christen herbei- 
gerufen waren und das Nilland rasch erobert hatten. 

Nach den Entdeckungen Grafs sind Andere seinen Spuren 
gefolgt, darunter der um die Kenntniss der mittelalterlichen Textil- 
Kunst seit langen Jahren hochverdiente Dr. Franz Bock Avelcher 
koptische Gewebe in Massen herbeischaffte und davon auch unserer 
Anstalt eine kleine Sammlung überliess, welche ein gutes Bild sowohl 
der wichtigsten Ziermotive, wie der bemerkenswerthesten Techniken der 
koptischen Webe- und Stickerkunst darbietet. 

Die in unseren Besitz gelangten Reste sind kleinere oder grössere 
Theile von Umhangtüchern, welche dem Lebenden als mantelartige 
Kleidungsstücke, dem Bestatteten als Todtentücher dienten, Borten, 



Museum liir Kunst und Ge\verl)L'. 



XXIII 




M 



^i^'^/a^^'^ 




: i -^ 

lUattförmiges Zierstück in Haute- 
lisse-Weberei aus violetter Wolle 
eingewebt iu den Leiuengrund eines 
Umliaugtuclies ; die weissen Adern 
eingestickt. Breite des Blattes — cm. 
Altlioptisch. .5.-7. Jalirlidt. 



Streifen und Zier«tücke vun leinenen 
Tuniken, Stolen und anderen Ge- 
wändern. Viele der Zierstücke sind 
tlieils aus farbiger Wolle in die an 
der betreffenden Stelle ohne Ein- 
scbuss belassene Kette des Leinen- 
geAvebes gobelin- artig eingeÜoeliten, 
theils für sich gearl)eitet und dem 
Leinen des Gewandes aufgenäht. Diese 
quadratischen oder kreisförmigen Be- 
satzstücke entsprechen nach Kara- 
baczek's Erklärung dem in der rö- 
mischen Kaiserzeit von hochgestellten 
Würdenträgern, Senatoren, Kriegstri- 
l)unen und Rittern auf ihren Tuniken 
und Mänteln getragenen, später als 
Modeabzeichen beibehaltenen Rang- 
abzeichen, dem grossen latus clavus 
der Senatoren, dem angustus clavus 
der Ritter, von denen jener einfach 
schief über die ganze 15 reite der 
Brust geheftet, dieser doppelt auf 
der linken und rechten Brustseite 
neben den von den Schultern spangen- 
artig herabsteigenden Zierstreifen aiigel)raclit wurde. In anderen Fällen 
kommen dergleichen Abzeichen als Achselschmuck vor, unseren Epau- 
letten vergleichbar. Die Zierstreifen waren meist so angebracht, dass 
sie von jeder Schulter zum vorderen und hinteren Saume des Gewandes 
parallel herabliefen, wie solches an einem vollständig erhaltenen Ge- 
wände, einer frühchristlichen Stola unserer Sammlung zu sehen ist. 
Dieselbe hat die Gestalt eines langen, in der Mitte mit einer Oeffming 
für den Kopf versehenen Rechteckes, welches der ganzen Länge nach 
von zwei aus dunkler Purpurwolle eingewirkten parallelen Zierstreifen 
durchzogen ist. Letztere zeigen vom Saume aufsteigendes Rankenwerk mit 
nackten Menschengestalten und Thieren, welche an spätröinisches Orna- 
ment erinnern und in ihrer Mitte, den Schultern entsprechend, je durch 
ein aus gelber Wolle eingewirktes gleicharmiges, koptisches Kreuz unter- 
brochen werden. In der Traclit des christlichen Klerus leisten sich diese 
Streifen s])äter von dem priesterlichen Gewände, dem sie als auszeichnende 
Zierde gedient hatten, völlig ab und wurden als l)andartig um den Hals 
gelegte, vorn beiderseits herabhangende, durch eingestickte Kreuze 



XXIV Museum für Kunst und Gewerbe. 

bedeutsiiin gescliniückte 8tolu zu uiiium IJustandtlieil tler liturgisch en 
Tracht des kathohscheu Priesters. 

Wie hinsichtlich der Tracht der frühchristlichen Zeit, so l)ietet 
unsere klehie Sammlung auch hinsichtlicli der Eohstoffe, der Farben, 
insbesondere der verschiedenen Arten des rur])urs, der Flächenmnsterung 
im Allgemeinen, des Absterbens der antiken l''ormen, des Kindringens 
christlicher Motive in den Fornienschatz, der Vorläufer der arabischen 
Flachmuster mit ihren 13andverschlingungen und geometrischen Linien- 
spielen, lehrreichen Anschauungsstoff. Bewundernswerth ist bei nnmchen 
Stücken die Erhaltung der Fail)en. am sclu'nisten an einer mit mehr- 
farbigen Akanthusranken, Masken und Thieren auf schwarzem (irunde, 
in noch völlig antiker Weise verzierten (lobelin-Borde, welclie Herr 
Maler Ocder in Düsseldorf unserer Sannidung geschenkt hat. 

Weitere Einzelheiten müssen dem illustrirten Führer vorbehalten 
Ideiben. Hier sei nur nocli erwähnt, dass der von der Commission 
l)erathene Ankauf der Hauptsammlung des Dr. Bock mit ihren Reihen 
völlig erhaltener Gewänder der frühchristlichen Zeit nicht zum Abschluss 
gebracht werden konnte, weil die auf das jeweilige Budget beschränkten 
regelmässigen Ankaufsmittel der Anstalt einen Kauf von so hohem 
lUdaufe nicht gestatteten, ausserordentliche Mittel, wie wir sie in 
früheren Jahren letzwilligen Verfügungen patriotischer Mitbürger ver- 
dankten, nicht mehr zur Verfügung standen, ein Aufruf zu jirivaten 
Beiträgen aber angesichts der Schwierigkeit, die anzukaufende Sannn- 
lung hier auszustellen, aussichtslos erschien. 

Ausser den koptischen (Jeweben wurden noch einige gute Muster 
italienischer Seidengewel)e des späteren Mittelalters angekauft. Der 
Vervollständigung der textilen Abtheilung, welche bisher nicht genügend 
berücksichtigt werden konnte, sollen im Jahre 1888 die Mittel der 
Anstalt vorwiegend zugewendet werden. 

Aus den kleineren Ankäufen für die textile Abtheilung ist eine 
bis dahin unserer Beobachtung entgangene Besonderheit bäuerlichen 
Ursprunges hervorzuheben: die Namenstickereien auf den lei- 
nenen Taschentüchern der Altenlände rinnen. p]inmal an's 
Licht gezogen, konnte gleich eine ganze Eeihe dieser mit rother Seide 
in feinstem Kreuzstich auf gezähltem Faden ausgeführten Stickereien, 
zumeist aus dem letzten Viertel des 1 8. Jahrhunderts erworben werden. 
Die in eine Ecke des Taschentuches gestickten Verzierungen zeigen 
neben den Jahreszahlen, den Anfangsbuchstaben oder den vollen Namen 
der Eigenthümerinnen die bekannten Haui)tmotive der bäuerlichen 
Ornamentik unserer Gegend, die Herzen, die Kronen, die schnäbelnden 
Tauben, die Engel, Motive, deren Ursprung wohl auf die in vielen 



Museum für Knust uud Gewerbe. XXV 

Familien lange bewahrten Hochzeitsmedaillen von Anfang des 17. Jahr- 
hunderts zurückzuführen sind. Ferner einige biblische Motive, die 
auch auf getriebenen Messingschüsseln häutig vorkommenden Kundschafter 
Josuah's mit der Eiesentraube, und das Leiden Christi ; Hirsche, in 
welchen eine äusserliche Erinnerung an die in der altchristlichen Sym- 
bolik so häutige Darstellung in Bezug auf den Psalm von der nach dem 
göttlichen Heile wie der Hirsch nach dem Quell dürstenden Menschenseele 
fortlel)en mag; endlich Schilfe. Frauen am Brunnen, Hofthore, in denen 
man unschwer dem eigenen Lcl)en der Altenländer entlehnte Motive 
wiederfindet. Bei besonders prächtigen Tüchern sind der rothen Seide 
jNIetallfäden eingestickt, und für die Trauer l)estimmte sind ganz 
schwarz bestickt. 

Die vierte Stelle unter den Ankäufen nehmen die japanischen 
Schwerdtzierrathcn mit .4 -"^43,22 ein. Ueber den Plan und die 
l>edeutung dieser in ihrer Art und Anlage einzigen Sammlung kann 
auf das in früheren Berichten Mitgetheilte verwiesen werden. Mit 
Schluss des Jahres 1887 w^aren bereits gegen 90U Nummern zur Schau 
gestellt, welche sich in 21 flachen, theils hängenden, theils liegenden 
Schaukästen auf dunkelrothem Sammetgrund in folgenden (Jruppen 
darboten: 1) Chrysanthemum. 2) jap. Kirschbaum, Prunus Sakura. 
:>) jap. Pflanndiaum, Prunus Älume. 4) Kiefern, Ahorn. Kiri und 
andere Bäume. f)) Vegetationsgruppen und verschiedene l)lühende 
Pflanzen, (i) Früchti' (Obst, Hidsenfrüchte , Kürbisse). 7) Bambus 
und Halmfrüchte (Reis, Hirse etc.). 8) Iris, Orchideen und verschiedene 
l)lühende Pflanzen. 0) Hühner, Fasanen, Gänse, Enten. 10) Kraniche 
und Reiher. 11) Sp(n-linge und kleine Vögel. 12) Mythische Thiere 
(Drachen. Foho-Vogel etc.). 1 ?>) Thiere des Thierkreises, insbesondere 
Pferd. Tiger, Affe. 14) Hund. Katze. Mäuse, Wolf, Fuchs, Hase, 
Eichhörnchen etc. 1;')) Fische. 10) Schlangen, Eidechsen, Frösche, 
Mollusken 17) Geometrische Flachornamente und Inschriften, l^) Budd- 
histische Gottheiten und taoistische Sennin, chinesische Weise. 10) Die 
sieben Glücksgötter. 20) (iestalten des japanischen Sonnenmythus, des 
Sagenkreises von Yoshitsune und Denke, vom Drachentcidter Hidesato. 
21) Landschaftsbilder und die grossen Feste der Jahreszeiten. Jedem 
dieser Schaukasten ist ein gedrucktes Placat beigegeben, welches die 
nothwendigsten Erläuterungen des Inhaltes darbietet. Hiebei ist. dem 
Grundplane der Samndung gemäss, zunächst das Verständniss der 
Natur- oderCultur-Motive in's Auge gefasst. Bezüglich der technischen und 
kunstgeschichtlichen Erklärungen muss das zum vollen Verständniss dieser 
Samndung Erforderliche dem im Druck belindlichen illustrirten Fidn-er 
durch unsere Sannnlungen vorbehalten bleiben. Mit einiucn erffänzenden 



XXVI Museum für Kunst und Gewerbe, 

Gruppen (/. B. Raiil)vögel, häusliches Leben, Geräthe Waffen, Volks- 
Märchen, Wappen), welche dem folgenden Jahre vorbehalten ^bleiben, 
wird diese Sammlang zu einem vorläufigen Abschluss gelangt sein, 
soweit von einem solchen Angesichts des unvergleichlichen Reichthums 
der japanischen Kunstmotive die Rede sein kann. Sehr erwünscht 
wäre es, wenn die vielen Freunde, welche der Gedanke, eine derartige 
Sammlung anzulegen, in Hamburg gefunden hat, ihre Theilnahme für 
denselben ebenso wirkungsvoll, wie für die Anfänge seiner Ausführung, 
so auch für die Vollendung und Ahrundung des Werkes bethätigen 
wollten. Lange wird die Vermehrung unserer japanischen Sammlung 
mit verhältnismäßig geringen Mitteln nicht mehr möglich sein, da die 
Zuflüsse mehr und mehr von den Amerikanern in ihre mit ungeheuren 
Mitteln arbeitenden Museen und grossen Privatansammlungen abge- 
leitet werden. 

An vierter Stelle finden wir dieses Jahr die Ai'beiten aus unedlen 
Metallen, mit Ji 1893,55 bedacht. Dieser Betrag ist zum grössten 
Theil dem Ankauf einer schönen zinnernen Schüssel nebst Kanne aus 
dem Jahre Ulli zu Gute gekommen, welche bis vor Kurzem in der 
Kirche von Unterreichenbach bei Schwabach unweit Nürnberg's als 
Taufgeschirr gedient haben. Ursiirünglich waren diese und ähnliche 
Gefässe für weltlichen Gebrauch bestimmt Bei unseren Stücken, welche 
den der Lorenzer Kirche zu Nürnberg gehih-igen gleichen, erinnert an 
einen kirchlichen Zweck nur das in den Buckel der Schüssel an Stelle 
der „Temi)erantia" anderer Abgüsse eingelassene Relief der Mutter- 
gottes mit dem die Weltkugel tragenden Jesuskinde in einer Glorie 
von Engeln. Alle übrigen, vom erhaben gekörnten Grunde sich al)- 
hebenden Reliefs sind weltlichen Inhalts. Der innere, den Buckel 
umkreisende Fries zeigt Mars als den Vertreter des Feuers, Merkur 
für die Luft, eine Quelhiymphe für das Wasser und Ceres für die 
Erde; dazwischen in den Ornamenten sinnvolle Anspielungen auf die 
vier Elemente. Der schmälere Randfries enthält acht in Landschaften 
ruhende Frauengestalten als Vertreterinnen der sieben freien Künste: 
Astrologie, Geometrie, Arithmetik, Musik, Rhetorik, Dialektik, Gram- 
matik und ihre Beschützerin Minerva. Die grottesken Ornamente in 
den Zwischenräumen deuten wieder auf die Elemente. Die zugehörige 
schön geformte Henkelkanne zeigt in dem mittleren Fries allegorische 
Gestalten der Welttheile Amerika, Afrika, Europa; darüber drei kleinere 
Allegorien des Winters, Frühlings und Herbstes. — Auf dem Bilde 
der Geometrie ist neben der Jahrzahl IGll ein C. E. zu lesen, welches 
durch das auf der Unterseite des Buckels eingesetzte medaillenartige 
Bildniss mit der Umschrift Casbar Enderlein sculpebat erklärt 



Museum für Kunst und Ge\verl)e. 



XXVII 



wild. Danach war dieser berülimteste der Nürnberger Zinnkünstler 
der Vertertiger der Formen zu unseren Taufgeschirren, der Nürnberger 
Zinnstempel trägt jedoch nicht seine Marke, sondern die Buchstaben eines 
Meisters N. H. Dass Enderlein zugleich der künstlerische Urheber der 
schönen Ornamente der von ihm geschnittenen Form gewesen, ist zu 
bestreiten, da gleiche Schüsseln (mit der „Temperantia") vorkommen, 
auf welchen sich der Franzose Frangois Briot, der gleich Enderlein 
von Geburt ein Schweizer war, aber vor jenem lebte, als Formsclmeider 
nennt. Obwohl französischerseits diese Frage zu Gunsten Briefs ent- 
schieden worden, scheint sie doch noch nicht nach allen Richtungen 
spruchreif. Sicher aber ist, dass die Zinngefässe dieser Art als solche 
ihren eigenen Zweck und nicht denjenigen hatten, als Modelle für 
Silberarbeiten zu dienen. 

Weiter wurden einige japanische Bronzen angekauft, darunter die 

schöne S. XXXV abgebildete Vase in Gestalt einer Blüthe der Magnolia. 

An fünfter Stelle 






i 



stehen die Leder a r- 
beiten mit J^ 1470. 
darunter als kost- 
barstes Stück eine ,V- 
runde Holzbüchse . '^ 
welche mit rotliem ; 
Leder überzogen i;st. X ' ' 
dessen fein gesclmit 
tene, noch an gotlii- 
sehe Motive erinnern - 
deBlumenrankensicli ' 
von einem mit sehi' ^ 
feinen Perlpunzen <^ 
zart gekörntem Grun- 
de abheben, eine ita- 
lienische Arbeit wohl 
noch des 15. Jahr- 
hunderts. Sodann 

eine türkische Handchrift des Koran in einem schön gepressten Leder- 
einband derselben Entstehungszeit, wie der im vorigen Bericht be- 
schriebene Band mit den Dichtungen Sultan Soliman II. 

Aus den übrigen Abtheilungen ist nur noch das Schmiede- 
eisen, für welches ./^ llOo verausgabt wurden, hervorzuheben. Ausser 
einigen vortrefflichen, in Nürnberg erworlienen schmiedeeisernen Angel- 
bändern des If). Jahrhunderts wurde der hier abgebildete mitteldeutsche 




Hölzerne Büchse, überzogeu mit geschnittenem, ge- 
triebenem und feingepunztem rothen Lcder. Italien. 
15.— 16. Jahrhdt. Höhe 9'/? cm. 



XXVIII Muwemii für Kunst uinl Gewcrlie. 

Kirclienleucliter aus dem 17. Jahrhundert eingereiht. Derselbe trägt 
E,este seiner ursprünghehen Benialung in Blau, Roth, Weiss, Grün und 
Gold wie solches an der neben dem Leuchter ausgestellten Al)l)il(lung 
deutlicher zu sehen ist. 

Unter den Gruppen „Verschiedene Techniken" ist dieses 
Mal ausnahmsweise eine Drehbank verrechnet. Kauft das Museum 
auch im Allgemeinen keine Maschinen und Werkzeuge, so wurde hier 
eine Ausnahme gemacht, da es sich um eine dem Ende des 18. Jahr- 
hunderts angehörige Drehbank handelte, bei welcher sich sämmtliche 
Vorkehrungen und Versatzstücke befanden, welche die Herstellung der im 
17. und 18. Jahrhundert so beliebten Passig-Dreharbeiten erklären. 
Zu der Gruppirung der Ankäufe nach ihrer geschichtlichen Zu- 
sammengehörigkeit ist nur wenig zu bemerken. Die koptischen Ankäufe 
erklären, dass hier zum ersten Mal eine frühmittelalterliche Grupp(> 
auftritt. Das 16. Jahrhundert steht obenan, weil demselben sowohl das 
.Rendsburger Getäfel, wohl eine Arbeit noch des letzten Jahrzehnts des 
Jalu'hunderts, Avie die Enderlein'schen Zinngefässe zugezählt sind, letztere 
deswegen, weil sie, obwohl von 1611 datirt, auf ein älteres Modell zurück- 
zuführen sind. Dem 18. Jahrhundert kamen der Stockelsdortt'er Ofen 
und die oben erwähnten Meissener Porzellane zu gute. Unter den 
neuzeitigen Arbeiten ist eine stattliche Gartenvase hervorzuheben, 
welche die hiesige Thonwaarenfabrik \onA. Spiermann & Wesseltj nacli 
C. Börner's Modell angefertigt und in der vorjährigen Weihnachts- 
Ausstellung vorgeführt hatte. 
AiiiViieiiuii-s- Mit der Dichtung der Schauschränke, über welche im vorigen 

Aii.citcu. j;,iire berichtet worden, wurde im Jahre 1887 fortgefahren und die 
damit verbundene Neuordnung des Inhaltes sämmtlicher Schauschränke 
ihrer Vollendung entgegengeführt. Die Aufstellung des grössten Theiles 
der Sammlung japanischer Metallarbeiten in dem früher mit Bau- 
schlosserarbeiten besetzten Gange hnks vom Haupteingang wurde 
nahezu vollendet. In dem Zimmer links vom Haupteingang wurden 
der oben erwähnte Stockelsdorffer Ofen und vier alte hamburgische 
Oefen, zum Theil schon ältere Erwerbungen, aufgebaut. Der älteste 
dieser Oefen kennzeichnet sich durch seinen schlichten, wenig gegliederten 
Aufbau, das schmale Kachelband zwischen den Reihen der grossen 
Kacheln des Unterbaues und die ein schweres Gesims tragenden Baluster 
des Oberbaues als vor der Blüthezeit der hamburgischen Ofentöpferei 
entstanden. Dafür al)er, dass auch er aus einer hiesigen Werkstatt 
hervorgegangen, spricht das auf dem Krug des Satyrs in einem der 
Kachelbilder angebrachte, aus einem H. D. Hs. zusammengesetzte 
Monogramm, welches auf den hamburgischen Töpfer Heyming Detlef 
Hennings liinweist. Ein Töpfer dieses Namens war im Jahre 1697 



Museum für Kunst und Gewerbe. XXIX 

Meister; sein Werk mag dieser Ofen sein, nicht dasjenige des jüngeren 
Meisters gleichen Namens, welcher im Jahre 1752 Aeltermann des 
hamburgischen Töpferamts war und sich als Verfertiger unseres schönen 
Ofens mit neutestamenthchen Bildern nach Stichen des Goltzius genannt 
hat. Schon im Jahre 1662 kommt hier ein Töpfer Namens Jürgen 
Hennyges vor, 35 Jahre später ausser jenem Henning Detlef Qm Heinrich 
Hennings und ein Jürgen Hennings. 

In dem zweiten Ofenzimmer fand auch der gusseiserne Ofen mit 
dem geschnitzten Ofenheck, welche zu unserer reichgetäfelten Bauern- 
stube aus der Wilstermarsch gehören, sowie ein Eckschrank aus dem- 
selben Zimmer mit der Jahreszahl 1740 zeitweilige Aufstellung. Diese 
Getäfel selbst mit der ganzen Einrichtung aufzustellen, fehlt es uns 
an geeigneten Räumen, wie denn auch unser herrliches Louis XVI. 
Getäfel noch in seiner provisorischen, der guten Erhaltung dieses kost- 
barsten Stückes unserer Sammlungen keineswegs förderlichen Aufstellung 
verharren muss, und das Eendslnu'ger Zimmer aus dem Besitz Mag- 
niissen's gleichfalls nur provisorische Aufstellung im Gange gleich links 
vor dem Schrank der neuen ErAverbungcn linden konnte, Angesichts 
dieser räumliehen Schwierigkeiten haben wir schon manche Gelegenheit 
zum Ankauf von Zimmertäfelungen unbenutzt verstreichen lassen müssen. 
Die Einrichtung vollständiger alter Zimmer -Einrichtungen der ver- 
schiedenen Stile vom Ende des Mittelalters bis zum Beginn des 
19. Jalirhunderts, mit ihren Getäfehi, ihren Möbeln und allem Zubehör 
des Hausrathes stand l)ekanntlich von Anbeginn an auf unserem Pro- 
gramm, ohne dass die Verwirklichung auch nur in einem Falle bis 
jetzt nn'igiich gewesen wäre. Nur An- oder Umbauten unserer jetzigen, 
im Uebrigen der lehrreichen Entfaltung unserer Sammlungen durchaus 
förderlichen Räume k()nnen diesem Mangel dereinst abhelfen. 

Mit der verbesserten Aufstellung der Sammlungen wurden auch 
in den meisten Abtheilungen photographische oder andere Abbildungen 
zur Schau gehängt, um unsere Altsachen in stilgeschichtlicher Hinsicht 
zu ergänzen. So wurden z. B. am Eingang in das erste Eisenzimmer 
monumentale Schmiedewerke Italiens (Scaliger -Denkmal zu Verona, 
Fahnenhalter von der Piazza Postierla zu Siena, Hauslaterne vom 
Palazzo Strozzi). im zweiten Eisenzimmer dem 17. und 18. Jahrhundert 
entstammende Arl)eiten (Brunneid)al(lacliin aus Prag, Kai)ellengitter im 
Dom zu Lübeck), in Bildern vorgeführt. Unweit der bronzenen Thür- 
klopfer, welche das Museum der Averhoff'schen Stiftung verdankt, die 
ehernen Pforten Ghiberti's zu Florenz mit ihren wundervollen natura- 
listischen Laubgewinden, in denen die bei Kirchenfesten um die Pforten 
gelegten, unten in Gefässen stehenden und mit Laub, lUnmen und 
Früchten umbundenen Rampen momimental gestaltet sind. l''aluien- 

(1 



XXX Museum für Kunst und Gewerbe. 

halter vor der Markusldrche zu Venedig; eherne Mauerringe zum 
Anljinden der Pferde und zum Befestigen der Fackeln am Palazzo 
del Magnifico zu Siena, Neben den Majoliken zahlreiche Photographien 
von Meisterwerken der in der Sammlung noch nicht vertretenen Fayence- 
Plastik aus der Schule der Eobhia's, u. A. der Fries vom Hospital 
zu Pistoja mit den von Ordensleuten geübten Werken der Barmherzigkeit; 
die Medaillons von Wickclkindern, welche Andrea della Robina für 
das „Haus der unschuldigen Kindlein" zu Florenz geschaffen hat; der 
Sakristei -Brunnen von S. Maria novella mit Guirlanden tragenden 
Putten und einer in das Halbrund gemalten Landschaft. Weiter neben 
den persisch-mittelalterlichen Wandfliesen mit metallischem Glanz Ab- 
l)ildungen der berühmten Alluunbra- Vasen zu Granada; neben den 
weichen Sevres - Porzellanen und den weiss-blauen Jasper -Reliefs von 
J. Wedgwood Photographien kostbarer, mit gemalten Sevres -Platten 
und englischen Reliefs geschmückter Möbel aus dem Madrider Kihiigs- 
schlosse ; neben unseren wenigen Elfenbeinschnitzwerken Ansichten des 
im bayerischen National-Museum bewabrten elfenbeinernen Münzschreins, 
Avelchen Angermacher im Jahre 1();24 für die Herzogin P^lisabetli von 
Bayern geschnitzt hat. 

Um den Schmuck unserer Lan(lbevr)lk('rung verstündliclier zu 
machen und in seiner Beziehung zu den alten Volkstrachten zu ver- 
anschaulichen, wurden zunächst zwei von IJernhard Mörlins gemalte 
Aquarelle eines alten Vierländer Bauern und einer jungen Vierländerin, 
sowie ein von C, Schildt gemaltes Aquarell einer Altenländerin im 
Kirchgangsstaat erworben und neben den Schaukasten mit dem Schmuck 
dieser Landschaften ausgehängt. Li ähnlicher Weise sollen auch andere 
Abtheilungen der Sammlung, die Gewebe, Stickereien und Spitzen durch 
Trachtenbilder, die alten Möbel durch alte Stiche mit belebten Literieurs, 
die japanischen Brorjzen und Korbflechtarlieiten durch Bilder von Blumen- 
aufziei'ungen in japanischem Geschniack dem eulturgeschichtlichen Ver- 
ständniss näher gebraclit werden. 

Die Vorträge. 

Ln Winterhalbjahr 1887 — 88 hielt der Director Dr. Brinckmann 
zwei Reihen von Vorträgen, 

Die einen dieser Vorträge, ausschliesshch für Gewerb treibende, 
Künstler, Lehrer oder Sammler bestinnnt, wurden an den Sonntags- 
Vormittagen von 11 — 12 Uhr gehalten und gaben den Theilnehmern 
Gelegenheit, sich sowohl mit bestimmten Abtheilungen der Sammlung, 
wie mit der betreffenden Literatur eingehender zu beschäftigen, auch 
durch Zwischenfragen vnid den Versuch eigener Erklärungen das Ver- 
ständniss der behandelten Fragen zu vertiefen. Um die Wahl der 



Museum für Kunst und Gewerbe. XXXI 

Gegenstände tliunliclist dem Beruf und den Kenntnissen der Theil- 
nehmer anzupassen, gab der Director denselben Gelegenheit, einzeln 
ihre Wünsche zu äussern und stellte danach ein Programm zusammen, 
von welchem bis zum 1. April des Jahres 1888 folgende Themata 
durchgesprochen waren: Ausbildung der Gebrauchsmöbel des gothischen 
Stiles mit besonderer Kücksicht auf die aus der Holztechnik sich er- 
gebenden Motive im Gegensatz zu den der Baukunst entnommenen 
Motiven. — Die Sitzmöbel in ihrer geschichthchen Entwickelung bis 
zu den Formen unserer Zeit. — Innen -Decorationen, insbesondere 
Wandgetäfel und Plafonds im Stil der deutschen Renaissance, mit 
Berücksichtigung ihrer Unterschiede von denjenigen der französischen 
Renaissance. — Möbel des 17, Jahrhunderts in Nord -Deutschland, 
unter Ijesonderer Rücksicht auf den niederländischen Einliuss. — • 
Begriffsbestimmung des Barock- und Roccoco-Stiles und Untersuchung 
ihres Einflusses auf unsere neuzeitige Kunst -Industrie. — Geschichte 
des Bettes mit besonderer Berücksichtigung der Tapezier-Arbeiten. — 
Das abendländische Küchengeräth aus Metall vom Alterthum bis zur 
Neuzeit. — Die venetianischen Gläser. — Dem .Zwecke dieser theils 
im Bureau des Directors, theils in verschiedenen, jeweihg abgesperrten 
Zimmern der Sammlung gehaltenen Vorträge entsprechend IjHeb die 
Zahl der Theilnehmer auf 25 beschränkt. 

Die anderen, ausschliesslich für Damen bestimmten Vorträge an 
den Montags-Nachmittagen von 2'/2 bis 3'/2 Uhr behandelten in zwang- 
loser Abwechselung Gegenstände der textilen und der keramischen Kunst. 
Von ersteren wurden besprochen die Gewebe und Stickereien aus den 
koptischen Gräberfunden, die Weberei der sicilianischen Muhammedaner 
und ihre späteren Nachahmungen mit besonderer Rücksicht auf das 
Krönungsornat der deutschen Kaiser, die liturgischen Gewänder des 
christlichen Mittelalters, die Stickerei im Allgemeinen und im Hinblick 
auf die Stilgesetze des Kreuzstiches und des Plattstiches, die Herstellung 
und Gescliichte der Bildteppiche (Hautelisse- und Basselisse -Teppiche, 
Gobelins). Von keramischen Gegenständen wurden besprochen die 
Majoliken, die Delfter und Rouener Fayencen, das orientalische Por- 
zellan, das deutsche Steinzeug, die deutschen Hart-Porzellane, ins- 
besondere von Meissen, die französischen Weich-Porzellane, insbesondere 
von Sevres, die englischen Töpferarbeiten, insbesondere diejenigen Josiah 
Wedgwood's, die Porzellan-Plastik des 18. Jahrhunderts. Da auch bei 
diesen Vorträgen die Einführung in das intimere Verständniss der 
Sammlung Haui)tzweck war, wurden sie in den verschiedenen Räumen 
abgehalten, welche mit den jeweihg besprochenen Altsachen besetzt 
sind. Des beschränkten Raumes wegen konnten nicht mehr als 60 bis 
70 Zuhörerinnen zugelassen werden. 



X^XJJ Museum für Kunst und Gewerbe. 

Die Kiiirichtuiig eines besonclereii, nur Vortragszwecken dienenden, 
etwa 100 — 150 Zuhörer fassenden Baumes wird sich mit dem An- 
wachsen der Sammhingen mehr und mehr als Nothwendigkeit erweisen, 
da die zu gemeinsamer Benutzung durch die diei im Museumsgehäude 
vereinigten Anstalten angCAviesene Aula dem Bedürfnisse nur unvoll- 
kommen ents])richt, theils wegen der die rechtzeitige Ausstellung der 
Anschauungsgegenstände beeinträchtigenden Mitl)enutzung durch das 
Real-Gymnasium, theils wegen ihrer Lage im ersten Stock aussei'halb 
der Museumsräume, theils wegen ihrer akustischen Verhältnisse, welche 
ihre Benutzung zu Vorträgen nur dann gestatten, wenn letztere auf 
zwei- bis dreihundert Zuhörer berechnet sind, wie solches z. B. mit 
den vor einigen Jahren vom Director gehaltenen Vorträgen über Japan 
der Fall war. Im Allgemeinen werden sich Vorträge für einen be- 
schränkten Zuhörerkreis deswegen nützlicher erweisen, weil sie sowohl 
mehr auf die durchschnittliche Bildungsstufe oder den Beruf der Zu- 
hörer eingehen, wie auch denselben die so wichtige nähere Betrachtung 
des Anschauungsstoffes erleichtern können. 

Eine beiden Theilen Nutzen liringende nähere Beziehung des 
vor zwei Jahren durch die KunstgeAverbe-Abtheilung des (lewerbe- 
Vereins begründeten Kunstgew erbe -Vereins führte in Folge der 
Abhaltung der regelmässigen Versannnlungen desselben in der Aula 
des Museums einerseits dazu, dass häutig neuere, von ihren Entwerfern 
oder Verfertigern dem Vereine vorgefiUirte Kunstgewerbserzeugnisse 
nachher in der dauernden Ausstellung des Museums weiteren Kreisen 
gezeigt wurden, anderseits zu mehrfachen Besprechungen imd Vorträgen 
über neue Erwerbungen des Museums oder werthvolle Serien aus dem 
Besitze privater Sammler, bald durch letztere selbst, bald durch den 
Direktor, welcher Vorsitzender des Vereins ist. Mehrfach gelangten 
auch solche Serien nachträglich zur Ausstellung im Museum, so die 
Maler-Email- Arbeiten aus der Sammlung des Herrn H, Winckler und 
die Speisegeräthe aus dem Besitz des Herrn Jobs. Paul. 

Die dauernde Ausstellung neuer Arbeiten. 

Die dauernde Ausstellung neuer Arbeiten erfuhr durch die 
Einrichtung des rechts vom Haupteingange belegenen Ganges für die- 
selbe eine entschiedene Belebung. Ausser vielfachen Neuheiten ham- 
burgischen Ursprungs gelangten auch die Erzeugnisse einzelner grosser 
Werkstätten des deutschen Zollbinnenlandes zur Ausstellung. U. a. 
stellte aus Carl de Bouche in München ein Bildfenster mit einem 
Landsknechtszug, L. Blaschka in Dresden seine vorzüglichen Nach- 
bildungen von Meerthieren aus geblasenem und gesponnenem Glase, 
der hiesige Tapetenfaljrikant Friedrich Tode die von Franz Leffler in 



Museum für Kunst und Gewerbe. XXXUI 

Wien gemalten decorativen Kinderl)ikler nebst deren Farbendrncknaeli- 
bildungen aus der 8. CeezV/e? 'sehen Kunstanstalt in Wien, Frau Clina 
von Sivers , geb. Krüger in Kiel gemeinsam mit den Fräulein Eosa 
und Elisabeth Krüger decorative Blumen- und tigürliche Malereien, 
J. A. Eysser in Nürnberg Schränke mit eingelegten Arbeiten im 
Geschmack der süddeutschen Spätrenaissance und andere Mül)el nach 
alten Originalen in Nürnberger Museen, Ferdinand Malier in Quedlin- 
burg und die Brüder Kellner in Friedrichshafen kleinere Glasmalereien, 
H. Sauermann in Flensburg einen nach einem Original des Thaulow- 
Museums ausgeführten Cabinetschrank im Stil der niederländischen 
Renaissance, G. Triihner in Heidelberg getriebene Silbergefässe, Georg 
Leykauf in Nürnberg seine nach alten Mustern gearbeiteten Essbestecke, 
Robert Böhm ältere und neuere Korbflechtarbeiten aus der Koburger 
Gegend. Von hiesigen Kunsthandwerkern stellten aus : Georg Hulbe regel- 
mässig seine Neuheiten in getriebenem, geschnittenem und gepunztem 
Leder, Hendrik Schulze seine Lederarbeiten derselben Technik, A. Spier- 
mann & Wessely ihre neuesten Fayencen, Gäth & Peine die in ihrer 
Stickerei-Anstalt ausgeführten Fahnen und Banner der hiesigen Lnumgen 
und Vereine, J. R. Loose seine neuesten farbigen und gebrannten Holz- 
Intarsien und eingelegten Metallar1)eiten für Möbel, der Architekt 
W. Voigt seine Kabinetglasraalereien, der Bildhauer Fr. Rampendahl jr. 
seine Thonstatuetten, zumeist hamburgische Strassenliguren, 0. F. Walther 
seine geätzten Spiegelglasscheiben, Bildhauer Karl Stendler seine be- 
malten Rococo-Schnitzereien, der Buchbindermeister Rudolf Frank die 
von ihm erfundene, in der Wieland'schen Maschinenfabrik (Inhaber 
W. F. Zipperling) ausgeführte und vor zahlreichen Berufsgenossen 
wiederholt in Thätigkeit gezeigte Fadenlieftmaschine, L. Martin Eiffe 
seine Entwürfe für Grabdenkmäler, H. C. H. Wrba jr. seine nach 
eigenen Modellen in Bronze gegossenen Kandelaber, Leuchter und 
Toilettesj)iegel, Fräulein A. und E. Reitz die in ihrem neu eingerichteten 
Kunststickereigeschäft angefangenen und ausgeführten Handarbeiten. 
Um die Osterzeit stellten mehrere hiesige Innungen — die Tischler, 
die Schlosser, die Schuhmacher — die Arbeiten der bei den Innungs- 
meistern auslernenden Lehrlinge aus. Desgleichen die Fachschule der 
Malergehülfen ihre Gehülfen- und Lehrlingsarbeiten. 

Die Veranstaltung grösserer Ausstellungen, wie solche in früheren 
Jahren des öfteren unter dem Zuspruch vieler Tausende von Besuchern 
veranstaltet worden waren, erwies sich in Folge des Anwachsens der 
Sammlungen l)is zur Füllung aller Räume als unausführ])ar. Aus dem- 
selben Grunde musste auch von der Wiederholung einer kunstgewerb- 
lichen Weinachts-Ausstellung in den Räumen der Anstalt abgesehen 
werden. Die Veranstaltunc; einer solchen Ausstellung in anderen 



XXXIV Museum für Kunst und Gewerbe. 

Räumen unterblieb, um alle Kräfte für eine glänzende Beschickung 
der für das Jahr 188!), den ersten Sommer nach dem Eintritt Hamburgs 
in den Zollverband des Deutschen Reiches, geplanten grossen Ausstellung 
zu schonen. 

Der Besuch und die Benutzung der Anstalt. 

Der Besuch der Sammlungen stellte sich während des Jahres 
1887 folgendermassen : 

Januar 8 838 

Februar 5 590 

März 7 59(1 

x\pril 12 302 

Mai 5 667 

Juni 3 953 

Juli 4 992 

August 5 912 

September . 6 292 

October 7 065 

November . 5 981 

December 5 203 



79 391 Personen, 
wovon 38 666 auf die Sonntage kamen. Die hohen Besuchziffern im 
Monat April erklären sich wieder aus dem herkömmlichen Zudrang 
während der Osterzeit, die auftallend niedrige, das Jahres-Ergebniss 
ungünstig beeinflussende Zitier des December aus dem Unterlassen der 
Weihnachts-Ausstellung. 

Der Besuch der Lesezimmer gestaltete sich folgendermaassen : 

Januar 245 

Februar 287 

März 230 

April 133 

Mai 119 

Juni 77 

Juli 37 

August 73 

September 88 

October 107 

November 132 

December 151 



1679 Personen. 



Um auf die noch vielfach ungenügend ])ekannten kunstgewerb- 
lichen Abbildungswerke unserer Bibliothek aufmerksam zu machen, 



Musoum für Kunst und Gewerbe. 



XXXV 



wurden in den ersten Monaten des Jahres jeweilig auf bestimmte 
Techniken oder Stilperioden bezügliche Werke an den Leseabenden 
(Donnerstags und Freitags von 7Vz l)is 10 Uhr) ausgelegt und in den 
Tagesblättern kurze Nachweise ül)or die Bedeutung der ausliegenden 
Bücher veröffentlicht. 

Später in der Jahrzeit führte die Nothwendigkeit, dem Zeichner 
des Museums einen Raum zum ungestörten Arbeiten anzuweisen, dahin, 
das zweite der bisher dem Publikum geciffneten Lesezimmer zu schliessen. 
Lizwischen ist ein anstossendes, durch die Verlegung des Bureaus der 
Oberschulbehörde freigewordenes Zimmer dem Museum überwiesen 
worden; es soll zur Aufnahme der 1)isher im Arl)eitszimmer des 
Directors untergebrachten Bililiothek dienen und letztere alsdann 
in verbesserter Einrichtung dem Publikum zugänglicher als bisher 
oemacht werden. 




Bronzono Vase (Pinsclhalter) in Gostiilt der 

BUitliP einer MaKiioliii. .lapan Ih.— t!i..Iahrli(lt. 

Hölie 1 *;'/•) cm. 



XXXVI Naturhistorisches Museum. 



3. Naturhistorisches Museum zu Hamburg'. 

Bericlit des Direktors Professor Dr. Pagensteclier. 

Musoums- JJie Miiseums-Kommission hat im Jahre 18S7 den schmerzhchsten 

Kommi-ssioii. yß^.|^j,|^ erhtteii diircli den am 4. März erfolgten Heimgang ilu-es Vor- 
sitzenden, des Herrn Dürgermeisters und Präses der Oberscliulbeliörde 
Dr. G. H. Kirchenpauer. Dieser ausgezeichnete Mann liatte seinem 
von mannichfjichen Staatsgeschäften erfüllten Leben Müsse abzugewinnen 
gewusst zur ernstlichen Verfolgung naturwissenschaftlicher Aufgaben. 
Seine Arbeiten, insbesondere im Gebiete der Bryozoen und der 
Hydroidpolypen, hal)en ihm reichen Ruhm verschafft und werden stets 
eine klassische Stelle behaupten. So selbst ein unermüdlicher Jünger 
der Naturwissenschaften, hat er diesen in seiner hohen, einflussreichen 
Stellung auch die Wege zu ebnen gewusst. Ihm vor Allen verdanken 
wir die neue Verfassung des Naturhistorischen Museums, den Neubau, 
die Erwerbung des Museum Godeffroy. Sein letzter Wille hat unser 
gedacht. Mögen die Saaten, die der teure Mann ausgesät, ihm und 
ans zur Ehre, reiche Erucht tragen. 

An des unvergesslichen Verstorbenen Stelle ist. wie im Priisidium 
der vorgesetzten Behörde, so auch im Vorsitze der Museums-Kommission, 
Herr Senator Dr. J. 0. btammann, gc^treten. Im übrigen wurde die 
Kommission, wie vorher, gebildet von den Herren Dr. Jolin Israel, 
Dr. J. Th. Beim, Dr. H. Bolau, Dr. J. G. Fischer, Hau])tlehrer C. H. 
A. Partz und dem hier Bericht erstattenden Direktor. 

Herren, welche Von dou Mitgliedern der Kommission hat Herr Dr. J. G. Fisclier 

freiwiUigfürdas ^yiederum gänzlicli die Reptilien, Am])liibien und Eische des Museums 

Museum Rear- . ^ 

heitet haben, in dankenswerter Weise behandelt. 

Wissen- Herr Dr. C. Gotische ist als Gustos für Mineralogie im Januar 

schaftiieiie eingetreten und im Dezember definitiv angestellt worden. Zoologische 
wissenschaftliche Hülfsarbeiter waren die Herren Dr. G. Pfeffer und 
Dr. M. von Brunn mit Thätigkeit in den bisher von ihnen behandelten 
Zw^eigen. Vom November ab wurde auch Herr Dr. Michaelsen be- 
schäftigt, zunächst mit den Anneliden. 
Teeiinischi'suna Als Präparatoren arbeiteten die Herren J. Itzerodt und E. Wiese. 

HiifspiM-sonai. Y^^^ Herrn Gumrtielt, welcher im Wunsche, sich künstlerisch weiter 
auszubilden, seine Entlassung erl)eten hatte, trat als Zeichner und 
Schreiber am 1 . April in jirovisorischer Anstellung Herr E. Stender 



Naturhistorisches Museum. XXXVII 

ein, welcher, nachdem wir Herrn Feist im Januar zu entlassen uns 
genötigt gesehen hatten, an dessen Stelle schon zuvor zwei Monate 
lang gearbeitet hatte. Herr M. Buse, dessen Lehrzeit zu Ende ging, 
wurde, wie schon während eines Teiles des vorigen Jahres, gegen 
Remuneration beschäftigt. Desgleichen wurde vom 1. Juni ab dem 
Eleven H. Foertmeyer eine monatliche Remuneration gewährt. Weiter 
arbeitete als Eleve E. Lam2)e. Herr Dömling und Frau Böhm besorgten, 
wie bisher, die Aufsicht im Museum. 

Die Erwartung, dass der Museumsbau in 1887 unter Dach Museumsbau. 
kommen werde, hat sich erfüllt. Das Gebäude findet allgemein grossen 
Beifall. Wir dürfen nun nicht zweifeln, dass die Fertigstellung zu dem 
gesetzten Termin des 1. August 1888 gelingen werde. 

Noch einmal ist uns eine provisorische Hülfe gewährt, und Provisorische 
durch Einräumung des sogenannten kleinen Auditoriums an den !'^™ ^*^ 
Museumsdienst für die Bearbeitung der niederen Wirbeltiere ein 
bescheidener aber ruhiger Arbeitsj^latz gewonnen worden. 

Von den in 1887 gekauften Druckschriften mögen hier Handbibliothek, 
erwähnt werden: 

Jardine, Mammalia. 

Fritsch, Naturgeschichte der Vögel p]uropas. 

Sclater, Puffbirds and Jacamars. 

Shelley, Nectarinidae. 

Vieillot. Oiseaux de rAmeri(|ue septentrionale. 

Boulenger, Catalogue of Lizards III. 

Spix, Nova genera lacertarum. 

Spix, Selecta genera piscium. 

Schinz, Naturgeschichte und Al)bildungen der Fische. 

Bloch, Naturgeschichte der Fische Deutschlands. 

Bloch, Naturgeschichte der ausländischen Fische. 

Herbst, Krabben und Krebse. 

Targioni Tozetti, Brachiuri e Anonuiri della Magenta. 

A. Milne Edwards, Xiphosures et Crustaces du Mexique. 

Redtenbacher, Fauna austriaca, Coleoptera. 

Denny, Älonographia anoplurorum. 

Brunner v. Wattenwyl, Monographie der rhauero})teriden. 

Zoology of tlie voyage of H. M. S. Samarang. 

Zoology of tlie voyage of H. IVI. 8. Alert. 

P. J. van Beneden, Les Amphiteriens. 

P, J. van Beneden, Les S(puilo(lons. 

Hörnes und Auinger, Gastropoden d. oesterr. Miocaens. 



XXXVIII Naturhistorisches Museum. 

Für den Unterriebt: 
Zittel. Palaeontologische Wandtafeln. 
Lingg, Erdprofil in Vioooooo. 

Den auf Rechnung des Museums gehaltenen Zeitschriften ist 
hinzuzufügen die Berliner entornologische Zeitschrift, von welcher auch 
der ganze Satz der früheren Bände für ein Geringes nachgeliefert 
wurde. 

In den Tauschverkehr trat weiter mit uns ein die Petersburger 
Akademie der Wissenschaften, welche uns zugleich die sämtlichen für 
uns nützlichen von ihr l)ereits fridier li erausgegebenen Schriften in frei- 
gebigster Weise überwies. Der Zettelkatalog für die dem Museum 
gehörigen und die in demselben von dem Direktor leihweise aufgestellten 
Bücher ist vollendet. Einige Abteilungen desselben erstrecken sich 
auch ülter die einschlägigen Bücher der Stadtbibliothek und der 
Bibliothek der Zoologischen Gesellschaft. Dieses Verfahren allgemein 
durchzuführen und uns so ein vollständiges Verzeichnis der hier für 
unsere Zwecke I)enutzbaren Bücher zu verschaften, ist bis dabin nicht 
möglich gewesen. 
Instrumente Vou angeschafften Instrumenten sind nur zu nennen der Auxano- 

und Gerate, gi.j^pji nach HihjcmlorJ] ein Objektiv und väw'i Loupen. Im übrigen 
wurden die bescheidenen Mittel dieser Position verwendet zur Ergänzung 
der gewöhnlichen Werkzeuge und für Sannnelkisten, welche wir See- 
fahrern mitgegeben. 

Benutzung des Für eigene wissenschaftliche Zwecke arbeiteten im iNIuseum 

Museums, namentlich die Herren Professor Steiner aus Heidelberg. Dr. Noack 
von Braunschweig, Dr. Kotelmmin, Dr. Langkavel, Dr. Kersfen. Vax 
mineralogischen Untersuchungen ^nn-den Objekte abgegeben an die 
Herren Direktor Dr. Wibcl und Privatdozent Dr. Hiissak, ausgeliehen 
an Herrn Professor Dr. Miigr/e in Münster. Die Einrichtung für die 
Entleihung von Gegenständen aus den Sammlungen blieb unverändert. 

Von Herrn Dr. Bovallius in Stockholm sind 47 Krustazeen, 
welche derselbe vor einer Reihe von Jahren entliehen hatte, nunmehr 
zurückgekommen. 
Geschenke. Für die uns gemachten Geschenke ist mit vollständiger Auf- 

führung in den öffentlichen Blättern der Dank ausgesprochen worden. 
An dieser Stelle mögen nur die wichtigsten hervorgehoben werden: 

Von Frau Bürgermeister Kirchenpauer, gemäss letztwilliger Ver- 
fügung des verstorbenen Herrn Biu'germeisters, dessen zoologische 
Sammlungen, hauptsächlich trockener Zoophyten (Bryozoen und 
Hydroiden), von besonderer Bedeutung für das Museum wegen der 



Naturhistorisches Museum. XXXIX 

liervoiTagenden Sachkenntniss des Hen-n Bürgermeisters, zum Teil 
Belege zu dessen Schriften, nebst einigen mineralogischen Stücken und 
Versteinerungen, sowie 3G3 Werken naturwissenschaftlichen Inhalts; 
von der Zoologischen Gesellschaft 43 Säugetiere, 41 Vögel, 
25 Reptilien und x4mphihien, 21 Fische, 4 Zecken und einige Würmer, 
ferner einige, bis dahin bei den Vorräten des Museums von der Gesell- 
schaft noch als ihr Eigentum reservierte Stücke; von der Akademie 
der Wissenschaften zu Petersburg alle ihre naturgeschichtlichen 
Schriften, nämlich 179 Denkschriften und 12 Bände Melanges biologi(iues ; 
von Herrn Kapitän Hupfer von der Woermann- Linie von der west- 
afrikanischen Fahrt 1 Vogel, 2 Schlangen, 1 1 5 Insekten ; von einer 
andern Fahrt, welche von West -Afrika auch nach Colon ging, ein 
wissenschaftlich sehr wichtiges Material von über 500 Nummern meist 
mit dem Schleppnetze gesammelter niederer Seetiere; von Herrn 
Alhr. O'Swald einige Säugetiere in Spiritus, 87 Vogelbälge, Eidechsen, 
Fische, 96 Insekten, auch 39 Bälge von Halbaffen, aus welchen das 
Museum das ihm dienhche aussuchen solle, endhch Spinnen und Insekten 
von der Gerlsdorfer Spitze, hohe Tatra; von Herrn 0. Alsen in Itzehoe 
ein trefflich erhaltener Krel)s aus dem dortigen Älitteloligocän ; von 
Herrn Dr. med. Arniny 14 Gesteine von Hawaii undOahu; von Herrn 
Professor Barboia du Bofcuje in Lissabon 23 westafrikanische Reptilien 
und Amphibien ; von Herrn Bocsenherg 72 Si)innen u. a. ; von Herrn 
Dr. von Brunn 9 Schildkröten, eine Schlange, 2 Stabheuschrecken, 
5 Käfer u. a. ; von Herrn il/. Buse 82 japanische Käfer, ein Wespen- 
nest u. a. ; von Herrn Professor Claus in Wien Krebse aus den Gattungen 
Nebalia und Apseudes; von den Herren Deseniss & Jacobi zahlreiche 
Bohrproben aus hiesiger Gegend; von Herrn von Dorrten 4 nord- 
amerikanische Vögel, als Ergänzung seines vorjährigen Geschenkes; von 
Herrn J. H. Fijsen ein Tragulus meminna A. Milne Edw. ; von Herrn 
H. Foerimeycr Rejjtilien und Amphibien, aucli seltenere, hiesiger Gegend; 
von den Herren Gammius & Jollasse rohe Edelsteine von Ceylon; von 
Herrn Dr. Gotische verschiedene zoologische Objekte aus Japan und 
die mineralogische Sammlung seines Vaters, Herrn Dr. med. Gollsehe 
in Altona, 61 hiesige Geschiebe und 150 Gesteine vom Kaiserstuhl, 
Odenwjüd. Spessart und Siebengebirge; von Herrn Herrn. Hirsche in 
Kimberley 11 Vogelbälge und 2 Diamanten mit Matrix; von Herrn 
Aug. Jansen in I(|ui(|ue Schädel und prachtvolle Gehörne dortiger 
Schafe; von Herrn stud. Kuchenhueh 19 oligocäne Versteinerungen von 
Buckow; von Herrn Dr. med. Lotner eine prächtige Schwefelstufe von 
Ardjuno auf Java; von Herrn Kapitän Meinertz Reptilien, Am[)liibien, 
Fische von Little Popo; von Herrn Aletllerhanq) in Bangkok 6 Reptilien; 



XL 



Naturhistorisches Museum. 



Sonstige 
Zugänge. 



Tausch. 



Kauf. 



von Herrn E. L. Meyer in Singapore 42 Insekten von dort; von Herrn 
H. Meyer in Redclersburg in Südafrika 7 Reptilien und 6 Skorpione 
von dort; von Herrn Dr. Michaelsen eine fast vollständige Sammlung 
der niederen Seetiere der Kieler Bucht; von den Herren Müller & 
Wichmann 140 Schmetterlinge von der Ostküste von Sumatra; von den 
Herren Bergdirektor NetfeJiOven und Ingenieur Wcstendarp ein 2 m 
langer Gypsbohrkern aus 229 m Tiefe, Lül)theen ; von Herrn NöldecJien 
jun. 17 Gesteine und Mnieralien von Yellowstone national park, 
Wyoming; von Herrn J. Plagemann Coquimbit, Wolframit und Mine- 
ralien von Chile; von Herrn Platsmann Fische und niedere Seetiere; 
von Herrn Saiuherlich Nest vom Tiijjfervogel und Eier aus Baradero; 
von Herrn A. Sauher Präparate von Minengängen und Kleinschmetter- 
linge; von Herrn G. H. Siemssen in Foochow 46 Vogelbälge; von Herrn 
Statham 6 Helgoländcr Vrigel; von Herrn H. Strehel Conchylien, Gyps 
und Obsidian von Quimistlan in Mexico ; von Herrn Troscliel eine grosse 
Koralle von der brasilianischen Küste; voi Herrn Fr. Worlee ein 
Laternenträger, Ameisen von Madagascar, Käfer von Kamerun, 29 Mine- 
ralien, darunter Orthit und Yttrotitanit vom Flekkefjord; von Herrn 
0. Zeise in Altona 32 hiesige Geschiebe. 

Von Herrn Fairmaire in Paris wurden die vom Museum 
Godeffroy ihm zur Bcstinmuing übergebenen Käfer, von Herrn Professor 
A. Wiechmann in Utrecht die auf gleiche Weise ihm übergebenen 
194 Gesteine und Mineralien von den Viti- Inseln an unser Museum 
zurückgestellt. 

Im Tausche erhielten wir von Herrn Professor Sven Loven in 
Stockholm Fische und Krebse der in schwedischen Gewässern zurück- 
gebliebenen Eismeerfauna gegen P]chinodermen ; von Herrn Professor 
Emery in Bologna 37 seltene und interessante Ameisen gegen IG, Avelche 
wir unter denen des Museum Godeffroy dublett hatten; von Herrn 
Honrath in Berhn 5 sehr schöne Schmetterlinge gegen du1)lette afri- 
kanische. Von Plerrn Lehrer Sorhagen wurden uns in freigebiger 
Erfüllung des im vorigen Jahresbericht erwähnten Abkommens 61 Prä- 
parate mit Minirgängen übergel)en. An Mineralien Avurden von den 
Herren F. Cappel, J. Marcusen, J. 0. Semper, Dr Schuchardt und 
Fr. Worlee im Tausche erworben Calcit, Holsteiner Gestein, Mineralien 
des Laacher Sees, Topas von Japan und Mexico, (Jold und Kupferlasur 
von Arizona. 

Durch Kauf wurden erworben: von Herrn Naturalienhändler 
Q. Schneider in Basel ein Nemorhedus crispus Temm., ein Pantholops 
Hodgsonii Gray, 18 Vogelbälge, 110 Reptihen und 3 Fische; von 
Herrn Humblot in Paris 15 Vogel- und Fledermausbälge von Anjouan 



Naturhistoriselies Museum. XLI 

und Gran-Comore, von Herrn Fnüistorfer la77 Insekten, meist Käfer, 
aus Lages, 62 Schmetterlinge ebendaher und 80 Orthopteren von 
Sta Catarina; von Herrn G. Sempcr 38 Schmetterlinge aus Lagos und 
138 durch Herrn Künstler in Perak (Malakka) gesammelte wertvolle 
und sehr schön konservierte Ortliopteren ; von Herrn H. Schilling 2 
Vogelbälge, 5 Fische, 2 Conchylicn; von Herrn J. C. R. Schröder ein 
Papagei; von Herrn Direktor Dr. Bolau ein Inuus speciosus; von 
Herrn Matthew in Colombo zwei Skelete von Ureinwohnern von Ceylon ; 
von Herren Peycke & Rascher hier ein Gnugehörn, um das von der 
zoologischen Gesellschaft erhaltene Tier in Balg und Skelet mit 
H(")rnern aufstellen zu können; von Herrn Döring in Wandsbeck diverse 
Naturalien von Curitaba; von den Herren Fedderssen und Nissen in 
Hammerfest ein Walroß, welches wir, da Herr Heinr. Ad. Meyer uns 
dazu ein zweites Paar Stoßzähne schenkte, in Haut und Skelet auf- 
stellen können; von Herrn Steuermann R. Paessler die Ausbeute seiner 
Eeise nach der Westküste von Südamerika; von Herrn Dr. Richter in 
Pankow Reptilien von den kanarischen Inseln ; von den Herren Süssholz 
& Kaufmann ein Ailurus fulgens Cuv. ; von den städtischen Samm- 
lungen in Bremen 32 Reptilien von Angra Pecjuena; von Herrn Leine- 
iveber eine Fledermaus; von Herrn ümlauff 5 Gorgoniden: zusammen 
zoologische Gegenstände für ^4 ^914,56; — von Herrn J. D. Berger 
40 jurassische Versteinerungen von Caracoles, von der Linnaea in 
Berlin 195 Versteinerungen; von Müller'' s Institut diverse Fossihen; 
von Herrn Peters in Kiel 80 und von Herrn Professor Schreiher in 
Magdeburg 51 tertiäre Versteinerungen; von Herrn H. Schilling zwei 
fossile Eier und Guanovulit; von Herrn Dagincourt in Paris fossile 
Vogelreste; von Herrn O. Kowcdewsky Jura- und Kreideversteinerungen 
von Stettin; von Herrn H. Singelmann ein Stück Sternberger Gestein; 
von Herrn E. Winter 8 Diamanten und 2 Korunde; von Herrn Dr. Bee^' 
in Ratzeburg 24 Fossilien ; \o\\ Herrn 0. Zeise Mineralien von Langen- 
felde u. s. w. ; von Herrn Th. OverhecJc ein Nephrit aus Neuseeland; 
von Herrn Kapitän Pohl zwei Krystalle; von Herrn Dr. Schuchardt 
5 Borazit-Krystalle von Staßfurt; von Herrn A.Claudius 54 Schachteln 
mit Versteinerungen ; von Herrn H. Engler 6 geschliffene Gesteinsplatten ; 
von Herrn H. Kessler in Holtenau ein Block Cystideenkalk aus Fehmarn ; 
zusammen mineralogische und dergleichen Objekte für J^ 785,05. 

An Herrn Kapitän Pohl wurden die noch übrigen Verkaufs- verkauf, 
duliletten von Reptilien, Amphibien und Fischen, deren Bewahrung 
uns viele Mühe und Unkosten machte, für ./^ 300 abgegeben; an Herrn 
E. Winter 87 Borazite von Lüneburg und Segeberg; an Herrn F. Cappel 
ein Stück Meteoreisen; an Verschiedene geringere Objekte, zusammen 
für Jf 368,52. 



XLII Natui'historisches Museum. 

AptieruDg. Im Coiito für AiDtierung waren zu verrechnen : für Postamente 

und dergleichen samt Anstrich u^ 878,71, für Standgläser und der- 
gleichen uf 1910,80, für SjDiritus und destilliertes Wasser J^ 845,57, 
für Schachteln .4 533,90, für Etiketten ^ 90. 

Abrecimung. Die durch die Hand des Direktors gegangenen Einnahmen und 

Ausgaben halanziren mit folgenden Zahlen: 

Eimialime: Ausgabe: 

Anschaffung und Unterhaltung von Hilfs- 
mitteln (Bibliothek, Instrumente und 

Geräte) 4 2 000,— J( 1 999,90 

Anschaffung, Aptierung, Unterhaltung der 
Sammlungen : 

Kinnahme laut Budget J( G 800, — 

nachbewilligt ,. 1 500, — 

aus Verkaufsdubletten 

und dergleichen „ 368,52 



„ 8 008,52 ,. 8 068,52 

Allgemeine ^'erwaltungskosten (wissen- 
schaftliche und technische Hilfsarbeit, 
Bureaukosten, notwendige und kleine 

Ausgaben) vom BewilHgten hier „ 2 345, — „ 2 328,73 

Erspart 1 6,37 

^ 13 013,52 ^ 13 013,52 



Ein Teil der rosition für Hilfsarl)eit wurde wie das ganze 
Rubrum für Gehälter und Besoldungen bei der Obersclmlbehörde 
verrechnet. 
Vormeiuung. Die Vermehrung des Inventars vom 1. Mai 1886 bis dahin 1887 

wurde, zum Zwecke der Feuerversicherung, wie folgt, festgestellt: 

Zoologische Abteilung J4 '^^ 084,36 

Mineralogische u. s. w. Abteilung „ 1 970,80 

Mobihar '. . . 434,80 

.4 30 489,96 

Der Gesamtwert des Inventars des Museums stellte sich danach 
am I.Mai 1887 auf u«^ 647 834,92. 
Arbeiten. Der Direktor Avar den grösseren Teil des Jahres durch schwere 

Erkrankung gehindert im Museum zu arbeiten; er musste zeitweise 
auch in der oberen Leitung sich vom Gustos für Mineralogie vertreten 
lassen. Doch waren von ihm in den ersten Monaten die Fledermäuse 
der alten Sanunlung teilweise, von den Vögeln die Tag- und Nacht- 
raubvöoel und von den Passeres fissirostres nach dem bisher im 



Naturhistorieclies Museum. XLIII 

Museum angewendeten System von 0. R. Gray die Caprimulgiden, 
Cypseliden, Hirundiniden, Coraciaden, Eurylaimiden, Todiden, Momotiden 
und Trogoniden revidiert und etikettiert worden, zugleich gereinigt u. s. av. 
Es mag hier hervorgehoben werden, dass wir im Museum unter dem 
Titel eines Fuchses den seltenen Icticyon , auch in den Akten den 
Nachweis illjer dieses Stück entdeckten. Von den neuen ausgestopften 
Stücken verdienen Semnopithecus leucoprymnues Raf. , Nemorhedus 
crispus Temm. , Pantholops Hodgsonii Gray , das Gnu , das Walross, 
Coassus simplicicornis 111., Ailurus fulgens, von den Skeleten acht 
Menschenskelete von den Südseeinseln und zwei von Ceylon hervor- 
gehohen zu werden. Ausser den frisch eingegangenen wurden aus 
den Vorräten 184 Vögel gestopft, dabei 14 Bälge aus dem IVIuseum 
Godbffroy. 

Es wurden 12 systematische Kataloge für Säugetiere und Vögel 
vorbereitet und in Ausführung gegeben. 

Die Schildkröten, Krokodile und ungeschwänzten Ampliil)ien 
wurden ganz durchbestimmt und die in Spiritus l)ewahrten neu auf- 
gestellt; ebenso von den Fischen die Characiden, Scopehden, Scondjere- 
sociden, Cyprinodonten, Cypriniden, Siluriden, Gobiiden und teilweise 
die Pomacentriden. 

Sämtliche neu eingegangenen niedern Wirbeltiere und der 
Rest der Fische des Museum Godeffroy Avurden liestimmt, katalogisiert, 
endgültig aufgestellt. Ein sehr grosser Sägehai wurde ausgestojift, 
und mehrere ausgezeichnete Skelete von Reptilien und Fischen 
wurden hergestellt. 

Von den Orthoi)teren wurden der Rest der Mantiden, die 
Blattiden und Grylliden, zusammen fast 900 Stück aus über 
300 Arten, fertig bearbeitet und in 22 Kästen des Mustersclirankes 
aufgestellt; die Bearbeitung der Akridier und Lokustiden, von welchen 
ül)er 2000 Stück vorhanden sind, wurde so weit geführt, dass die 
Aufstellung in mindestens 24 Kjisten nun vor sich gehen kann. \\'ir 
werden damit etwa 70 Kasten mit Ortli()i)teren hal)en. Ausserdem 
wurden technisch behandelt, gespiesst, aufgespannt, gereinigt u s. w. 
fast 2000 Insekten, namentlich 1100 Käfer und 752 Schmetterlinge. 
52 Spinnenarten wurden eingesetzt und etikettiert, auch sonst einiges 
an anderen Al)teilungen der entomologischen Sannnluiig gearbeitet. 

Von den Krebsen wurden die Brachyuren, ein grösserer Teil 
der Anomuren, und ein kleiner der Makruren bearbeitet. 

Von den Mollusken wurden nur die in S[)iritus bewahrten weiter 
beliandelt. Es sind von diesen jetzt die Tintentische und die Sclniecken 
ganz und die Muscheln teilweise in Ordnung gestellt. 



XLIV Botaniseher Garten. 

Von den Würmern wurden die Anneliden aus der Familie der 
Aphroditazeen revidiert und bestimmt. 

Durch die Aufnahme der Sammlungen und Bücher des Herrn 
Bürgermeisters Kirchenpcmer und der Ausbeuten der Herren Http/er 
und Paesslcr, sowie die sonstigen zahlreichen, zum grossen Teil ver- 
arbeiteten Eingänge wurden für die zoologische Abteilung ausgedehnte 
Geschäfte veranlasst, welche die Umgestaltung der alten Sammlung 
mehr als erwünscht aufhielten. Auch waren die technischen Hülfen 
durch längere Erkrankung der beiden Eleven geschmälert. 

In der mineralogischen Abteilung wurde die syste- 
matische Ordnung der })aläontologischen Sannnlung begonnen durch 
die Bestimmung des größeren Teiles der tertiären Versteinerungen, 
1270 Nummern; es wurde die i)aläontologische Sammlung aus dem 
früheren Vermächtnisse des Herrn Dr. R. G. Zimmermann gesichtet 
und die auch hier in 1887 besonders große Zahl der neuen Erwer- 
bungen eingeordnet und, wo n()tig, bestimmt. Es wurde in fünf Fällen 
ein Gutachten über die Wasserführung des Untergrundes abgegeben 
und im Winter 1887 — 88 von dem Gustos, Herrn Dr. C. Oofi^che, ein 
Publikum über die Elemente der Paläontologie gelesen. 



4. Botanischer Garten. 

Bericht des Direktors Professor Dr. H. G. Reichenbach. 

Das einschneidendste Ereigniss des Jahres war das am 4, März 
früh 2 Uhr erfolgte Ableben des Herrn Präses der Oberschulbehörde, 
Bürgermeisters Dr. Jur. U. Kirchenpcmer. Der Botanische Garten hat 
mit Genehnngung des neuen Herrn Präses, Senators Dr. Jur. U. Otto 
Stammann, dem Danke und Schmerze l)ei dem so unerwarteten Ver- 
luste Ausdruck gegeben durch ehien Palmenschmuck für die Be- 
stattung, den wohl selbst Referent trotz seiner amtlichen Stellung 
einen ganz ungewöhnlich schönen nennen darf 

Die Uebernahme des Präsidiums der Oberschulbeh(")rde (womit 
die nächst dem Hohen Senat höchste Instanz über die Anstalt ver- 
bunden) durch Herrn Senator Dr. Jur. U. Otto St emimann verzeichnen 
wir mit frohen Hoffnungen. 

Was die Erhöhung des Artbestands des Garten anlangt, so 
lag noch immer die Aufgabe vor, die Holzgewächse zu vermehren. 

Von der altbewährten, immer frischen Firma Louis Van Houtte 
in Gent, in der unter vortreftlichster Leitung eine Anzahl schlichter 



Botanischer Garten. XLV 

Arbeiter beseelt von Liel)e zur Pflanzemvelt durch die feinsten Kennt- 
nisse als Gärtner den grössten Theil der Garten gehülfen bei Weitem 
überragen, erhielten wir eine sehr gut cultivirte Sannnlung von Moor- 
pflanzen. Wer die jämmerlichen Telegraphen kennt, welche allgemein 
von der lieblichen Kalmia glauca verkauft werden, der staunt über die 
hübschen kleinen massigen Büsche, die sich mit Blüthen bedecken. 
Galax aphylla war hochwillkommen. Ausserdem empfingen wir Daplme 
Blagayana, die stattliche wohlriechende Zierde Krains und Serbiens. 

Von Herrn Dr. Diech in Zusehen bei Merseburg bezogen wir 
eine grössere Sammlung von Holzgewächsen, von denen die Mehrzahl 
gut gedeiht. Als besonders werthvoU seien folgende erwälnit: Andro- 
meda japonica. Berberidopsis corallina. Bruckenthalia spiculifolia. 
Bryanthus erectus. Corylopsis spicata. Daphne salicifolia. Elaeagims 
longipes. Eriogonum flavum. Indigofera Dosua allja. Prunus reflexa. 
Rhamnus alpina. Rosa Alberti. 

Von Herrn B. S. Williams, Victoria and Paradise Nurscries, 
Upper Holloway, London N. kauften wir eine Anzahl seltener Farne, 
unter denen das Haui)tstück eine ganz starke Aglaomorpha Meyeniana 
von Manila. Die dichtbeschuppten starken Stämme erinnern unbedingt 
an Thiere. Man denkt einmal wieder an das Lamm des Barometz. 

Von Herrn Haage und Sclimidt, Krämpferflur, Erfurt, Avurden 
eine Anzahl Wasserpflanzen bezogen. 

Herr Million, Lübek, Möslinger Allee, lieferte, wie seit lange, 
den nöthigen Nachtrag von Rosen. Das „nil aeternum sub divo" 
lernt der Besitzer oder der Vorstand eines Gartens nur zu gut kennen 
und besonders bei den Rosen, deren Gewürzel in der Regel die „partie 
honteuse'". 

Herr LeicliÜin, Baden - Baden , schickte die neue Ramondia 
serbica und Paranephelius grandiflorus, einen chilenischen schönen 
Korbblüthler. 

Herr H. Defers, Steindamm 17, Hand)urg, verehrte der Anstalt 
eine Anzahl KapzAviebeln. 

Mit dem Botanischen (iarten in St. Petersburg halben wir 
getauscht. 

Für Unterrichtszwecke lieferten wir 209 212 Exemplare an 
112 Empfänger. 34 Volksschulen nahmen Theil. 

Die Vorträge ül)er Pflanzenkunde für Lehrer behandelten im 
Sommer und Winter Anatomie und Physiologie, Kryptogamen und 
Phanerogamen. Alle diese Vorträge fanden je eiustün(b'g Statt. 



XLVI 



Botanisches Museum uml Laboratovium fiir Waarenkunde. 



5. Botanisches Museum 
und Laboratorium für Waarenkunde. 

BericM des Direktors Professor Dr. Sadebeck. 



Erweiterun« Diirch das am IG. Mai des Berichtsjahres in Uebereinstimmung 

z^ii' mit der Bürgerschaft vom Senate erhissene Gesetz (cf. Amtsblatt 

*'^' wTss^en-^^^" Nr. .31) wurde mit dem Botanischen Museum ein Botanisches Labora- 
schaftiichen torium für Waarenkundc verbunden und das Gesammtinstitut zu einer 
,aa Sans . ^gjj^j^^^j^^jijj jjogn wissenschafthcheu Staatsanstalt erweitert , für deren 
Verwaltunii? im Allgemeinen die Bestimmungen gelten, welche in den 
§§ 4, 5, 8 und 9 des Gesetzes über Auflösung des akademischen 
Gymnasiums vom 21. Mai 1883 für die Directoren der wissenschaftlichen 
Anstalten getroffen sind. Zu den rein wissenschaftlichen Aufgaben 
des Museums treten der Natur des Gesammtinstitutes nach auch die- 
jenigen des botanischen Laboratoriums für Waarenkunde hinzu, welche 
ausser grösseren wissenschaftlichen Untersuchungen namentlich auch 
darin bestehen, dass auf desfallsige von Behörden oder Privatpersonen 
an das Institut gerichtete Anfragen, insbesondere aus dem Gebiet der 
Waarenkunde, mit thunlicher Beschleunigung, aber, soweit erforderlich, 
nach eingehender Untersuchung Auskunft ertheilt werde. Für diese 
wird mit Beginn des nächsten Jahres das im Nachfolgenden näher 
bezeichnete und gesetzhch festgestellte Honorar erhol)en: 



Aufgaben 

des so 
erweiterten 
Institutes. 



Gebiilireu- 
Ordnung. 



Gebühren- Ordnung für das Botanische Museum und 
Laboratorium für Waarenkunde. 

^ 1. 
Für Untei'suchungen oder sonstige Arbeiten, welche auf Antrag 
von Behörden oder Privaten ausgeführt werden, wird eine nach 
Massgabe des nachstehenden Tarifs zu berechnende Gebühr für die 
Staatscasse erhoben. 

§ 2. 
Die Gebühren betragen : 
L Für die einfache, vergleichende (mikroskoi)ische) Unter- 
suchung J^ 5.- 



Botanisches Museum und Laboratorium für Waarenkumlc. XLVTI 

II. Für die mikroskopische Untersuchung, so hinge dieselbe 
ebenfalls nur eine vergleichende ist: 

1) Nichtorganisirter pflanzlicher Eohstoffe: 

a. Gummi „ 5. — 

b. Harz „ 10.— 

c. Batata, Opium, Catechu, Aloe, Gambir, Kino, 
Pflanzenfett, Vegetabilisches Wachs ,. 10.~- 

2) Organisirter pflanzlicher Rohstoffe: 

a. Stärke und Faserstofie „ 5. — 

b. Rinden, Holz. AVurzeln oder unterirdische 
Pflanzentheile , Stengel, Blätter und Kräuter, 
Blüthen und Blüthentheile, Samen, Früchte, 
Gallen, Pilze, Algen, Flechten ,, 10, — 

3) Papier und Erzeugnisse der Textilindustrie „ 10. — 

4) Pflanzen- resp. Baumkrankheiten „ 5. — 

Für solche Ünter.suchungen, welche im sj 2 nicht vorgesehen 
sind, wird die zu erhebende Gebühr nach Massgabe der erforderlichen 
Arbeitszeit in der Weise festgestellt, dass für die Arbeitsstunde im 
Durchschnitt J^ 5 in Ansatz zu bringen sind. Dem Auftraggeber ist 
in solchen Fällen vor Uebernahme der Untersuchung eine über- 
schlägliche Berechnung der Gebühr mitzutheilen und die Untersuchung 
selbst erst nach erfolgter Zustimmung des Auftraggebers auszuführen. 

Der Minimalsatz für grössere, anatomische, sowie entwicklungs- 
geschichtliche Untersuchungen beträgt J^ 20, für alle übrigen im § 2 
nicht speciell aufgeführten Arbeiten J6 3. 

Anfang Juni des Berichtsjahres erhielten aucli die Käumlichkeiten Erweiteruug 
des Museums eine Erweiterung, indem die an dasselbe angrenzenden ^^''' 

■" ' Institut.s- 

Zimmer, welche bisher von dem Bureau der Oberschulbeh()rde benutzt Räume, 
worden waren, dem Botanischen Museum übergeben wurden, während 
das Bureau der Oberschulbehörde nach der Domstrasse No. 1 1 verlegt 
wurde. Um alier die hierdurch frei gewordenen Räume für das Institut 
thatsächlich nutzbar zu machen, erwiesen sich mehrere bauliche Ver- 
änderungen als nöthig, deren Beendigung erst Ende October erfolgte, 
und es war daher nicht möglich, die detiiiitive Aufstellung der 
Sannulungen in den erweiterten Räumen fiiiher als zu Weihnachten 
des Berichtsjahres zu vollenden. Zu dieser Zeit wni-(h' juicli der 
Versuch genmcht, das Museum für das grössere Publicum häutiger zu 
öÖ'nen, als bisher, wo der allgemeine Zutritt zu dem INIuseum nur an lU'sncii.szeit. 
den Sonn- und Festtauen stattfand. Es ist daher dasselbe bis auf 



XL VIII Botanisches Museiun und Lalioraturium für Waarenkunde. 

Weiteres iiiclit nur an den zuletzt genannten Tagen, sondern auch an 

allen Wochentagen — ausser Montags oder an dem auf einen Festtag 

folgenden Tage — für das Publicum geöffnet. 

Bürgermeister Oligleich also das Berichtsjahr ganz wesentliche Fortseliritte in 

^'y'^'''F^'^''"Mer Entwicklung des Instituts aufweist, so darf doch andererseits des 

botanischo ~ ' 

Hintoriassen- schwercu Vcrlustcs uiclit vergesscu werden, den gerade das Botanische 
schat. Museum durch den in der Nacht vom 3. zum 4. März erfolgten, ganz 
pl()tzlichen Tod Sr. Magnificenz, des Bürgermeister Dr. Kirchenpauer 
erlitt. Die hohe wissenschaftliche Bedeutung desselben ist bereits 
an andern Orten, die wissenschaftlichen Kreisen zugänglicher sind, 
gewürdigt worden; dagegen konnte es dort nur angedeutet Averden, 
dass der Verewigte, der bereits vor ungefähr 30 Jahren einen Tlieil 
der Binder'schen Algensannnlung, nämlich die grünen Algen und die 
Diatomeen den damaligen Kenntnissen gemäss wissenschaftlich geordnet 
und bestimmt hatte, gerade noch in seinem letzten Lebensjahre seine 
Algenforschungen in intensiver Weise wieder aufnahm und sich an die 
Riesenaufgabe gemacht hatte, die gesammten grünen Algenformen, sowie, 
die Oscillarieen und die Diatomeen des Botanischen Museums — deren 
Grundlage zum Theil die berühmte Binder'sche Algensammlung bildet — 
kritisch zu sichten und dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft 
gemäss zu bearbeiten. Hierbei war die systematische und entwicklungs- 
geschichtliche Untersuchung der Diatomeen in erster Linie ins Auge 
gefasst worden, daher ein Theil des für die beabsichtigten Beobachtungen 
unentbehrlichen lebenden Materials noch im October 1880 von den 
Pfählen im alten Hafen l)eschafft und Avährend des darauf folgenden 
Winters zu Culturversuchen im Botanischen Museum verwendet wurde; 
der Fortsetzung dieser Arbeiten wurde in der Nacht vom 3. zum 
4. März durch einen Schlaganfall ein unerwartetes und unwiderrufliches 
Halt gesetzt. — Die botanische Hinterlassenschaft, welche aus Herbarien, 
Präparaten und Büchern bestand, erhielt nach dem Willen des Ver- 
storbenen das Botanische Museum. Bei der Durchsicht der Herbarien 
ergab es sich, dass ein ganz ungeahnter und ungewöhnlicher Wertli 
in denselben enthalten war; namentlich bei den Diatomeen befanden 
sich vielfach nicht nur die dazu gehcirigen Präparate, sondern auch 
Handzeichnungen, welche sowohl auf diagnostische und Verwandschafts- 
Verhältnisse, als auch auf entwicklungsgeschiclitliche Vorgänge Bezug 
haben und den Nachweis einer grossen ■wissenschaftlichen Arl)eitsleistung 
liefern, welche namentlich in die Zeit des Eitzebüttler Aufenthaltes 
fiel. Es schien daher angemessen, diese Tlieile der Ivirchenpauer' sehen 
Sammlungen nicht in das grosse Herbar einzuordnen, sondern als 
Ganzes zusammenzulassen, zumal auch hierin die Original ex emplare 



Botanisches Museum und Laboratorium für Waarenkunde. XLIX 

ZU der Bearbeitung „der an der Elbniündunp,' lebenden Algentbrmen" 
enthalten sind. 

Grössere Collectionen wurden ausserdem noch als Geschenke Anderweitige 
mit dem zum Theil schon in den Tagesblättern ausgesprochenen Danke ^^"^ '^^ ° 

o Ol grosserer 

entgegengenommen : CoUectionen. 

Von Herrn Dr. (). Warburg, Avelcher auf einer mehrjährigen 
wissenschaftlichen Studienreise begriffen ist, erhielten wir während seines 
Aufenthaltes in Java eine Collection von getrockneten Früchten und 
javanischen Marktartikeln, soAvie 116 gut bestimmte Holzarten der 
Insel Java, darunter die wichtigsten Nutzhölzer dieser Tropengegenden. 
Da dieselben in kleinen unbearbeiteten Stamnistücken von 15 bis 20 cm 
Länge eingesendet worden waren, war es möglich, dieselben derart 
zurichten zu lassen, dass Querschnitt und Längsschnitt, sowie die 
Politurfähigkeit zur Anschauung gebracht werden konnten. — Herr 
Dr. G Otts che, Custos der mineralogischen Abtheilung des natur- 
historischen Museums, übergab uns ein Exemplar der von der Kaiserl. 
Forstakademie in Tokio zusammengestellten Sannulung von 130 ver- 
schiedenen japanischen Holzarten; Herr Th. Kays er hierselbst sendete 
uns grössere, etwa V2 m lange Stammstücke hiesiger Holzarten, nämlich 
Pyrus Malus, Prunus Cerasus, Prmius domestica, Pijrus communis, 
T'iha '])arvifolia, Corylus Avellana und Ulmus cmnpcsfris. 

Ausserdem erhielten wir von Herren Wedekind i*e ^füller Geschenke 
mehrere Proben ausländischer Nutzhölzer, namenthch Königsholz, J^lf'f.'''''' 

' ° ' CoUectionen 

Sandelholz, Jacaranda u. s. w. , von Herrn Landgerichtsdirector oder einzelner 

Dr. Fö bring einen Zapfen der amerikanischen Pinus Lambertiana o^Jecte. 

Dougl., von Herrn J. C. A. H ei Ib ronner eine Frucht von Poindana 

regia Broj. und drei junge Stämmchen einer nicht näher zu bestimmenden 

westindischen Palmenart, von Herrn W. Goverts in Strassburg i. E. 

ein Exemplar enier Mistel, Viscum alhum \mi Ahies pedinata , von Herrn 

W. V. Ohlendorff weitere Beispiele von Fasciationen von Erlen- und 

Weidenzweigen, von Herrn W. Thomson einen geöffneten Samen von 

Mucuna urens, mit Schnitzereien, von Herrn Dr. W. Sick mehrere 

neuere Drogen, darunter lignum Pichi und Früchte von Stroiihantus 

luspulus, von Herrn Insel eine Fasciation eines Ejdieuzweiges, von 

Herrn Senior Dr. Hirsche ein prachtvolles Exemplar eines Zweiges 

des Sill)erbaumes, Leucadendron argenteum E. Br., vimi Tafelberge am 

Cap, von Herrn Obergärtner W. Lang. z. Z. in Brixlegg, 2 sch()nc 

Exemplare von Viscum alhum von der Holzalm bei Brixlegg, von 

Herrn Schutt ganze Früchte \on Di2oferix odorafa aus Golumbien, von 

Herrn Th. Kays er mehrere Hexenbesen der Birke, von Herrn Insel 

Raphia-Bast, von Herrn C. T heuring ein Stück italienisches Oliven- 



L Botanisches Museum und Laboratorium für Waarenkunde. 

holz, von Herrn L. v. Poeppingliausen ein schönes Exemplar von 
Fahiana imbrkata R. T., der StammpÜanze des in der neueren Zeit 
erst medicinisch angewendeten lignum Pichi, von Herrn Benthien 
mehrere interessante chilenische Drogen, von Herrn Schlag einen auf 
Flossholz wachsenden Ägaricus von Port Allegre, von Herrn Ester er 
ebenfalls einen grösseren Hutpilz aus den Tropen, von Herrn Prof. 
Dr. Luerssen in Eberswalde mehrere Pl\emplare yow Hymenophijllum 
Tiinhridgense Sm. aus der Sächsischen Schweiz, woselbst dasselbe im 
Sommer 1887 wieder aufgefunden wurde, von Herrn LudAvig Hansing jr, 
hierselbst Stida magellanicn Fr., von der Otter -Bay in Patagonien, 
von Herrn Benthien mehrere interessantere Drogen aus Chile und 
Paraguay. 
Erwerbungen Durcli Aidcauf Avurdc im Berichtsjahre erworben: 1) die ersten 

durch Ankauf. Serien der Schlaginweit'schen Himalaya-PHanzen, '2) ein Frucbtstand 
der afrikanischen ()elj)alnie, 3) Fase. ^ und o der Phycotheka 
universalis (soAveit bis jetzt erschienen). 

Tau.sciiverkehr Tauschvcrkelir wurde eingeleitet mit den botanischen Instituten 

mit anderen ^^ K(hiigsberg, Kiel, Breslau und Berlin, sowie mit dem Kcinigl. Hof- 
botanischen i- - n 1 1 1 p 1 nr • • 

Instituten. Naturalien cabinet zu Stuttgart; es snid dadiux'h für das Museum einige 
interessantere Bildungsabweichungen ehiheimischer Laubh(")lzer , eine 
Anzahl Algen aus der Ostsee, sowie mehrere getrocknete oder in 
Alcohol conservirte Früchte und Samen aus verschiedenen Gegenden 
der Tropen erAvorben Avorden. 
Arbeiten In Folge der baulichen Veränderungen, Avelche durch die Ver- 

"'^ mchrunu' der Museumsräumlichkeiten nothwendig gCAVorden waren, 

Laboratorium. ' i • i 

naliiiicii die durch die Neuaiitstellungen l)ednigten museologischen 
Arbeiten den grössten Theil der Zeit in Anspruch. Ausser den durch 
Anfragen von Behörden, Privaten, u. s. w. veranlassten Untersuchungen, 
über welche Verschwiegenheit bewahrt Avird, sind die Avissenschaftlichen 
Bestimmungen der von der zweiten Singhalesen-Karawane mitgebrachten 
Ceyloner Drogen, Handelsartikel und NährpHanzen, Avelche Herr 
Hagenbeck dem Botanischen Museum zum Oeschenk überAviesen hatte, 
ausgeführt Avorden. Es Avurden ferner die Untersuchungen ülier das 
Wesen der Birkenmaser und analoger Erscheinungen im Holze tropischer 
Bäume fortgesetzt, desgl. die wissenschaftlichen Bestimmungen der 
aus dem Godeffroy-Museum stammenden Sammlungen. Abgeschlossen 
Avurden einige kleinere mycologische Arbeiten, soAvie die Bestimmungen 
und die Anordnung der Gefäss-Kryptogamen. 

Im diensthchen Interesse hat Ref. Reisen nach Tliarandt, Kiel 
und Rostock unternommen. 



Botanisches Museum und Laboratorium für Waarenkunde. 



LI 



Für -ttdssenschaftliche Hülfsarbeiteu wurden die Herren Cand. rer. 
nat. A. Stoffert, R. Rüben und A. Voigt, letzterer gegen Zahlung 
eines vorher vereinbarten Honorars herangezogen. 

Als Aufseher und Museumsdiener fungirte Heinrich Carl 
Christian Spindler, der an denjenigen Festtagen, wo der Besuch 
ein besonders zahlreicher war, von Bernhard Pfeiffer unterstützt 
wurde. Im Deceniber wurde für Hülfsaufsicht und Hülfsbedienung 
noch Carl Steffen herangezogen. 

Das ständige Inventar wurde zumeist durch (ilashafen u. dergl. 
vermehrt; von Instrumenten Avurde angeschafft: Ein Mikrotom (von 
August Becker in Göttingen) und ein kleines Arbeits -Mikroskop für 
Practicanten von Leitz. 

Die Bibliothek erhielt ausser durch die Zeitschriften einen recht 
werthvollen Zuwachs aus der Büi'germeister Kirchenpauer'schen Hinter- 
lassenschaft, sowie durch den Ankauf der „Flora der Philippinen-' 
von Blanc, welche durch eine Extra -Nachbewilligung von 400 J^ er- 
möglicht wurde. 

Im Laufe des Berichtsjahres wurden von dem Referenten 
folgende Vorlesungen gehalten: 



Wissen- 
scliaftlLche 
Hülfsarbeit. 



Aufsicht und 
Bedienung. 



Inventar. 



Bibliothek. 



Vorlesungen. 



Im Sommer sein est er 1887: 

1) Allgemeine und specielle Anatomie und Physiologie der Pflanzen 
(3. Theil und Schluss), '^-itündig. 

2) Botanisches Practicum. Anleitung zu mikroskopischen Arl)eiten 
aus dem Gesainmtgebiet der wissenschaftlichen Botanik, Täglich 
von 9—3 Uhr. 



Im Wintersemester 1887/88: 
fielen die Vorlesungen wegen der durch die baulichen Veränderungen 
hervorgerufenen, ungewöhnlichen museologischen Arbeiten mit Ge- 
nehmiguncf E. H. Behörde aus. 



LH Chemisches Staats-Laboratorium. 



6. Chemisches Staats -Lahoratorium zu Hamburg". 

Bericht des Direktors Dr. F. Wibel. 

Allgemeine In dem verflossenen Jahre hat die äussere und innere Ent- 

uDg. ^yj^^,]^(.im^„. (](.^ cliemischen Staats-Laboratoriums einen ruhigen Fortgang 
genommen. Die Ordnung des Archivs wie die Katalogisirung des 
Inventars und der Bibliothek wurde nach Maassgabe weitergeführt. 
Bauliche Die vou Jahr zu Jahr wachsende Zahl der Praktikanten, welche 

" ■ das Laboratorium in Aiisjiiruch nehmen, machte es als dringend er- 
forderlich, den letzten nocli verfügbaren Raum im Keller in den Zustand 
zu versetzen, dass derselbe als Arbeitsraum für alle Arbeiten benutzt 
werden konnte. Dies war nur dadurch möglich, dass die sehr kalten 
und auch feuchten Räume heizliar gemacht wurden. Diese Aufgabe 
ist erreicht durch die Aufstellung eines grossen Crown - Jewel - Ofens, 
welcher sämmtliche Räume erwärmt. 

Da der Keller durch eine offene Trepjjcnmündung mit dem 
Vorplatz des Parterre und dem übrigen Tre2)penaufgang in Verbindung 
stand, so war es nothwendig, wenn eine wirkliche Brauchbarkeit der 
Kellerräume geschaffen werden sollte, den Treppenaufgang von unten 
aus ndt einer Thür und einem Windhing abzuschliessen. Diese Arbeit 
ist denn auch ohne Verlust an Raum ausgeführt worden. 

Durch diese vortheilhafte und i)raktische Aenderung konnte auch 
erzielt werden, dass die Arbeiten der täglichen Petroleum-Controlle im 
Keller ausgeführt werden, wodurch das bisher für diese Arbeiten be- 
nutzte Zimmer, welches sich inzwischen durch die Anhäufung dieser 
Arbeiten als zu klein erwiesen hatte, für Gas-Analysen und sonstige 
Si^ecial-Analysen eingerichtet werden konnte. Auch Avurde dieses wie 
das Spectralanalytische Zimmer mit neuen, praktischen Dunkel-Rouleaux 
versehen. 

Als Erweiterung des Moljiliars sind zwei grössere Arbeitstische 
zu erwähnen; ein Doppeltisch mit Schieferplatte und Aufsatz für 
Reagentien-Standflaschen hat seinen Platz im Keller, der zweite, ein 
einfacher, ohne besondere Einrichtung im Spectral- Zimmer Aufnahme 
gefunden. 



Chemisches Staats-Laboratoriura. 



LIII 



Geschenke. 



Grössere Anschaffungen hat das Institut auch in (hesem Jahre Neu- 
nicht machen können, da die zur Verfügung stehenden Geldmittel kaiun fi^^^^iiaöungeii. 
ausreichten die laufenden und nothwendigsten Ausgaben zu decken. 
Der Verbrauch, namentlich an Gas und Heizungsmaterial, wie auch 
an Chemikalien und (Teräthschaften liess für die Anschaffung anderer 
zum Theil nothwendiger Apparate keine Mittel übrig. 

Von den in diesem Jahre angeschafften Apparaten und Uten- 
silien sind besonders zu nennen: Ein cylindrischer Wind-Schmelzofen 
von Schmiedeeisen mit Chamotte-Fttllung, ein Fletcher'scher Gas-Injector- 
ofen mit Brenner von Warmhmnn, Qidlitz & Co, Berlin, mehrere Stand- 
Haschen zum Aufbewahren von Säuren etc. mit eingebrannten und mit 
Glas überzogenen Schildern, Reagentien - Standflaschen für die neuen 
Arbeitstische von Kahler & Martini, Berlin, ein Dampfdichte - Bestim- 
mungs-Apparat nach Victor Meyer und ein vergoldeter analytischer 
Gewichtssatz von C. Stelling, Hamburg. 

An Geschenken sind der Anstalt zugegangen: Das Jahrbuch 
der wissenschaftlichen Anstalten Bd. IV von der S. T. Ersten Sektion der 
Oberschulbehörde. das Statistische Hand])ucli für den Hamburgischen 
Staat von Dr. Koch, die IJeschreibung der öffentlichen Anlagen für 
Beleuchtung, Wasserversorgung und Entwässerung der Stadt Hamburg 
vom Verein der Gas- und Wasser -Fachmänner, soAvie eine Anzahl 
Drucksachen im Austausch. 

Hinsichtlich der allgemeinen Tliätigkeit des Laboratoriums muss 
darauf hingewiesen werden, dass durch die Iniinerwälirend wachsende 
Inanspruchnahme des Institutes, sowohl in Durchführung der verschie- 
densten chemisclien Arbeiten für Gerichte und Behörden, wie auch 
durch die rege Betheiligung an den Unterrichtscursen, die vorhandenen 
Arlieitskräfte in fast erschöpfender Weise in Anspruch genommen werden 
nuissten. Dem ungeachtet darf mit grösster Genugthuung erwähnt werden, 
dass die Anstalt, Dank der gesunden Organisation, auf eine erspriessliche 
Wirksamkeit und eine gedeihliche Entwickelung zurückl)licken kann. Die 
wirkliche Arbeit der Anstalt, ni Erledigung der von Gerichten und 
Verwaltungsbehörden , Vorständen wissenschaftlicher Sammlungen und 
Vereine oder Privaten gestellten oder auf deren Anregung aus eigener 
Initiative erledigten Anforderungen ist wiederum gegen das Vorjahr 
erheblich gewachsen. 

Die periodisch wiederkehrenden UntersuclHingcii, welche in dem 
Berichtsjahre von Seiten des chemischen Staats-Lal^oratoriunis ausgefidirt 
resp. controllirt worden sind, beziehen sich: 
1) Auf die zum Genuss dienenden Wässer öffentlicher, wie amli 
vieler privater Brunnen. 

f 



Thätigkeit 

im 

AU"emeinen. 



LIV Chemisches Staats-Laboratorium. 

2) Auf die zu (ienusszwecken dienenden Fluss- und Bodenwässer 
Hamburgs. 

3) Auf die Abflusswässer der Eieselanlagen des Centralgefängnisses 
zu Fuhlsliüttel und der Irrenanstalt Friedrichsberg. 

4) Auf die Gewässer der Sammelbrunnen des Central - Friedhofes zu 
Ohlsdorf. 

5) Auf die bei den Zollanschluss -Bauten zu verwendenden Bau- 
materialien (Cement, Eisen u. s. w.). 

6) x4uf die Bestimnumg des Schwefels und der Kohlensäure im hiesigen 
Leuchtgase. 

Einen näheren Einl)lick in die im Jahre 1887 erledigten An- 
forderungen und Arbeiten ergiebt nachstehende 

U e ]j e !• s i c h t , 
in welclie al)er, Avie erwähnt werden muss, alle geringfügigen Er- 
ledigungen in der Verwaltungs-Correspondcnz wie in den sehr umfang- 
reichen Anfragen und Correspondenzen mit Fabrikanten, Händlern, 
Privaten und Gelehrten selbstverständlich nicht mit aufgenommen sind. 
Ausserdem bleiben die Arbeitsgebiete der 
amtlichen Petroleum-Controlle, 
der Controlle für Nahrungsmittel etc. und 
die Unterrichtsthätigkeit 
einer besonderen Berichterstattung vorbehalten. 

Bezüglich der täglichen Petroleum-Controlle ist darauf hinzu- 
weisen, dass sowohl die immer wiederkehrende Ijesondere Ausl>ildung 
der für die eigentliche Testung bestimmten Polizei - Beamten und der 
Angestellten des hiesigen Petroleumhafens, welche die Testung der 
mindertestig gefundenen Lots zu controlliren haben, als auch die 
Ueberwachung aller hierbei einschlägigen Arbeiten sehr viel Zeit und 
Arbeitskraft in Anspruch nimmt. 



Uebersicht 



Chemisches Staats-LaLoratorium. 



LV 



Uebersicht 

über die Seitens des Chemischen Staats -Laboratoriums in 
1887 ausgeführten Untersuchungen, abgestatteten Gutachten, 

Berichte etc. 



IL 



III. 

IV. 



VI. 

VII. 
VIII. 



a. 
b. 
c. 
d. 
e. 



Allgemeine Venvaltuiig: 

Motivirte Eingaben, Berichte n. s. w 

Uutei'suchnngeii und (liutacliten für Gei'iclite : 

Mord, Körperverletzungen, Sittenverbrechen , ver- 
dächtige Todesursachen (Gifte, Flecken n. s. w.). 

Brandstiftung, Explosionen u. s. w 

Medicinalpfuscherei, Nahrungsmittel, Betrug, Schrift - 
vergleichuug, Sachbeschädigung u. s w 



Verliandlinigen vor den (ierioliten 

Verhaiidliuigeii vor dem rntersiicliiiiigsgericlite und 
damit verbundene Besiclitigiuigen, l'orrespoudenz 

u. s. w 

Untersuclunigen, Gutachten und Berichte für Medicinal- 
bureaii. Polizei- und andere Behörden: 

Vcrdiichtige Todesursache, fraglicheVergiftung u.s. \v. 

Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände 

Fabriken und gewerbliche Anlagen 

Allgemeine sanitäre Untersuchungen 

Diverse andere Untersuchungen und Gutachten .... 



Besichtigungen von Fabriken, gewerblichen Anlagen 

u. s. w 

Conferen/en und Comuiissionen mit anderen Behörden 
Untersuchungen aus eigener Initiative 



Zusammen 



9 
1 

16 



7 
97 
18 
21 
16 



21 



26 
5 



159 



27 



320 



gegen 292 Nummern in 1886. 



f 



LVI 



Chemisches Staats-Laboratorium. 



1. Untersuchungen und Gutachten für Gerichte. 



Mörtel- 
Mischungen 
bei Bauten. 



Journal 

No. GO 



Vergiftung 
von Tauben. 



Fragliche 
Beschädigung 
von Taback 
durch Drogen- 
Ausdünstungen. 



(Uebersicht unter II.) 



113. Fall H. & r. Fahrlässige Tikltung beim Hauseiiisturz, 
Caftamaclierreilie. Im Anscliluss an die früheren Unter- 
suchungen in diesem Falle wurden noch verschiedene Mörtel- 
prol)en auf die Mischungsverhältnisse zwischen Sand und Cement 
und L()schkalk ausgeführt. Die jetzigen ßesultate waren, 
ähnlich den früheren, mehr oder minder ungünstig für den 
Angeklagten. Die gerichthche Entscheidung hat noch nicht 
stattgefunden. 

71. Fall Seh. Vergiftung von 3 Tauben. Diesellje war herbei- 
geführt, dass die Thiere von böswilliger Hand mit Strychnin- 
Weizen gefüttert worden waren. Es konnte durch die chemische 
Untersuchung festgestellt werden, dass sowohl der Kropfinhalt 
wie auch die Eingeweide der Thiere Strychnin- Nitrat ent- 
hielten. Nach der Isohrung der giftigen Substanz mittelst 
der Dragendortf'schen Methode wurden in den Eingeweiden 
der vergifteten Thiere je ca. 3'/-' milligranim Strychnin-Nitrat 
nachgewiesen. 

73. Fall B. c. P. und K. In dieser Civilklago handelte es sich 
um die Frage, ob durch Ausdünstungen von Drogen oder 
Chemikalien die Verschlechterung von Taback herbeigefülirt 
Averden kann. In einem S})eicher, Eigenthum des P., lagerten 
zu gleicher Zeit Tahack und Drogen und zwar auf dem ersten 
Boden der Taljack des B,, auf dem dritten Boden die Drogen 
des K., während der zweite Boden frei war. Nach einiger 
Zeit machte sich im Tabackslager ein scharfer Geruch be- 
merkbar, welcher von dem Eigenthümer des Tabacks auf die 
Drogen zurückgeführt wurde. K. behauptete seinerseits, dass 
dieser Geruch ans dem im Keller des Speichers vorhandenen 
Häringslager stamme. Nach Urtheil von Sachverständigen hatte 
der Taback erheblich an Güte gelitten. Die Besichtigung der 
sämmtlichen für den Entscheid hier in Betracht kommenden 
Lokalitäten ergab, dass vom dritten Boden aus eine Leckage 
einer stark riechenden Flüssigkeit stattgefunden hatte, Avelche 
durch alle Böden bis zur Decke des Tabacklagers reichte und 
hier zwei dunkle, nach Theer resp. rohem Carbolöl riechende 
Flecke hinterlassen hatte. Die örthch übereinstimmende Lage 



Cliemisclies Staats-LalMiniloiium. LVII 

Journal 

sämmtliclior. sich in den verschiedcMien Uiulon zeig-endon Flecke 
wie anch der id)ereinstimmende Geruch Hessen erkennen, dass 
die Leckage vom dritten Boden ausgegangen war. Die chemische 
Untersuchung der aus den verschiedenen Böden entnommenen, 
durchtränkten Holzproben bestätigte, dass die Flecke in Zu- 
sammenhang standen, denn aus allen konnte ein Oel abdestillirt 
werden, welches nach roher Carbolsäure roch und auch die 
chemischen Reactionen dieses Körpers zeigte. Die aus den 
Tahacksvorräthen entnommenen Asservate gaben nach der 
chemischen Untersuchung keinen Aufschluss etwaiger Be- 
schädigung durch Drogentlüssigkeiten. Das Resultat der zeit- 
raubenden Arl)eit ging dahin, dass die von den Sachverständigen 
anerkannte Verschlechterung der Taljacke im B. "scheu Lager 
hauptsächlich auf die Ausdihistung der erwiesenermaassen bis 
zur Decke dieses Raumes gedrungenen Carbolöl-Leckage aus 
dem K. 'sehen Boden zurückzuführen sei. 

No. 94. Fall H. c. H. Li dieser Civil -Klagesache handelte es sich Feststellung 
um eine Kontraktverletzung in Handelsangelegenheiten. Es friut^eu-^sorten 
wurde dem Labora,torium dabei die Aufgabe gestellt, das 
Streitobject , bestehend aus 4 verschiedenen Proben Tinte, . 
einer vergleichenden Lhitersuchung zu unterwerfen, wodurch 
festzustellen war. ob ein Unterschied in der chemischen Zu- 
sammensetzung zwischen den mit ,.Tinta agallica" und „Tinta 
chancellaria" bezeichneten Tinten bestehe und ob die Tinta 
chancellaria so zusammengesetzt sei, dass ihr die allgemeine 
Bezeichnung „Gallustinte" zukomme. Durch eingehende Ana- 
lysen wurd(> festgestellt, dass sämmtliche vier Tintenproben aus 
Blauholz, Gerbsäure, chromsaurem Kali, Eisenvitriol, Kujifer- 
sulfat, Dextrin und etwas Kreosot zusannnengesetzt wari^n. 

Hieraus ergab sich, dass kehie der Tinten als Gallus- 
Tinte l)ezeichnet werden konnte. 
„ 102. Fall V. Gesundheitsgefährhchkeit, Betrug und Schwindel. Eine BetniK 

wohl angepriesene Vernickelungsilüssigkeit unter dem Nanum duieh falsche 

^ J^ o .^ Vernickelimgs- 

„Anu'rikaan'sche NickeF' kam zur nidiercn IJcurthcilung. Es Flüssigkeit, 
ergab sich nach Feststellung der nur noch in geringei' Substanz 
vorhandenen Flüssigkeit, dass dieselbe aus einer stark Salpeter- 
säuren L(")snng von salpetersaurem (^)uecksill)er bestand und 
dass dieselbe als Ei-satz für galvanoi)lastische Vernickelung 
nicht zu verwenden war. Die Flüssigkeit musste, sowohl ihres 
starken Säuregehaltes wie auch der Anwesenheit des giltigen 



LVIII 



Chemisflics Staats-Laboraturiiim. 



Kiirper- 
veiictznn,£ 

ilui'ch 
Treppon- 
einsturz. 



Sitten- 

verbrechoii. 

Spermatozüen 

nicht erwiesen 

Vei'ilaolit auf 

Verliilsclmng; 

von Tliee. 



Vevfälscliter 

Wein. 
Tlieilwelse 
erwiesen. 



Mottengift. 
Kragliclie 
Vergit'tnuo-. 



Vergiftung 

durch 

Alkohol. 



Jnnnial 

l()slic]ien Quecksilbersalzes wegen, zweifellos als eine die 
Gesundheit schädigende bezeichnet werden, insofern dieselbe 
nicht auf rein gewerbliche Kreise beschränkt bleibt. 
No. 111. Fall H. Körperverletzimg und Zuwiderhandeln gegen die all- 
gemein anerkannten Ecgeln der lUiukunst. Untersuchung von 
verschiedenen, bei einem Bau zusammengestürzten Treppen- 
stufen auf das MischungsverhJdtinss von Cement und Kies 
resp. Sand. Bei all den Proben ergab sich ein nach der 
Regel übhches Verhältniss 1 : 2,5 — 1 : 3,0. Das Unglück war 
aus Verschulden der nöthigen Vorsicht beim Absteifen während 
des Legens der Treppenstui'en herbeigeführt. Die gerichthche 
Entscheidung erfolgte auch in diesem Sinne. 

„ 122. Fall Seh. Sittenverbrechen und Nothzucht. Die zur Unter- 
suchung gelangten Sjjermaflecke ergaben ein negatives Resultat. 
Es konnten Spermatozcien nicht nachgewiesen werden. 

„ 120. Fall R. F. & Co. Verfidschter Theo. Der äusserlich ganz 
unver.dächtige Thee lieferte auch nach dem chemischen De- 
tundc kein positives Ergebniss der Verfiüschung, doch musste 
auf (irund der mikrosko})ischen Feststellimgen der Verdacht 
auf Beimischung fremder Blätter ausgesprochen werden. 

„ 135. Fall St. Weinverfälschung. 'S'on den 11 gerichtlich beschlag- 
nahmten Weinproben gaben sich nur tauige als Naturwein zu 
erkennen. Der grösste Theil waren Fa^omveine, die theils 
mit Alkohol verschnitten waren, theils einen Zuckerzusatz 
erfahren hatten und theils mit Theerfarl)stoffen gefärbt waren. 

„ 151. In diesem Falle war der Nachweis zu führen, ob das in Frage 
stehende „Mottengift" Strychnin enthalte. Die nähere Unter- 
suchung ergal), dass das sogen. IVIottengift aus reinem, Strychnin- 
freiem Naphtalin bestantl. 

„ 153. Fall V. Fahrlässige Vergiftung durch Alkohol. In den zur 
Untersuchung gekommenen Leichentheilen, nändich Magen 
nebst Inhalt, Darm und Gehirn konnte nur in beiden ersteren 
Theilen mit Sicherheit Alkolud nachgewiesen werden. Das 
durch wiederholte fractionirte Destillation über Chlorcalcium 
wie kohlensaures Alkali und Weinsäure erhaltene alkoholische 
Prodidvt zeigte eine nur sehr geringe Menge von Alkohol, 
welche nicht (pumtitativ bestimmt werden konnte. Der Nach- 
weis von der Gegenwart des Alkohols wurde geführt durch 
die Aldehyd -Reaction, Jodoform -Reaction und die Chlor- 
benzoyl-Probe. 



Clieiiiisehes Staats-LaboiatDrium. LIX 

Journal 

No. ino. Fall K. Vergiftete Speisereste. Die Veranlassung einer nnlg- Vomiointiidie 
liehen W'rgiftung wurde dadurch gegeben, dass sich in dem Vergiftung 
Mittagsmahl der Frau (i. ein verdächtiger Geruch und zahl- Phosphor. 
reiche rothe Partikelchen befanden. Ijei näherer Besichtigung 
und vorsichtiger Isolirung der rothen Theilchen ergal) sich, 
dass dieselben aus gestossenem Flaschenlack bestanden, welclier 
in dem fein vertheilten und erwärmten Zustande ehien Geruch 
verl)reitete , der schwachen Anklang an Phosphor enthielt. 
Es zeigte sich auch ferner, dass keine der (Jesundheit schäd- 
liche Substanzen durch den Lack in das Mittagessen ge- 
kommen Avaren. 

,, 191. 1(\7. Fälle Ch. cV: Gen. und Gr. & Gen. Körperverletzungen, vermeintliche 
fragliche Blutflecken an Kleidungsstücken und Messern. In i'-iutiiecke. 
beiden Fällen konnten weder Blutflecke noch Blutspuren 
nachgewiesen werden. 

„ 2r)0. Fall V. Werthbestiramung der J. Morrison'schen Haarver- Quacksalberei. 
jüngungs-Tinctur. Eine Flasche, 800 cc dieser Flüssigkeit 
enthält ca. 1, '2 grm Bleizucker, 13,.5 grm Alkohol, 13,.5 grm 
Glycerin. 0,9 grm Schwefel mit etwas aether. Oelen parfümirt 
und besitzt incl. Flasche einen Werth von ca. 40 Pfenni». 

„ 261. Fall S. Vergiftung durch Phosphor, welcher im Magen nebst Erwiesene 
Inhalt, sowie in der Leber zwar nicht mehr als freier Phosjihor. Vergiftung 

1 1 1 1 1 1 • [t 1 • durcli 

wolil aber als phosphorige Säure nachgewiesen werden konnte. Phosphor. 
Die als verdächtig angesehenen Medicamente waren völlig frei 
von Phosphor und den hier in Frage kommenden Verbindungen. 

„ 278. Fall P. Brandstiftung. Das zur Prüfung vorliegende Asservat Muthmassiieiie 
bestand aus verschiedenen Kohlenresten, an denen nachge- Bi«nJstiftung. 
wiesen werden musste, aus welchen verbrannten Stoffen die- 
selben herrührten. Es stellte sich nun bei der Untersuchung 
heraus, dass die Kohlenreste aus dem Verbrennen von Nadel- 
holz, Weidenrohr und zusammengeliallten Klumpen von Koggen- 
und Weizenmehl stammten. 

„ 280. Fall App. Comp. Lira, gegen N. Eine Streitsaclie über die Gi,.idih.Mt 
Beschaffenheit zweier Mineralwässer aus beiiachhnrteii <,)uellen zweier 

.,,.,, ... Hitterwässor 

m ihrer chemischen /usammensetzung wie physioh)gisch(Mi ans 

Wirkung. Diese sehr nmfangreiche Arbeit stellte dem Che- verschi.Hieneu 
miker die Aufgabe nicht allein die Hau])tbestandtheile dieser 
Wässer zu bestimm(>n, sondern auch diejenigen Bestaiultlieije. 
welche in geringfügiger Menge auftreten, zur Kenntniss zu 
bringen, da gerade iu besonderen Fällen diesen geringen Quan- 



Jj\ Ciiemisflies Staats-L!il)oratürium. 

Joimial 

titätcn iiiediciinsch differente Wirkungen l)eigelegt werden. 
Es konnte bei dieser Gelegenheit aus den verschiedenen vor- 
liegenden Analysen hervorragender analytischer i^utoritäten 
die wechselnde Zusammensetzung dieser Mineralwässer l)eol)- 
achtet worden. Nach der chemischen Analyse nuissten beide 
Bitterwässer nicht nur als ähnlicli, sondern auch als nahezu 
gleich betrachtet werden. Hinsichtlich iln-er Wirkung als 
Darm-reizendes Mittel sind die l)eidcn vorliegenden Wässer 
ebenfalls als gleich zu betrachten, da die geringfügigen 
Schwaidvungen, speciell in dem Verhältnisse von Glaubersalz 
zu Bittersalz, als irrelevant angesehen werden konnten. 

2. Untersuchungen und Gutachten für andere Behörden 
und Verwaltungen. 

(Uebersiclit unter V.) 

Die requirirenden Beli()rden Avaren: ()l)erschnl-Behörde, iSIedicinal- 
Bureau, Polizei -Beh()rde, Deputation für indirecte Steuern, Ober-Post- 
Direction, Baupolizei, Münze, Friedhofs-Deputation. 

Jdurnal 

Transport No. 10. Begutachtung des neuen Sprengstoffes ,.Eoburit" betr. den 
v°'^ Verkehr mit demselben nach der Verordnung E. H. Senats 

vom 4. Juh 1883. Es hegt der Si)rengstoft" in seinen beiden 
Componenten: Salpetersaures Ammoniak und Victoriagelh- 
farbstoff vor, welche, jeder für sich transportirt , als ganz 
ungefährlich auzusehen sind. Dagegen ist der Sprengstoff 
Rol)urit als fertig priiparirtes Gemisch dnrcliaus als gefährlicli 
zu betrachten. 
Veriaisoimng ,. 25. Conscrvirung von Schmalz durcli Borax. Diese gerichtliche 
von Sciiiiiaiz Recjuisitiou ging liervor ans (Miiem (iutacliten einer ausw^ärtigen 

nicht ' f>Ti -11 • •cii'i 

ijegriindet. Coutroll- Station für Lebensmittel über emen mi Seh. sehen 

Schmalz gefundenen Wassergehalt von 1,8 7o. Dieser Wasser- 
gehalt wurde auf die Gegenwart von B)Orax zurückgeführt, 
und es handelte sich im Weiteren nun um die Frage, ob das 
Schmalz gesundhoitsgefährliche Mengen von dem Conservirungs- 
mittel enthielt. Die thatsächliche Feststellung der im Sch.'schen 
Schmalze voi'handenen r.orax-Menge lieferte die Ueberzeugung, 
dass dieselbe so g(n*ing war, dass sie weder hinsichtlich einer 
Fälschung, noch einer Gesundheitsschädigung in Betracht 
kommen kann. 



Sprengstotl'. 



Chemisches Staats-Lalxn'iil 



i'aturiuin. 



LXl 



Journal 

No. 20. Fall N. Narcotica. In oinoia Idoiiieii Fläsclicheii. wclclios ilie 
Eti(i[uotto ..Schweizer Alpenkräuter-Uitter oen. Woliltliäter" 
triis, Letand sieh eine farhlose Flüssigkeit, Avelche im Verdaeht 
stand, stark giftige Eigenschaften zu hesitzcn. Die chemische 
Untersuch ung klärte das (Jeheimniss insofern auf, als sie in 
der Flüssigkeit einen 00 "/d Alkoliol mit etwas Vanille-artigem 
Parfüm ermittelte. 

„ ?}'). Fall H. Auskunft üher (Nirrosivität von verzinkten eisernen 
Telephondrähten. In dem Marmorlager des H., über welches 
Telephondrähte gespannt waren, stellten sich nach kui-zer Zeit 
Eisenrost -Flecke auf dem Marmor ein. Es fragte sich nun. 
wie müssen diese Drähte heschaffen gewesen sein, um jene 
Rostflecken herheizuführen und ist es möglich, dass die ver- 
zinkten Eisendrähte in der gegebenen Zeit eine solche Corro- 
sivität erleiden kfinnen? Die gewünschte Auskunft konnte 
aus verschiedenen Gründen nicht in der verlangten l)ündigen 
Form erledigt werden. 

„ 37. Fünf Proben Speiseessig von einer hiesigen öffentlichen Anstalt 
eingesandt, ergaben sich als rein und ohne die menschliche 
Gesundheit schädigende Substanzen. 

„ 77, 89, 00, 02, 00, 115, 204, 21P., 21(1, 230. 254. Untersuchungen 
verschiedener hiesiger öffentlicher oder zu (tftentlichem Gonsum 
in Schulen etc. gelangender imvater Pumpl)runnen, Quellen 
oder sonstiger Gewässer, welche zum Theil ein stark verun- 
reinigtes und daher zu l)ea,nstandendes Wasser ergaben. 

„ IUI. Verfälschte Lebensmittel, welche sich jedoch nicht als solche 
kennzeichneten. 

„ 118, 130. Die periodisch wiederholte Prüfung der Aldaufwässer 
von den Rieselfeldern in Friedrichsberg (Irrenhaus) und Fuhls- 
büttel (Genti'al-(iefängniss) hat leider keine besondere Zunahme 
an Reinheit dci' Wässer ergeben. 

„ 12-1. liengalische Zündhrdzcr. welc-he wiederum \'ei';nd;issung zur 
Selbstentzündung und zum Aiisbiiich eines Feuers gaben. 
Die auf den Schachteln si(^h beliiidhchen An])reisungeii und 
Atteste beiinden sicli in vollem Gegensatz zu dem. was in 
den Schachteln ist. Die bengalischen Zündhölzer sind jeden- 
l'alls selbstentzündHch wie (^\]>losiv zu uenn(Mi und nach vüj 1 
der Hamburgischen Vciorchiuiiu vom 1. -lull l.s.s3 zu behandeln. 



Narcoticum 

nicht j 

ermittelt. i 



Fragliche 
Beschädigung 
von Marmor 
durch 
Telephon- 
drähte. 



Speiseessig als 

unverfälscht 

erwiesen. 



Brunnen- 
lind 
(|uell- Wässer. 



Rieselfelder. 

Friedrichsherg 

Fuhlsbiittel. 



Bongalische 

Ziindhiilzer sind 

sclhst- 

ontzündlieli 

und explosiv. 



LXII 



Cliemiselies Staats-Lalioi'atürium. 



Central- 

Friedhof 

in Ohlsdorf. 



Journal 
No. 125. 



Zucker. 



Oefl'i^ntliclie 
Brunnen. 



Verdächtiges 
Schwarzbrod. 



ScLmieröle. 



DenaturirtPR 
Kochsalz. 



139. 



151), 



Muthmassliche „ 184. 
Bi^täubung 

durch 
Narcotica. 



oq' 



243, 



rortsetzuiis der periodischen Untersuchnii^' der IJniniieii- und 
Drainage-Wässer des Ceiitral-Friedliofes zu Oldsdorl aus der 
Winterperiode 1880/87. Die Prüfungen ergaben als Gesannut- 
resultat, dass irgendwelche Verunreinigungen der Wässer durch 
Zufuhr von Fäulnissprodnkten ans den mit Leichen helegten 
Theilen des Friedhofes nicht zn l)enierken waren. 
Die von der Verwaltnng des Central-Gefängnisses eingesandte 
Zuckerprohe wurde mit 79,8 % Raffinationswerth als unver- 
fälschter Rilhenzucker erkannt. 

ino a, 183, 193. Periodische Untersuchungen der öffentlichen 
und öffentlich heniitzten privaten liruniien. (Veröffentlicht 
hn Amtsl)latte.) 

Fall V. Von einem Unbekannten wurde das Dienstmädchen 
F. herangelockt und ihm ein Taschentuch vor den INI und 
gehalten, Avodurcli dasselbe momentan betäubt und bewusstlos 
geworden sein will. Das Mädchen ist an Händen und Füssen 
gebunden gefunden worden, doch haljen sich keinerlei Ver- 
letzungen an demselben gezeigt. Diese räthselhafte Betäubungs- 
art ist schon wiederliolt Gegenstand der Untersuchung gewesen, 
doch ist niemals, wie auch in dem vorliegenden Falle, weder 
ein narcotisirendes noch anaestethisirendes Mittel in jenem 
Taschentuclie gefunden worden. 

Ein verdächtiges Schwarzbrod, welches Vergiftungserscheinun- 
gen hervorgerufen haben sollte, erwies sich als normal, ohne 
jeden Verdacht auf eine gesundheitsschädliche Beschaffenheit. 
Ueber die Schmierfähigkeit verschiedener Schmieröle erwünschte 
die Bau-Dei)ntation Auskunft und wurde die betreffende Untei-- 
suchung mit Engier's Viskosimeter und dem Lepenau'schen 
Leptometer ausgeführt. 

Diese, auf Veranlassung der Zollbeh(>rde aufgenommene Arbeit 
hatte den Zweck, Versuche anzustellen, oIj das in Handnug 
in grossen Mengen vorhandene denaturirte Kochsalz odei- 
sogen. Häntesalz durch leichte und einfache Manipulati(tnen 
in einen für den menschlichen Gennss brauchl)aren Zustnnd 
zu versetzen sei. Unter den eingesandten Proben liefanden 
sich einige, welche sich ohne nur verhältnissmässig grossen 
Aufwand von Kosten derart reinigen liessen, dass eine Brauch- 
barmachung fih- den menschlichen Gennss wenigstens nicht 
ausgescldossen erschien. Andere hingegen konnten nicht für 
diese Zwecke umgearbeitet werden. 



Cliemisclies Staats-Laborntoi-imii. LXIII 



Journal 

No. 240. Die Holz})flastenin,i;' auf der Adolplishriicke und die mfioliclien Bachenimiz- 
Ursachen der Versackuui; d('rsoll)on ^al) eine Reihe inter- ' " ^"^ "^' 

' ' btrassen- 

essanter Uiitersucluinii;en. Es Avurde dahei die Art der Im- ptiasterung 
prägnation der Holzkl()tze festgestellt und ebenso die Ingre- "^ßeto'^^" 
dientien und das Älischungsverhältniss des /um Pflastern Unterlage, 
verweiuleten Mörtels einer Prüfung unterworfen. Aus dem 
I<]rgel)niss aller dieser Untersuchungen konnte die Ursache 
für die seiner Zeit eingetretenen Missstände nicht erklärt 
werden. 

„ 202. Little's Desinfections-Flüssigkeit war wieder einmal der Gegen- Desinfections- 
stand eingehender Untersuchung. Das so oft und viel ange- mittel, 
priesene Desinfectionsmittel, eine dunkelbraune, dickflüssige, 
theerartig riechende Flüssigkeit, welche aus einer durch Px'- 
handlung von Theer-artigen, mit Schwefelsäure und dann mit 
kohlensaurem Natron neutralisirten Masse besteht, geluirt 
7,ur Gruppe der aus Theer gewonnenen und durch dessen 
Bestandtheile wirksamen Desinfectionsmittel und ist dassellie 
in dieser P)eziehung so gut und so schlecht wie alle anderen 
dieser Art. 

„ 270. Imprägnirtes , wasserdichtes Bedachungsmaterial nennt sich Beaacimngs- 
eine in einer auswärtigen Fabrik hergestellte, mit Oelfarben ^^Jatenai. 
überstrichene Leinenfaser. Es dreht sich um die Frage, ol) 
das Baumaterial den Ansprüchen des § 2S unseres Bau- 
l*oli/,ei-Gesetzes genügt. Diese Frage konnte im Allgemeinen 
bejaht werden, da dasselbe sich schwer entzündhch wie auch 
schwer verbrennlicli zeigte. 

„ 2S4. Eine zur Untersuchung gestellte Dauerfar])e bestand aus Dancrtariio. 
22,70 7ü Leinöl und 77,30 7ü festen Bestandtheilen. Letztei-e 
waren zusammengesetzt aus Zinkweiss, Bleioxyd nebst etwas 
Ultramarin und Gyps als Farbe und Deckmaterialien, und 
aus Manuan-Eisenoxvdul-Silicat als Siccativ. 



Die amtliche Petroleuni-Controlle im Jahre 1887. 

Dieselbe« wurde im vcrllosscncn Jahre nach den im früheren 
Jahresbei'icht geschildei'teu (iesichtspunkt(Mi ausgeführt. Dureli (h'e jetzt Amtiicho 
zweckmässig getrofl'ene Einrichtung- der t;ii;licheu Gonti-olle hat dieselbe J*'V''l'!""'" 

' ' .-1 ,-^ ... ( Olltrolle im 

ihre grösstc Vervollkomnnnnig gefiniden. so dass die jetzige Einrichtung j^Lre iss?. 
allen Ansprüchen genügt und auch genügen kann. 



LXIV 



Chemisches Staat s-LaliovatoTiiim. 



1. Getestet wurden im Laboratorium 

1885 861 Prolu'n in 1715 Destimmunsfen 

1880 1982 „ „ 3930 

1887 2071 „ „ 4030 „ 

2. Unter den Proben l)efanden sieb Russiscbes Petrob'um 

1885 10 mal = 1,2% 

1880 „ = 0,3 „ 

1887 12 „ = 0,0 „ 

3. Bei den Tcstun.c^en zeigte sieb eine Differenz dor Einzel- 
beobacbtungen : 

von V2"C. 1885 bei 110 Proben = 13,5% 
1880 „ 273 „ = 13,8 „ 
1887 142 — 9 

von 1"C. und mebr 1885 keinmal 
1880 keinmal 
1887 keinmal 

4. Von den 2071 Proben batten 



Reduc. Entflammuniispunkt 
unter 21° C 7 = 0,4% 



21 21 9° 

22—22,9" „ . . 
23—23,9° „ 

24 24 9" 

25—29,9" „ . 

30" C. u. darüber. . 135 = 0,5 



218 = 10,5 „ 
709 =37,1 „ 
349 = 10,9 „ 
243 =117 



350 = 10,9 



2071 = 100% 



Speeif. Gewicbt bei 1 5 " C. 

0,799 205 = 9.9 % 

0,800 42 = 2,0 „ 

0,801 93 = 4,5 „ 

802 . 252 = 12 2,, 

0,803 . . 830 =40,4 „ 

0,804 343 = 10,0 „ 

0,805 198 = 9,5 „ 

0,800 02 = 3,0 „ 

0,807 17 = 0,8 „ 

0,808 u. mebr . . 18 = 0,9 „ 

Unbestnnmt 5 = 0,2 „ 

2071 = 100"/o 



Mitbin wurden mindertestige , d. b. unter 21" C. entil;imud);ii'(' 
Proben gefunden : 

1884 = 5mal = 1,0"/" 1885 = 9mal = 1,0 "/o 
1880 = 11 „ = 0,5 "/o 1887 = 7 „ = 0,4 "/o 



Die Controlle der Nahrungs- und Genussmittel sowie 
Gebrauchsgegenstände nach dem Gesetze vom 14. Mai 1879 

soweit sie niebt durcli das Laboratorium auf gerieb tlicbe oder polizeiliebe 
Aufforderungen (s. obige Ucbersicbt 11c und Vb) ausgeülit wurde, ist 
durcb die dafür ausgebildeten Pulizeibeaiuten durebgefübrt worden. 



Chemisches Staats-Laboratorium. LXV 

Die der Polizeibehörde vom Publicum eiugelieferten uud von 
den lieiden Oftizianten Schulte und Hinfz im Laboratorium untersuchten 
Nidirungs- und Genussmittel etc. beliefen sich auf 62 Proben. 

Diese bezogen sich hauptsächlich auf JVIilch- und Butterprol^en 
luid konnten von 20 der letzteren, welche sämmtlich als Naturbutter 
verkauft worden waren, i) als Margarine und 3 als Mischbutter l)e- 
zeichnet werden. Von den 27 Milchproben, welche zur Untersuchung 
kamen, Hessen 13 einen Zusatz von über 10% Wasser erkennen, während 
3 als abgerahmte Milch angesehen werden mussten. Sämmtliche Milch- 
})roben waren als Vollmilcli verkauft worden. 

Leider waren die Oftizianten während des grössten Theiles des 
Jahres fast ganz durch andere dienstliche Pflichten so in Anspruch 
genonnnen, dass jene systematisclie Controhe nur mangelhaft verwirklicht 
werden konnte. 

3. Die Unterrichtsthätigkeit. 

Im Wintersemester 1880/87 i'anden Vorträge über Unorganische 
und Analytische Chemie statt. Wäln-end des Sonnnersemesters des 
Jahres 1887 konnten die angekündigten Vorträge Avegen jNLingel an ge- 
nügender Ik'theiiiguug nicht gehalten werden, dagegen wurde den 
l)raktisch arbeitenden Anfängern die entsprechende theoretische P)elehrung 
im Laboratorium sell)st ertheilt. Im Winterhalbjahr 1887/88 wurden die 
Vorträge ül)er Unorganisclie und Analytische Chemie in 7 Stunden 
wck'hentlich wieder aui'genommen, doch mussten auch diese wegen Er- 
krankung des Directors einige Wochen unterl)roclien werden. Auch 
hier trat die theoretische Lelelniuig im Laboratorium an deren Stelle. 
Die praktischen Uebungen im Laboratorium (12 — 40 Stunden wöchentlich) 
fanden in ungeschwächter Weise statt und zwar im Sommer von 8 — 12 
und 1 — 5 Uhr, im Winter von i) — 12 und 1 — 4 Uhr täglich. 

Die Zahl der Theiluehnier an den Vorträgen und praktischen 
Uebungen 1)etrug: 

1. Jaiuiai--()stern Sommer Winter in 1887 iU)erbaupt 

bis ult. Dec. 
16 14 16 30 

von welchen .14 12 15 28 

im Laboratorium aibeitctcn. 

Ihrem Berufe nach waren diesellien: 

Chemiker (Anianger und (ieübtere) .16 

Lehrer 2 

Pharmaceuten 1 

Kaurieutc rcsp. Fal)rikanten 6 

Polizei Beamte 5 

30 



LXVI Chemisches Staats-Laboratonnin. 

Die Gesamint/aljl der Tlieilnelimer an duu LTebiiugen ii. s. w. 
unserer Anstalt beträgt jetzt 133. An Honoraren ii. s. w. wurde vom 
I.Januar bis ult. December vereinnahmt -41489,71 gegen 1467,98 in 
1886. Auf Grund § 14 der Statuten waren 8 Theilnehmer von der 
Honorarzablung befreit. 

4. Die Verbreitung chemischer Kenntnisse in weiteren 

Kreisen 

hat auch in diesem Jahre wegen Ueberhäufung mit anderen Arbeiten 
ledighch, ausser einzehien Vorträgen in Vereinen, durcli die amthclicn 
Sprechstunden von 11 — 12 und 4 — 5 Uhr gefördert werden können, und 
boten letztere allerdings Gelegenheit, zahlreichen Besuchern Auskunft in 
chemischen Dingen zu ertheilen. 

5. Die Ausführung wissenschaftlicher Untersuchungen. 

(Uel)ersicht unter VIII.) 

Die Mehrzahl dieser Arbeiten ist im Interesse oder auf specielle 
Anregung hiesiger Verwaltungen sowie Privater ausgeführt worden, doch 
sind auch einige aus eigener Initiative hervorgegangen. 

Journal 
Nr. 40 b, 44. Zwei Krd- und Wasserproben von IMadagascar, welche auf 
ihre Zusannnensetzung geprüft wurden. 
,, 43, 79, 8ü, 96 u. s. f. Monatliche Destimmungen von Gesammt- 

Schwefel und der Kohlensäure im hiesigen Leuchtgase. 
„ (i9, 138, 158. Verschiedene Untersuchungen über prähistorische 

Fund()l)jecte. 
„ 76, 100. Harburgcr Wasserproben. 
„ 9.5. Fortsetzung der Untersuchung der Hyalin- Ausscheidungen von 

Pectinatella magnitica. 
„ 157, 192. Bestimmung verschiedener Mineralien, wie Lüneburgit, 
Jadeit, Wad-V^arietät Coquimbit von (Ihili. 
Nr. 260, 264. Untersuchungen über Klärung des mit Wasser getrübten 
Petroleums und Feststellung des Ursprungs des in dem Tank 
eines Petroleum-Schiffes vorhandenen Wassers. Letzteres 
wurde als Seewasser erkannt und ergal) sicli bei dieser 
Feststellung, dass sich das Chlor in auch nur wenig Petroleum- 
haltigem Wasser an sich mit Silberlösung nicht titriren liess. 
„ 296. Ausgedehnte Mörtel-Untersuchungen in der ßestinnnung der 
Mischungsverhältnisse zwischen Cement, Sand und Löschkalk 



Chemisches Staats-Laboratorimn. LXVII 

Journal 

und Berechnung der gefundenen Gewiclitsmengen auf die in 
der Praxis angewandten Volumtlieile. 
No. 297. Bronze-Darstellung aus Kupfererzen und Zinnstein. 
„ 298. Dampfdiclite-Bestinimung verschiedener Körper mit dem Ap- 
parat nach Victor Meyer für hochsiedende Körper. 
„ 299. Analyse des in der Neuzeit in weiten Kreisen so empfohlenen 

Antisepticums „Creolin" und dessen Produkte. 
„ 300. Fortsetzung der Arbeiten über Cupriconium-Verl)indungen. 
„ 301. Ue1)er die Schwankungen im Chlorgehalte und Härtegrade des 

Eibwassers etc. 
„ 302. Vergleichende Untersuchungen der Viscositäts-Bestimmungen 
mit Prof. Engler's Viscosimeter und Dr. Lcpenau's Leptometer. 
„ 303. Zum Nachweis von phosphoriger Säure bei Phosphor- Ver- 
giftungen nach dem Blondlot-Dusart'schen Verfahren. 
„ 304. Versuche zum Nachweis kleiner Mengen Butterfett in Margarin 
betreffend den Zusatz von Milch zur Kunstbutter. (Reichsgesetz, 
Verkehr mit Kunstlmtter.) 
„ 305. Ueber die Bestandtheile des „Guano Hajo de la isla Rosa", 
ein neuerdings aufgefundener Phosphat-Guano. Versuche über 
eine Methode der Anreicherung von h'Jslichen Phosphaten. 
Zum Schlüsse mag noch erwähnt werden, dass von den unter 5 
erwähnten Arbeiten durch den Druck veröffentlicht wurden, und zwar 
in der Festschrift zur 50jährigen Stiftungsfeier des hiesigen Natur- 
wissenschafthchen Vereins : 

1) Thonerdehydrophosphat (V Coeruleolactinj in pseudomorpher Nach- 
bildung eines Gewebes oder Getiechts. 

2) Raseneisenerz, Eisensclilacke oder oxydirtes Eisen. 

3) Analyse einer altmexikanischen Bronzeaxt von Atotonilco. 

Der Director, 

i. A. 

Dr. Aä, Enf/elbrechL 



LXVIII Physikalisches Staats-Laboratorium. 



7. Physikalisches Staats-Laboratorium. 

Bericht des Direktors Dr. August Voller. 

Die Thätigkeit des pliysikalisclieii 8tuat(5-Lul)uruturiums hat sich 
während des Berichtsjahres stetig weiter entwickelt. Die Benutzung 
der Anstalt Seitens des rul)]icunis dauert in der gewohnten Weise fort. 
Al)geselien von zahlreichen, in den Sprechstunden des Direktors mündlich 
erledigten Anfragen ist das Lahoratoriuni vielfach von Privaten Behufs 
Ausfidu'ung von I'ntersuchungen, Prüfungen von Instrumenten etc. in 
Anspruch genonnnen worden, naclidem diese Thätigkeit gegen Ende 
des Vorjahres provisorisch aufgenonnnen worden war. Die Mehrzahl 
dieser Prüfungen betraf ärztliche und andere Tliermometer. Seit 
Px'giiiii der Tliermometcrpriilniigen im Hcrlist ISSO l)is Kmh' ]SS7 
wurden insgesammt 5(i8 Thermometer untersucht, wovon 510 ärzthche 
waren. Von sonstigen Arbeiten dieser Art wurden 14 Untersuchungen 
beendet, welche sehr verschiedene Gegenstände betrafen (galvanische 
Batterien , dynamoelektrische Maschinen , ärztliche und technische 
elektrische Messinstrumente; elektrische Lampen, (ias-Intensiv-Brenner 
etc.). Die für diese Untersuchungen und Prüfungen eriiobenen Gel)ühren 
betrugen insgesammt J^ (»oDjSO, 

Die Gel)ülnen - Erhebung fand provisorisch nach dem Entwurf 
eines Tarifes Statt, welcher sodann gegen Ende des Jahres, in etwas 
abgeänderter Gestalt, von der L Section der Oberschulbehörde endgültig 
festgestellt und nach erfolgter Genehmigung E. H. Senates und des 
Bürger -Ausschusses unter dem 27. Decend)er d. J. amtlich bekannt 
gemacht worden ist. 

Dieser von nun ab gültige Tjirif l;iutet folgendermaassen : 

§ 1- 
Fiu' Untersuchungen oder sonstige Arbeiten, welche auf Antrag 

von Behörden oder Privaten Seitens des Physikalischen Staats-Labora- 

toriums ausgeflüirt werden, wird eine nach Maassgal)e des nachstehenden 

Tarifes zu berechnende Gebühr für die Staatscasse erhoben. 



Physikalisches Staats-Laboratorium. LXIX 

§ 2. 
Für die Prüfung von Thermometern: 

1) Gewöbnliclie ärztliche Thermometer, Prüfung von 5 aufeinander 
folgenden Scalenstellen J^ — ,80 

2) Aerztliche Maximum-Thermometer, do ,, 1, — 

8) Gewöhnliche Thermometer, Prüfung von 3 l)is 5 Scalen- 
stellen, ohne Eis- und Siedepunktsbestimmungen „ — ,80 

4) Desgl. mit Eis- und Siedepunktsbestimmung „ 1,20 

Für jede Aveitere Scalenstelle 20 Pf., bis zum höchsten 

Satze von „ 2, — 

5) Normal-Thermometer, mit Eis- und Siedepunktsbestimmung 
und Bestimmung der Null])unktsdepression in der Siede- 
hitze „ 3, — 

§ 3. 
Für die Prüfung solcher Instrumente, welche sich durch einfache 
Vergieichung mit Normal-Instrumenten untersuchen lassen (z. B. Aräo- 
meter, gewöhnliche und Aneroidljarometer etc.) : 

Prüfung l)is zu 5 Scalenstellen J^ 2, — 

Für jede weitere Scalenstelle 20 Pf.. Ijis zum li(>c]isteu 

Satze von „ 5, — 

§ ■!• 
Für die Prüfung technischer oder ärztlicher electrischer Mess- 
instrumente, z. P>. Widerstandssätze, Galvanometer (Amperemeter), 
Spannungsmesser (Voltmeter) u. s. w. : 

Prüfung bis zu 3 Scalenstellen J^ 3, — 

Für jede Aveitere Scalenstelle 50 Pf., bis zum höchsten 

Satze von ,, 10, — 

§ 5- 
Für solche Untei'sueliungen, welche in vorstelientU'n Sätzen nicht 
vorgesehen sind, wird die /u erhel»ende (Jel)idn- inicli Maassgabe der 
erforderlichen Arbeitszeit in (U-r W(Mse festgestellt, (Uiss l'iir die Arl)eits- 
stunde im Durchschnitt ./(■ .'> nnzusetzen sind. Dem Auftraggeber ist 
in solchen Fällen vor Uebeinalniie dei- Untersuchung eine überschlägliche 
Berechnung der (iel)iilir niitzntlicilen nnd die rntersuehung selbst erst 
nach erfolgter Zustimmung des Auftraggebers auszuführen. Der ge- 
ringste Satz für die in den §§ 2 — 4 nicht speeiell aufgeführten Unter- 
suchungen beträgt J^ 3. 



LXX Physikalisches Staats-Laboratorium, 

§ 6. 
Etwaige Zweifel oder Differenzen, welche bei Anwendung dieser 
Gebühren-Ordnung zwischen der Direction des Physikalischen Staats- 
Laboratoriums einerseits und den Auftraggebern andrerseits entstehen 
sollten, sind der Oberschull)ehörde, Section I, vorzulegen und von der- 
selben endgültig zu entscheiden. 



Seitens der wissenschaftlichen Kreise unserer Stadt wurden sowohl 
die Instrumente und Räumlichkeiten des Laboratoriums, als auch 
namentlich die allerdings erst in der EntAvickelung l)egriffene physikalische 
Bibliothek stark benutzt. Aus letzterer wurden im Berichtsjahre an 
73 Entleiher 13G verschiedene Werke auf kürzere oder längere Zeit 
ausgeliehen. 

Die Lehrthätigkeit der Anstalt wurde in gewohnter Weise aus- 
geübt. Es Avurden Seitens des Direktors folgende Vorlesungs- und 
Uebungscurse gehalten: 

Im Sommer 1887. 
Freitags 7^ — 9 Uhr Al)ends : Ausgewählte Abschnitte aus der 
Optik (Geometrische (Jptik) — liauptsächlich für Lehrer. 

Sonnabends 9 — 4 Uhr: Praktische Uebungen im Laboratorium. 

Im Winter 1887/88. 

Freitags 7^ — 9 Uhr Abends: Das Licht und seine Wirkungen, 
in allgemein verständlicher Darlegung, — öffentlich. 

Sonnabends 9 — 4 Uhr: Praktische Uebungen im Laboratorium. 

Ausserdem wurde der Hörsaal und die Einrichtungen des Labo- 
ratoriums noch von folgenden Herren zu ihren Vorlesungen lienutzt : 

Im Sommer 1887: 
Herr Prof. Dr. Schubert: Mechanik in experimenteller und 
rechnerischer Beziehung, 2 Stunden wöchentlich. 

HerrDr.^". Hoppe: Allgemeine Meteorologie, 2 Stunden Avöchenthch. 

Im Winter 1887/88: 

Herr Prof. Dr. Schubert: Stereometrie und sphärische Trigo- 
nometrie, 2 Stunden wöchentlich. 

Herr Dr. E. Hoppe: Ausgewählte Kapitel aus der Elektricitäts- 
leln-e, 2 Stunden wöchentlich. 

Der Besuch der Vorlesungen des Berichterstatters war ein sehr 
befriedigender. An dem hauptsäclüich für Lehrer l)estininiten Sommer- 



Physikalisches Staats-Laboratoriiim. LXXI 

cursus nahmen 29 Hörer Tlieil; die Betheiligimg an den öffentlichen 
Wintervorlesimgen war wieder eine so starke, dass, nachdem 83 Karten 
ausgegeben und damit über den letzten Platz verfügt war, die Karten- 
ausgabe geschlossen werden niusste. 

An den praktischen Uebungen, für welche der gi'ossen Ueber- 
füllung aller Räume wegen jetzt kaum noch Platz geschaift werden 
kann, nahmen 6 Herren (5 Studirende des chemischen Staats -Labora- 
toriums, 1 Candidat des höheren Lehramtes) Theil. Ausserdem wurde 
das Laboratorium mehrfach von nicht der Anstalt angehörigen Physikern 
zur Ausführung wissenschaftlicher Untersuchungen benutzt. Abgesehen 
von kleineren gelegentlichen Arbeiten sind hiervon besonders zu er- 
wähnen eine umfangreichere Untersuchung des Herrn Dr. Emil Liebenflial 
über die in der neueren Photometrie als Normal-Lichtquelle eingeführte 
x-Vmyl-acetat-Lampe , welche im „Journal für Gasbeleuchtung" und in 
der „Elektrotechnischen Zeitschrift'' veröffentlicht Avurde, sowie eine 
ebenfalls grössere Arbeit des Herrn B. Walter über die Abhängigkeit 
des Fluorescenz - Vermögens der Lösungen von deren Concentration. 
Die Veröftentlichung dieser Arbeit erfolgte in den ,, Annalen der 
Physik •'. 

Die eigene wissenschafthche Arbeit des Berichterstatters war 
vielfach durch einlaufende Anfragen und sich daran anschliessende 
Untersuchungen bestimmt. Unabhängig davon wurde eine Arbeit über 
eine neue Methode der Messung sehr hoher elektrischer Spannungen 
vollendet und im X. Bande der vom hiesigen Naturwissenschaftlichen 
Verein herausgegebenen „ Abhandlungen " (Festschrift zur Feier des 
50jährigen Bestehens dieses Vereins) veröftentlicht. 

Die genaue Durchprüfung der zahlreichen , in den Sannnluugeu 
des Laboratoriums vorhandenen, resp. neu erworbenen Präcisions- 
Instrumente , sowie die Feststellung der Constanten und Correctionen 
derselben wurde fortgeführt; die Fertigstellung dieser umfangreichen 
Arl)eit wird jedoch noch lange Zeit in Anspruch nehmen. 

Die der Anstalt l)udgetniässig zur Verfügung stehenden Mittel 
wurden im Wesentlichen folgendermaassen verwendet. Es konnte 
zunächst mit der Befriedigung eines lange dringend empfundenen Be- 
dürfnisses begonnen werden, nämlich mit der Anschaffung neuerer 
Apparate für Vorlesungszwecke. Die betreffenden Erwcrl)ungen er- 
strecken sich auf alle Theile der Physik und absorbirten reichlich 
ein Drittel der für Neu -Anschaffungen von Listrumenten y.uv Ver- 
fügung stehenden Jf (»OOO. Sodaini wurde in dem Ank.iuf resj). der 
Anfertigung neuerer elektrischer Messinstrumente Ibrtgeüducn und ins- 
besondere ein Siemens & Halske' sches Elektrodynamometer für schwache 



LXXII Sternwarte. 

Ströme, ein nach den Angaben des Bericliterstatters construirtes 
Elektrometer für hohe Spannungen mit einer grossen Ladungsl)atterie 
von ] 200 Elementen, ein kleiner und ein grosser Eunken-Inductor etc. 
angekauft. Endlich wurde 1)esonders die ()i)tik l)edaclit. für welche 
ein WehilioM' sehen Goniometer, ein kleines und ein grosses Spectrometer 
von Kri'iss mit Doppelspalt, Eeflexionsprismen u. s. w. ])eschafft 
wurden. 

Im Personall)estande des Lalioratoriums trat insofern eine Ver- 
änderung ein, als der bisherige Assistent, Herr von Hasenlump, Eiule 
Septendjer ausschied. An seine Stelle wurde Herr Joliannes Classen 
von hier gewählt. 



8. Sternwarte. 

Bericht des Direktors Dr. George Riimker. 

Die Witterung des vertiossenen Jahics war der beobachtenden 
Thätigkeit unserer Sternwarte, besonders in der letzten Hälfte desselben, 
wenig günstig, und es konnten nnr an 122 Nächten, je nach der De- 
schaffenheit der Luft, hingere oder kürzere Zeit hindurch Deobacbtnngen 
angestellt werden. Die den Beobachtnngen günstigen Nächte vertheilten 
sich auf die einzelnen Monate wie folgt: Im Januar hatten wir lo 
theilweise heitere Nächte, im Februar 1.5, März !), April 10, Mai 10, 
Juni 12, Juli 9, August 12, Septendn'r 10, October 9, November 7 
inid December 0. 

Am Meridiankreise wurden vorzugsweise die Bestimmungen der 
Positionen der helleren Planeten, sowie der Fixsterne fortgesetzt, wo- 
gegen das Passageninstrumeut vorwiegend fih' die zu den Zeitausgaben 
erforderlichen Beobachtungen verwendet wurde. Am Aequatoreal 
wurden insl)esondere die neu entdeckten Kometen, sowie die schwächeren 
Asteroiden beol »achtet. Die aus diesen PJtMjbachtungen abgeleiteten 
Kometen- und Planetenörter sind zum grossen Theile bereits in den 
astronomischen Zeitschriften veröffentlicht Avorden. Ausserdem steht 
demnächst wiederum die .Publication der Positionen einer grösseren 
Anzahl der in den letzten Jahren am Meridiankreise bestimmten 
schwächeren Fixsterne zu erwarten. 



Steniwarti'. LXXIII 

Im Jahre 18S7 sind 7 neue Astoroiden lilu/.nu'ckoiinncii, wclelio 
von den Herren JJoirdl// in Marseille, Charhis in Nizza, Knorre in 
Berlin, I'aUsa in Wien und Pders in Clinton U. S. entdeekt wurden. 
Die Zahl der uns l)ekannten kleinen Planeten in der Gruppe zwischen 
Mars und Jupiter betru^u, am Schlüsse des Jahres 271. 

An neuen Kometen hat uns das vei'gangene Jahr fünf gebracht. 
Der erste derselben wurde Mitte Januar 1887 auf verschiedenen Stern- 
warten der südlichen Halbkugel nach Sonnenuntergang, als mit Idosseni 
Aiige um Abendliimmcl sichtbarer Lichtstreifen, aufgefunden, nahm aljer 
ausserordentlich schnell an Helligkeit ab. In Folge des gjinzlichen 
Mangels an einem Kerne konnten nur genäherte Positionen dieses Ko- 
meten erzielt werden. Für die Sternwarten der ncirdlichen Hall)- 
kugel l)lieb dersell)e unsichtl)ar. Der zweite, am 2'2. Januar von Herrn 
Brooks in Phelps U. S. entdeckte, ziendich lichthelle Komet stand 
anfangs im Sternbilde- des Drachen in hoher nördlicher Declination 
und konnte hier wiederholt, zuletzt am 12. Ajjril unmittelbar vor 
seinem Verschwinden in der Abenddämmerung, beobachtet werden. 
Es sind Anzeichen dafür vorhanden, dass die Bahn dieses Kometen 
von der der Paral)el abweicht. Der dritte, am 23. Januar von Herrn 
Barnard in Nashville U. S. im Sternljilde des Schwans entdeckte 
Komet, stand anfangs der Sonne sehr nahe und war nur unter sehr 
ungünstigen Umständen in der Abenddämmerung zu beobachten. 
Trotzdem gelang es, denselben hier l)is zum 1 ö. JMärz zu verfolgen. 
Der vierte, von Barnard am IG. Februar im Steridhlde der Hydra 
entdeckte Komet war ausserordentlich lichtschwach und konnte hier 
nur mit Mühe bis zum 26. März gesehen und Ijeoljachtet werden. 
Der fünfte in diesem Jahre neu entdeckte Komet wurde gleichfalls von 
Barnard am 12. Mai im Sternbilde der Waage autgefunden. Wegen 
seines anfänglich für unsere Gegenden sehr niedrigen Standes konnte 
derselbe hier erst von Anfang Juni ab, al)er alsdann recht häuhg, bis 
zum 17. Juli beobachtet werden, wo die zunehmende Lichtschwäche 
des Kometen weitere Positionsbestimmungen unmöglich machte. Die 
Bahnen der letzten drei Kometen scheinen nur wenig von der der 
Parabel ahzuweichen. Ausserdem ist noch die nach der Voraus- 
berechnung erfolgte erste Wiederkehr des von (Hhcrs im Jahre 1815 
entdeckten und seinen Namen führenden periodischen Konu'ten. weh-her 
sich mit einer Undaufszeit von beiläufig 7.3 Jahi-en um die Somie bewegt, 
anzufiUn-en. Dei'selbe wurde zuerst von Herrn Ih-ooLs in l'hclps U. S. 
am 24, August am IMorgeidiimmel aufgefunden und koinite auf den 
südlich gelegenen Sternwarten Furo])as l»is ImkIc Januar ISSS veifolgt 
werden. Hier war dci' KoiDct wei-en der ausseror(h'nth( li uuuiiustiffeu 



LXXIV Sternwarte. 

Witterung, welche im Si^ätlierhst in Nordeuropa herrsclite, nur an 
wenigen Nächten bis zum 15. November zu sehen. 

Die Thätigkeit des der Leitung der Sternwarte unterstellten 
Chronometer-Prüfungs-Instituts der deutschen 8eewarte, Ahtheilung IV 
derselben, war auch im vorigen Jahr eine sehr ausgedehnte. Neben seinen 
laufenden Arl)eiten, zu denen nunmehr auch die Prüfung von für die Zwecke 
der Marine und der exacten astronomisch-geographischen Forschung be- 
stimmten Tasclunudn-en hinzugetreten ist, und der alljährlich auf dem- 
selben stattfindenden allgemeinen Chronometer-Prüfungs-Concurrenz wurde 
die Hülfe des Instituts von wissenschaftliclien Anstalten sowie von geo- 
graphischen Forschungsreisenden wiederholt in Anspruch genommen. 
Ueber die Resultate der letzten Concurrenzprüfung ist in Jahi-gang XV 
der Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie ein ausführ- 
licher Bericht veröffentlicht worden. Diese Eesultate dürfen wiederum 
als in hohem (irade befriedigend und für die Leistungsfähigkeit der 
deutschen Chronometerfabrikation ein sehr günstiges Zeugniss ablegend 
bezeichnet werden. Von den geprüften (Ihi'onometern wurden seitens 
der Kaisei'lichen Marine vier und seitens wissenschaftlicher Anstalten 
zwei angekauft. Durch Erlass Sr. Excellenz des Herrn Chefs der 
Kaiserlichen Admiralität ist angeordnet worden, dass von jetzt ab alle 
von derselben zu veranstaltenden Concurrenz})rüfungen von Marine- 
Chronometern ausschliesslich auf dem Institute abgehalten werden 
sollen. Auf Veranlassung der Direction der Seewarte wurden ferner 
durch das Institut grössere und ausgedehnte Untersuchungen über das 
Verhalten verschiedener Chronometer im luftverdünnten, sowie in stark 
mit Feuchtigkeit angefülltem Räume angestellt, von denen namentlich 
die letzteren zu sehr interessanten und für die Schififfahrt wichtigen 
Resultaten geführt haben. 

Der auf dem Thurme des Quaispeichers aufgestellte Zeitball 
hat im verflossenen Jahre sehr befriedigend functionirt, und es sind 
nur 3 Fehlsignale zu verzeichnen gewesen, welche auf mechanische, 
bezw. Leitungs-Störungen zurückzuführen sind. Desgleichen ist auch 
an dem Zeitball in Kuxhaven kein Fehlsignal vorgefallen. Dagegen 
musste der Zeitball in Bremerhaven 10 Tage hindurch wegen einer 
gr()sseren Reparatur ausser Thätigkeit gesetzt werden und konnten 
weitere Signale in Folge von Störungen, die zum grossen Theil 
durch heftige Stürme verursacht w\aren, nicht gegeben werden. Die an 
der Börse aufgestellte sympathetische Uhr blieb bis Anfang September 
in Uebereinstimnnmg mit der ihren Gang controllirenden Normaluhr 
auf der Sternwarte. Alsdann stellten sich in Folge eingetretener 
Schäden an dem unterirdischen Verbindungskabel Störungen im Gange 



Museum für Völkerkunde. LXXV 

ein, welche schliesslieli die Aussclialtung der Uhr iiothweudig machten. 
Es ist für eine neue ülx'rirdische Verbindung zwischen der Böi-se und 
Sternwarte im Ansclduss an die vorhandenen Telephonleitungen Sorge 
getragen worden. Die zweite am Eingange zur Sternwarte aufgestellte 
sympathetische Uhr ist in steter Uebereinstimnuing mit der Normaluhr 
geblielien. 

Der Instrumentenhestand der Anstalt wurde durch verschiedene 
kleinere Ankäufe ergänzt, doch mussten auch in diesem Jahre die 
Anschaffungen für die Bibliothek wegen des Mangels an vorhandenem 
Aufstellungsraumc auf das unumgänglich nothwendige beschränkt 
bleiben. 



9. Museum für Völkerkunde. 

Bericht des Vorstehers C. W. Lüders. 

So gerne ich auch nach meiner zehnjährigen Verwaltungszeit 
einen ausführlichen genaueren Bericht über den jetzigen Stand des 
Museums in den einzelneu Theilen der verschiedenen fremdländischen 
Völkerschaften, und was von denselben im Museum vertreten ist, ge- 
geben hätte, so muss ich zu meinem Bedauern davon Abstand nehmen. 
Die übermässige rasche Ansammlung des Materials bei den beschränkten 
Raumverhältnissen der Lokalitäten brachten eine so grosse Ueberbürdung 
der Schränke hervor und verhinderten eine geordnete systematische 
Aufstellung, dass eine übersichtliche Anschauung nicht mehr zu er- 
langen ist. Ich beschränke mich daher nur darauf zu berichten, in 
wie weit sich die Samndung in dem letzten Jahre vermehrt hat. An 
Geschenken sind eingegangen 192 Nummern und zwar von: 

Afrika 37 

Asien 44 

Amerika 40 

Oceanien 59 

Europa . . 12 

Angekauft sind nur 71 Nummern, worunter sich aber einige 
recht werthvoUe Stücke befinden. Dieselben vertheileu sich auf: 

Afrika 23 

Asien 12 

Amerika 7 

Oceanien 29 



LXXVI Saininlmioj vorgeseliiclitlu/lier Altertümer. 

Der Bostanil der p;aiizeii Saiinnliiii«;' stellt sich Ende DeceiiiLer 
nach dem Verzeicliuiss wie folgt: 

Afrika 131 G 

Asien 11)0?, 

Amerika 20(;2 

Oceanien 9J)7\) 

pjur(>})a 10(5 

7400 Nummern. 
Erfreulich ist es, bestätigen zu kiinnen, dass sicli der Besuch 
immer mehr steigert, und namentlich im letzten Jahre mehrfach ganze 
Schulklassen zur Besichtigung bestimmter Abtheilungen des Museums 
sich anmeldeten. Im letzteren Ealle traten (bmn leider die engen 
Raumverhältnisse wieder hindernd in den Weg, die eine genaue Ueb(u-- 
sicht der (legenstände, so Avie eine richtige Demonstration derselben 

sehr erschwerten. 

r 



10. Sammlung' vorgeschichtlicher Altertümer. 

Bericht von Prof. Dr. E. Rauteuherg. 

Die Samndung vorgeschichtlicher Altertümer ist im Jahre 18S7 
um 308 Katalognummern vermehrt. 

Geschenke haben der Sammlung zugewendet die Herren Dr. C. 
Amsincli (Steingeräte), Cl. Bolimann (Thongefärje), 0. Bmdenhcirj 
(Steingeräte), JoJi. Semper (Steingeräte), Amtsrichter Dr. ]\dnccl:e 
(Thongefäß), Stcenhoch (in Groß - Hansdorf, Steingerät), Cl. Tlmlmann 
(in Ahrensch, Ausbeute eines alten Wohn})latzes), H. WincJder (rheinisch- 
römische Altertümer). Besonders hervorgehoben zu werden verdient 
das von Herrn Amtsrichter Beineclie geschenkte Gefäß mit einem als 
Ausguß durchbohrten Henkel, wie solche namentlich auch in Norwegen 
in den von Angelsachsen besiedelten und heimgesuchten Gegenden 
vorkommen. Die von Herrn H. WincJder geschenkten Gegenstände 
vertreten in interessanter Weise manche der in den letzten Jahren im 
Amte Ritzebüttel gefundenen Altertümer rcimisi-her Herkunft. Des 
Herrn TJiahnann Geschenk: IVIahlsteine. Wetzstein, Scherben u. s. w. 
ist bei der Seltenheit nachweislicher Wohnstätten der vorgeschichtlichen 
Zeit als Ergänzung und r>estätigung namentlich dci" Ohlsdorfer Funde 
sehr beachtenswert. Herr J. J. Cordes (Hamljurg) hatte die Güte, 



Saminliiu<4 voro-osdiichtlidiei^ Altcrtiimcr. LXXVIl 

zalilroielie l'rolxMi der für die Form und Aiifcrti.miiig' älterer Glas- und 
Stein-Perlen otAva in l>etraelit kommenden Pei'len, wie sie jetzt nach 
Afrika und den Südseeiuseln ansgefülirt werden, zu selienken. 

Für die älteren Zeiten wurde die Sammlung dureli Ardvauf einer 
etwa 90 Nummern umfassenden Privatsaramlung vervollständigt; eine 
große Anzahl roher Steingeräte aus Küchenahfallhaufen, einige Muscheln, 
Eeste von Fischen und Säugetieren Ijefinden sich darunter. Ehenso wie 
diese Erwerhung, oltwohl die Fundorte und Fundverhältnisse recht mangel- 
haft hestimmt sind, von IJedeutung erachtet wurde, weil in ihr einige 
unsrer Sammlung higher noch fehlende Typen vertreten sind, hahen wir 
auch eine Anzahl von Pl'ahll)ausachen aus dem Südosten (Laihach) 
durch freundliche Vermittlung des Herrn F. Worlvc. ankaufen kinuien. 

In sehr erfrevdicher Weise ist die Sanunhmg durch Funde der 
neolithischen Zeit aus der Elhgegend hereichert. namentlich durch 
charakteristische Thongefäße und Schcrhen. Aus ..dem Holze" hei 
Westerham wurde uns der Inhalt eines Grahes: zum Teil sehr scheine 
Scherhen von wahrscheinlich 14 Gefäßen und l Steinmesser gehefert. 
In einem von einem Steinsucher an der Grenze von Gudendorf, Franzen- 
burg und Altenwalde entdeckten und zerstörtem Steingral)e wurden 
außer 5 Steinmeißeln, einem Steinmesser, einer großen und zwei 
kleineren Bernsteinperlen und einem Spinnwirtel von Thon die Scherben 
von G Gefäßen gefunden. Das verwaltende Commissionsmitgiied kam 
zeitig genug, um diese Gegenstände und 4 in der Steinsetzung mit 
vermauerte Schleifsteine von Granit zu retten, sowie auch die Bau- 
art des aus mächtigen Steinen errichteten, an den Seiten mit kleineren 
Steinen beschütteten Gra1)es und die Anordnung der Fundgegen- 
stände in demselben mit geniigender Sicherheit festzustellen. Leider 
aber wai- nicht mit Sicherheit zu ermitteln, ob für ein eisernes 
Messer, Avelches auf dem Boden eines zerbrochenen (u'fäßes vom Typus 
der ältesten Bronzezeit oder einer Übergangszeit gefunden sein s(»ll. 
die Annahme, daß es später durch Zufall in die Steinkanuner liinehi- 
geraten, ausgeschlossen ist. Die Untersuchung eines nahe gelegenen 
Hügels ergal) zunächst nur die Thatsache, daß das Grab desselben 
sclnni fridu'r, wahrsciicinlich um Steine zu gewinnen. zerstTirt war; 
doch fand sich immcrliin noch eine erfreuliche Ausbeute: außer Scherben 
der La Tene-Zeit und der Steinzeit das Bruchstück v'mw schön ge- 
sehliftenen Steinaxt, ein IMalil- oder Keibstein, und ein hcsondcrs 
geschickt und sorglahig hergestelltes Rad aus INirphyi'. welches ich 
für das Schwungrad eines Bohrers, etwa eines Feuerbohrei's halten 
miH'iite; ähnliciie Räder sind auf der skandinavischen und der kim- 
brischen Halbinsel mehrfach iiefunden. 



LXXVIII Snmmlnng vororcschicbtliclier Alteitümer. 

Unter den nus den schon bekannten Fundstätten Westerliam 
nnd Altenwalde erworbenen Gegenständen sind eine stattliche Keihe 
von Urnen aus dein Altenwalder Friedhof, namentlich 5 mit dem 
Hakenkreuz in verschiedener Ausfülirung vcr/icrte, ]i('rvor/uhel)en. Wie 
auch in den früheren Jaln'en konnte die Kichtigkcit der Angal)en über 
Fundverhältnisse durch die von dem verwaltenden Mitglied der Kom- 
mission angestellten Untersuchungen und Nachgrabungen bestätigt und 
wissenschaftlich verwertet werden ; die angekauften Urnen waren alle 
noch hl dem Zustande, wie sie gefunden waren, erhalten, so daß die 
genaue Durchforschung des Inhaltes durch Sachverständige erinögiicht 
war. Die Beigaben ergän/en und vervollstiindigcn die liisher gefuiKh'iicn 
Arten und Formen in erfreulicher Weise. Auücu' gut erhaltenen (Jeräten 
für die Körperpflege von l^ronze und Eisen sind namentlich ansehnliche 
Reste eines äußerst zierlichen Kammes mit don fast vollständigen 
Schutzschalen (Futteral) für die Zähne des Kammes auch hier wohl zu 
erwähnen. Ein fester Punkt für die Zeit des Friedhoies ist durch 
Münzen gegeben, welche in einer dem Provinzial-lMiiseum in Hannover 
gehörigen Urne von iinserm früheren (lehülfen Herrn J. Müller gefunden 
sind : .t kleine mehr oder minder beschnittene Silbermünzen des Theo- 
dosius, des Arkadius und des Honorius. Dieser Fund in einer Urne, 
welche nach unsern früheren Erfahrungen und Bestimmung etwa der 
Mitte des wohl Jahrhunderte umfassenden Friedhofes aiigeli(")rt, l)e- 
stätigt die gleichlalls früher schon ausges])roeliene Ansicht von der 
Zeitangehörigkeit desselben (2. — 0. Jahrhundert n. Chr. G.) aufs lieste. 

Unter Mitwirkung des Herrn Bohmann in Altenwalde, dessen 
freundlicher Vermittlung die Sammlung schon manche andere wichtige 
und wertvolle Altertümer verdankt, gelang es auch die noch im Jahr- 
buch für 188G näher beschriebenen Thongefäße von Oxstedt (Heide- 
anteil des Herrn Cordes) mit fast allen dazu geh()rigen Fundstücken 
zu erwerben. Neben den gleichfalls im Jahrbuch für 1S8G veivift'ent- 
lichten Gefäßen von terra sigillata und dem Bronzegefäß von Alteii- 
walde (Jahrbuch für 1885) sind diese unzweifelhaft römisch-rheinischen 
Gefäße und die übrigen Gegenstände desselben Fundortes sehr be- 
deutungsvolle Beweise für den Verkehr zwischen den Rihnern oder 
romanisierten (iermaiien an der Elbe. 

Für die 1 Bronzezeit und für die La-Tene-Periode sind außer 
einem der letzteren angeluirigen eigenartig geformten Gürtelhaken von 
Bronze mit Eisennicten besonders nennenswerte Gegenstände nicht 
gefunden. 

Allgesehen von den im Jahrbuch der Avissenschaftlichen Anstalten 
von dem Berichterstatter im Laufe des Jahres 1887 veröffenthchten 



Sairiinlung- Ilamlnir.oisclicr Altert iimov. LXXIX 

,,E(»misclicn und tformaiiiscliou Altcrtiiincrn aus dcui Auitc RitzcLüttol 
und aus Alteuwaldc" sind von Herrn Direktor Wil>d zwei (iegenstände 
unsrer Sammlung genauen chemischen Untersuchungen unterzogen, 
welche m der Festschrift des Naturwissenschaftlichen Vereines in 
Hamhurg unter den Titeln: Thonerdehydrophosi)hat (Cäruleolactin) 
als i)seudoniori)lie Nachhihlung eines (lewel)es oder (Jeflechtes und: 
Raseneisenerz, Eisenscldacke oder oxydiertes Eisen (VII. II. 1 und ;i) 
ver(>ffentlicht sind. 

Die Dibliothek ist um 1;22 Nummei'u vermehrt und ziUilt jetzt 
314 Nummern; eine groüe Anzahl der 1887 erworhenen Dücher und 
Brochüren stammt aus dem Nachlaß des auf mehreren Feldern der 
Vorgeschichte hochverdienten Herrn Direktor GcnfJic. Von der Deutschen 
Anthropologischen (iesellschaft (iruppe Hamhurg-Altoiia und dem Lese- 
zirkel derselhen sind auch im Jahre 1887 die eingegangenen Werke 
und die Zeitschriften der l)il)liothek der Sammlung überwiesen. 

Von den der Kommission zur Verfügung stehenden ^/f '2000 sind 
für Ankäufe einschließlich der dazu notwendigen Reisen ./if ^)2'),i)') 

für die Bibliothek „ or)0,20 

für die Verwaltung „ 32, oO 

Jf 907,55 
verwendet. Die bedeutende Ersparung dem Vorjahre gegenüber erklärt 
sich dadurch, daß an Stelle des mit Ende des Jahres 1880 abge- 
gangenen ein andrer geeigneter Hülfsarbeiter l)is jetzt nicht gefunden 
werden konnte und daß das verwaltende Kommissionsmitglied wegen 
der Aufgaben eines ihm neuen Amtes den viel Zeit und Arbeit rau- 
benden Ausgrabungen und sonstigen Erwerbungen sich zunächst nicht 
mehr in dem Maße zuwenden konnte, wie in den früheren Jahren. 



11. Sammlung Hamburgischer Altertümer. 

Bericht von Dr. A. H. Kelliughusen, d. Z. Vorsitzender der Kommission. 

Von der seiner Zeit eingesetzten Konnnission für Erhaltung der 
Alterthümer in dem wegen des Zollanschlusses abzubrechenden Stadt- 
theile sind im Jahiv» 18S7 noch einige Gegenstände i-eservirt worden, 
welclie mit den bisher abgelieferten vorläutig auflx'walirt werden, bis 
der Sammlung ausgedelintere und geeignetere ijocalitätcn zur N'erl'iigung 
gestellt sein werden, die eine Aufstellung und Besichtigmig derselben 
erraöfflichen. 



LXXX Saiimilung IIanil)urgiselier Altcrti'iiuor. 

Audi zu sonstisjen Erwerbungen bot sich im Bericbtsjalire 
weniger Gelegenheit. Angekauft wurden einige Pokale und Fahnen 
früherer Zünfte und J>rüderscliaften. ein in Elfenbein geschnitztes 
Portrait Sonnins, des Erl)auers der grossen Michaelis Kirche, ein 
Miniatur-Portrait des Bathsherrn Brockes und mehrere Kleinigkeiten, 
Reminiscenzen an den Hamlmrger Brand u. a. Besonders dürfte aber 
hervorzuheben sein ein in Holz geschnittenes Relief: die Stadt Hamburg 
darstellend, welches der Form nach ein grosses Fass geziert haben 
muss: da an demselben das Hamburger Wai)i)en angebracht ist, 
stammt dasselbe vermuthlich aus dem lS4;i abgebrannten Eindx'cker 
Hause, dem Eathsweinkeller Hamburgs. 

Die Sammlung war während des Sommers an allen Sonn- und 
Festtagen sowie Mittwochs dem Publikum geöffnet und erfreute sich 
eines zahlreichen Besuches. 



IL 



üebersicht 



der im Jahre 1887 gehaltenen Vorlesungen. 



Uebersiclit 

der im Jahre 1887 gehaltenen Vorlesungen. 

a. im Soimiierhalbjahr 1887: 

Prof. Dr. lieivhvnhach, Direktor des Ijotaiiiselieii 

(iarteiis: riiaiieronaiaenkuiule 1 Stunde wcichentlich. 

Prof. Dr. Sadthcch, Direktor des Itotaiiisclieu Museums: 

1) Morphologie und Entwickiungsgescliicbte 

der Pflanzen 1 Stunde wiielientlieli. 

2) Botanisclies resp. mikroskopisches Praktikum, täglich. 
Dr. .1. Voller, Direktor des physikalischen Staats-Lahoratoriums : 

1) (Teometrische Optik 2 Stunden wöchentlich. 

2) Physikalisches Praktikum 6 ,. „ 

Dr. F. Wihel, Direktor des chcniisehen Staats-Laborat(triunis : 

Chendsches Praktikum täglich. 

Außerdem lasen im l)esonderen Auftrage der Ohcix-hidhehörde: 

Dr. Wilhelm Bock über theoretische (mathematische) 

Physik 2 Std. \v(ichentl. 

Oberlehrer Dr. Hoppe id)er Allgemeine Meteorologie 2 „ ., 

Prof. Dr. Kraepdin ül)er Zoologie der Wirbclthiere, 

"•Tl.eil '. 2 „ 

Dr. Gustav Porlig: 

1) Ueber Shakespeares König Lear; 

2) Ueber die Erscheinung des Schönen in der 

Natur und der Geschichte im IJiitcr- 
schiede vom Kunstschöneii . . . . zus. 3 „ „ 

Prof. Dr. Sch'uhert iiher Meehanik in experimenteller 

und in rechnerischer Peziehnni!: 2 „ „ 



LXXXIV Uebersicht der Vorlesungen. 

Dr. Adolph Wohlwill: 

1) lieber Allgemeine Geschichte seit 18B0; 

2) Ueher die Hauptepochen der deutschen 

Geschichte zus. 3 Std. Avöchentl. 

b. im Wiiiterhalbjalir 1887/88: 

Dr. J. ßrhichnann, Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe: 

1) Besprechung ausgewählter Gegenstände des Museums, filrGewerl)- 

treibende, Künstler, Lehrer und Sammler, 1 Std. Avöchentlich. 

2) Besprechung von Gegenständen der textilen und der keramischen 

Kunst, für Damen 1 Std. wöchentlich. 

Prof. Dr. Ixcichenhach, Direktor des Ijotanischen (Tartens : 

1) Kryptogamenkunde 1 Stunde wöchentlich. 

2) Anatomie und Physiologie der Pflanzen 1 „ „ 
Dr. A. Voller, Direktor des physikalischen Staats-Laboratoriums: 

1) Das Licht und seine Wirkungen in all- 

gemehi verständlicher Darlegung .2 Stunden w()chriitlich. 

2) Physikalisches Praktikum (> „ ,, 

Dr. F. Wibel, Direktor des chemischen Staats-Laboratoriums: 

1) Experimental - Chemie, unorganischer 

Theil •'"' Stunden wöchenthch. 

2) Analytische ('heniie 2 „ „ 

3) Ghemisches Praktikum täglich. 

Außerdem lasen im besonderen Aui'trage der ()))erscbull»eh(»rde: 

Dr. WilJ/dm Bock über theoretisclie (matbciiiatische) 

Physik (Fcrtset/nng) 3 Std. wöchentl. 

()1)erlehrer Dr. Hoppe ülx'r Ausgewählte Capitel 

aus der Electricitätslehre - ,> ?5 

Prof. Dr. Kraepelhi hat in einem Zoologischen 
Praktikum Anleitnng zur Anfertigung anato- 
mischer und mikroskopischer Prä joarate gegeben. . . 2 „ „ 

Prof. Dr. Merschhevfier ül)er die fra,nz(»sische 

Litteratur des sie1)Z('hiiten Jaln-hunderts 1 „ „ 

Dr. Gustav Portig: 

1) Ueber Schillci' in seinen Dramen; 

2) Ueber ilie lieligionsphilosophie in iliren 

hervorragendsten Systemen ; 

3) Ueber die Grundbegriffe der Aesthetik . . zus. 4 „ „ 



Uebersielit der Yurlesmiyeii. LXXXV 

Hauptlelu"er E. H. Wichmcmn: 

1) Ueljer die Entwicklung Hamburgs im neun- 

zehnten Jahrhundert; 

2) Ueber die räundiche Entwickhing der Stadt 

Haml)urg vom dreizehnten Jahrliundcrt 
bis zur Gegenwart, ins1)esondere für 

Lehrer und Lehrerinnen zus. 2 Std. wüchentl. 

Dr. Adolph WohhviU: 

1) Ueber Allgemeine Geschichte seit dem 

Tode Karl's V; 

2) Ueber die politische und litterarische Ent- 

Avicklung Deutschlands seit dem Anfange 
des neunzehnten Jahrhunderts ; 

3) Ueber Geschichte des achtzehnten Jahr- 

hunderts mit besonderer Berücksich- 
tigung Hamburgs; 

4) Ueber Geschichte der deutschen Litteratur, 

insbesondere für Lehrer, IV. Theil (1770 

bi« 1832) „ 5 „ 



III. 



Wissenschaftliche Abhandlungen. 



Herpetologische Mitteilungen 



von 



Dr. J. 6r. Fischer. 



Mit vier Tafeln Abbildungen. 



Inhalt. 



Seite 

I. Ül)er zwei neue Schlangen und einen neuen Lauljfroscli von Kamerun . . 3 

II. Über eine Kollektion lleptilien von Angra Pecjueiuia 11 

III. Über zwei von der Liukiu-Insel Okinawa stammende Schlangen . 18 

IV. Über eine Kollektion üeptilien und Ani])lnbien von Hayti 23 

V. Über Eremias Br cn rh leyi (iiitli 46 

VI. Über Hemidactylus Richards onii Gr 49 



I. über zwei neue Schlangen und einen neuen 
Laubfrosch von Kamerun. 



1. Boodon (Alopecion) VossüM sp. n. 

Taffl I, Fig. 1. 

S G^ 

Schlipp eiiformel: Sq. 15; Lab.-—; Oc. 1 — 3; 77-,- z^; Giil. 2; 

97 
Vent. 244; An. 1; Scd. ,pv + 1- 

Sehr schlank. Schuppen in 15 Längsreihen, diejenigen der dorsalen 
Mittelreihe größer und sechseckig. Bauchschilder in schwachen Kanten 
seitlich heraufgebogen. Analschild einfach. Das Frenalschild und außer- 
dem drei Oberlippenschilder treten an die Orbita. — Oben einfarbig 
dunkel fleischrot, unten gelb. 

B e s c h r e i b 11 11 g. 

Körperlbrni. Abulich der Form der Dipsadiden: sehr schlank, 
stark zusanimengedrückt mit leichten Bauclikanten. K()})f a])gesetzt 
von dem sehr dünnen Hals, länglich, mit ziemlicli flacher Sclmauze. 
Schwanz nicht abgesetzt vom Rumpf, sehr dünn und spitz auslaufend, 
etAva Vi der Totallänge. Auge sehr groß, vortretend, mit vertikaler 
Pupille. 

Zähne. Am Vorderende des Ober- wie des Lnterkiefers stehen 
3 — 4 dichtgedrängte lange Fangzähue; auf diejenigen des Oberkiefers 



>) Trotz Günthers Vorsclilag (Ann. & Mag. N. 11. 18B8 I), die Gattung 
Alopecion ganz einzuziehen und mit Boodon zu vereinen, möchte es 
doch ratsam erscheinen, dieselbe als Untergattung i'ür diejenigen Arten 
beizubehalten, die mit einer geringeren Schuppenzahl (15 — 17 Reihen) eine 
Mittelreihe größerer sechseckiger Schuppen und eine sehr schlanke Körper- 
form vereinen. 



4 Dl". <T. G. Fischer, HerpetulogisclR' Mit teil iuio-en. 

folgt eine kleine Lücke und auf diese eine Reihe von 10— -12 kleineren 
Zähnen; Furchenzähne sind nicht vorhanden. Die Fangzähne des Unter- 
kiefers sind von den darauf folgenden kleineren durch keine Lücke 
getrennt. Die vorderen Gaunienzähne sind nicht, oder doch nur wenig, 
länger, als die folgenden. 

Kopfscliilder. Eostrale mehr als doppelt so hreit wie hoch, 
mit seiner ol)er(^n Spitze auf die Schnauze heraufgebogen. Inter- 
nasalia von fast (|uadratischer Form, nur etwa 'A so groß wie die 
seitlich zum Frenale herabgebogenen Praefrontalia. — Frontale 
länglich, mit vorderem sehr stumpfen Winkel, hinten rechtwinkelig, 
mit konkaven Seitenkanten, etwa zweimal so lang, wie in der Mitte 
breit. Supraoku 1 aria länglich viereckig, hinten wenig breiter als 
vorn. Parietal ia groß, ihre gemeinschaftliche Naht etwa so lang wie 
das Frontale. Sie sind hinten abgestutzt und ihre hinteren Kanten 
bilden einen sehr stumpfen, rückwärts offenen, Winkel. — Das große 
Nasloch liegt zwischen zwei großen, auf dem ersten und zweiten Labiale 
ruhenden Na sali a. Auf diese folgt ein schmales, langes, hinten zu- 
gespitztes Frenale, das auf dem zweiten und dritten Oberlippenschilde 
ruht und mit seiner hinteren Spitze unter dem viereckigen Prae okulare 
ans Auge tritt. Letzteres Schild ist wenig auf die Stirnfläche herauf- 
gebogen und bleil)t weit von der äußeren Vorderecke des Frontale 
entfernt. Es sind drei Postokularia vorhanden; das • unterste ist 
wenig größer als jedes der beiden oberen. Temporalia 2 + 34-4, alle 
von fast gleicher (iröße, rhombisch. — Acht Supralabialia; das 
dritte tritt unter dem Fren;de mit diesem zugleich von vorn an die 
Orbita, an die außerdem von unten das viei'te und fünfte stoßen; das 
fünfte ist das längste, mehr als doppelt so groß wie das vierte. — 
Neun Infralabialia; die des ersten Pares treffen in großer Längs- 
naht hinter dem Mentale zusammen, die der ersten fünf Pare stehen 
mit den Kinnfui-chenschil d ern in Beridirung. Von letzteren sind 
die des zweiten Pares nicht ganz so lang und etwas schmaler, als die 
des ersten. 

Körperscliuppeil. Dieselben sind glatt, ohne Poren, am Halse 
in 1 o . in der Mitte des Körpers in 1 5 Längsreihen geordnet. Die 
Schuppen der dorsalen Mittelreihe sind sämtlich sechseckig und größer 
als die benachbarten. Auf 2 Pare länglicher Kehlschuppen folgen 
244 Bauchschilder, ein einfaches Analschild und 97 Pare unterer 
Schwanzschilder. Am Ende des Schwanzes eine einfache längliche 
Horns})itze. Die fUuchschilder sind, wie oben gesagt, in abgerundeten 
Kielen an die Seiten heraufgebogen. 



I. über zwei neue Schlangen und einen nenen fjanlifiNiscli vnn Kamerun. 5 

Farbe. Oben einfarbig dunkel-fleischfarben, unten gelb. Ober- 
liljpenschilder gelb, je mit einem schwärzten unregelmäßigen Fleck, der 
sich auch auf den letzten Unterlippenschildern und auf einigen der 
seitlichen Halsschuppen findet. 

Maße: Von der Schnauzenspitze lu's zum After: 340 mm: 
Schwanz 125 mm; Totallänge 4(i5 mm. 



Ein einzelnes Exemplai' in meiner Privatsamnduiig. gefangen von 
Herrn Johs. Voss aus Lübeck, dem Chef einer Kameruner Faktorei. 
Unser Stück (zugleich mit dem weiter unten zu beschreibenden Exemplar 
von Äther is suborbitalis) wurden von Herrn Voss auf seiner nahe 
am Lande liegenden Hulk Louise erwischt; beide waren durch die 
Strömung abwärts getrieben und auf das einen festen Halt versprechende 
Fahrzeug heraufgeklettert, wie dies nach Herrn Voss^ Mitteilung öfter 
von flußabwärts treibenden Schlangen geschieht. Da beide Schlangen 
unzweifelhaft den Habitus von Baumschlangen zeigen, so ist wohl an- 
zunehmen, daß sie mit abge]>rochenen Zweigen oder umgestürzten 
Stämmen in den Fluß oelanct sein niösen. 



2. Atheris subocularis ^p. u. 

von Kamerun. 

Taf. I, Fig. 2: Taf. II, Fig. 11. 

Lab. ^ ~ ^ " ; ® - ; Sq. 1 H ; (iul. 4; Vent. KIH: An. 1; Scd. G5. 

Körper sehr schlank, stark zusammengedrückt: 15 Längsreilien 
stark gekielter Schuppen in der Mitte des Körpers, diejenigen der äußersten 
Reihe nicht anders gebildet, als die der dariiberliegenden. Sämtliche 
Schlippen des Oberkopfes gekielt, diejenigen der Supraorbitalgegend nicht 
kleiner als die übrigen. Der das Auge umgebende Schuppenkranz wird 
durch das vierte Siipralabiale unterbrochen, welches direkt an die Orbita 
tritt. — Farbe oben dunkel oliv, am hinteren Körperteil mit wenigen, 
zu ganz verwaschenen Querbinden geordneten, helleren Flecken. Unter- 
seite grünlich grau. 

Besclireibung. 

Form. Kopf stark abgesetzt. Hals und K()r[)er schlank, stark 
zusammengedrückt. Schwanz nicht abgesetzt, als Greifschwanz ein- 
gerollt, nicht ganz Vi der Totallänge. Auge groß, mit vertikaler 
Pupille, sein Längsdurchmesser gleich der Länge der Schnauze, letztere 
hoch, vorn abgestutzt. 



Q Dr. J. G. Fischer, Herpetologische Mitteilungen. 

Kopf- iiiul Körper- Schlippen. Die Schuppen des Oberkopfes 
sind sämtlich stark gekielt'), diejenigen der Supraokulargegend nicht 
kleiner, als die übrigen. Rostrale bandartig, zwei- bis dreimal so 
breit wie hoch; über seiner Mitte eine platte dreieckige, über jeder 
seiner Seiten eine größere abgerundete ebenfalls glatte Schuppe. Ober- 
lippenschilder links 9, rechts 10; auf jeder Seite durchbricht das 
vierte die einfache Reihe kleiner Suborlntalschuppen und tritt direkt 
an die Orbita, was bisher bei keiner Art dieser Gattung beobachtet 
wurde. Infralabialia jederseits 9, von denen die des ersten Pares 
hinter dem dreieckigen Mentale an der Kinnfurche breit zusammentreten. 
Letztere wird außerdem noch von einem Par glatter, gewölbter Kinn- 
furchenschilder begrenzt, welche ebenso lang wie breit und viel größer 
sind, als die darauf folgenden, in vier Reihen stehenden, gekielten 
Kehlschuppen. — Die Schuppen der Schläfe und der Oberseite von 
Hals, Körper und Schwanz sind stark gekielt, die einzelnen Kiele am 
Ende etwas verdickt. Im zweiten Drittel des Rumpfes werden 1 5 Längs- 
reihen gezählt, die geringste bisher an Atheris- Arten beobachtete Zahl. 
Die Schuppen der äußeren, dem Bauche zunächst liegenden Reihe sind 
von denen der darauf folgenden nicht verschieden'''). — Es werden 
103 Bauchschilder, ein einfaches Analschild und 05 ungeteilte untere 
Schwanzschilder gezählt; erstere sind jederseits mit ihren äußeren 
Enden an die Körperseiten heraufgebogen. 

Die Farbe erinnert an die der meisten Arten der Gattung. 
Oben einfarbig dunkel oliv, am Hinterrücken mit sehr verwaschenen 
und kaum erkennbaren helleren Querbinden. Jedes Bauchschild des 
ersten K()rperviertels mit 1 bis 3 verwaschenen, unregelmäßig gestellten, 
dunkleren Flecken, die bald und für den Rest der Unterseite zu einer 
grünlich grauen Schattierung verschmelzen. Viele Bauchschilder haben 
an ihrem äußeren Ende einen gelben Fleck, der sich zuweilen auch 
auf die benachbarte Schuppe der äussersten Reihe erstreckt. 

Maße in mm. Ko})flänge 1 7 ; Kopfbreite in der Schläfengegend 
12, Kopf höhe S; Länge von Kopf und Rumpf 425; Schwanz 118; 
Totallänge 543. 

Ein Exemplar meiner Privatsammlung, in Kamerun gesammelt 
von Herrn JoJis. Voss aus Lübeck. (Vergl. die Bemerkung zu 
Alopecion bicolor, Seite 5). 



1) A. laeviceps Böttg. ist auf die ungekie-lte Beschaffenheit der mittleren 

Scheitelschuiipeu gegründet. 
'■^) Dies ist dagegen dei' Fall bei A. chlor oechis Schi, und A. anisolepis 

Mocq. 



I. über zwei neue Schlano-en und einen neuen Laubfrosch von Kamerun. 7 

3. Über die spezifische Verschiedenheit der bis jetzt beschriebenen 

Baumvipern. 

Es ist um so schwieriger, sich hierüber ein (h'tiiiitives Urteil zu 
biklen, je größer die Schwankungen und andererseits die Überehi- 
stimmung sind, welche diese Schlangen in einigen der als charak- 
teristisch betrachteten Merkmale zeigen. So dürfte die Zusammenziehung 
mehrerer Arten in einzelne wenige eine Folge des Zuflusses reicheren 
Materials sein. 

1. Aus der Färbung lassen sich nach den bisherigen Be- 
schreibungen keine durchgreifenden Unterschiede für die einzelnen 
Arten entnehmen. Wenn die Vermutung von Strauch und anderen 
Autoren, daß A. Burtoni Gut. nur als eine hellgefärbte Abart von 
squamigera Hall, zu betrachten sein dürfte, auch uns sehr gerecht- 
fertigt erscheint, so zeigen alle anderen Arten so ziemlich dasselbe 
Kolorit, eine hellere oder dunklere olivgrüne Färbung der Oberseite; 
diese ist mit mehr oder weniger deutlichen gelben Flecken durchsetzt, 
welche letztere sich oft am Hinterrücken zu schwach angedeuteten, 
oder auch sehr deutlichen Querbinden vereinen; der Bauch ist grünlich 
gelb, bald dunkler, bald heller; am Schwänze erhält — je nach den 
Individuen — die dunklere oder die hellere Färbung das Übergewicht. 

2. Auch die Zahl der Bauchschilder schwankt l)ei den meisten 
Arten innerhalb enger Grenzen : 

Von A. squamigera Hall, berichtet Strauch') Ifio + 1 + 58; 

ähnlich Barboga du Bocage"'^) 158 — 159 + 1 + 53 — 55; 
Bei der mit der vorigen identischen A. Burtoni Gut. zählt 

Strauch') 163+1 + 58; 
Bei vier zu A. squamigera (und Burtoni) gezogenen Stücken des 

Hamburger Museums finde ich ( 1 55 — l(i(i)+ 1 +(54 — (i4); 
A. chloroechis Seht, (polylepis Pets. '*) hat 

nach Strauch') (160 — 165) + 1 + (53 — 58), 
„ Peters^) 160+1+54; 
., F. Müller") 156 + 1 + 60; 
A. anisolepis Mocq. •') hat (154 - 159) + 1 (+ 53 - 55); 
A. laeviceps Boettg. '') hat (154 — 157) + 1 + (49 - 54) 

während unsere A. subocularis 163 + 1+65 besitzt. 



J) Mem. Ac. Petersb. (7) T. XIY., No. 6, p. 124. 
'^) Jörn. Sc. Lisboa No. 44, 1887. (Extr. p. 13). 
:') Mon. Ber. Ak. Berlin 1864 p. 642, A. polylepis. 

4) Verh. Xat. Ges. Basel 1885, 696 (A. chloroechis avit sp. att".). 

5) Bull. Soc. Phil. Paris 1886, 18. Dec. (Extr. p. 30). 

6) Zool. Anz. 1887, N(j. 267 (Extr. p. 3). 



8 Dr. J. G. Fischer, Herpetologische Mitteilungen. 

Das sind Schwankungen, wie sie auch bei verschiedenen Indi- 
viduen derselben Art vorkommen könnten. 

3. Die Zahl der Schuppenreihen (in der Mitte des Körpers ge- 
zählt) zeigt recht große Verschiedenheiten bei Individuen derselben 
Art: A. squamigera Hall, (und Burtoni Gnth.) hat nach den Autoren 
17 — 19, nach meinen an 4 Stücken der Hamburger Sammlung an- 
gestellten Zählungen je 17, 21, 31, 23; A. anisolepis Mocq. 10—23, 
A. laeviceps Boettg. 23 — 25, bei einer von ¥. Müller zu A. chlo- 
roechis Schi, gezogenen Schlange wurden 25 — 27, bei typischen 
Exemplaren dieser Art wurden von Schlegel (Versl. Kongl. Ak. Am- 
sterdam 1855, III p. 317) 23, von Peters (A. polylepis) 31 bis 33, 
von Strauch 31 bis 37 Eeihen gezählt. — Unsere A. subocularis 
zeigt nur 15 Reihen, die geringste Zahl, die überhaupt bei Atheris- 
Formen gezählt wurde. Beim Überblick über diese Zahlen fallen die 
zwischen denselben bestehenden Übergänge sofort ins Auge. 

4. Etwas größeren systematischen Wert scheint die Beschaffenheit 

der Körperschuppen selbst zu haben, und hier würden sich die bekannten 

Arten in 2 Gruppen teilen. Zur ersten gehören diejenigen, bei denen 

die Schuppen der äußeren Reihe durch Größe und Form wesentlich 

verschieden sind von denen der zunächst darüber liegenden Reihen: 

A. chlor oechis Schi, und A. anisolepis Mocq. — Die zweite 

(iruppe würde alle übrigen Arten umfassen, bei denen eben eine solche 

Verschiedenheit nicht besteht: A. squamigera Hall, (mit Burtoni 

Gnth.), A. laeviceps Boettg., A. subocularis Fisch. Es muß jedoch 

bemerkt werden, daß auch hier Übergänge nicht fehlen. An einem 

bisher zu A. squamigera gezogenen Exemplar der Hamburgar 

Sammlung (No. 1235, vom Gabun) mit 21 Schuppenreihen snid an 

einzelnen Stellen Schuppen der zweiten Reihe wesentlich kleiner 

als die der äußersten und erscheinen wie abnorm eingeschaltete 

Schuppen. Ganz dieselbe Bildung linde ich an einem zweiten, von der 

Guinea-Küste stammenden Stücke. (No. 657 der Schlangensammlung des 

Naturhistorichen Museums in Hamburg). Dasselbe hat 21 Schuppen- 

10 9 

reihen , Lab. — -— , eine einfache Reihe Suborbitaha , und das 3 te, 

4te und 5te Lippenschild liegen unterhalb des Auges. Der systema- 
tische Wert der Beschaffenheit der Schuppen, welche über denen der 
äußeren Reihe liegen, wird durch diese Daten wesenthch verringert. 

5. Ob die Zahl der zwischen den Supra-Labialia und dem 
Auge hegenden Schupi)enreihen von systematischem Wert sei, ist sehr 
zweifelhaft geworden dadurch, daß Barboza du Bocage bei ein- 
zelnen Stücken seiner A. anisolepis eine, bei anderen zwei solcher 



I. über zwei neue Schlangen und einen neuen Lauljfroseli von Kamerun. 9 

Reihen fand. Ich selbst finde bei dem vorhin erwähnten Stück No. 1138 
der hamburgischen Schlangensamndunü' an der recliten Seite nur eine, 
an der hnken dagegen zwei Reihen Subokularia. Im Uel)rigen sollen 
nach den Beschreibungen der Autoren A, chlor oechis und A. la e vi- 
ce ps zwei solcher Reihen besitzen, A. squamigera (und Burtoni) 
nur eine. x4uch bei unserer A. subocularis ist nur eine Reihe sehr 
kleiner Subokularen vorhanden, die aber (was von keiner anderen Art 
berichtet wird) durch eine Lücke unterbrochen wird, in der das vierte 
Labiale direkt an die Orbita tritt. 

n. Neuerdings ist von Herrn Dr. Boeffger'') ein neues Merkmal 
als von systematischem Wert bezeichnet und zur Aufstellung einer 
besonderen Art: A. laeviceps, benutzt worden, nemlich die glatte, 
ungekielte Form der (10) mittleren Scheitelschuppen. DaR die für diese 
Art hervorgehobene Zahl der (2) zwischen Orbita und Lippenschildern 
gelegenen Schuppenreihen von keinem systematischen Wert sei, ist 
unter 5 oben dargetan worden. Dasselbe gilt von dem bei den meisten 
Stücken anderer Arten vorhandenen einfachen Nasale, von der Zahl 
der Schuppenreihen (33 — 25, s. oben unter 3) und derjenigen der 
Ventraha und Subkaudaha (154—157)+ 1 +(49—54). s. oben No. 2). 
Was aber die ungekielte Beschaffenheit einiger — oder auch aller — 
Scheitelschuppen betrifft, so verliert diese an systematischem Wert 
dadurch, daß solche sich in größerer oder geringerer Zahl auch bei 
anderen Formen findet. Bei der schon früher (pag. 8) erwähnten 
No. 057 der hamburgischen Schlangensammlung finde ich zwei ganz 
glatte Schuppen auf dem Scheitel, bei No. 1235 (pag. 8) sogar deren 
sechs. Es dürfte hiernach A. laeviceps kaum von A. squamigera 
zu trennen sein, wie ja auch Herr Dr. Boefff/er selbst auf diese Ver- 
wandtschaft liindeutet. 



Es dürften hiernach die bisher bekannten Atheris-Arten ent- 
weder sämtlich zusammenzuziehen , oder höchstens in zwei Arten, 
A. chloroechis Schi, und A. squamigera Hall, zu teilen sein; alle 
bisher benutzten Unterscheidungsmerkmale finden sich entweder auch 
bei anderen Arten, oder variieren l)ei verschiedenen Stücken di'rselben 
Spezies. Wohl aber führt diese Betrachtung abermals zui* Anerkennung 
der auch anderwärts betonten ungemein großen Variabilität südafi'i- 
kanischer Reptilienformen. 

Wenn ich mir dennoch g(>stattet hal)e, in den vorhergehenden 
Blättern auf eine neue Form liinzuweiscii und diese soi^ar mit einem 



») Zool. Anz. No. 267, 1887 (Extr. i>g. 3). 



1 T)i"- J- G. Fischer. Herpetologische Mitteilungen. 

Artnamen zu belegen, so geschah dies keineswegs, um eine neue Art 
zu schaffen, sondern um diese, in zwei bisher nicht beobachteten 
Merkmalen (Augenschuppenring durch das vierte Labiale durchbrochen, 
15 Schuppenreihen) ganz allein stehende Form vorläufig zu fixieren. 
Reicheres und genau untersuchtes Material wird vielleicht über kurz 
oder lang dartun, daf.5 auch jene beiden Merkmale nur einen gerin- 
geren s^'stematischen Wert haben, als ilnien nach dem jetzigen Stande 
unserer Kenntnisse zugesprochen werden muß. 



4. Rappia sordida sj?. n. 

von Kamerun. 

Außer einigen Exenqjlaren von Megalixalus dorsalis Pets. 
sandte Herr JoJis. Vofts dem Lübecker Museum eine kleine Rappia, 
die von den bisher zu dieser wegen ihrer horizontalen Pupille ge- 
zogenen Arten abweicht. 

Trommelfell liedeckt. Zunge herzfr)rmig, tief ausgeschnitten, 
Schnauze länger als der Augendurchmesser, Nasloch vom Vorderrande 
des Auges dreimal so weit entfernt, wie von der abgerundeten 
Schnauzenspitze. Canthus rostralis deutlich aber abgerundet, Frenal- 
gegend schräge nach außen geneigt. Stirngegend fiach, Interorbitalraum 
mehr als doppelt so breit, wie ein oberes Augenlid. Von den Fingern 
ist kaum ein Drittel, die Zehen sind fast ganz durch Schwimmhäute 
verbunden. Das Tibiotarsalgelenk reicht bis zum Vorderrand des 
Auges. Haut glatt an der Oberseite, grobkörnig am Bauch, an der 
Unterseite des Oberschenkels und in der Gegend hinter dem Mund- 
winkel. Eine starke Querfalte an der Brust. Vor derselben beim 
Männchen eine große, den Raum zwischen den Unterkieferhälften aus- 
füllende, Haftscheibe. 

Farbe oben schmutzig gelb, schwarz gestrichelt und gefieckt. 
Koi)f des Männchens oben und an der Seite schwarz, ebenso die 
Oberseite der Unterschenkel. Bauchseite gelblich. 

Am nächsten verwandt mit R. m armer ata Gnth. und 
R. einet i V en tri s Cope. Von ersterer Art verschieden durch die 
kürzeren Schwimmhäute an den Vorderfüßen, von letzterer durch den 
Besitz der Haftscheibe an der Kehle. 



II. über eine Kollektion Reptilien von Angra Pequennsi. 1 1 



IL Über eine Kollektion Reptilien Aon 
Angra Pequenna. 

Im Jahre 188G unternahm Ijekannthch ') der iingiückliche 
Lüderitz seine letzte Reise ins Innere seines Landes. Er ward hegleitet 
von Herrn Sfehtgröver, den er von Bremen und zwar als Steuermann 
angenommen, ihm jedoch in liheraler Weise erlauht hatte, jede zu er- 
übrigende Zeit auf das Sammeln von Naturalien zu verwenden. Herr 
Steingröver hatte zu diesem Zweck im Bremer Museum die nötige An- 
leitung zum Sammeln und Konservieren von Naturalien erhalten. — 
Zunächst waren Lüderitz und Sfciiu/rüver einige Zeit in Angra Pe(|uenna, 
dann unternahmen sie zum Zwecke des Goldhndens jene Reise über 
Aus und Suibes nach Bethanien. Von hier gingen sie südlich 
nach dem Oranje- Flusse und gelangten auch glücklich an die Mündung 
desselben. Um die beschwerliche Landreise nach Angra Pe(|uenna 
zu vermeiden, unternahmen sie höchst wahrscheinlich das übergroße 
Wagnis, in einem kleinen zusammeidegbaren Bote auf dem Wasserwege 
zurückzukehren. Sicherlich sind sie dabei gleich im Anfange des Unter- 
nehmens — wie wenigstens einige Hottentotten ausgesagt haben — in 
der Brandung zusammen umgekommen. Seit Oktober 1886 fehlt jede 
Nachricht von den unglücklichen Reisenden. 

Herr Sfeingröver hatte den einzelnen Sammellnlchsen Nummern 
beigefügt, die sich auf den genaueren, in seinem Tagebuch bezeichneten 
Fundort bezogen. Leider sind einzelne jener Nummern verloren gegangen. 
Von den die ganze Kollektion Reptilien ausnmchenden 200 Stück stammen 
mit Bestimmtheit 124 von Aus, (i von Angra Pequenna, 1 von 
Suibes; für die übrigen 69 Stück läßt sich mit Bestimmtheit annehnu^n, 
daß sie auf dem Wege von Aus nach Bethanien gesammelt wurden. 
Diese letzteren sind in der hier nachfolgenden Liste mit <) l)ezeichnet. 

In der Kollektion waren vertreten folgende Arten und Varietäten: 

I. Schlangen. 

1. Coronella cana Schi Aus. 

2. Dipsina multimaculata Smith .... Aus; Angra Bequena. 



') Diese einleitende Mitteilnn«,^ verdanke ich einem Schreiben des Herrn Dr. 
H. Schaumsland, Direktor dei- Städtischen Sanindnngen in Bremen. 



12 1*1'- J- <^- Fischer, Herpetologisclie Mitteilungen, 

3. Psammopliis sibilans L. Var. fur- 

catiis Pets. Aus; 0. 

4. „ ,, Var. noto- 

stictus Pets. 0. 

5. Boodon geometricus L Aus. 

6. Naja haje L. 0. 

7. Vipera cornuta Daud Aus. 

8. „ caudalis Smith Aus. 

IL Eiclechseu. 

9. Pacliydactylus Bibronii Smith. ... Aus; Suibes., 

10. ., laevigatus sp. n. . Aus. 

11. Chondrodactylus angulifer Pets. . 0. 

12. Ptenopus garrulus Smith (). 

IP). Agama armata Daud Aus; 0. 

14. ., aculeata Daud Aus. 

15. „ atra Daud Aus; 0. 

16. „ hispida L. Aus. 

17. „ b r a c h y u r a Big. (verstümmelt) A u s. 

18. Mabuia sulcata Pets. Aus; 0. 

19. „ „ Var. sexvittata . 0. 

20. ,. occidentalis Pets. 0. 

21. „ varia Pets. Aus; 0. 

22. „ striata Pets 0. 

23. ,, „ (1 Stck.m. 40Schuppen- 

reiheu ['?Eupr.Wahl- 
bergii Pets.]) 0. 

24. Cordylosaurus trivittatus Pets. .0. 

25. Zouurus polyzonus Smith Aus; 0. 

2(3. Nucras tessellata Smith, (verstumm.) (). 

27. Scelotes capensis Smith. (). 

28. Eremias pulchella Smith Angra Pequefia; Aus; (). 

29. ,, suborbitalis Pets Aus; 0. 

30. „ undata Smith Angra Pequefia; Aus; 0. 

31. „ capensis Smith 0. 

32. Scapteira depressa Merr Aus. 

33. „ Knoxii Mihie Edw Aus. 

34. Chamaeleo nama(|uensis Smith . . Aus; 0. 

Außerdem war eine Reihe von Eremias vorhanden, die sicli 
keiner der bekannten Arten genau anschließen. 



II. über eiiH' Kollektion Reptilien von Anora renueuna. 13 

Es würde, bei der großen Zahl der von einzelnen Arten vor- 
handenen Stücke, zu weit führen, jedes einzelne zu besehreiben, oder 
auch nur dessen Abweichungen von typischen Stücken hervorzuheben. 
Auf solche, bei südafrikanischen Reptilien übrigens durchaus nicht 
auffallende, Abweichungen ist aufserdem bereits von Herrn JBoidenrjer 
(Cat.Liz. 2. Bd.), neuerdings teilweise auch von Herrn Dr. O. Boettger (Ber. 
Senckb. Ges. 1885/86 und 1886/87) und Herrn Prof. Barhoza du Bocage 
(,Jorn. Sc. math. phys. e nat. No. XLIV, Lisboa 1887) hingewiesen worden. 
Ich beschränke mich auf einige Bemerkungen über ein Exemplar von 
Mabuia striata Pets. in Vergleich mit M. Wahlbergii Pets. imd 
auf die Beschreibung des unter No. 10 der obigen Liste aufgeführten 
Pachy dactylus, den ich, in Übereinstimmung mit der mir gütigst 
mitgeteilten Meinung des Herrn Boiihiigcr, für eine neue Art halten muß. 



1. Über Mabuia (Euprepes) Wahlbergii Peis. und Mab. striata Pets. '). 

Taf. II, Fig. 4. 

Daß die erstere dieser beiden Arten mit dem in Pholidosis und 
Färbung recht variablen Eupr. striatus Pets. vielleicht zu vereinigen 
sei, ist eine von Herrn Boulenger (Cat. Liz. III. 206) ausgesprochene 
Vermutung. Diese wird bestätigt durch ein aus der Steingröver'schen 
Kollektion stammendes Exemplar, das aller Wahrscheinlichkeit nach 
auf dem Wege von Angra Pequenna nach Bethanien gefangen wurde. 
Durch die Güte des Herrn Direktor Prof. MlMus in Berlin konnte 
ich dasselbe mit dem aus Damaraland stammenden Originalexemplar 
von Eupr. Wahlbergii vergleichen, während mir andererseits ver- 
schiedene" typische Stücke von Eup. striatus des hamburgischen 
Museums zur Verfügung standen. 

Zunächst ist hervorzuheben, daß schon nach den von Peters 
und Boulenger gegebenen Diagnosen beide Arten sich im wesentlichen 
nur durch die Zahl ihrer Schuppenreihen (40 bei E. Wahlbergii 
gegen 32 bis 36 bei E. striatus) unterscheiden. So zeigt auch unser 
Stück die 40 Schuppenreihen von E. Wahlbergii, schließt sich aber 
in den meisten anderen als charakteristisch bezeichneten Merkmalen 
dem E. striatus an. Wenn von letzterer Art bisher nur Stücke von 
32, 34 oder 36 Schuppenreihen gefunden wuixlen, so dürfte (h(^ bei 
einzelnen Exemplaren auf 40 gesteigerte Zahl derselben kaum ein 
Grund sein, die Selbständigkeit von E. Wahlbergii aufrecht zu 



') Oefvers. Vet. Ak. Förh. 1869, 661; Boulenger Cat. Liz. III., 205. 



14 Dl'- J- G. Fischer, Hei'petologische Mitteilungen. 

erhalten, wenn in den meisten übrigen Punkten die Übereinstimmung 
mit E. striatus nachgewiesen werden kann. Da diese Art in den 
meisten Sammhmgen ziemlich verbreitet, und die Veränderlichkeit, der 
sie in Bezug auf Pholidosis und Farbe unterliegt, von Herrn Boulenger, 
neuerdings auch von Herrn Dr. 0. Boeftger ') hervorgehoben worden 
ist, darf ich mich darauf beschränken, diejenigen Punkte anzuführen, 
durch die unser Stück von dem typischen Exemplar von E. Wahlbergii 
abweicht; es sind das dieselben, in denen es sich dem E. striatus 
anschließt, so daß es als ein mit 40 Schuppenreihen ausgestattetes 
Stück dieser letzteren Art erscheint. Aus dem oben Gesagten ergibt 
sich zugleich, daß die erstgenannte Art einzuziehen und mit der 
letzteren zu vereinigen sein dürfte. 

1 . Das Nasloch liegt gerade über der Naht von Rostrale und erstem 
Labiale. 

2. Das vordere Frenale steht in recht deutlicher Berührung mit dem 
ersten Labiale. 

3. Das Frontonasale ist durch die breit zusammenstoßenden Praefron- 
talia vom Frontale getrennt. 

4. Das Subokulare reicht nicht bis zur Lippe herab und ruht auf 
dem 5., 6. und 7. Labiale. 

5. Vorderrand der Ohi'öffnung mit drei kleinen wenig vorragenden 
Schuppen von der Form und der Farbe der benachl)arten Schui)pen. 

Luleni ich es unterlasse, diejenigen Merkmale hervorzuheben, 
die beiden, bisher als verschieden betrachteten, Arten gemeinsam sind 
(allgemeine Körperform, Scheibe des unteren Augenlides, spitzgekielte 
untere Sohlenschuppen etc.), l)emerke ich nur, daß die (in 40 Längs- 
reihen stehenden) Kör])erschuppen am Kücken und am oberen Teil 
der Seite stark dreikielig sind. Die obere wie die untere Fläche des 
Schwanzes zeigt eine Reihe größerer Schuppen; die der ersteren sind 
mit fünf Kielen versehen. 

Die Farbe unseres Stückes ist oben olivenbraun, jede Schuppe 
an ihrem Ende mit einem kleinen gelbhchen Fleck (Tafel II Fig. 4 d). 
Diese Flecke bilden, den Schuppenreihen folgend, punktierte Längslinien, 
Keine helle Seitenbinde am Rücken, keine dunkle Binde an der Schläfe. 
Unterseite weißlich, Kinn und Kehle schwarz marmoriert. 

Was die Körperverhältnisse betrifft, so ist der Schwanz 
etwa 'V. der Totallänge. Die längste Kralle des Hinterfußes reicht 
bis zur Achsel, diejenige des Vorderfußes gerade bis zum Ende der 
Schnauze. 



') Ber. Senckenb. Ges. 1886-7, pag. 150. 



IL Über eine Kullektion Keptilien von Angra l'equenna. 15 

Maße. 

Kopf bis zum Ende des luterparietale 1 *> mm 

Von der Schnauzenspitze bis zum After 81 ,, 

Schwanz 132 „ 

Totallänge 213 „ 

Vorderbein 2/ „ 

Hinterbein 39 „ 



Ein Stück meiner Privatsammlung-, von Herrn Steingröver 
gefangen auf dem Wege von Angra Pequenua nach Bethanien. 



2. Pachydactylus laevigatus t^j. n. 

von Atis. 
Taf. II, Fig. 3. 

Rückentuberkeln ganz flach, in ziemlich unregel- 
mäßigen Längsreihen geordnet. Acht bis zehn Querlamellen 
unter den letzten Gliedern der mittleren Finger und Zehen. Körper, 
Kopf und Schnauze ziemlich niedergedrückt. — Graubraun mit schwarzen 
hufeisenförmigen, nach vorn oftenen, Querbinden über den Rücken, an 
deren Grenzen einzelne weisse Punkte eingestreut liegen. 

Beschreibung. 

F<>rm. Körper gedrungen, ziemHch abgeplattet. Beine kurz; 
werden die vorderen und die hinteren Gliedmaßen an den Leib gelegt, 
so treffen Hand- und Fuß -Wurzel zusammen. Koi)f und Schnauze 
ziemlich platt. Die Höhe des Kopfes in der Gegend der Ohröänung 
merklich kleiner als die F^ntfornung des vorderen Olirrandes vom 
vorderen Rande der Orbita und gleich derjenigen der Schnauzenspitze 
vom Zentrum des Auges. Schwanz etwas abgeplattet, nicht ganz so 
lang wie Kopf und Rumpf zusammen. Er ist deuthch geringelt, am 
Anfange mit G, in der Mitte mit 4. gegen das Ende mit 2 in Quer- 
reihen stehenden konischen Tuberkeln besetzt. — Obrspalte schmal, 
vertikal stehend. Auge groß, Pupille vertikal. SuixM'ciliarrand vor- 
ragend, mit einer Reihe scharfer Schui)pen besetzt. 

Schuppen und Tuberkeln. Kopfschilder vorn klein, tiaeh. nach 
hinten größer und scliwaeli längs gekielt. Im Literorbitalrauni werden 
7 bis 9 glatte Tuberkeln gezählt. — Bis zum Zenti'um des Auges zählt 
man 9 bis 10 Ober- und ünterlippenschUder, auf die oben wie unten 



1 6 I^i'- J- ^i- Fischer, Herpetologisclie Mitteilungen. 

noch 1 bis 2 kleinere folgen, — Eostrale fünfeckig, breiter als hoch, 
oben mit stumpfem Winkel, ohne oberen Einschnitt. Die Xasorostralia 
berühren sich über der oljeren Spitze des Rostrale, und stellen mit dem 
ersten Oberlippenschilde jeder Seite in Berührung. Mentale etwa 
dreimal so lang wie breit und ebenso lang wie die Unterhppenschilder 
des ersten Pares. — Schuppen der Kehle und des Halses sehr 
klein, kleiner als die Bauchschuppen. — Die Tuberkeln des Rückens 
sind vollkommen flach, mit kleinen Zwischenräumen. In der Mitte des 
Körpers zählt man quer über den Rücken 19 bis 21 Tuberkeln, die 
in sehr unregelmäßigen Längsreihen stehen. Die an den Seiten des 
Rumpfes und an der Oberseite der Gliedmaßen stehenden Tuberkeln 
sind kegelförmig, oft an ihrer Spitze mit einer Vertiefung versehen, 
von der jedoch keine scharfen Kiele herunterlaufen. Bauchschuppen 
klein, glatt, dach ziegeiförmig gelagert; quer über die Mitte des Bauches 
werden deren 43 bis 45 gezählt. — Die Tuberkeln des Schwanzes 
sind kegelförmig; von ihrer Spitze gehen oft mehrere leichte Kiele bis 
zu ihrer Basis herab. 

Die Qu er 1 am eilen unter den letzten Zehengliedern sind un- 
geteilt und stehen nach dem Ende der Zehe dichter. Der Rand dieser 
Lamellen erscheint, wenn der Weingeist abgetrocknet ist, sehr fein ge- 
franzt, wie dies auch von Dactochilikion Tliom. berichtet wird. — 
Die innere Zehe von Hand und Euß hat 7 bis 9, die vierte lU Lamellen, 
über der plattnagelförmigen Schuppe auf dem Rücken der mittleren 
Zehen ragt eine ganz unbedeutende, nur Ijei etwas stärkerer Ver- 
größerung deuthche, krallenähnhche Schuppe hervor, die jedoch nicht 
bis ans Ende der betreffenden Zehe reicht'). 

Farbe ganz wie bei P. Bibronii Sm. ()l)en graubraun, unten 
gell)lich. Eine schwarze Linie geht vom Nasloch durch das Auge nach 
dem Hinterkopf, w^o sie sich nach innen wendet, ohne jedoch mit der 
entsprechenden Linie der anderen Seite zusammenzutreffen. Bei einem 
zweiten P]xemplare findet sich noch eine zweite dunkle Linie vom Nas- 
locli ])is zum ol)eren Rand der ()rl)ita und eine kurze scliwarze Längs- 
linie in der Mitte der Interorbitalgegend ; letztere Linie gabelt sich 
bald, und jeder Teil folgt in kurzem Bogen der Supraorbitalgrenze. 
Bei diesem zweiten Stück findet sich ferner noch ein kurzer schwarzer 
Längsstrich in der Mitte des Hinterhaupts. — Am Nacken liegt eine 
schwarze, in der Mitte nicht geschlossene Querbinde. Der Rücken 
bis zum Anfang des Schwanzes ist mit fünf schwarzen schmalen Quer- 
binden geziert, von denen die drei ersten eine nach vorn offene 



') Auch bei mehreren Stücken von P. Bibronii fand ich dieselbe Bildung. 



IL Über eine Kollektion Reptilien von Angra Pequenna. 17 

hufeisenförmige Gestalt haben. Weiße kleine Flecke, je einem Tuberkel 
entsprechend, liegen an der hinteren Grenze dieser (namentlich der 
ersten) Querbinden, und tinden sich auch an den Körperseiten un- 



regelmäßig zerstreut. 












Kopf und E,u: 


inpf 


Schwanz 


Totallänge 


Maße. a. 


85 mm 




74 mm 


1 59 mm 


b. 


89 „ 




(regeneriert) 
52 mm 


141 „ 



Zwei Exemplare, von Steingröver bei Aus und auf dem 
Wege nach Bethanien gesammelt. 

Von den bisher bekannten Arten mit glatten Eückentuberkeln ist 
die unsere außer anderen in der Beschreibung hervorgehobenen Punkten 
durch die größere Zahl der Querlamellen unter den Zehen leicht zu 
unterscheiden. Durch dies Merkmal, sowie durch die Färbung etc. ist 
sie dem mit scharfgekielten Rückentuberkeln versehenen P. Bibronii 
so ähnlich, daß ich anfangs geneigt war, sie nur als eine Varietät zu 
betrachten, weim nicht die oben gescliilderten Abweichungen in dem 
Habitus des Körpers so wie in der Zalil der Rückentuberkeln und der 
Bauchschuppen eine spezifische Verschiedenheit andeuteten. Neben 
jenen zwei Exemplaren unserer neuen Art befanden sich auch mehrere 
ganz charakteristische Stücke von P. Bibronii Sm., (von denselben 
Fundorten) in der Steingröver'schen Kollektion. 



18 I^i'- J- <T. Fischer, Ilerpctologische Mitteilunofen. 



III. Über zwei von der Liukiu-liisel Okinawa 
staiinneiide Selilaiigeii. 

1. Platurus colubrinus Sehn, und dessen Giftigkeit. 

Ein mir von meinem Freunde. HeiTii Dr. 0. Warhurg, aus 
Okinawa. Liukiu-Insel. eingesandtes Exemplar stimmt fast in allen 
Punkten mit dem Schneider 'sehen Originalexemplar dieser Art 
üherein'). Es zeigt 23 Schnppenreihen, die Schuppen an der Seite des 

Sclnvanzes iederseits in o Reihen, Ventr. 'l\i) + ■\'-i + (sreeen 

44 
215 + /i -|- licim Originalexemplar), dunkle Einge an Rumpf und 

4 4 

Schwanz o(i -f- (i (gegen 3(i -}- f)). Diese sind jedoch am Rücken 
4 bis 5 mal so breit (5 Schuppen) als die hellen Zwischenräume 
(1 — 2 Seh.), während jene des Originalexemplars nur halb so breit sind 
(2 — 3 Seh.) wie die letzteren (4 — 5 Seh.). Nach den Seiten herab 
verschmälern sich die dunklen Binden und sind hier nur wenig (3 bis 4 Seh.) 
breiter als die hellen Zwischenräume. Der Kopf zeigt keine dunkle 
und helle Zeichnung. — Auifallend ist die Form der vorderen Kopf- 
schilder. Nicht nur dnl.i sich, wie l)ei dem Typus des Gtinth ersehen 
Plat. schistorhynchus. über dem abgestutzten Rostrale eine drei- 
eckige Schujipe, wie eine von demselben al)geschnittene Spitze, befindet, 
sondern es liegen jedei-seits hinter dieser Spitze zwischen den dadurch 
aus einander gerückten Internasalia und Praefrontalia noch zwei Schilder. 
Letztere bilden mit ersterem ein Dreieck und stellen sich dar wie ein 
in drei Teile zerspaltenes unpares mittleres Praefrontale. Auch das 
Berliner Museum (Peters. Mon. Ber. Ak. Berl. 1876) besitzt ein 
von Amboina stammendes Stück von PL laticaudatus L. (= PI. 
colubrinus Sehn.) mit drei mittleren Internasalia. Es finden sich 
ferner sechs Ober- und sieben Unterlippenschilder. Hinter dem 
kleinen Mentale schlielien nicht die Infralabialia des ersten Pares, 
sondern zwei zwischen diesen und dem Mentale eingeschaltete längliche 
Schildchen zusammen, auf die vor der eigentlichen Kehlfurche noch 



') Nach den Angaben von P e t e r .s , Mun. Her. A ka d. d. Wissensch. von 1877 pag. 417. 



III. über zwei Schlangen von Okinawa. 19 

ein unpares drittes Schaltschild folgt. Die Kinnfurehe selbst wird nur 
von einem Par größerer Kinnfurchenschilder begrenzt . da die des 
zweiten Pares durch eine große Kehlschuppe getrennt sind. — Wie 
bei dem Schneiderschen Originalexemplar sind außer dem eigentlichen 
Analschilde auch die zwei diesem vorhergehenden Bauchschilder geteilt. 
PjS sei hier l)emerkt, daß ehi unpares Schild über dem ßostrale 
(PI. schistorhynchus Gut.) sich noch bei zwei Stücken des Ham- 
burger Museums tindet. ¥Än Exemplar von den Tonga-Inseln (aus dem 
Mus. Godeffiro)' stammend, ^'o. 831 unserer Schlangensammluug) zeigt 
ein solches. Das Stück hat 3 Praefrontaha, am Halse 21, in der Mitte 

des Körpers 23 Schuppenreihen, Ventr. 195 + •'/•.• + ~. Hier sind 

38 

die letzten hellen Einge des Rumpfes unten nicht geschlossen, so daß 

die Bauchgegend an dieser Stelle schwarz erscheint. Die dunklen 

Querbinden sind am Rücken (7 bis 8 Seh.) mehr als doppelt so breit, 

wie die hellen Zwischenräume (2 bis 3 Seh.). 

Ein Azygos-Schild über dem Rostrale tindet sich bei einem 

zweiten Stück aus der vormaligen Godef fr oy sehen Sammlung (von 

den Gesellschaftsinseln, No. 384 unseres Museums). Dasselbe hat an 

Rumpf und Schwanz 28 + '^ dunkle Querbinden, die seitlichen Schwanz- 

31 
schuppen stehen in 5 Längsreihen; Veut. 229 -\- '/i + — 

31 



Bei der durch vielfache Beobachtungen bestätigten (Giftigkeit 
der Seeschlangen, für welche die auch bei unserem Stücke vorhandenen 
vorderen Giftzähne die Erklärung bieten, war es auffallend, daß Herr 
Dr. Doederlein ') die Unschädlichkeit der Ijei den japanischen Inseln 
vorkommenden Platurus betont, trotzdem auch seinem Forscherblicke 
die Giftzähne nicht entgangen waren. Herr Dr. 0. Warhurg bestätigt 
aber iu dem Schreiben (dat. 27. Oktober 1887, Kobo in Japan), 
wodurch er das vorliegende Stück begleitete, vollkommen die Angaben 
Doederleins. Er schreibt: „Diese Seeschlange ist trotz ihrer Ver- 
„wandtschaft nicht giftig, beißt auch nicht. Sie wird namentlich in 
„Erabushima (nördlich von Okhiawa) und auf Korallenbänken von 
„Tauchern mit der Hand gefangen und getödtet dadurch, daß man 
„ihnen das Genick durchbeißt, den Schlangenkopf dabei in 
„den Mund steckend, was ich selbst l)eol)acbtet habe. Sie wird 
„dann getrocknet und versandt. Diese Schlangen sind ein Handels- 
„artikel, jeden Tag auf dem Markt in Nafa, sollen auch in die 



') Mitteil, der deutschen Ges. für Xatur- und Völkerkunde Ostasiens III, 
Heft 23, pag. 149. 



20 1*1'- J- ^'- Fischöl', Ilerpetoluoisehe Mitteilungen. 

„japanischen Medicinläden bis nach Tokio kommen. Ich schnitt 
„eine auf die angegeliene Weise getödtete Schhmge sofort auf, stach 
„mit einer Nadel in die Gift (?) Drüse hinter dem Auge und impfte 
„zweimal einen Frosch, ohne irgend ein ungünstiges Resultat; ein zweiter 
„Versuch bheb ebenfalls erfolglos." 

So weit der Bericht des als gründlicher und vorurteilsfreier 
Forscher (Botaniker) bekannten Herrn Dr. Warhurg. Was das zuletzt 
angeführte Experiment betrifft, so lielie sich seine Wirkungslosigkeit 
vielleicht dadurch erklären, daß bei dem Einstich mit der Nadel nicht 
die Giftdrüse seilest getroffen wäre. Und das Al)bei(.Jen des Kopfes 
verliert vielleicht an Gefährlichkeit dadurch, daß ])eim festen Zusammen- 
pressen des Kopfes hn Munde des Menschen die Kiefer der Schlange 
sich nicht weit genug öffnen können um die Giftzähne wirken zu lassen. 
Aber diese Seeschlange beiüt überliauj^t nicht, wenn der Mensch sie 
anfaßt, — darüber sind Doederlein und Warburg nach den Aus- 
sagen vieler Eingeborenen und nach eigenen Erfahrungen einig. Man 
vergesse aber dabei nicht, dal? auch sonst manche Schlange nur die 
zur eigenen Nahrung dienende Beute, nicht aber den Menschen beißt. 
Während sich unsere ungiftige Coronella austriaca gegen den 
Angriff" kräftig Avehrt und tüchtig drauf los beißt, macht unser Tro- 
pidonotus natrix gegen den sie angreilenden Menschen niemals 
(iel)rauch von seinen Zähnen, selbst wenn er recht fest angefaßt wird. ') 

Meines Erachtens liegt in dem Besitz von Giftzähnen imd der 
Unschädlichkeit einer Schlange kein Widerspruch, wenn es in ihrer 
Eigenart liegt - — wie in dem angeführten Beispiele — ihre Zähne 
nur gegen ihre Beute, nicht aber gegen solche Geschöpfe zu gebrauchen, 
die ihr wegen ihrer Größe nicht zur Nahrung dienen können. Dies 
mas; eben bei unserem Platurus der Fall sein. 



2. Trimeresurus riukiuanus Hihjdff. 

Sitzb. (ies. Nat. Fr. Berhn 1880. 

Zwei auf der Liukiu-lnsel Okinawa gesammelte Stücke dieser 
Art, jedes von mehr als 1 'A Meter Länge, stimmen in Bezug auf Färbung 
und Pholidosis mit Hilgendorffs Angaben überein. Sie Avurden 



•) Aehnliches wissen wir von Tiei'en aus andei'cn Klassen. Eine Arbeitsbiene 
sticht jeden, der sie selbst oder ihren Stock beunruhigt; die sogenannte 
Königin gebraucht dagegen ihren Stachel zwar wütend gegen eine andere 
Königin, die zufällig in ihre Nähe gelangt ist, niemals aber gegen einen 
Menschen, der sie in seine Hand nimmt und sogar ziemlich heftig drückt. 



in. über zwei Schlangen vnn ()kin:i\v;i. OJ 

ebenfalls von meinem Freunde, Herrn Dr. 0. Warhvrq lebend her- 
gesandt, kamen aber, wie der Platurus. tot. jedoch vorzüglich 
erhalten, hier an. — Da mir gleichzeitig die Direktion des Groß- 
herzoglich Oldenlnirger Museums zwei Exemi)lare des nahe verwandten 
Tr. mucrosquamatus Cant. aus Süd-Formosa zur Vergleichung bereit- 
willigst zur Verfügung gestellt hat, so dürfte es von Interesse sein 
teils einige Abweichungen meiner Exemplare von den tvi)ischeu Stücken 
des Berliner Museums, teils einzelne nicht unwesentliche Unterschei- 
dungsmerkmale von Tr. mucrosquamatus kurz zu berühren. 

Die von Hilgendorft' hervorgehobene charakteristische Färbung 
in Vergleich mit derjenigen der Formosa-Art hndet sich auch bei meinen 
beiden Stücken. Diese sind übrigens in der (irundfarbe des Rückens 
— das eine hellgelb, das andere dunkeloliv — von einander ver- 
schieden, welche zwei Formen auch von den Bewohnern Okinawas als 
(lold-Habu und Silber- Habu unterschieden w^erden. — Beide Stücke 
haben 8 Ober- und I '> Unterli])penschilder '). Wenn auf der Zeichnung 
Hilgendorffs die Spitze des dreieckigen Mentale mit den zwei 
Spitzen der Infralabialia des ersten Pars und mit dem vorderen Ende 
der Kehlfurche in einem Punkte zusammentrittt , so ist diese Form 
nicht als charakteristisch zu betrachten; ich tinde dieselbe allerdings 
auch an einem meiner Stücke, während bei dem anderen — ebenso 
wie bei beiden Exemplaren von T. mucrosquamatus — die ersten 
Infralabialia an der Kehlfurche breit zusammenstoßen und sich zwischen 
die Spitze des Mentale und die vorderen Kehllurchenschilder legen. 

Bei dem kleineren, heller gefärbten, Stücke (Goldhabu) zähle 
ich in der Mitte der Körperlänge 37 Schuppenreihen, bei dem größeren 
nirgends mehr als H.^). — Beide Stücke von Tr. mucrosquamatus 
besitzen 27 (nicht wie von anderen Exemplaren gesagt ist: Sf)) 
Schuppenreihen; dieselben weisen für die Bauclisebilder die Zahlen 

90 
21<i -1- — auf. während sich bei den beiden Exemplaren von T. riukiuanus 

die Zahlen landen: a) 223 +4!!, ^J) --^ + ^^ - 

bü 81 

Ein recht in die Augen fallendes Merkmal um beide ver- 
wandten Arten zu unterscheiden ist ferner das auch von Hilgendorff 
hervorgehobene größere Schild zwischen dem Supraokulare und dem 
Supranasale. Dies fehlt dem T. mucrosquamatus gänzlich . und die 
ganze Gegend des Canthus ist hier mit kleinen (5 bis (1) Schiqipen 
bedeckt. 



') Offenbar nur auf einem Druckfehler beruht es, wenn im Text von Hilgen- 
dorffs Arbeit die Zahl der Unterlippenschilder auf fünf angegeben ist. 



00, 



Dr. J. G. Fischer, Herpetolofi^ische Mitteilungen. 



Über die Gefährlichkeit des Bisses dieser von den Bewohnern 
der kleinen japanesischen Inseln sehr gefürchteten Schlange hat 
Ijöderlein aiisführHch berichtet (Mitt. d. deut. Ges. für Natur- und 
Völkerkunde Ostasiens 1881, Bd. III. p. 1 17). Dies wird von Herrn 
Dr. Warhnrg vollkommen bestätigt. Derselbe hat zugleich die Angaben 
der Eingeborenen gesammelt über diejenigen Inseln auf denen unsere 
Giftschlange vorkommt, woraus sich ergibt, daü ihr Verbreitungsbezirk 
von demjenigen der Formosa-Art ziemlich getrennt sein muß. 

Zum Schlüsse lasse ich hier die Maße in mm der besprochenen 
4 Exem])lare der beiden verwandten Arten folgen: 





Kopf und 
Eumpf. 


Schwanz. 


Total 


1 . I' 1'. r i u k i u a n u s : 


a 


1,21 f) 


218 


1,433 




b 


1,100 


185 


1,285 


2. T. mu eres quam: 


c 


443 


94 


537 




d 


310 


70 


380 



Nach diesen Maßen scheint der Schwanz der japanesischen Art 
etwas kürzer zu sein als bei mucrosquamatus. Er verhält sich zur 
Totallänge dort — 1 : ß,(i; bei der letzten Art = 1 : 5,7 oder 5,4, 
wobei allerdings die große Altersverschiedenheit der Exemplare beider 
Arten zu l)erücksichtigen ist. 



IV. Üljer eine Kollektion Reptilien von II;iyti. 23 



IV. über eine Kollektion Reptilien nnd Amphibien 

von Havti. 



Von dem riiliinlichst bekannten NaturhistorJsehen Institute 
Linnaea in Berlin war im vorigen Jahre einer seiner Anoestellten. 
Herr Hermann BnJlr, nach Cap Hayti gesandt worden, um für die 
Zwecke des Institutes naturhistorische Objekte zu sammehi. Die Aus- 
beute an Reptihen war außerordentlich reich und für die Wissenschaft 
förderlich. Es wurden im ganzen 33 Arten in zum Teil recht vielen 
und gut erhaltenen Exemplaren erbeutet, unter denen sich nicht nur 
einige für die Wissenschaft neue Spezies, sondern auch manche Stücke 
befanden, die eine schärfere Umgrenzung der Ijislier aufgestellten 
Diagnosen und eine Feststellung solcher, sclion früher beschriebenen 
Arten ermöglichten, deren Heimat Ijisher unbekannt war. 

Die Linnaea. welche, wie ich ei'fahre. die Absicht hat. die er- 
worbenen Stücke durch Verkauf den Museen und den Herpetologen 
von Fach zugänghch zu machen, hat mich um die Bearbeitung des 
reichen Materials ersucht. Ich gebe nachstehend zunächst eine Liste 
der in der Sannnlung enthaltenen Arten; in derselben sind diejenigen 
mit einem * bezeichnet, an deren Namen ich weiter unten einige 
Bemerkungen knüpfen werde. 

Was die Orte betrifft, an denen Herr //, I\oUc sei'ner Aufgal)e 
nachkam , so liegen dieselben auf dem Wege von Cap Hayti nach 
Port au Prince. Es sind: Milo; darüber Sanssouci, das zerstlu-te 
Scldoß des Königs Christoph; Piaisa nee, einer der höchsten Punkte 
des westlichen Teiles der Insel; in der Nähe Marmelade, und süd- 
westlich davon nahe dem Meere das der Vegetation durch den Salz- 
gehalt seines Bodens feindliche Gonaives. 

Folgende Arten wurden gefunden: 

1. Clemmys decussata Bell. — Cap Hayti. 

2. „ rugosa Shaw. — Cap Hayti. 

3. Sphaerodactylus punctatissimus D. et B. — Cap Hayti. 

4- „ alopex Cope. — Cap Hayti. 

5- ,: oxyrhinus Gosse. — Cap Hayti. 
6, Aristelliger pracsignis Hallow. — Gonaives. 



24 Pr. J. G. Fischer, Herpetolopjisehe Mitteilunjjen. 

7. Gonatodes albogularis D. et B. — Gonaives. 

*S. Anolis clilorocyanus D. et B. — Cap Hayti. 
9. ,, cybotes Cope. — Cap Hayti. — Sanssouci. 

10. „ distichus Cope. — Cap Hayti. — Marmelade. — 

Plaisance. 

11. ,, semilineatiis Cope. — Cap Hayti. 
*12. Ameiva chrysolaema Cope. — Cap Hayti. 
*13. „ regularis s}). n, — Gonaives. 

*ll. Liocephalus vittatus Hallo w. — Cap Hayti. 
*iri. „ Schreibersii Gravh. — Gonaives, 

IT). Metopoceros cornutus Wgl. — Cap Hayii. 

*17. Diploglossus striatus Gr. — Gonaives. 

18. Honialocliilus striatus Fisch. — Cap Hayti. — Gonaives. 

*19. Chilabotlirus macu latus sp. n. — Cap Hayti. 
*20. „ gracilis sp. n. — Cap Hayti. 

21. Tropidoiiliis maculatus D. et B. — Cap Hayti. — Milo. 
*22. „ conjunctus sp. n. — Cap Hayti. 

*23. Hypsirliynclius ferox Gnth. — Cap Hayti. — Gonaives. 

24. Athaetulla Catesbyi Schi. — Cap Hayti. 

*25. Uromacer oxyrhynchus D. et B. — Cap Hayti. — Gonaives. 

20. Dromicus antillensis Schi. — Cap Hayti. 
*27. „ parvifrons Cope. — Cap Hayti. 

*28. „ (Alsophis) an malus Pets. — Cap Hayti. • — 

Grande Riviere. 

29. Typhlops lumbricalis I). et B. — Gonaives. 

•SO. „ Richardii D. et B. — Cap Hayti. 

ol. Bufo gutturosus Laur. — Cap Hayti. 

*32. Hyla (Trachy cephalus) ovata Cope. — Cap Hayti. — 
Grande Riviere. — Sanssouci. 



1. Ameiva chrysolaema Cope. 

Proc. Acad. Philad. 1SG8, 127. 

Mehrere Exemplare in verschiedenen Alterstufen stimmen mit 
Copes Beschreibung (s. auch Boulg. Cat. Liz. II, 0.5')) in den meisten 
Punkten überein. Es sei mir gestattet, auf einige Abweichungen 
hinzuweisen , die sich entweder bei allen , oder doch bei einigen 
Stücken zeigen. 

1. Die vordere Kehlfalte ist oft sehr undeutlich, fehlt sogar bei 
einigen der größeren Exemplare (32 cm) gänzlich, so daß hier von 



IV. über eine Kollektion Reptilien von Hayti. 25 

einem eigentlichen Meso-ptycliium nicht die Rede sein, und mit dieser 
Bezeichnung nur die Gegend vor der stets sehr deutlich ausgeprägten 
zweiten Kehlfalte bezeichnet werden kann. 

2. Bei keinem der vorliegenden Stücke habe ich die von Cope 
angegebene Zahl von 20 Femoralporen, sondern hrK-hstons 18 jederseits 
zählen können. 

3. Die Kürii(>rreihe zwischen den InlValabialia und den sie 
unterhalb begleitenden großen Schildern (Chin-chields) erstreckt sich 
nach vorn nur bis zum zweiten Ünterlippenschilde, nicht bis zu dem 
unparen, auf das Mentale folgende Schild; sie liesteht auch nicht in 
ihrer ganzen Ausdehnung aus Körnern, sondern untorhalli der letzten 
Infralabialia aus gröüeren, urn-egelmäßig geformten Schildern. 

4. Nicht unter der Hacke des Hinterfußes, sondern unter der 
Handwurzel, hinter den Wurzeln des vierten und fünften Fingers, findet 
sich ein (auch zwei) größeres Querschild, getrennt von der Reihe der 
die Finger von unten bedeckenden Schienenschuppen ; an Stelle desselben 
findet sich wohl auch eine Gruppe dicht zusammengedrängter spitzer 
Tuberkeln. 

Die Farbe wird von Cope (1. 1. p. 12S) folgendermaßen be- 
schrieben: Olive green with five series of small Avhite spots on each 
side and seven on the dorsal region. The latter tend in a smaller 
specimen to form two pairs of incomplete dorsal stripes. 

Bei unseren Exemplaren sind von diesen 1 7 Punktreihen immer 
eine um die andere durch Vereinigung der Punkte zu wirklichen weißen 
Längslinien geworden, in deren Zwischenräumen dagegen die Punkte 
unverschmolzen als Punktreihen erscheinen. Die Grundfarbe der Ober- 
seite ist dunkelgrün. Vom Hinterhaupt bis zum Schwanz verlaufen 
fünf weiße Längslinien, von denen die drei mittleren — namentlich die 
mittelste — die schwächsten sind. Die äußerste dieser fünf Linien 
bildet den oberen Saum einer ziemlich breiten, tief schwarzen seitlichen 
Längsbinde, die unten wieder durch eine weiße, wie eine Perlenschnur 
aus zusammengezogenen l'uidvten gebildete weiße Linie gesäumt wird. 
Li jedem Zwischenraum dieser bei keinem der vorliegenden Stücke 
fehlenden 7 weißen Längslinien findet sich — bei den mittleren am 
Rücken nicht immer deutlich — eine Längsreihe weißer Punkte. So 
entstehen 13 Längslinien, (i aus weißen Punkten, 7 aus wirklichen mit 
jenen abwechselnden Linien. Noch unter- und außerhalb der letzten 
derselben stehen jederseits noch zwei bis 3 Reihen größerer weißer, 
nicht ganz regelmäßig geordneter Flecke, die sich auch mit auf die 
äußeren Bauchschn])])en erstrecken. 



26 Dr. .1. G. Fischer, Ilerpetolooisclie Mitteilini<>en. 

Immerhin ersclieinen die aufgeführten Abweichungen unserer 
Stücke so grof}, daß eine Zu/ählung derselben zu der Cope'schen Art 
nur mit einem gewissen Vorbehalt geschehen kann. 



2. Ameiva regularis sjh n. 

Zwei Exemplare einer Ameiva von Sanssouci (Hayti) erinnern 
in ihrer Beschuppung sehr an A. chrysolaema Cope. , in ihrer 
Färbung dagegen sowohl an A. lineolata D. 15. ;i]s an A. vitti- 
punctata C'ope. Von der letzteren Art unterscheidet sich unsere 
Art durch den Besitz von vier (gegen 3) Supraokularia, von A. lineo- 
lata durch den Besitz von 12 (gegen 8) Reihen fkiuchschilder. V^on 
chrysolaema ist sie durch die Zahl (9) der hellen Längslinien, durch 
den Mangel der weißen Pnidvtreihen zwischen den letzteren und die 
helle Färbuno; der Kehlfalte verschieden. 



Das Nasloch liegt in dem unteren hinteren Teil des Nasale. 
Fünf Occipitaha sind vorhanden, die drei mittleren von nahezu gleicher 
(iröße. die zwei äußeren kaum halb so groß wie die benachbarten 
inneren. Hinter ihnen 2 — 3 Reihen kh'inerer unregelmäßiger Schildchen, 
die bald in die K(»rnerform der Nackenschup})en ül)ei"gehen. — Vier 
Supraokularia, das vierte sehr klein ; zwischen das erste und zweite 
ragt vom Superciliarrande her ein kleines dreieckiges Schildchen herein; 
dieses bildet den Schluß der doppelten Körnerreihe zwischen Super- 
ciliaria und Supraokularia; dic^ drei ersten dieser Schilder stehen mit 
dem Frontale in Berührung. - Sieben Superzi liaria, die zwei 
ersten gleich lang, jedes derselben so groß wie drei der folgenden. — 
Sechs Supralabialia, das letzte schmal, linear; die Naht zMäschen 
dem fünften und sechsten liegt etwas vor dem Zentrum des Auges. 
Sieben Infralabialia. Hinter dem Mentale ein großes unpares und 
acht parige Kinn Schild er. Die letzteren sind, vom zweiten anfangend, 
durch Körnerschuppen , später durch kleine polygonale Schilder von 
den Unterhppenschildern getrennt; die Reihe jener Kinnschilder zieht sich 
nach hinten in einem Bogen bis hinter den Mundwinkel in die Höhe. — 
Mittlere K e h 1 s c h u p p e n nur seVir wenig vergrößert. K e h 1 f a 1 1 e mit drei 
Querreihen größerer sechseckiger Schildchen, die nach vorn wie nach 
hinten kleiner werden und in die Form von Körnerschuppen übergehen. — 
Rückenschuppen körnig. Bauchschilder in der Mitte der Kör23er- 
länge in zw()lf Längsreihen, diejenigen der äußeren kleiner, sie stehen 



IV. riier eine Kollektion Reptilien von Hayti. 



27 



-- vom HalsLaiide an gezälilt — in 30 Querreihen. Schwanzscliuppen 
länglich viereckit;-, mit geradem Längskiel. — Bracliialschilder 
ziemlich klein, in vier Reihen, die der zweiten Reihe mein' als doppelt 
so groß wie die übrigen, nicht durch Körnerschuppen, sondern durch 
kleine Schuppen von den Antebrachialia getrennt; diese in drei 
Reihen, von denen die der obersten außerordentlich groß sind. Die 
Postbrachialia ähnlich den Brachiaha. — Vor und imter dem 
Oberschenkel liegt eine Reihe sehr großer, darunter mehrere Reihen 
kleinerer Schilder; letztere gehen allmählich in die vordere Reihe sehr 
großer Tibialschilder über, hinter denen sich wiederum mehrere Reihen 
kleinerer befinden. — An der Unterseite der Zehen und Finger je eine 
Reihe glatter Schienenschuppen. An der äußeren Seite der unteren 
Handfiäche eine isolierte Gruppe von 4 bis 5 gr()ßeren Schup})en. 
Zwanzig Schenkelporen jederseits. 

Farbe oben dunkel oliv mit neun hellen Längslinien, von denen 
jederseits die beiden untersten eine schmale schwarze, mit einer Reihe 
heller Punkte versehene Längsbinde einschließen, die sich von der 
Gegend über der Schulter bis zur Weiche erstreckt. Unterhalb, nahe 
der Bauchseite, mehrere Reihen verwaschener heller Punkte auf blau- 
grünem Grunde. Oberseite der Gliedmaßen hell punktiert und gefleckt, 
ebenso die 0])er- wie die Unter- Seite des Schwanzes. Bauch, Kehle 
und Kinn bläulich weiß, läppen weiß mit bläulichen Flecken. 

Maße in mm. 





Von dei 


Schnauze 


bis zum 






Länge vom 






Ohr 


Yorder- 
fuß 


After 


Total 


Schwanz 


Vorder- 
liein 


Hinter- 

l)ein 


a. 


10 


20 


08 


230 


1 02 


24 


46 


b. 


15 


23 


59 


204 


145 


21 


43 



3. Liocephalus vittatus Hall 

Hallow. Proc. Ac. Philad. 1850, p. 151; Cope I. 1. 1S02 und 1808; 
Bon lg. Cat. Liz. II, 103. 

Die Kollektion enthält eine Reihe von Exemplaren dieser Art, 
die nlle mit den Beschreibungen der Autoren vollkonnnen überein- 
stimmen, in ihren Färbungen aber einige Verschiedenheiten zeigen-: 

1. Ganz konstant ist die bald hellere, bald dunklere olivengrüne 
Färbung des Rückens. P.eständig tinden sich auf der Mittelgegend 



28 I'i'- J- ^- Fischer. Herpetoloaisflie Mitteilungen. 

einige (5 bis 8) schmale schwarze Querstreifen, die auf den dunkler 
gefärbten Exemplaren allerdings weniger deutlich hervortreten. Bei 
einem Stücke sind die beiderseits an der dorsalen Mittellinie liegenden 
schwarzen Striche gegen einander verschoben und wechseln mit ein- 
ander ab. Dieselben setzen sich längs des Schwanzrückens fort, hiei- 
dreieckige, mit der Spitze nach vorn gerichtete Flecke bildend. Von 
letzteren gehen mattere Querbinden an der Seite des Schwanzes herab, 
die sich jedoch an der Ventralseite niemals zu geschlossenen Ringen 
verbinden. 

2. Bei allen Stücken finden sich ferner an der Bauchseite 
dicke schwarze Punkte, die von hinten nach vorn größer werden, bis 
sie an Kinn und Kelde einen Kaum von 2 bis o Schuppen einnehmen. 

3. Ganz beständig ist ferner die hellere Färbung der Oberlippe, 
auf deren Schildern sich schwarze Flecke finden. Von letzteren ist 
namentlich derjenige beständig vorhanden, der sich vom Auge längs 
der Grenze des ö. und (i. Labiale vertikal zum Lippenrande herabzieht. 

Weniger konstant sind folgende Merkmale: 

1. Das gelbliche dorsolaterale Band fehlt vier recht dunkel 
gefärbten, größeren (bis IfJ cm) Exemplaren. Die hellere unter der 
ersteren liegende Seitenlinie ist viel häutiger vorlianden; bei den kleinsten 
drei Stücken geht sie von der Schnauzenspitze aus, verläuft unter dem 
Auge, dann durch das Ohr und über die Schulter bis zur Weichen- 
gegend. Bei dem kleinsten Stück wird der Raum zwischen dei' oberen 
gelblichen und der unteren weißen Seitenlinie durch eine tief schwarze, 
breite (7 Schuppen) Seitenbinde ausgefüllt. — Je größer die Exemplare 
sind, um so mehr verschwindet erst die obere gell)liche dorsolaterale 
Binde, bei den größten Stücken auch die untere weiße, die sich — 
wenn überhaupt vorhanden — meist nur vom Ohr oder von der 
Schulter bis zur Weiche erstreckt. 

2. Selten (bei 3 mittelgroßen Exemplaren) finden sich auf der 
hinteren Hälfte des Bauches und unter den hinteren Gliedmaßen 
zerstreute weiße Flecke ohne alle regelmäßige Anordnung. 

Maße von 2 Exenijilareii in mm: 





Von der 

Schnauzenspitze 

zum After 


Schwanz 


Total 


Kopf 


Vordei'- 
bein 


Hinter- 
bein 


a. 
b. 


Cid 
45 


90 
74 


150 
119 


15 
11 


25 
29 


45 
32 



IV. Über eine Kollektidii l\c[)tilifn von Ilayti. 2'J 

4. Liocephalus Schreibersii Grau. 

Eine gröüere Zahl bei Go naives (Havti) gesammelter Stücke 
geben zu folgenden Bemerkungen xA-ulaß. 

Die schwarzen Querbinden über den Kücken sind häuhg in der 
Mittellinie geteilt und liegen dann wie s_ynimetrische hall)mondförmige 
Flecke an jeder Seite derselben. Bei ganz jungen Stücken ist ihre 
Reihe jederseits durch eine helle Längsbinde eingefaßt. Bei vielen, 
auch bei halliausgewachsenen Exemplaren läuft eine zweite viel hellere 
aber mehrfach unteibrochene Binde von der Achsel zur Weiche. Bei 
alten Stücken (bis '2)1 cm) verschwinden die dunklen Rückentiecke und 
zugleich auch die hellen Seitenbinden. — Die quer über den Bauch 
gehenden Reihen von hellen, schwarz gesäumten Punkten sind bei fast 
allen Stücken vorhanden, doch nehmen die letzteren bei ganz alten 
Exemplaren eine rote Färbung an und entbehren des schwarzen 
Saumes. Ganz konstant ist eine gelbe . zuweilen schwarz gesäumte 
Längsbinde an der Hinterseite des Oberschenkels. 



5. Diploglossus striatus Gray. 

Boulenger Cat. Liz. IL 289. 

Zu dieser Art — wenn dieselbe überhaupt von D. occiduus 
(Shaw) Big. zu trennen ist — gehört ein Exemplar von (io naives 
(Hayti) von welchem die außerordentliche Kürze der Gliedmaßen 
hervorzuheben ist. 

Die Schuppen stehen in 4"2 Längsreihen, sind längsgestreift und 
ohne mittleren Kiel '). Die Ohröffnung ist kleiner als die Augen- 
öffnung, das Occipitale merklich kleiner als das Literparietale. Die 
Naht zwischen dem sechsten und siebenten Sujjralabiale fällt unter das 
Zentrum des Auges. Der Schwanz ist nicht zusammengedrückt, sondern 
rund. — Die Farbe weicht von der Beschreibung der Autoren nicht 
ab. Dagegen ergibt die Messung andere als die von Boulenger mit- 
geteilten Resultate. 

Li mm zeigt unser Exemplar: Totallänge 172; Kopf bis zum 
Ende des Occipitale 15; Breite des Kopfes 7; Rumpf 7(1; Schwanz 81; 
Vorderbein 17; Hinterbein 23. 

Es verhält sich also die Länge des \'orderbeins zur Totallänge 
wie 1:10 (gegen 1 : (■>,7), die des Hinterbeins wie 1:7,5 (gegen 1:5,7); 



') Auf der von Boulenger zitierten Abbildung Bocourts (Miss, scient. Mex. 
PI. XXII. Fig. 26) ist ein mittlerer Kiel dargestellt. 



30 I>i'- J- G. Fiscber, Hel■petnlo^■ischL' Mitteilungen. 

SO kommt es, daP? die Krallen der an den Leib gelegten Beine weit 
von einander entfernt bleiben. i'erner verhält sich nach obigen 
Maßen die Breite des Kopfes zu dessen Länge (bis zum Ende des 
Occipitale gemessen) wie 1 : tl (gegen 1 : 1.3). — Möglich immerhin, 
daü diese abweichenden Verhältnisse auf Geschlechtsverschiedenheiten 
beruhen. 



6. Anolis chlorocyanus D. B. 

Erpet. gen. IV, 117. — Boulenger Cat. Liz. II, 44. 

Bei vielen von Cap Hayti stammenden Exemplaren finde ich 
die Übereinstimmung mit Boulengers Beschreibung so groü, daß 
eine Trennung von obiger Art nicht zulässig erscheint. 

Unter der zweiten und dritten Phalange der vierten Zehe werden 
26 — '28 Lamellen gezählt. Das Occipitale ist fast immer kleiner als 
die Ohröffnung, und stets durch drei Reihen Körnerschuppen von den 
Supraor])italschildern getrennt; zwischen den Halbkreisen dieser letzteren 
liegt stets nur eine Reihe kleiner Schuppen. Man zählt sechs bis 
zehn gestreifte, meist unregelmäßig geordnete Supraokularia, die nach 
außen von den Supraorbitalia durch eine bis zwei Reihen von Kcirner- 
schuppen getrennt sind. Alle ol)eren Kopfschilder sind rauh, z. T. 
längsgestreift, nicht eben deutlich gekielt. Keine Frontalleisten. Canthus 
scharf, 5 Schuppen längs desselben. 4 — f) Frenalschuppen in vertikaler 
Linie vor dem Auge. Von den Oberhppenschildern gehen G bis 8 bis 
zum Zentrum des Auges. Die Rückenschup})en sind kleinkörnig, gleich- 
förmig, nach der dorsalen Mittellinie hin kaum gröüer. (Dumeril und 
Bibron, IV, 119 geben auf der Mitte des Rückens 2 bis 3 Reihen 
etwas größerer an). Bauchschuppen viel größer, fast sechseckig, an 
einander liegend, vollkommen glatt. Das angelegte Hinterbein reicht 
bis zum Ohr. Der Körper ist wenig zusnmmengedrückt, der Kopf 
länger als die Tibia, vorn Hach. Der Schwanz meist doppelt so lang, 
Avie Kopf und Rumpf zusammen. 

In folgenchui Punkten treten Abweichungen von Boulengers Be- 
schreibung hervor: 

1. Die Schui)])en der dorsalen Mittelreihe des Schwanzes sind 
allerdings, wie der ])ritische Autor angiebt, merklich größer als die 
umgebenden, und dazu meist sechsecldg geformt, aber nicht flach, 
sondern scharf gekielt. Diese Ki(de bilden eine fortlaufende Längsreihe, 
die sich zuweilen auch noch durch eine gelbliche Färbung auszeichnet. 



IV. über eine KoUektidU Keiitilieii von Hayti. 31 

2. Die Kell] schuppen finde ich, übereinstimmend mit der Be- 
schreibung der französisclien Autoren, nicht stumpf gekielt, sondern 
vollkommen glatt, wenn auch im ganzen gewölbt. 

3. Die Farbe unserer Stücke ist grünlich, unten heller; bei den 
meisten ist der Vorderkopf schwarz, bei anderen der ganze Oberkopf 
und ein Teil des Rückens l)is hinter die Schultergegend, bei noch 
anderen auch die hintere Partie der Kehle und die Haut des Kehlsacks. 
Sechs Exemplare besitzen den auch von Herrn Boul enger bei einem 
Stück gefundenen grofsen schwarzen Fleck, der von der Achsel bis zur 
Mitte der Körperseite reicht. — Ein besonderes, weder von Dumeril 
und Bibron noch von Herrn Boul eng er erAvähntes Abzeichen ist, 
daß der Schwanz vieler Exemplare zwar nicht sehr scharf, aber 
deutlich, abwechselnd schwarz und hell geringelt ist. 

Bei zwei Exemj^laren finde ich folgende Älafie in mm: Von der 
Schnauzenspitze bis zum After bei a 71. bei b (13; Länge des Schwanzes 
von a 140, von b 117; Totallänge von a 211, von b ISO. 



7. Tropidophis conjunctns sp. n. 

Tat". III, Fig. 5. 

Sq. 25; Oc. 1 — 3: Lab. l*^; Vent. 188+1+^0. 

11 

Schuppen glatt, die der dorsalen Mittelreihe gröl.ier, sechseckig. Neun 
obere Kopfschilder. In Farbe und Habitus ähnlich Tr. maculatus Bibr. 

B e s c li r e i b u n g. 

Körperforni mär5ig zusammengedrückt, schlanker als von Tr. 
maculatus, der Hals dünner, daher der Kopf etwas stärker abgesetzt. 
Schwanz kurz, etwa Vm der Totallänge, eingerollt. 

Kopischilder. In t ei-uasalia sehr klein, dreieckig. Praefron- 
talia mehr als (loj)i)elt so lang Avie breit, mit der vorderen Hälfte, 
wie bei der verwandten Art, seitlich zum zweiten und dritten Supra- 
labiale herabgebogen, hier das fehlende Frenale ersetzend. Das bei 
T. maculatus vorhandene dritte Par der voi- dem Frontale liegenden 
Schilder ist mit den Praefrontalia verschmolzen. — Frontale ebenso 
lang wie breit. Parietalia viel kürzer als jenes, in der Mittellinie 
durch keine zwischengelagerten Schilder getrennt. Nasale ungeteilt. 
Von den 10 b er lijjp enschildern liegen das vierte und fünfte 
unter dem Auge. Von den 11 U n t e r 1 i p p e n s c h i 1 d e r n treffen die 
des ersten Pares nicht an der Kehlfurche zusammen, lictztere wird 



32 l^i'- J- G. Fischer, Herpetulo<;isclie Mitttnlungfii. 

jeclerseits von 5 bis G Schuppen begrenzt, von denen nur die ersten 
parweise geordnet und gnißer sind als die folgenden. 

Körperschiippeii vollkonimen glatt, in 25 Längsreilien; es giebt 
eine dorsale Mittelreilie größerer, sechseckiger und eben- 
falls vollkonimen glatter Schupjjen, die sich in dieser Form 
bis zum letzten Fünftel der Totallänge verfolgen läf.U. 

Farbe ähnlich der von Tr. maculatus. Grundfarbe bräunlich 
grau. Jederseits eine der Riickenmitte nahe liegende Reihe grölserer 
schwarzer Flecke, bald mit denen der anderen »Seite verschmolzen, 
bald mit ihnen abwechselnd. Weiter abwärts an den Seiten zwei 
Reihen kleinerer, mit jenen und mit einander al)wechsehider Flecke, 
auf die wieder anf den zwei äußersten Schuppenreihen eine Reihe 
größerer, weißumsäumter Flecke folgt, Diese letzteren wechseln wieder 
ab mit denen der Bauchreihe, die von Schuppen der äußersten Reihe 
auf einen Teil der F)auchschilder ül)ergreifen. Die Ijeiderseitigen Flecke 
dieser Bauchreilie schließen, obwohl nicht überall mit einander ab- 
wechselnd, nirgends in der Mitte des Bauches zu wirklichen Querbinden 
zusammen, bleiben vielmehr am Halse um mehr als die Hälfte, später 
um etwa '/s bis '/* der betreffenden Bauchschilder von einander entfernt. 
Arn Schwänze linden sich nur die größeren Flecke der obersten und 
der untersten Reihe, die nur dicht hinter dem After zu einem ventral 
gelegenen Halbring zusannnenschließen, sonst aber getrennt bleiben. — 
Kopf oben schwarz. Rostrale und. eine von ihm aus durch den unteren 
Teil des Auges gehende, nach hinten schmaler werdende Binde gelblich; 
auf dem dritten Supralabiale ein schwarzer Fleck; Kinn und Kehle 
grau ; die vorderen Unterlippenschilder mit einem oberen dunklen Saum. 

Maße. Die Totallänge des einzigen Exemi^lars beträgt 430 mm, 
die Länge des Schwanzes 44 mm. 



Durch die Reihe größerer sechsseitiger Rückenscliup]:)en schließt 
sich unsere Art an Tr. cana, Cope an (Pr. Ac. Philad. 18GS p. 1'29), 
hat aber 25 (gegen 23) Schuppenreihen, vollkommen glatte (statt ge- 
kielter) Rückenschuppen, und ISS (gegen IGS) Bauchschilder. 

Ob übrigens bei der großen Ähnlichkeit mit Tr. maculatus die 
angeführten Merkmale genügen, nach der von Cope 1. 1. l)efolgten 
Weise eine besondere Art, oder auch nur eine eigene Varietät darauf 
zu gründen, kann, da vorläufig nur ein Exemplar vorliegt, nicht mit 
Sicherheit entschieden werden. 



IV. über eine Kollektion Reptilien von Hayti. 33 

8. Ghiläbothrus maculatas sp. n. 

Tai'. 111. Fig. 7. 

Sq. 83 — 37; Ocul. 2—4 (6); Lab. ^ ^ ^--— - 

^ ^ 14 6. 7. (8); 

Vent. 253— 2G1; Siibc. 75—70. 

Sehr schlank, seitlich zusammengedrückt, Schwanz fein auslaufend. 
Körperschuppen in 33 bis 37 Längsreihen, jede der äuüeren Reihe einem 
Bauchschilde entsprechend; zwei oder drei Nasalia, das vordere stets 
mit dem der anderen Seite zusammenstoüend; das Frontale ebenso lang 
wie breit; zwischen demselben und den zusammenstoüenden Praenasalia 
drei Pare symmetrischer vorderer Kopfschilder, von denen die des dritten 
Pares durch ein medianes unpares Schild getrennt sind. — Grau oder 
rötlich mit einer Reihe scharf umgrenzter dunkler Querflecke am Rücken 
und zwei Reihen kleinerer Flecke an jeder Seite. 



Es liegen drei Exemphire von Cap Hayti und von Go naives 
vor, das größte von 7 SO mm Länge, mit denen noch ein viertes 
kleines Stück des Hamburger Museums verglichen werden konnte. 
Von der verwandten Art Ch. inornatus Eeinb. stand ein groTies, 
vorzügliches Exemplar (No. 21 der Sclilangensammlung unseres hiesigen 
Museums) zu Gebote, das in allen Punkten mit den Beschreibungen 
und Abbildungen von Reinhardt'). Dumeril et Bibron''*), Jan^) 
und Garman^) übereinstimmt. Die Berücksichtigung folgender Punkte 
hat zur Aufstellung der neuen Art geführt: 

1. Die äuüere Form ist bei den gröüeren Exemplaren 
unweit schlanker als diejenige von Ch. inornatus. Der Körper ist 
stark zusammengedrückt, nach x^rt mancher Hydrophiden eingerollt; 
der Schwanz, etwas abgesetzt vom Rumpfe, fein auslaufend, "« der 
Totallänge. 

2. Kopfschilder. Auf die hinter dem Rostrale zusammen- 
stoßenden Praenasalia folgen ganz konstant bei allen Exemplaren nicht 
zwei (wie bei inornatus) sondern drei Pare symmetrischer Schilder 
bis zum Frontale, von denen die des letzten Pares regelmäßig durch 
ein median gelegenes unpares Schild getrennt sind. Letzteres ragt 
auch meist etwas zwischen die Schilder des zweiten Pares hinein. 



') Beskriv. af nogle nye Slangearter, Kiobenhavn 1843, pag. 21, Tab. I., 
Fig. 21—23. 

2) Erpetol. gen. VI., 562. 

3) Jcon. Ophid. Livr. 6, PL V. 

4) Mem. Mus. Comp. Zool. IL (1883) p. 132. 



34 1*1'- J- Gl. Fischer, Herpetolugische jMitteilungen. 

3. Die Scliuppen sind glatt und stehen in 33 bis 37 Längs- 
reihen (hei inornatus 31) — 41 Reinhardt, 3(i — 40 Garman, 41 Dum. 
u. Bibr., 41 beim Stück des Handj. Mus.). Diejenigen der äußersten 
Reihe sind unter einander gleich und entsprechen je einem Bauch- 
schilde, was diese Art von dem weiter unten aufgeführten Ch. gracilis 
unterscheidet. Auch bei unserer Art treten wie bei inornatus in 
gewissen Zwischcuräunien eingeschaltete Querreihen von Schuppen auf, 
daher die Zahl der längs des Rückens gezählten Scliupi)en diejenige 
der Bauchschilder weit übertriff't '). Diese eingeschalteten Querreihen 
beginnen nicht zwischen den Schuppen der äußersten Reibe, hart über 
den Bauchschildern, sondern erst zwischen Schuppen der dritten und 
vierten Längsreibe. Teils durch diese neu hinzutretenden Schuppen- 
reihen, teils aucli durch di(' nticb dem Rücken herauf allmählich 
vvachsende Grüße der Scliu|)[)en ist es zu erklären, daß das Längen- 
maß der Schlange längs des Bauches geringer ist, als längs des 
Rückens und daß der Körper eine nach Art mancher Seeschlangen 
eingerollte Form erhält. 

4. Die Zahl der Baüchschilder schwankt zwischen 253 und 
261 (bei inornatus nach Reinhardt zwischen 2H4 und 268, nach 
Dumeril und Bil)ron zwischen 2S2 und 286, nach Garman 
zwischen 266 und 271); untere Schwanzschilder werden 75 bis 70 
gezählt (bei inornatus nach Reinhardt 67, nach Dumeril und 
Bibron 61 bis 73, nach Garman 36 bis 52). 

5. Farbe. Auf hellem Grunde zeigt der Rücken viele (bis 83) 
rotbraune gut markierte Querbinden, deren Hälften zuweilen gegen 
eniander verschollen sind und dann streckenweise eine Art Zickzack- 
binde darstellen. P^ine gut definierte duidvle Längsbinde vom Postnasale 
aus durch das Auge um den jMundwinkel herum zur Seite des Halses, 
wo sie sich in eine Reihe von Flecken auf der fünften bis achten oder 
sechsten bis neunten Schuppenreihe auflöst; streckenweise verschmelzen 
die Flecken dieser Reihe zu kürzeren Längsstreifen. Unterhalb 
derselben noch eine zweite Seitenreihe, dei-en viel kleinere Flecke 
auf der zweiten, oft auch auf einem Teil der ersten Schuppen- 
reihe liegen und mit denen der höheren Reihe abwechseln. Bauch 
grau; unter dem Schwänze zuweilen eine Reihe schwarzgrauer Flecke, 
von denen jeder der Mitte eines der unteren Schwanzschilder ent- 
spricht. 

7. Geringeres Gewicht ist, wie es scheint, bei dieser Art — wie 
auch bei inornatus — auf die Zahl der Nasalia. der Frenalia und der 

') Nacli Dum. u. Eil)i-. hnt (' iiinniatiis 343 bis 350 QuciToilien gegen 
282 bis 286 Baüchschilder. 



IV. über eine Kollektion Reptilien von Hayti. 35 

kleinen den letzteren anliegenden accessorisclien Schildchen zu legen. 
Bei drei Stücken finde ich drei Xasalia, bei einem sind die beiden 
vorderen verschmolzen. Immer stoßen die vorderen beider Seiten 
hinter dem Rostrale in einer Naht zusammen. — Bisweilen ist nur 
ein Frenale vorhanden; bei einem Stücke finden sich deren zwei 
hintereinander, ein noch anderes zeigt endlich auf der linken Seite 
ein, auf der rechten zwei solche Schilder. — Während stets zwei 
Praeokularia vorhanden sind, ein sehr großes oberes und ein kleines 
unteres, schwankt die Zahl der Postokularia zwischen 4 und 6 (bei 
C. inornatus zwischen 3 und 4). Die Zahl der Oberlippenschilder 
schwankt zwischen 1 2 und 1 3 ; immer treten das sechste und siebente, 
in einem Falle auch die obere Ecke des achten an das Auge. 

Das größte der vorliegenden Exemplare mißt 780 mm, davon 
der Schwanz 1 30 mm. 



9. Chilabothrus gracilis s/j. n. 

l^if. III, Fig. 8. 

Sq. 40; Oc. 2-5; Lab. i| (' ') ; ®- T®); 
^ ' ' 11 V]2/' 6.7 Vö 6/' 

Ve. 282—289; Subc. 100—103. 

Diese Art, von der zwei bei Cap Hayti gefangene Stücke 
vorlagen, steht der eben beschriebenen Form, Ch. maculatus, sehr 
nahe, ist aber durch die noch schlankere Form, den stärker abgesetzten 
Kopf, den längeren Schwanz und die Form der ZA\T.schen die übrigen 
eingeschalteten Schuppenreihen von diesem, wie auch von C. inornatus 
verschieden. In Bezug auf die für die Artbestimmung weniger wichtigen 
Punkte glaube ich auf das unter No. 7 bei C. maculatus Gesagte 
verweisen zu dürfen und hier nur folgende Punkte hervorheben zu sollen. 

Der Körper ist ebenfalls sehr schlank, stark zusammengedrückt; 
der Schwanz merklich länger, fast '/.i der Totallänge, fein auslaufend; 
der Kopf abgesetzt vom Halse, die Schnauze hoch. 

Bei unseren zwei Stücken sind jederseits zwei Nasalia vorhanden, 
von denen das vordere mit dem entsprechenden der anderen Seite 
über dem Rostrale zusammenstößt. Zwischen ihnen und dem Frontale 
hegen wie bei der vorigen Art drei Pare symmetrischer St-hilder, 
von denen ebenfalls die des letzten Pares durch ein unpares medianes 
Schild getrennt sind. Frontale, Supraokularia, die kleinen Parietaha 
und die dann folgenden kleinen Hinterhaupts- und Nackenschilder von 
denen der vorhin beschriebenen Art nicht abweichend. Nur ein Frenale 



36 



J)r. J. G. Fischi'r, Ilerpelul(>i;ischc Mitteilungen. 



ist vorhanden, das ebenso liocli wie lang ist. Bei beiden Stücken 
linden sieh ZAvei Praeoknlaria. liinf Postokularia. Elf oder zwölf Ober- 
lippenschilder, von denen im ersteren P'alle das fünfte und sechste, im 
zweiten das sechste und siebente an das Auge treten. Elf oder zwölf 
Unterlip})enschilder von der Eorm der beiden verwandten Arten. 

Körperscliu})pen glatt, an der höchsten Stelle des Körpers in 
40 Längsreihen. Die nacli dem ersten Eüidtel der Körperlänge be- 
ginnende Einschaltung neuer (^»ucrreihen von Schuppen beginnt nicht 
wie bei maculatus mit der dritten Längsreihe, sondern gleich an der 
ersten, den Bauchschildern anliegenden Reihe, so daü einem der 
letzteren je zwei Schuppen der ä uru'rsten Reihe entsprechen 
(Eig. 8 b), und in der Mitte des Kör})ers je zwei Querreihen von Schuppen 
auf ein Bauchschild fallen. Die Schu])pen der äußersten Reihe sind ab- 
wechselnd klein (Schaltreihe) und etwa '2 bis 3 mal so groß wie diese, 
eine Bildung, die beiden vorhandenen Stücken gemein ist, und die sich 
weder bei C. inornatus noch bei dem eben beschriebenen C. macu- 
latus findet, und allein sclion die Abtrennung einer besonderen Art 
rechtfertigen dürfte. Wie oben in der Schuppenformel angegeben, ist 
außerdem sowohl die Zahl der Bauchschilder als namentlich die der 
unteren Schwanzschilder eine erheblich größere. 

Farbe. Überall schwarzgrau, am Bauch wenig heller. An jeder 
Seite längs der Rückenmitte ist in der dunklen Grundfarbe eine Reihe 
schwarzer rundlicher Elecke zu erkennen, mit denen an der Körper- 
seite eine zweite und weiter nach dem Bauche herab eine dritte Reihe 
kleinerer P^lecke abwechselt. Diejenigen der zwei untersten Reihen 
verfließen hin und wieder zu einer netzartigen Zeichnung. Bauch und 
Unterseite des Schwanzes grau. Keine dunkle Binde an der Seite 
des Kopfes. 

Als individuelle Anomalie mag noch bemerkt werden, daß 
bei einem der beiden Exemplare die unteren Schwanzschilder an zwei 
Stellen (das 81. bis 84. und das 90. bis 99.) nicht ehifach, sondern 
in je zwei parige Schilder geteilt sind. 

Maße hl mm: 



Kopf 
und üunipf 

730 
670 



Scliwanz 

165 
164 



Total 

895 
834 



IV. liliei' eine Kollektion Re))tilirn von Ihiyti. 37 

10. Dromicus (Älsophis) anomalus Pets. 

(Zamenis aiiumalus Pets. Mon. B. Ak. IJerlin ISüH. 2S0.) 

In der Kollektion befonden sich mehrere Exemplare einer dia- 
kranterischen Schlaugenart. die in ihrer Phohdosis durchaus mit dem 
von Petei'S 1. 1. kurz ])eschriebenen Zamenis anomalus (von un- 
bekanntem Fundort) übereinstimmten. Auf mein (iesuch hatte der 
Herr Direktor des Kgl. Zool. Museums in Berlin, Professor Möhhi.t, die 
Güte, mir das Peters'sche Originalexemphir zur Vergleichung zuzusenden. 
So war es nn')glicli, die völlige Uliereinstimmung unserer Stücke mit 
dem letzteren und dadurch zugleich für dieses den ursprünglichen 
Fundort festzustellen. 

Es wird jene Art zu der großenteils westindischen Gattung 
Dromicus. und zwar, wegen der mit zwei Endporen versehenen 
Schuppen, zur Untergattung Älsophis Fitz, zu stellen sein. — Ich 
bemerke noch, daü ein sehr großes (über '2 m). bei Cap Hayti 
gefangenes, und mehrere kleine (bis 53 cm), l)ei (i ran de Riviere 
(auf Hayti) gefangene Exem])lare, zur Vergleichung vorlagen. Das 
Berliner Originalexemplar mißt 835 mm. 

Ich gebe nachfolgend eine Besclu-eibung. l)ei der zugleich auf 
die geringen Abweichungen hingewiesen werden wird, die sich bei 
einzelnen Stücken zeigen. 

Sq. 21; Ocul. 1—3; Lab. -^ ; ®; Gul. 5; Vent. '205— 219;An. 'A ; 
^ ' 114 

e. 1 120 130 

Subc. — 

120 130 

Körper nicht sehr schlank, Schwanz etwa Vi der Totallänge; 
Schuppen glatt, am Ende mit zwei Poren, in 21 Längsreihen. Ein Prae- 
und drei Post-Okiilaria. Nur das vierte Labiale stößt an die Orbita. 
Im Alter oben einfarbig braun, unten gelblich weiß; in der Jugend mit 
netzartigen, am Hinterkörper zu unregelmäßigen Querbinden vereinigten 
Zeichnungen. 

B e s c h r e i 1) u n g. 

Form im ganzen gestreckt, nicht sehr lang. Kopf wenig abgesetzt. 
Schnauze nicht spitz. Bauch mit abgerundeten Seitenkanten. Rü(dven 
abgerundet. Schwanz nicht abgesetzt, an dem größten der vorliegenden 
Exemplare am Ende laediert, bei den kleineren Stücken und bei dem 
Berliner Originalexem])lar "4 der Totalliinge. 

Zähne des Oberkieiers diakranterisch. Auf acht bis zehn ziemlich 
getrennt stehende gerade Zähne folgt eine größere Lücke und hierauf 
in einer besonderen Scheide ein großer ungefurchter Zahu. 



38 Dl'- J- <^T. Fischer, Herpetologische Mitteilungen. 

Kopfscliilder. ßostrale breit, gewölbt, auf die Scbnauze 
heraufgebügen und etwas zwischen die Internasalia eindringend. Letztere, 
viereckig mit abgerundeten Kanten, stoßen mit ihrer Außenkante 
jederseits an die Höhlung des Naslochs. Praefrontalia doppelt so 
groß wie jene, mit einem kleinen Teil seitlich auf das Frenale herab- 
gebogen. Das Frontale hat eine gerade vordere Kante, konvergierende 
Seitenränder, und ist so lang oder etwas länger als die gemeinschaft- 
lichen Nähte der zwei vorhergehenden Schilderpare zusammen. — 
Supraokularia groß. Parietalia sehr groß, so lang, wie Frontale 
und Praefrontalia zusammen, mit ihren Enden zu einem spitzen (bei 
einigen der kleineren Stücke zu einem rechten, bei dem typischen 
Exemplar zu einem stumpfen) Winkel zusammenschließend. — Zwei 
Nasalia von fast gleicher Größe, das Nasloch im zweiten, höheren, 
gelegen. Frenale wenig länger als hoch, viereckig, auf dem zweiten 
und einem kleinen Teil des dritten Labiale liegend. Ein einziges Prae- 
okulare auf die Stirnfläche heraufgebogen, aber das Frontale nicht 
erreichend. Drei Postokularia, das unterste größer als jedes der 
zwei oberen und fast unter dem Auge gelegen, so das fünfte und 
sechste Labiale von der Orbita trennend; mit letzterer tritt nur das 
vierte, bei einem der kleineren Stücke auch die hintere Spitze des 
dritten in Berührung. — Von den Schläfenschildern ist das erste 
lang und tritt durch seine vordere Spitze mit dem mittleren der drei 
Postokularia in Berührung, es ruht auf dem G. und 7. Labiale. Auf 
dasselbe folgt längs des Randes des Parietale ein noch größeres, das 
unter sich zwei kleinere den zwei letzten Labialia aufliegende Schilder 
hat. — Supralabiali a acht, die zwei vorletzten sehr groß, mehr 
als doppelt so hoch, wie die vier ersten. Nur das vierte, wie eben 
gesagt, tritt mit seinem ganzen oberen Rande an die Orbita. — Elf 
Pare Unterlippenschilder; die des ersten Pares treten hinter dem 
kleinen Mentale an der Kinnfurche zusammen, die der ersten sechs 
Pare stehen mit den Kinnfurchenschildern in Berührung. Von letzteren 
sind die des zweiten Pares nicht gr(")ßer, l)ei einem kleineren Stück 
sogar etwas kleiner, als die des ersten. 

Die Körperschup})en sind glatt, rhondjisch, stehen in 21 Längs- 
reihen und hal)en auf ihrer freien Spitze zwei kleine Endporen. (Audi 
bei dem nicht gut erhaltenen Berliner Originalexenqdar sind diese zu 
erkennen). Die Bauchschilder sind l)reit, seitlich unter abgerundeten 
Bauchkanten wenig heraufgebogen. Auf sie folgt ein geteiltes Analschild 
und [)arweise geordnete Schwanzschuppen (s. oben die Schuppenformel). 

Farbe. Alle unsere klehieren Stücke zeigen auf hellerem Grunde 
eine verworrene netzartige Zeichnung von dunkel gefärbten oder ge- 



IV. Tllier fiiip Knllrktidii ltf|itilicn vmi Havti. 



39 



säiunten Selmppen: alhiuililicli bilden sich aus dieser Zeicliiunij>- ziemKeh 
undeutliche Querbinden, die am Hinterrücken am deutlichsten werden. 
Die Kopfschilder und ebenso die ßauchschilder zeigen einen duidden 
Saum; Kinn- und Kehlgegend gelblichweiß. Bei dem etwas älteren 
Berliner Stück ist dieser letztere verschwunden, und von der netz- 
tTu'migen Zeiclnunig der Obei'seite bleiben nur am Hhitennicken und 
am Schwanz ziemhch deutliche Spuren von rritlichen Querbinden. Die 
Oberseite endlich des grciüten Stückes ist einfarbig braun, welche Farbe 
sich auch auf die äußeren Enden der Bauchschilder erstreckt. Letztere 
erscheinen gegen ihre Mitte hin allmählich heller. ()l:)erlip])e. Tuterlippe, 
Kinn- und Kehlgegend schwarz])raun angeflogen. 

Maße in nun und Zahl der Bauchschilder. 





K()]ifuii(l Rumpf 


Schwanz 


Total 


Veiitr. 


An. 


Suheauil. 


a. 


1,650 


510 


2,160 


218 


1 
, 1 


102 +X 




102 -l-x 


b. 


305 


105 


410 


- 

210 


V. 


118 
118 


c. 


343 


130 


473 


206 


'l 


134 
134 


d. 


400 


132 


532 


215 


Vi 


120 
120 


e. 


345 


125 


. 480 


2 1 1 \U 


122 
122 


f. 


615 


220 


835 


21<) 


Vi 


122 
122 



Die Exemplare a bis e gehcu-en der Kollektion der Linnaea an, 
f ist das Berliner Originalexemplar, a und b waren bei Cap Hayti, 
c, d und e bei tirande Riviere gesammelt woi'den. Das Ende des 
Schwanzes von Exem})lar a ist verstümmelt. 

Es muß üln-igens dahin gestellt bleil)en. o1) Also[)his ano- 
malus Pets. mit Coryphodon adumbratus ,lan. (Elenco pg. 64) 
von unbekanntem Fundort identisch ist. der mit jenem in der Zahl der 
Schu)jpen und in dem Besitz eines einzigen i'raeokulai's übereinstinnnt. 
Eine Untersuchung des Pariser Originalexeniplars dieser Art würde 
diese Frage entscheiden. 



40 r*i'- J- tr. Fischer, Herpetologische Mitteilungen. 

Von den übrigen Dromicus- (Alsopliis) Arten ist A. ano malus 
(lurclt die 21 Reihen rhombischer Schuppen, die drei Postokularia und 
durch das einzige (vierte) an die Orbita tretende Labiale hinlänglich 
verschieden. 

11. Dromicüs parvifrons Cope. 

Proc. Ac. Philad. 1862. 7!). 

Mehrere bei Cap Hayti gesammelte Exemplare stimmen ganz 
mit Cope's Beschreibung überein. Folgendes dürfte dabei zu bemerken 
sein. Die Schui)penformel ist: 

Sq. 19; Supralab. 8; — ®_; Ociü. 1—2; Temp. 1 +2 + 3; 
3. 4. .5 

Ventr. 160 + ''i + ^. 
113 

Auch unsere Exemplare zeigen auf den Schuppen am Nacken, 
außerdem al)er auch auf denen des Schwanzes eine Endpore. Ich finde 
jederseits 12 von vorn nach hinten etwas größer werdende Oberkiefer- 
zähne, auf die nach einer Lücke zwei größere ungefurchte Zähne folgen. 
Der Schwanz verhält sich zur Totallänge wie 1 zu 2, 7. 

Die Grundfarbe des Rückens ist hellgrau. Vom Rostrale ent- 
springt jederseits eine schwarze, durchs Auge gehende, gut abgesetzte 
Binde, welche später auf der vierten und den angrenzenden Teilen der 
fünften und dritten Schuppenreihe verläuft. Dieselbe wird oben von 
einer weißen Linie begrenzt, welche ebenfalls vom Rostrale beginnt, 
durch den oberen Teil des Auges unterbrochen wird und den äußeren 
Rand des Supraokulare streift. Sie verläuft später auf der sechsten 
und den angrenzenden Teilen der fünften und siebenten Schuppenreihe. 
Der zwischen den heUen Seitenlinien liegende Teil der Rückenfläche 
wird durch eine dunkle Zone ausgefüllt, in deren Mitte, gerade auf der 
dorsalen Mittellinie, eine schwarze Längslinie verläuft, die aber nur 
bis zum Anfang des Schwanzes zu verfolgen ist. Diese dunkle Rückenzone 
beginnt ebenfalls am Rostrale, nimmt die ganze obere Kopftläche mit 
Ausnahme der äußeren Teile der Parietalia . und am Halse drei 
und zwei halbe Schuppen ein . und wird nun weniger scharf, indem 
sich zugleich drei schwarze Längslinien darin abzeichnen, von denen 
die erwähnte der dorsalen Mittellinie die schärfste und bald die einzige 
sichtbare ist. Unterer Teil der Oberlippe, Kinn, Kehle und ganze 
Unterseite weiß. Die Labialia. Kinnfurclienschilder und Kehlschuppen 
mit schwarzen Punkten, welche sich meist am ersten Viertel der Länge 
auch auf den äußeren Grenzen der Bauchschilder wiederholen, so hier 



IV. über eine KollektioTi Reptilien von Hayti. 41 

jederseits eine schwarze Piinktreihe bildend. (Bei Dr. Pleii erstreckt 
sich eine solche längs des ganzen Bauches.) 

Eines der vorliegenden Exemplare mißt von der Schnaiizenspitze 
bis zum After 374 mm; der Schwanz beträgt 224 mm. die Totallänge 
598 mm. 

12. Hypsirhynchns ferox Gnih. 

Cat. colubr. Sn. 4S. 

Einige bei Cap Hayti und Ix'i (xonaives gesammelte 
Exemplare geben zu weiteren Bemerkungen keinen Anlaß. Bei zwei 
Stücken findet sich jederseits auf der vierten bis siebenten Schuppen- 
reihe eine Reihe kleiner dunkler Flecke, die den äußeren Enden der 
winkehgen Querbinden des Rückens entsprechen , darunter noch eine 
Reihe kleinerer, die mit denen der nächst h()heren abwechseln. 

Bei einem der vorliegenden Stücke ist das sonst einfache 

Praeokulare in zwei Schilder quergeteilt. Unsere Exemplare zeigen 

SO 

folgende Formel: Sil. 19; Oc. 1 — 2; Lal). ; ; Temn. 

10 8. 4. .5 

1+2 + :-".; Gul. 3—0; Ventr. 172—175, An. Vi; Subc. _^__^ 

' 83 88 ■ 

13. Uromacer oxyrhynchus D. B. 

Dum. et Bibr. Erp. gen. VII, 722. — Ahaetulla oxyrhyncha 
Gnth. Cat. Col. Sn. 154. — Leptophis oxyrhynchus Cope. Pr. 
Amer. Phil. Soc. XVIII. 1879, 261. Uromacer Cope, Bull. U. S. 

Nat. Mus. 1887, 57. 
Taf. III. Fig-. 6. 

Diese Schlange, von der mir 12 Exemplare von Cap Hayti 
vorliegen, scheint früher nur selten nach Eurctpa gekommen zu sein. 
Das einzige den Verfassern der Enpetologie generale vorliegende 
Exemplar sollte vom Senegal stammen. Günther stellte an dem 
damals ebenfalls einzigen Stück des Britischen Museums St. Domingo 
als Heimat fest. Leider ist die von den ersteren Autoren gegebene 
Beschreibung zur Wiedererkennung der Art cbensd wenig genügend, 
wie die beigegebene Abbildung (Tab. 83, Fig. 1); da auch Günthers 
kurze Diagnose sich nur auf ein einzelnes nicht gut erhaltenes 
Exemplar gründet, so mag es nicht nnangemessen erscheinen, das vor- 
liegende reiche Material zur Ergänzung derselben /.u beimtzeii und 
gleichzeitig einige Variationen hervorznbebeii. (h'e sieh unter diesen 
Stücken zeigen. 



42 r)i'- -T- (tt. Fiselier, Herpetolnoisr-lie Mitteiluno'en. 

Auf den ersten Blick erinnert unsere Schlange an die dem 
Festlande Südamerikas angehörige Dryiopliis fulgida Daud. wie 
auch (xünther sie wegen ihrer äußeren Form als eine Art Über- 
gangstbrm von den Dendr()})hiden zu den Dryiophiden bezeichnet. 
Durch ihre diakranterische Zahnform ist sie von den letzteren n;ich 
dem jetzigen Stande der Wissenschaft getrennt. Die äußere, offenbar 
der Lebensweise angepaßte Form ist aber derjenigen einer echten 
Dryio])his so außerordentlich ähnlich, daß sich noch darülier streiten 
ließe, ob das einzige trennende Merkmal, der Mangel gefui-chter 
Zähne am Ende des Oberkiefers, ausreichen kann, sie von den Formen 
der in Gestalt und Lel)ensweise verwandten Familie zu trennen. Der 
Besitz gefurchter oder nicht gefurchter Zähne ist beispielsweise kein 
Grund um Gattungen von anderen l''annlien auszuschließen oder sie 
ihnen zuzuzählen. 

Form. Körper außerordentlich schlank, ebenso wie die I'orm 
des langen Kopfes, durch ])eides an Dryiophis, Tragops etc. 
erinnernd. Breite des Kopfes dreinud in dessen Länge l)is zum Kiefer- 
gelenk enthalten. Schnauzenspitze stark vorragend. Pupille lund. Der 
Schwanz verhält sich zur Körperlänge bis zum After wie 1 zu 1 V.i, 
zur Totallänge wie 1 : '2V3. 

Znliiie. Taf. III Fig. 6 c. Oberkiefer mit anfangs kleineren, dann 
größeren, wenig gekrümmten Zähnen. Es folgen deren zwölf auf ein- 
ander, die durch eine recht merkliche Lücke von zwei großen soliden 
und nicht gefurchten Zähnen getrennt sind. 

K()]>fs('Iiil(ler ganz an Dryiophis erinnernd. Die Internasalia 
bilden zusammen ein Dreieck mit vorderer an das Rostrale stoßender 
Spitze. Dies letztere ist ganz nach vorn und unten gerichtet, kaum 
auf die Schnauzenspitze heraufreichend. Die Internasalia sind kürzer 
als die gemeinschaftliche Naht der l'raefr ont alia, welche letzteren 
seitlich bis auf das zweite ()l)erlippenschild herabgebogen sind, so das 
fehlende Frenale ersetzend. l"'rontale etwa dreimal so lang wieseine 
vordere Breite, seine Seitenränder etwas eingezogen. Supraokulare 
groß, hinten so breit, wie das Frontale vorn. Parietalia groß, 
hinten unter rechtem Winkel aus einander weicheiul. Das Nasale 
ist ungeteilt, sehr niedrig uiul hing, auf dem Rostrale und dem ersten, 
zuweilen auch dem zweiten Lip})enschilde ruhend. Bei einem Exemplar 
ist sein hinteres Ende in ein oder zwei kleine Schilder abgespalten. 
Ein eigentliches Frenale fehlt und wird, wie vorhin gesagt, durch 
das herabgebogene Praefrontale ersetzt, doch ist sehr häutig der untere 
vordere Teil des Praeokulare als besonderes, dann auf dem dritten 
Labiale hegendes Schildchen abgetrennt, und könnte fälschlich als 



IV. t'lier eine Kullektion Reptilien von Hayti. 43 

Frenale .gedeutet werden. — Praeokulare einfach, liruü, auf die 
Stirn lieraiifreicliend, jedocli nicht das Frontale berührend. Es ruht 
auf dem dritten Laliiale. — Zwei Postokularia, das untere winzig, 
auf dem fünften Labiale liegend. Schläfenschu})pen 1+^ + 3, 
diejenige der ersten Reihe groß, auf dem sechsten und siebenten Lal)iale 
ruhend, mit ihrer vorderen Spitze das untere und einen Teil des 
oberen Postokulare l)erührend. — Von den acht ()berlii)])en- 
schildern liegen das vierte und fünlte unter dem Auge, an das 
jedoch auch noch das dritte mit einer sehr feinen hinteren Spitze 
heranreicht. — Mentale klein. — Die Zahl der Infralabialia ist 
verschieden (8 bis 10) bei verschiedenen Exemplaren, je nachdem sich 
eines oder mehrere derselben in kleinere Schilder getrennt lial)en. 
Die des ersten Pares stoßen breit an der Kehlfurche zusammen; .5, 6 
oder 7 dieser Schilder stehen mit Kehlfurchenschildern in Berührung. 
Von letzteren sind die des zweiten Pares länger als die des ersten 
und fassen mit ihren auseinander weichenden Enden zwei längliche 
Kehlschuppen zwischen sich. — Vlan zählt hinter denselben 4 bis 5 
Reilien länglich lanzettlicher Kehlschui)pen. 

Körpersi'lmppeii anfangs sehr lang, lanzetthch, später sich ver- 
kürzend und in die rhombische Form übergehend. Alle sind vollkommen 
ungekielt. In der Mitte des Rumpfes stehen bei allen Exemplaren 
19 Reihen. Die Bauchschilder sind seitlich etwas heraufgebogen, ohne 

1 202 

Kiele. Man zählt Ventr. etc. bei drei Exemplaren: a: 200 -|- — + • 

^ 1 202 ' 

1 201 1 202 / 

bei b: 201 + — + ,^^; bei c: 204 + 7 + r— (nach Dum. & Bibr.: 

, 1 , I66\ 
192+-+^). 

Farbe. Oberseite grasgrün, am Kopf und am Anfang des Halses 
ins Blaugrüne spielend. Unterseite blaugrün. Bei einigen Exemplaren 
ist in der letzten Hälfte des Körpers der Bauch braungrau. Die 
Bauchschilder, welche ihre Epidermis eingebüßt, zeigen einen hinteren 
schwarzen Saum, ülterlippe weiß, von einer schwarzen Linie oben 
gesäumt, die, vom Nasale beginnend durchs Auge bis hinter den 
Mundwinkel verläuft. Die weiße Färbung der Oberlippe setzt sich 
noch eine kurze Strecke am Halse fort, um sicli dann zu verlieren. 
Nach 3 bis 5 Kopflängen beginnt seitlich an der Bauchgrenze eine 
gelbe Längslinie auf der äußersten und einem Teil der zweiten Scluippen- 
reihe; dieselbe verläuft längs des ganzen Körpers, um sich auch noch 
eine kurze Strecke an der Seite des Schwanzes fortzusetzen. 



44 T)i'. J. G. P'isflipr. IIt-i'petol()oisclie Mitteilungeii. 

Bei einem der vorliegenden Stücke (von ISf^Omm Totallänge) 
mißt der Schwanz 595 mm, bei einem zweiten (1075 mm Totallänge) 
4G() mm. 



14. Hyla (Trachycephalus) ovata Cope. 

Proc. Ac. Philad. 18fl3, 44. 

Bei einer größeren Zahl von Stücken dieser Art von Cap Hayti 
nnd von Grande Riviere finden sich in der Färbung lieträchtliche 
Verschiedenheiten. 

Die Grundfarbe des Rückens ist meist graugrün, bald heller, 
bald dunkler. Schwarze unregelmäßige Flecke und Zeichnungen ziehen 
sich oft vom Rücken aus an die Seiten herab. — Bei anderen Stücken 
ist die Grundfarbe des Rückens ein ganz helles (irau, mit schmalen 
unregelmäßigen schwarzen Strichen, bei einigen halb ausgewachsenen 
Stücken auch mit ganz wenigen schwarzen Punkten. — Der Kopf hat 
die Farbe des Rückens mit einzelnen schwarzen Flecken. Ein einzelnes 
— graugefärbtes — Exemplar zeigt eine sehr symmetrische Zeichnung 
von zwei hinter einander zwischen und hinter den Augen quer nach 
der anderen Seite hinübergehenden, bogenförmigen Binden. 

Bei vielen Stücken geht eine schwarze Linie vom Nasloch zum 
Auge, um weiterhin die vom Ohr nach hinten herabziehende Hautfalte 
zu säumen. Bei anderen fehlt diese Zeichnung gänzlich oder ist auf 
die erwähnte Hautfalte beschränkt. — Die Körperseiten sind bei allen 
Stücken gelblich grau mit mehr oder weniger scharfen Punkten oder 
Strichen; letztere verschmelzen häufig zu einer netzartigen Zeichnung. — 
Bauchseite gelblich weiß ohne alle Abzeichen. 

Die Färbung der Beine weicht von den Beschreibungen Cojjes 
und Boulengei's ab. Gewöhnlich finden sich nemlich am Ober- wie am 
Unterschenkel dunkle Querbinden, welche bei letzterem — wenn 
vorhanden — meist ungeteilt sind, beim Oberschenkel jedoch nur von 
vorn bis zur Mitte der Oberseite reichen. Bei einigen wenigen Stücken 
jedoch fehlen diese Querbinden an den Beinen gänzlich oder verlieren 
sich in einer dunkleren Marmorierung der ganzen Oberseite des P)eins. 
Noch seltener sind auch an den vorderen Gliedmaßen solche Ouerbiiideii 
zu unterscheiden. — Die Unterseite beider Schenkel ist meist weißlich, 
bei einigen jüngeren Exemplaren rötlich; am Oberschenkel finden sich 
hier einzelne schwarze Striche oder Punkte, die an der Unterseite des 
Unterschenkels kleiner, aber häufiger zu sein pflegen. Die hintere Partie 
der Unterseite des Oberschenkels ist konstant ohne alle dunkleren 



IV. (iber eine Kullektii)u Üeptilicu \ou Hayli. 45 

Abzeichen. Ein sehr großes Stück (80 mni) von Orande Riviere ist 
oben ziemlich einfarbig schwarzbhui. unten schnmtzig-weiü. Die Quer- 
binden auf den Beinen sind in dvr duiddcii (irundfarbe kaum zu 
erkennen. Unterseite schmutzig-gelb. 

So groß die Verschiedenheit in der Färbung, so groß ist bei 
allen vorliegenden Exemplaren die Übereinstimmung in der äußeren 
Bildung. Die Form und Dimension der Schnauze, der Frenalgegend, 
des Intei'orliitalraums, der Vomerzähne etc. stimmen ganz mit Herrn 
Boiihwjvis Beschreilnuig (Cat. p. 309) überein. Auch bei unseren 
Exemplaren ist die hintere Grenze der Ko})fverkn(Jclierung fast gerade. 
Doch ßnde ich das Tympanum kleiner, nicht ^/3, sondern höchstens V-i 
des Auges. Die äußeren drei Finger sind, wie a. a. 0. gesagt, etwa 
zur Hälfte — meist etwas weniger - — mit einander verbunden; in allen 
Fällen aber zieht sich außerdem ein sehr schmaler Haut säum 
vom zweiten zum ersten Finger. Bei allen Stücken liegt an der 
Außenseite des ersten Fhigers ein starker, etwa bis zu dessen Mitte 
reichender Tuberkel (Rudiment eines Pollex), der bei zwei halb er- 
wachsenen Exemplaren schwarz gefärbt ist. Ol) indessen diese zuletzt 
erwähnten Merkmale ausreichend sein dürften, die vorliegenden Exem- 
plare als eine besondere iVrt oder auch nur als eine Varietät zu 
unterscheiden, ist ohne Ansicht der Originalexemplare nicht zu entscheiden. 

Eine größere Anzahl in der VerAvandlung teils wenig, teils 
ziemlich weit vorgeschrittener Hyla-Larven, die in der Kollektion ent- 
halten waren, dürften dieser Art zuzuteilen sein. Obgleich die Vomer- 
zähne noch nicht entwickelt sind, die Verknöcherung der Schädelhaut 
noch nicht zu erkennen ist (der Kopf und die A'orderseite des Rückens 
ist von dicker, recht lose sitzender Haut l>edeckt), so lassen doch die 
älteren Stücke mit ganz entwickelten Vorder- und Hinter-Beinen und 
mit teilweise resorbiertem Schwänze manche der ol)en angedeuteten 
Charaktere erkennen, z. B. die Verbindung der Finger, die großen 
Haftscheiben, den großen Tuberkel an der Außenseite des ersten Fingers, 
selbst die erwähnte Zeichnung am Ober- und Unterschenkel. 



46 i'i'- J- tr- Irischer, Herpetolügisclie Mitteilungen. 



V. über Eremias Breuclileyi Giitli. 

Taf. IV, Fig. 9. 

Nach dem Vergleich zweier von Chikiang stammender Exem- 
phxre dieser Art des Großherz. Naturalienkabinets in Oklenburg mit 
di-ei dem Typus von E. argus Pets. durchaus entsprechenden Stücken 
meiner Privatsamndung (a. d. östhchen Mongolei) kann ich nicht umhin, 
Herrn Dr. 0. Boeifßcr^) beizustimmen, wenn er die obige Art, im 
Gegensätze zu Herrn Boideiigcr-), mindestens als Varietät von E. argus 
beibehalten zu müssen glaubt. Unsere Stücke stimmen mit Herrn 
Dr. Günther' s Diagnose '^) in manchen Punkten sogar noch mehr überein, 
als das von Herrn Dr. Boetffier untersuchte Exemplar. Sie haben 
nendich nicht 14, sondern 12 Pauchschikler in einer der längsten 
Querreihen; bei einem Stücke liegt das sechste, bei dem anderen das 
siebente Labiale als Infraokulare unter der Orbita, etc. Von keinem 
der Autoren übrigens finde ich die dunkle Seitenbinde erwähnt, die 
bei unseren beiden Stücken oben von der Eeihe heller Flecken, unten 
von der gelben Längsl)inde gesäumt wird. 

Ich gebe als Ergänzung der Brenchley 'scheu Abbildung^) auf 
Tafel IV die Darstellung eines der vorliegenden Exemplare, dessen 
Bildung sich aus der nachfolgenden Beschreibung ergiebt: 

Form. Köi])er ziemlich gedrungen, Kopf mit mäßig spitzer 
Schnauze. PrenaJgegend fast vertikal, Canthus rostralis abgerundet. 
An den Lei!) gelegt reicht das Vorderbein Ins zum Vorderrand des 
Auges, das Hinter1)ein l)is zur Schulter oder etwas darüber hinaus. 
Der Hinterfuß ist kiu'zer als die P]ntfernung des Halsbandes vom Nas- 
locli und gleich derjenigen des Arms vom Zentrum des Auges, Schwanz 
ein und eiidialbmal so lang wie Kopf und Rumpf zusammen. 

K(>]>rs('liil(lei'. Es sind drei Nasaha jederseits vorhanden, wenig 
geschwollen. Das oberste stößt hinter dem Eostrale mit dem ent- 
sprechenden Scliilde der anderen Seite zusannncn; das unterste, lang 
und niedrig, steht mit dem Rostrale und den beiden ersten Oberli})pen- 
schildern in Berührung. Ein Par Frontonasalia und ein Par Prae- 



») 26-28. Ber. Offenb. Verein 18SH p. (i3. 

"0 Cat. Liz. III, 102. 

^) Ann. & Mag. No. 14. Ser. 4, Vol. 10, 1872, pg. 419. 

4) Jüttings during tlie Cniise uf H. M. S. Cura^ao 1865, Rept. Taf. 22, A., 1873. 



V. über Ereniias Breiifhlevi Gntli. 47 

frontalia. An dem Kreuziingspunkt der Nähte dieser beiden Schilder- 
pare liegt ein einziges unpares Sehildchen. Frontale lang, gleich 
der Entfernung seines Vorderandes vom Bostrale, vorn hreit. nach hinten 
sehr verschmälert, durch eine Reihe kleiner Schuppen von den Supra- 
okularia getrennt; ebenso liegen zwischen den letzteren und den Super- 
ziliaria zwei Reihen Körnerschuppen. Das erste Supraokulare ist kleiner 
als seine Entfernung vom zweiten Frenale ; das dritte ist das kleinste. 
Kein Occipitale. Vorderrand der Ohröft'nung mit glatten Schuppen, 
unter ihnen eine merklich größere am olieren Rande. Unteres Augenlid 
mit Körnerscbuppen bedeckt. — Sechs Superzili ar ia . das vorderste 
das größte — Halsband ganz frei, aus neun Schildern. — Eine schwache, 
durch eine Reihe ganz kleiner Körnerschuppen markierte Querfalte an 
der Brust zwischen den Ohrgegenden. Oberlippenschilder 10 bis 11, 
das sechste oder das siebente ist das größte, liegt als Subokulare an 
der Orbita und ist nach unten stark verjüngt. Acht niedrige, lange 
Infralabialia, die letzten sehr klehi. — Auf das große Mentale 
folgen 5 Pare Submentalia, die bis zum vierten an Gr()ße zunehmen, 
und von denen die der drei ersten Pare in der Mittellinie zusammen- 
stoßen. 

Rückenscliupp en körnig, glatt, wie bei E. argus nach den 
Seiten herab beträchtlich größer werdend : hier sind zwei, seltener 
drei der unteren Seitenschuppen gleich der Länge eines Baucbscbildes; 
man zählt 42 bis 46 Körnerschuppen quer über den Rücken in der 
Mitte der Körperlänge. Obere Schwanz schuppen anfangs mit 
diagonalen, dann mit dem Rande i)arallelen, untere Schwanzschuppen 
mit abgerundeten Kielen. — Obere Z e h e n s c h u p p e n glatt . untere 
mehrkielig; die Zehen seitlich nicht gefranst. -- Oberseite des Ober- 
arms mit fünf Reihen größerer. rhond)ischer Schu})pen. von denen die 
der dritten die größten sind; sie gehen ohne Unterbrechung in eine 
an der Vorderseite des Unterarms gelegene Reihe großer, l)reiter, 
hexagonaler Schilder übrig. Oberschenkel vorn mit einer Reihe sehr 
großer hexagonaler und mehrei'en Reihen kleinerer rhombischer Schu[)i)en ; 
ebenso hat der Unterschenkel eine an seiner VorderÜäche gelegene 
Reihe sehr großer sechseckiger und an der Unterseite zwei Reihen 
größerer rhombischer Schuppen. — Es sind jederseits zehn oder elf 
Schenkelporen voi'handen. — Bauchschilder in unregelmäßigen. 
nach hinten konvergierenden Reihen, von denen die längsten zwölf 
Schilder enthalten; von dem Halsband an werden 32 Querreihen gezählt. 
Zwischen dem letzteren und dem Winkel der Submentalia liegen in 
einer Längsreihe 22 Schuppen. — Praeanalia zahlreich., unregel- 
mäßig geordnet. 



48 



Dr. J. G. Fischer, Herpetologisclic Mitteilungen. 



Farbe. Der llücken ist einfarbig bräunlich grau ohne jede 
Abzeichen. An jeder Seite desselben eine von der Gegend über dem 
Ohr beginnende Längsreihe gell)er Flecke l)is zur Kreuzbeingegend. 
Einige dersellien sind unten, andere auch oben, schwarz gesäumt, ohne 
zu wirklichen AugenÜecken zu werden. An der Seite des Kopfes 
beginnen zwei schmale helle Längsbinden, die eine von der Suj^ra- 
okulargegend, die andere von der Oberlippe. Jene geht über das Ohr 
fort, diese durch dasselbe liindurch, um dann mit einander zu einer 
einzelnen hellen Längsbinde zu verschmelzen, die sich bis zum Hinter- 
bein verfolgen läßt. Der Zwischenraum zwischen beiden Binden ist 
durch ein(^ schwarze Seitenbinde ausgefüllt. 

Maße in mm von zwei Exemplaren: 





Kopf 


Breite 
des 


Von der 
Schnauzen- 


Schwanz 


Total 


Vorder- 


Hinter- 






Kopfes 


spitze zum 

After 






bein 


bein 


a. 


13 


8 


58 


87 


145 


18 


29 


b. 


10 


6'/2 


39 


Ende regen. 
31 


704-x 


13 


2 1 Vi 



Die Hauptunterschiede des E. Brenchleyi von E. argus 
scheinen mir, außer den von Herrn Dr. Boetffjer hervorgehobenen, in 
folgenden Punkten zu bestehen : 

1 . Die Gresamtform ist etwas schhmker, die Schnauze spitzer, 
das Frontale länger und nach hinten mehr verjüngt, 

2. Das untere Nasale ist niedrig und lang und berührt das 
Rostrale; l)ei E. argus hoch und kurz, mit dem Rostralschild nicht 
in Berührung. 

3. Das Subokulare reicht bis zur Lippe herab als sechstes 
oder siebentes Supralabiale; bei E. argus geht es nicht bis zur Lippe 
herunter und liegt über dem fünften und sechsten Oberlippenschilde. 

4. Jedes der beiden Frontoparietalia ist l)ei unserer Art kleiner, 
bei E. argus größer als das zweite Supraokuiare. 

5. Die Naht des vierten und fünften Lifralabiale liegt unter dem 
Zentrum des Auges, bei E. argus diejenige des fünften und sechsten. 

0. Bei letzterer Art zeigt der Mittelrücken eine größere Zalil 
schwarz gesäumter gelber Augenflecke, bei E. Brenchleyi ist derselbe 
zwischen den beiderseitigen dorsolateralen Fleckenbinden einfarbig 
braungrau ohne Abzeichen; außerdem hat letztere Art eine schwarze 
Längsbhide an der Seite zwischen den zwei hellen Binden. 



VI. über Hemidactvlus Eicliardsonii Gr. 49 



VI. lieber Hemidactyliis Ricliardsoiiii Gr. 

Gray (Velernesia) Cat. Liz. 150. — Boulg. Cat. Liz. I 143. 
Tafel IV, Fig. 10 (Abbildung eines jungen Exemplars). 

Zwei sicher von Ga1)un stammende Exemplare meiner Privat- 
sammkmg, welche dieser Art zuzuzählen sein dürften, gehen zunächst 
x4.ufschluß üher die Heimat dieser Art; der Fundort des einzigen 
Exemplars des Britischen Museums, das den Beschreihnngen der ohen 
genannten Autoren zu Grunde gelegen, ist hisher nicht ermittelt worden. 

Unsere beiden Stücke stimmen in den meisten Punkten mit den 
Beschreibungen der britischen Autoren ül)erein. Folgende Unterschiede, 
zur Aufstellung ehier besonderen Art wohl nicht genügend, sind 
zu liemerken. 

1. Die l)ei dem Originalexemplar am Rücken zerstreuten größeren 
Kch'nerschuppen fehlen dem größeren unserer Stücke; Rücken und 
Seiten sind hier ganz gleichmäßig mit kleinen Körnerschuppen bedeckt. 
Bei dem kleineren Exemplar läuft an jeder Seite des Rückens eine 
Längsreihe kleiner spitzer Tuberkeln. 

2. Außer den zwei großen hinter dem Mentale zusammen- 
stoßenden Sul^mentalschildcrn finden sicli noch ehiige kleinere längs 
des Innenrandes der Infralabialia. 

3. Der Schwanz des gr()ßeren Flxemplars zeigt bis zu seiner 
regenerierten Endspitze zwar ebenfalls, wie das typische Stück, an 
jeder Seite, den einzelnen Ringeln entsprechend, lange, spitze, seitwärts 
stark vorragende Schupi)en, a])er die zwischen den letzteren an jedem 
Ringel auf dem Schwanzrücken liegenden vier konischen Tuljerkeln 
fehlen unseren Exem})laren gänzlich. (Der Schwanz des kleineren Stückes 
ist üljrigens fast von Anfang an regeneriei't). 

4. Die Grundfarbe beider Stück(> ist wie die des 'J'y|)us grau, 
doch fehlen dem größeren Stücke alle dunkbüi Schattierungen, die bei 
dem erstei'en vorhanden sind. Das kleinere IvxcMnjjlar zeigt da- 
gegen (ßier iiber den Rücken sechs (^twas unregelmäßig geformte, 

4 



50 1*>'- •^- 't. Fiisc'hei', Herpetolijgische Mitteilungen. 

ülji'igens i^ut niarkierte dunkle (^tiu'rljiiidcii, so ;iii Hcni. fasciatuss Gr. 
erinnernd; die letzte der.sell)eu lie<>t auf dorn l^ückcn des Schwanz- 
anfangs. — Die dunkelbraune Längsl)inde an der Seite von Kopf und 
K()rper ist auch hei unseren Ix'iden Exenijjlaren vorhanden. 

Maße in mm. 

a. b. 



Totallänge llf) 72 

Kopf 20 If) 

Kopfln-eite 14 !» 

Kör})er 47 oO 

Vorderbehi 22 1.3 

Hinterbein 2(i 17 

Schwanz 44 20 

(pjidspitze ei'gäiizt) (fast ganz ergänzt) 



Erkläruno; der Fiojuren. 51 



Erklärung der Figuren. 



Tafel I. Seite 

Fig. 1. Boodou (Alopecion) Vossii Fiscli 3 

a. Die Schlange in natürlicher Größe. 

b, c, d. Ansichten des Kopfes, 2 mal vergrößert. 

„ 2. A t h e r i s s u b u r b i t a 1 i s Fisch 5 

a, b, c. Ansichten des Kopfes, 2 mal vergrößert. (S. auch Taf. 11 

Fig. 11.) 
d. Seitenansicht 



Seitenansicht ) 

^ 1 1 -i. ( tles Rumpfes, natürl. Größe. 

Durchschnitt ' ^ 



Tafel II. 

Fig. 3a. Pacliy dactylus laevigatus Fisch., in natürl. Gr(>ße 15 

b. Seitenansicht des Kopfes. 

c. Hinterfuß, Unterseite. 

„ 4a. Mabuia striata Pets., mit 40 Schuppenreihen ('? ;= Mab. Wahl- 

bergii Pets.), natürl. Größe 13 

b. c. Ober- und Seitenansicht des Kopfes, natürl. Größe. 

d. Partie von Rückenschuppen, 2 mal vergrößert. 

,, 11. Atheris suborbitalis Fisch. — Vorderansicht des Kopfes, 2 mal 
vergrößert. 

Tafel III. 

Fig. 5. Tropidophis conjunctus Fisch 31 

a, b. Ansichten des Kopfes ) 

, • 1 i 1 TVT-ii 1 •• 1 (2 mal vergrößert. 

c. Ansicht des JVlittelruckens ' ° 

„ 6. U r o in a c e r o X y r h y n c h u s 1). B 41 

a, b. Ansichten des Kopfes. 

c. Zähne des Oberkiefers. 
„ 7. ( ' h i 1 a b o t h r u s m a c u 1 a t u s Fisch 3 

a, b.. Kopf von oben und von der Seite gesehen, 2 mal vergriißert. 

c. Kopf mit Hals, natürl. Größe. 

d. Seitenansicht aus der Mitte des Rumpfes, natürl. (iröße; jedes 

Bauchschild ('nts])richt einer Schuppe der äusseren Reihe. 
„ 8. Chilabothrus graci I is l<'isc-li 35 

a. Kopf von oben gesehen, 2 mal vergi'ößei't. 

b. Seitenansicht aus der Mitte des Rumpfes, 2 mal vergriißert; 

die Schuppen der äußeren Reihe abwechseliiil griißer und 
kleiner, je zwei entsineehen einem Rnuchscliilde. 

4 ' 



52 Erliläi'uiio' der Fiffuren. 

Tafel IV. 

Ing-. 9. Eremias Brenclileyi Gnth 46 

a. Die Eidechse in natürlielier Größe. 

b. c, d. Ansichten des Kopfes, 2 mal vergrößert, 
e. Analgegend, 2 mal vergrößert. 

„ 10. llemidactylus affin. J! i c ha r d s on ii Gray 49 

a. Junges Exemplar in natüi'licher Gri'jße. 
h. Seitenansicht, 2 mal vergrößert. 

c. Ansicht des Kopfes von unten, desgl. 

d. Rechter Vorderfuß, desgl. 

e. Rechter Hinterfuß, desgl. 



Jahrbuch der Hambuiifischi'n Wissenschaftlichen AiisUiIten.V 1888 

J. (i.FLsdier, IIeiiii'tolo(ji.sdif Mitteilim(]eii, 
Fi/i. I" 




Fl,/. /'■ 




Fiff /'■ 




Taf. I. 



FUf.2^ 



Fi;i U 





Bg. V> 




-%-' 




ßg.2f 



Fig. 2^ 




1. Alopecion Vossii Fisch 
'\. Athens .siiborbit;ilis Fisch. 



JahrbudiderHambui'gisdieii'iVissensdiatüidien Anstalten. V. 1888 

J. G.Fischer, Herpetologische Mitteilungen. 



TaCn. 



Bg.r,5 




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Fii). :n 







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Fig.H 



fei.- . ^/^i^TJ 




/•///. 'l '' 




;i. racb-üactvius liiTOnatu.s Kis<li 

4 Mabuia slriala IVLs ( '? M Walübenjü Prts! 

11. Alheris sniborbitaJi.s Fisrli 



Jalu'budi der Hamku'yisdien Wisseiiscliaüluheii Anstalten. V 1888 

J. (iKschiT, Hciiictolocjische Mitteilungen. 



Rg.5^ 




Fu,.6^ 




Rg.S\ 




Fig. 61 




Bg.ßi 



Fig.7]> 




Taf'.E 



Rgöi 




Eg.7S 




Fig.n 




Hg. ?'I 



W: 



%> 



3^ 



FiuHi- 




5. Ti'OindophJs conjunctas Fisch. 

6. Uroraacer o:qfrhyiidius I) et B 

7. Clülabothi'us maculatus Fisch. 

8. Chilalotlu'us yracilis Fisch. 




lithAist rGCAMecJau, 



Jahi'budi der Haml)iu'(jisdien Wlssensdiaftliclien Anstalten, Y 1888 

J.G.Fischer, Herpetologisdu' Mitleiluiigen. 



Bg.9i 





Fiii. in 




Fig.H 




MF. 



Fig10§ 







Mg. 101 



Fig.m 




mg.9 




Fig. 9^ 









Fig. 10'- 



4 



^^^ 



WQijmmelt dd. 



ljtlLtastv.(iCUiiI!£r,Jena 



n. Ercmia.s Hrendilp^'i Giinlh 

lU. Henüdaclj'ltLs affin, lüdiai'dsüiüi üi'. 



Die 



Oligochaeten von Süd-Georgien 



nach der Ausbeute 



der Deutschen Station von 1882—83. 



Von 

IH. JV. Michaelsen. 



Mit zwei Tafeln Abbild xingen. 



in der reichen faunistischeu Sammlung, welche das Hamburger 
Museum der Deutschen Polar-Station auf Süd- Georgien (1882 — 83) 
verdankt, nehmen die Oligochaeten nur einen bescheidenen Platz ein. 
Auf 4 Arten verteilt sich das von verschiedenen Funden stammende, 
meistens vorzüglich konservierte Material. Von diesen gehören 3 der 
Familie der Enchytraeiden an. Ich nenne sie Pachydrilus maximus, 
P. georgianus und Enchytraeus monochaetus. Die vierte Art. der 
terricolen Familie der Acanthodriliden angehörig, bezeichne ich als Acan- 
thodrilus georgianus. So klein auch die Zahl der vertretenen Arten 
ist, so besitzt dieses Material doch einen bedeutenden Wert, besonders 
iii Hinsicht gewisser Aufschlüsse, die es uns über die geographische 
Verbreitung der Oligochaeten verschafft. Was den Acanthodrilus an- 
betrifft, so reiht sich dieser neue Fundort Süd-Georgien ohne Schwierig- 
keit an die liis dahin bekannten Fundorte der Acanthodrilen an. Für 
die Phichytraeiden steht dieser Fundort völlig isoliert da. Die Schwierig- 
keit, die mit dem Sammeln dieser kleinen, wenig augenfälligen Tiere 
verknüpft ist, hat zur Folge gehabt, daß unsere Kenntnisse von den 
außereuropäischen Arten dieser Familie noch lu'k'hst lückenhaft shid. 
Wir kennen bis jetzt nur eine Reihe von Arten aus dem hohen Norden 
und der nördhchen gemäßigten Zone. Der südlichste der angegebenen 
Fundorte ist der des Distich(>]tus silvestris Leidy (Vereinigte Staaten, 
Philadelphia). Die Untersuchung (h-r antarktischen Enchytraeiden 
war mir um so interessanter, als ich dieseUx-n nicht nur mit denen 
unserer norddeutschen Fauna, sondern auch mit den .-irktischcn. von 
Nordenskjöld in Nord-Sibirien gesammelten, von Fisen beschrieltenen 
Arten vergleichen konnte. Diese vergleichende I'nto'suchung hat er- 
geben, daß auffallend nahe Verwandtschaften zwischen arktischen und 
antarktischen Enchytraeiden bestehen. Die letzteren geli«"ireii denselben 
Gattungen an, die im nrn'dbehen Gebiet die lierrselieiideii sind. Eine 

3 



56 Dr- W. Micbaelsen. 

Art, der Pachvdrilus maximus, steht gewissen nordischen sogar so nahe, 
daß es der genauen Untersuchung sämthcher Organsysteme hedurfte, 
um einen genügenden Anlialt für seine Aufstellung als selbständige 
Art zu gewinnen. Diese enge Beziehung zwischen arktischen und 
antarktischen Enchytraeiden ist um so auÜ'älliger, als sie diese Familie 
in einen gewissen Gegensatz zu den anderen Oligochaeten-Familien stellt, 
über deren geographische Verbi'eitung sicli nach dem jetzigen Stand- 
punkte unserer Kenntnisse ein Urteil fällen läßt. Von den Acantho- 
driUden z. B. ist nur an einer Stelle (Westküste von Afrika) ein 
Übertreten auf die nördliche Halbkugel, und das nur um 7 Grade, 
bekannt. Diese Verschiedenheit in der Verbreitungsart zweier nahe 
verwandter Tiergruppen mag ihren Grund in der verschiedenen Wider- 
standskraft haben, die sie der Einwirkung des Seewassers entgegensetzen. 
Die zu der alten Claparedeschen Unterordnung der Terricolen gehörenden 
Famihen sind fast ausnahmslos auf das Süßwassergebiet Ijeschränkt. 
Ihnen ist der Salzgehalt des Meeres verderblich. Die Enchytraeiden 
dagegen sind mehr oder weniger (häufig in jiohem Grade) euryhalin, 
d. h. befähigt Schwankungen im Salzgehalt des sie umspülenden Wassers 
zu ertragen (1*). Manche Arten haben sich vollständig an marine Ortlich- 
keiten angepaßt. Für sie ist das Meer kein Verbreitungshindernis. Ein- 
gegraben in den Muhn umgestürzter und fortgeschwemmter Baumstämme, 
können sie weite Seereisen ü1)erstehen. In wieweit auch die in Cocons 
eingeschlossenen Eier der Terricolen vom Seewasser geschädigt werden, 
kann ich nicht angeben. Ein anderer Umstand mag manchen Enchy- 
traeiden noch einen Vorteil vor den Terricolen gewähren. Aus den 
Cocons der letzteren entwickelt sich entweder nur ein einziges Tier 
oder doch höchstens eine geringere Zahl. Bei Arielen Enchytraeiden 
dagegen entschlüpfen jedem Cocon viele Junge, bei Enchytraeus Möbii, 
Pachydrilus germanicus und Stercutus niveus Mich. z. B. deren 15 — 20. 
Es würde schon die Überführung eines einzigen Cocons der angegel)enen 
Enchytraeiden genügen, um eine lebensfähige Kolonie zu gründen. Bei 
den Terricolen nuiß die Zahl der überführten Cocons eine größere sein, 
um die gleiche Aussicht auf dauernde Ansiedlung in einem neuen Ge- 
biete zu gewähren. 

Pachydrilus maximus mv. spec. 

P. maximus ist ein Enchytraeide von gelblicher Färbung. Er 
wird bis 40 mm lang und ül^er 1 mm dick. Die Borsten sind S-förmig 
gebogen und stehen bis zu 7 in einem Bündel. Die Lymphkörj)erchen 



1* Möbius: „Die wirbellosen Tiere der Ostsee", pg. 139. 

4 



Die Oligocliaeten von Süd-Georgien. 57 

sind platt, oval (häufig in eine feine Sj)itze ausgezogen?). Das Gehirn 
ist wenig länger als breit, hinten mit tiefem Ausschnitt, vorne konvex. 
Der Bauchstrang besitzt scharf abgesetzte, große Wucherungen im XIV. 
imd XV. Segment. Das Blut ist gelb (bis rotV). Das Eückengefäß 
entsi)ringt am Ende des XIV. oder XV. Segments aus dem Darmblut- 
sinus. Die Segmentalorgane ])estehen aus einem kleinen, trichterförmigen 
Anteseptale und einem platten, länglicli ovalen Postseptale mit einem 
langen Ausfülu'ungsgang, der am hinteren Pol ents})ringt und meistens 
nach vorne umgeschlagen ist. Die Hoden sind aus vielen birnförmigen 
Teilen zusammengesetzt. Die Samentrichter sind ungefähr 8 mal so 
lang wie dick, mit umgeschlagenem Eande. Der Samcnkanal ist lang, 
geknäult. Die Samentaschen bestehen aus einem kurzen AusfiUu'ungs- 
gang und einem sackförmigen, mit dem Darme kommunicici'enden 
Hauptteil. Sie sind an der Mündung von kompakten Drüsenmassen 
umgeben und wie durch Stauchung unregelmäßig verkrümmt. 

Die Etiketten trugen die auf diesen Wurm bezüglichen Notizen: 
Kleine ("i*), gelbliche Lumbricoiden , unter Tangmoder auf Steinen; 
Süd-Georgien, Febr. 1883. ((Teschlechtsreif.) 

und: Weißlich, unter Tang am Strand; Süd-(ieorgien, 188o. 
(Meistens unentwickt^lt.) 

P. iiiaximus ist der größte der bis jetzt Ix'kannten Enchvtraeiden. 
Er macht, verglichen mit seinen Verwandten, wahrhaft den Eindruck 
eines Riesen und zeigt, daß das })olare Klima der Entwicklung von 
Enchvtraeiden in hohem Maße günstig ist. Er ist ein echter Pachy- 
drilus und steht seiner Organisation nach gewissen nordischen Meeres- 
strand-Euchytraeiden, so dem P. (Archienchytraeus Eisen) nervosus 
Eisen (o*) dem P. gerinanicus Mich. (4*) und dem P. verrucosus Clap.(5*) 
auffallend nahe. Den P. veri-ucosus habe ich nicht selbst untersucht und 
kann, da er leider nui- unvollständig beschrieben ist, nur weniges übei" 
seine P>eziehungen zu den anderen Arten aussagen. Den P. nervosus 
spielte mir ein glücklicher Zufall in die Hand. Unter (i als Neoeu- 
chytraeus Stuxbergii bezeichneten Tieren, die Herr Prot. Loren so 
freundlich war, mir mit anderen arktischen Enchvtraeiden zu ül)erhissen, 
gehörten 3 zu der interessanten Art P. nervosus, von (h'r Eisen seihst 



2* Im Vergleirh mit dfin AcantluMliilus gcorgiiiiiiis, der sich in (Iciiisi'IIm'h 

Glase l)efaiid. 
3* Eisen: „(Jn tlic Oligdcluirta cull. dm-, thc s\v(Mli^;li cxixMi. tu tlio aretie reg." 

in Kungl. svensk. Vet. Akad. llandling. Ild. \V, lS7!t. 
4* Micliaelsen: „Utiters. üb. Enchytraens Midiii u. and. I<;iicli,vti-." Iviel 188(3. 
5* Claparede: ,,ltcclierclie8 anatoin. s. 1. AnnL'li<lcs, TuiliL'Uaries etc." Gent 1861. 

5 



58 Dr. W. Michaelsen. 

mir 9 Exemplare untersuchen konnte. Im folgenden werde irli die 
genannten Arten einer vergleichenden Betrachtung unterziehen, 
p. maximus Hvpodermisdrüsen : Eingestreut in die Hypodermis tinden sich 

Mich.P.nervosus 1 • d • • i i t^ •• n t. . , . ^ .. 

Eisen, P.gcrma-"^' ^- i"''-^"""» Viele ruude Drusenzellcn, die sich in Pikro-Karmin 
iiicus Mich, und stark fäi'hen. Sie sind wahrscheinlich den Papillen zur Seite zu stellen, 

P. verrucosus t m ' i • t» ^ t ■, ^ , , , , 

Ciap. ^^^^' blaparede von seinem P. verrucosus heschreiht und abbildet (1. c. s. 4* 
pg. 14 u. Taf. I, Fig. 'i). Sie unterscheiden sich von den Hypodermis- 
drüsenzellen des P. nervosus und des P. germanicus durch diese starke 
Farbstoff- Aufnahme. Bei den beiden letztgenannten Pachydrilen bleiben 
die in Rede stehenden Hypodermis-Elemente ungefärbt und stehen, 
wenngleich sie die abgerundete Form mit denen des P, maximus gemein 
haben, den zackigen Zellen näher, die bei den meisten Enchytraeus- 
Arten vorkommen (vergl. 6* pg. 12 u. Taf. IX, Fig. 11). 

Borsten: In der Form der Borsten besteht kein Unterschied 
zwischen! den Strand-Pacliydrilen. Sie sind bei allen in gleicher Weise 
S-förmig gebogen. Auch in der Zahl herrscht grofBe Übereinstimmung. 
Bei P. maximus enthalten die Lateral-Bündel in der Regel 4 oder 5, 
die Ventral-Bündel 5 oder 6. Selten stehen 7 in einem Bündel. Auch 
bei P. nervosus fand ich in wenigen Bündeln 7 Piorsten. während die 
meisten 4, 5 oder (1 enthalten, in Übereinstimmung mit der Angabe 
Eisens. P)ei P. germanicus fand ich bis 8 liorsten in einem Bündel. 
Cla})arede giebt von P, verrucosus o l)is b an. 

Lymphkörperchen : Nur wenige andere histologische Elemente 
sind so starken postmortalen VeränderungcMi unterworfen wie die Eym])h- 
k()rpercheii. Es darf deshalb nur mit großer Vorsicht v(m der (Jcstalt 
der Lyiiiphk()i-per im konserviei'ten ^Nfatei-ial auf die der Iclicndcii Pyrnpli- 
körper geschlossen werden. Bei P. maximus haben sie im konservierten 
Zustande eine platt- ovale Form. Häutig sind sie an einem Pole in 
eine fehie Spitze ausgezogen (Fig. 1 a). Da derartig gestaltete Lymph- 
körperchen auch l)ei lel)eiiden Enchytraeiden lieoljachtet sind. z. I>. bei 
P. s])hagnetoriim V«-jd. (7*. Taf. XXIII. Fig. 2a), so werden auch Avohl 
die Lymphkörper des P. maximus im leitenden Zustande eine ähnliche 
Form besitzen. Bei P. nervosus konnte ich keine charaktei-istisch ge- 
staltete Zellen in der Leibeshöhle erkennen. P. germanicus besitzt 
platte, ovale bis binihirmige Lymphkörperchen, die im lebenden Zu- 
stande grob granuhert sind (Fig. 2 a). Ähnlich sind nach Claparedes 
Zeichnung (1. c. s. o*. Taf. I, Fig. G) die Lym])hk(")rper des P. veri-iicosus. 



6* Vejdovsky: „Monographie der Enchytraeiden." Prag 1879. 
7'" Michaelsen : „Beitr. z. Kenntn. d. deutschen Encliytraeiden-Fauna" im Arch. 
f. mikrosk. Anat. Bd. XXXI, 1888. 

6 



Die Oligochaeten von Süd-Georgien. 59 

Gehirn : In der Form des Geliirns zeigen sicli einige Verschieden- 
heiten bei den zn vergleichenden Pachydrilen (Fig. 1 b, Fig. '2 b n. 1. 
c. s. 3*, Taf. VIII, Fig. 1 G b). Das Gehirn des P. maximus ist ans- 
gezeiclniet durch die Konvexität des Vorderrandes, der bei P. nervosus 
und P. germanicus konkav ist sowie durch (he weniger deuthche Kon- 
vergenz der Seitenräiider, die liei P. germanicus am (h'uthchsten aus- 
geprägt ist. ZugU'ich ist bei P. germanicus das Verhältnis von Länge 
zu Breite am größten. Bei P. maximus und P. nervosus ist das Gehirn 
nur wenig länger als l)reit. Bei allen dreien ist der Hinterrand des 
Gehirns tief ausgeschnitten. Die Gehirnform des P. verrucosus ist 
unbekannt. 

Bauchstrang: Eisen erkannte zuerst bei seinem P. nervosus 
eine eigenartige, von oben betrachtet Üügelformige Wucherung des 
Bauchstrangs in den beiden Segmenten, die auf die Geschlechtssegmente 
folgen (1. c. s. 3* pg. 23 u. Taf. VIII, Fig. 16, c u. d). Ich fand später 
eine ähnhche Bildung bei P. germanicus und neuerdings auch ])ei P. 
maximus. Eine genauere Untersuchung zwecks Vergleichung derselben 
läfst mich die früher gegebene Beschreibung (1. c. s. 4* pg. 33) etwas 
modificieren. Im Wesentlichen, dem histologischen Bau, stimmen die 
in Rede stehenden Organe bei den drei Arten überein. In Unwesent- 
lichem zeigen sich konstante Unterschiede. Wir haben es hier der 
Hauptsache nach mit einer bedeutenden Wucherung des ventralen 
Ganglienzellen -Belags des Bauchstranges zu thun, infolge deren der- 
selbe über die nonnale Breite des Bauchstranges heraus(piillt und den 
dorsalen, unveränderten Teil mehr oder weniger eng umfalJt. Bei P. 
nervosus (Fig. 3) ist die Wucherung am stärksten und l)csit/t an der 
oberen Seite mehrere längsverlaufende Wülste. Sie hängt jederseits 
weit in die Leibeshöhlc hinein und läl.it den dorsalen Teil des Bauch- 
stranges vollkommen frei, so daß man tlessen Kontur bei der Ansicht 
von oben scharf ^d)gesetzt durch die Wucherung hindurchgehen sieht, 
wie auch an der Zeichnung Eisens zu erkennen ist. Bei den bcidtMi 
anderen Arten ist die Wucherung weniger l)edeutend, umfaßt aber den 
dorsalen Teil des Bauchstranges eng, seitlich an demselben in die 
Höhe rückend. Bei diesen Arten erscheint daher Ix'i der Ansicht von 
oben die Kontur des eigentlichen Bauchstranges an den umAVUcheiien 
Stellen nur verschwonnnen. Bei P. germanicus (Fig. :1 c) umfaßt die 
Wucherung den dorsalen Teil des Bauchsti-anges so weit, daß sie sich 
oberhalb desselljen von den Seiten zur dorsalen Metlianliiiie hin l)eiiialie 
zusammen schließt. Bei P. maximus (Fig. 1 c) bleibt ein beträchtlicher 
Streifen des eigentlichen Bauchstranges frei. Der größte Teil (h>s 
Bauchstrangs, die fibrilläre Substanz mit den Neurachord-Röhreu und 

7 



60 l^r- W. Michaelsen. 

selbst der obere Teil des ventralen Ganglienzellen-Belags bleibt unver- 
ändert. Die Wucherung wird von dem Neurilemm umschlossen. Sie 
besteht aus gror3en, stark granulierten Zellen, die in den äuüeren 
Partien dicht gedrängt stehen und hier meistens eine kegelftirmige 
Gestalt haben , nach innen zu die Form multipolarer Ganglienzellen 
annehmen und daselbst in eine faserige Masse eingestreut sind. Diese 
Fasermasse hat ganz das Aussehen der tibrillären Substanz des eigent- 
lichen Bauchstranges und ist derselben zweifellos gleichzustellen. Der 
Bauchstrang entsendet an der umwucherten Stelle ehi breites, medianes 
Nervenljand nach der Hypodermis. Auch aus der Wucherung tritt 
beiderseits eine Partie von Fasern, die sich, zur Mitte gehend, mit jcuem 
medianen Nervenbande vereint. Zwischen Hypodermis und lling- 
muskelschicht breitet sich dann die Masse der vereinigten Nervenfasern 
nach rechts und links hin aus. Die Hypodermis ist an dieser Stelle 
eigenartig unigel)ildet. Sämtliche Hyixxlermis-Zellen sind lang cylindrisch 
l)is spnidelf()rmig geworden und die Driis(Mizellen fehlen. Auch äuüerlich 
ist diese Stelle durch schwache Erhnlx'nhcit gckenntzeichnet. Bei P. 
nuLximus finden sich derartige Bauchstraiig- Wucherungen im XIV., 
X\'. und XVI. Segment, bei P. germaniciis im XIII. und XIV., bei 
P. nervosns nach Eisen im IV., V., XII., XIII. und XIV. Segment. 
Bei meinen Untersuchiingsexemplaren von P. nervosns waren die vorderen 
Wucherungen nicht ausgel)ildet, und die ancUn-en fanden sich in den 
Segmenten XIII, XIV und XV. Die Untersuchung des Bauchstrang- 
Organes von P. nervosns bestärkte mich in der früher ausgesprochenen 
Ansicht, daC? dii'se Bildungen bei den Fnchytraeiden den von Timm 
bei Phreoryctes Menkeanus Hoifm. entdeckten Bauchorganen homolog 
seien (vergl. 8* ])g. 20 u. Taf. I, Fig. 12). Das betreffende Organ des 
P. nervosns bildet nänihch einen Übergang zu dem des Phi'eoryctes 
Menkeanus. Denkt man sich die bei P. germanicus und P. maximns 
noch fest an den Bauchstrang angelegte, bei P. nervosns schon zum 
Teil freie Wucherung noch weiter vom Bauchstraiig losgelr)st und 
zugleich das aus dem Bauchstrang kommende nu'diane Nervenband 
etwas gestreckt, so erhiüt man ein Bild, welches dem von dem Bauch- 
drgan des Phreoryctes entworfenen in der Hauptsache gleicht. Ks ist 
wohl kaum zweifelhaft, daÜ wir es in allen Fällen mit Sinnesoi-ganen 
(spindelförmige Hypodermiszellen) und den entsprechenden gangliösen 
Elementen (Bauchstrang-Wucherung) zu thun haben. In der speziellen 
Deutung jedoch sind wir gezwungen, das Organ des Phreoryctes von den 

8* Tinuii: „Beul), au Phreoryctes Menkeanus Iloffni. u. Nais" in: Arb. a. d. 
zool.-zout. Inst, in Würzburg; Bd. VI. 1883. 



Die Oli^uchaeteii von Süil-Georgieii. (11 

aiulci'cn altzusoiulHi'ii. Die enge Bezieluuit;-. die l)ei den Eiicliytraeideu 
zwisclien der Lage des l»eselirit'l)eiien Organs und der Lage der Geschlechts- 
organe hesteht, zeigt, daü jene Organe bei der Geschlechtsthätigkeit 
der Tiere in Funktion treten, als Tast- hez. Wollust -Organe. Diese 
Deutung \i\iit sich kaum auf die betreffenden Organe des Phreoryctes 
Menkeanus iU)ertragen, da dieselben in allen Segmenten gleicherweise 
vorkommen. 

Von Neurachord-R()hren fand ich bei P. germanicus drei, eine 
dicke, mediane und zwei dünnere rechts und links neben jener. Bei 
P. nervosus konnte ich nur eine mediane erkennen, bei P. maximus 
gar keine. Ich habe schon früher auseinandergesetzt, daß die Er- 
kennbarkeit der Neurachord - Röhren von der Konservierungsmethode 
abhängig ist. In letzterer ist wohl der Grund zu suchen, daß P. 
maximus keine Neurachord-R(")hren erkennen läßt. 

Blutgefäßsystem: P. maximus besitzt wie P. germanicus und 
P. verrucosus gefärbtes Blut. Trotzdem meine Untersuclmngsobjecte 
schon lange Zeit in Alkohol gelegen haben, ist doch noch eine gelbe 
Färbung des glasartig erhärteten Gefäßinhalts zu erkennen. Bei den 
lebenden Tieren ist die Blutftirbe wahrscheinlich intensiver, gell) oder 
rot. Über die Blutfarbe des P. nervosus kann ich keine Angaben 
machen. Das Rückengefäß entspringt bei den drei Strand-Pachydrilen, 
die ich untersuchen konnte, mehr oder weniger dicht hinter den Gürtel- 
segmenten, bei P. maximus am Ende des XIV. oder XV., bei P. nervosus 
am Ende des XIII., XIV. oder XV. und bei P. germanicus am Ende 
des XII. oder XIII. Segments. 

Segmentalorgane: Auch die Segmentalorgane unserer Pachydrilen 
sind gleichartig gebaut. Ein plattes, länglich ovales oder abgerundet 
rechteckiges Postsei)tale trägt vorne ein winziges, trichter- oder röhren- 
förmiges, v(mi Fhmmerkanal gradlinig durchbohrtes Anteseptale und 
geht hinten in einen mehr oder weniger langen, meistens nach vorne 
umgeschlagenen Ausführungsgang über. (Fig. 1 d u. 2 d.) Bei P. maximus 
und P. nervosus ist der Ausführungsgang länger als das Postseptale, 
bei P. nervosus häufig unregelmäßige Windungen oder Scldingen l)ildend. 
Bei P. germanicus ist er ungefähr so lang wie das Postseptale. 

Geschlechtsorgane: Die Geschlechtsorgane besitzen bei allen d'w 
für die Enchytraeiden nornuxle Lagerung und bestätigen durcli die 
Übereinstimmung in den charakteristischen Punkten die enge W'rwandt- 
schaft zwischen den Strand-Pachydrilen. 

Die Ovarien sind traubig und die Loslösung der Eizellen erfolgt 
in einem ziendich späten Stadium. 

9 



62 I>i'- W. Michaelsen. 

Die Hoden sind dadurcli ausoezeiclniet, daß sie aus einer größeren 
Anzahl l)irnf()rniiger Teilstücke bestehen (INIultiple nennt Claparede es 
von seinem P. verrucosus, den ich besonders dieser gleichartigen Aus- 
bildung der Hoden wegen zu den anderen Strand -Pachydrilen stelle). 

Eier- und Samensäcke: Vejdovsky stellt in Bezug auf die Samen- 
säcke die Enchytraeiden in eine Reihe mit den Lumbriciden und anderen 
Oligochaeten (!) * pg. 135). Ich kaini micli dieser Ansicht nicht anschließen 
und lialte dafür, daß jene Organe der P^nchytraeiden, die Vt^'dovsky 
neuerdings als Samensäcke in Ans})ruch nimmt, in der That nur die 
Hoden sind. Mit Sichei'heit k;inn ich dies allerdings nur von den 
Pacliydrilen behaupten, deren Hoden vielfältig sind, also unseren 
Strand -Pachydrilen. Besonders P. germanicus konnte icb daraufhin 
genau untersuchen. Am Dissepiment X./XI. entsteht jederseits ein 
kleines P>üschel länglicher, in die l^eüjeshühle hineinragender Anhänge, 
der rechte und der linke Hoden. Die einzelnen H()denia]>i)en bestehen, 
wie man an gefärbten Schnitten erkennt, aus einer gleichmäßig gra- 
nulierten Plasmamasse, in der zahlreiche Kei'iie dicht gedrängt liegen. 
Zellgrenzen sind nicht erkenn1)ar. Das Peritoneum umhiÜlt die einzelnen 
Lai)})en. Naclidem dieselben eine gewisse Größe erreicht haben, verändert 
sich ihre Struktur teilweise. An dem der Ansatzstelle gegenüberliegenden 
Pole zeigt sich zuerst eine Sondernng dei' anfangs gleichf()rniigen Masse. 
Es grenzen sich Partien von eiiuxnder al) und beginnen sich in die bekannten 
Spermatozoen-Pildungszellen umzuwandeln. Dieser Umwandlungs|)rozeß 
greift, von dem freien Pole ausgehend, immer mehr um sich, bis der 
größte Teil des Hodenlappens davon berührt ist. Die sich umwandelnden 
Teile nehmen bedeutend an Größe zu, das undiüllende Peritoneum folgt 
diesem Wachstum und der ganze Lappen wird birnförmig (Fig. 2 f.). 
An dem Ansatzpole ist eine Partie jener Masse zurückgeblieben, aus 
der anfangs der ganze Hoden bestand. Diese P>ildungsmasse wächst 
ebenfalls und produciert immer wieder neue Spermatoz(jen-Bildungszellen, 
ohne sich je ganz aufzuzehren. Isoliert man durch Zerzupfen eines 
geschlechtsreifen Tieres die ausgebildeten Hoden, so findet man stets 
an dem spitzen Ende der l)irnförmigen Teilstücke diese schon durch 
ihre dunklere Eärlumg auftallende Bildungsmasse. Es hegt kein Grund 
vor, diese birnfh'migen Massen, in denen man von der Spitze nach 
dem l)reiten l'o] hin die sämtlichen Spermatozoen- Entwicklungsstufen 
findet, für etwas anderes als die Avahren Hoden zu haltcMi. Die einzigen 
Bildungen bei den Enchytraeiden, die meiner Ansicht nach den Samen- 
und Eier-Säcken anderer Oliuochaeten an die Seite uestellt werden 



9* Vejdovsky: „System u. iMurphulogie d. Oligochaeten"; Prag- 1884. 

10 



Die Oligocliaeten von Süd-Georgien. fi3 

• liii'fcii. sind die von mir mit den olciclieii Nanu'U belebten dissejji- 
meiitalcu Organe der Meseiicliytraeen (vergi. 1. c. s. 4* pg. 38 u. 31). 
10* pu'. 371 u. 372 II. 1. c. s. 7* pg. 497). Bei diesen Enchytraeiden 
lösen sich tliatsächlich die (leschleehtsprodukte frühzeitig von ihrer 
Bildungsstätte los, fallen in die Leibeshr)hie und sammeln sich dann 
in dissepimentalen 8äcken, in denen sie ihre fernere Entwickhing 
durchmachen. 

Die Samentrichter zeigen Verschiedenheiten Ix'i den verschiedenen 
Strand-Pachvdrilen. Bei I'. maximus sind sie lang cylindriseh. ungefiihr 
8 mal so lang wie dick und ihr Tvand ist iiacli anfien umgeschhigen. 
Die des P. nervosus sind weit kürzer, mir :> mal so lang wie dick, 
sonst ebenso gestaltet. In der Regel sind die Samentrichter des 
P. germanicus gleich denen des P. nervosus, doch habe ich von zwei 
Fundorten, vom Ostseestrande bei Wismar und vom P]H)strande bei 
Haml)urg Exemplare erhalten, bei denen die Samentrichter bedeutend 
verkürzt, fast kugelförmig waren. Am Hamburger Fundort fand ich 
diese Form in Gemeinschatt mit der anderen. Da die Tiere im übrigen 
oanz oleich gebildet sind, so kann von einer Trennung in zwei Arten 
nicht die Rede sein. Die Samentrichter des P. verrucosus besitzen 
nach der Zeichnung C'la})aredes keinen umgeschlagenen Rand. Die 
Samenkanäle sind bei allen sehr lang. 

Die Eileiter sind bei den drei Arten, die ich untersuchen konnte, 
paarige, trichterförmige Einsenkungen des Dissejuments XII/XIII in 
das XIII. Segment hinein, vor dessen ventralen Borstenlnlndehi sie 
durch quere Schhtze nach außen münden. 

Der Gürtel nimmt die hintere Hälfte des XL, das ganze XII. 
und XIII. Segment in i^nspruch. 

Die Samentaschen sind bei allen vier Arten nach demselben 
Schema gebaut. Ein mehr oder weniger kurzer Ausführungsgang geht 
allmählich oder ziemlich undeutlich abgesetzt in einen sackförmigen 
Hauptteil über. Bei meinen Untersuchungsobjecten kommunicieren die 
Samentaschen mit dem Darm. Der Ausführungsgang ist an seinem 
Grunde von Drüsenmassen umgeben. Bei P. maxinnis (Fig. 1 e) sind 
diese Drüsen kompakt. Die ganze Samentasche ist bei dieser Art wie 
durch Di'uck in der Längsrichtung verkrümmt. Bei P. nervosus (1. c. s. 1* 
Taf. Vlll, Fig. IGe) ist der Ausführungsgang vom Hauptteil abgesetzt. 



10* Michaelsen: ..Knchytriieideii-SliKÜfn'' in : Arcli. f. iiiikiuskii|). Aiiat. l>il. XXX- 
1887. 

(Es sei mir gestattet, an dieser Stelle einen sinnvcrwii rcnden Felder 
zu verliessern, der sich in der citierten Aljhaiullunfj- iindet. Ks muß aut 
pg. 372 in Z. 11 v. o. „Sanieutaseheu'' statt „Samenleiter" heißen.) 

11 



64 Dr. W. Mifhaelsen. 

Bei den von mir untersuchten Exemplaren sind die Drüsenmassen am 
(irunde des Ansfülirnn,i>;si:!,'an,ü,es stärker entwickelt als Eisen zeichnet 
und reichen l)is 7a\v Basis des Hauptteils hinauf. Sie sind nicht so 
kompakt wie die der vorigen und der folgenden Art. Die ganze Samen- 
tasche ist grade gestreckt. Bei P. germanicus (Fig. 2 e) ist der Aus- 
führungsgang ausnehmend kurz und geht allmählich in den Hau})tteil 
über. Die Drüsenmassen sind koin})akt. Die Samentasche ist schlank 
S-förmig gebogen. 

Diese vergleichende Betrachtung ergiebt, daß eine auffallend 
nahe Verwandtschaft zwischen den vier Strand -Pachydrilen besteht, 
auffallend, da, ja die Entfernnng zwischen dcMi Extremen der Fundorte 
so bedeutend ist. (sie beträgt ungefähr ^h der größten Entfernung auf 
der Erde). Im folgenden shid die Fundorte zusammengestellt: 
P. nervosus Prisen. 

Novaja Semlja, (iusimioj Cape; Meeresstrand im Detritus. 
P. verrucosus ülap. 

Hebriden ; Meeresstrand. 
P. germanicus Mich. 

Seeland, Skodsborg und Kopenhagen; Meeresstrand im Detritus. 
Rügen; Meeresstrand im Detritus. 
Wismar; Meeresstrand unter Steinen. 

Kiel; Meeresstrand im Detritus, unter Steinen und an Schöß- 
lingen von Zostera. 
Meildorf; Meeresstrand im Detritus. 
Cuxhaven; Meeresstrand im Detritus. 

Hamburg; Elb- und Bille-Strand im Detritus, unter Steinen, 
und an Wasserpflanzen. 
P. maximus Mich. 

Süd-Georgien; Meeresstrand im Detritus. 
In dieser Zusammenstellung ist zweierlei bemerkenswert, erstens 
die große Lücke zwischen dem Süd -Georgischen Fundort und den 
europäischen, zweitens das Vorkommen des P. germanicus im Süß- 
wassergebiet der Elbe und Billc. Was den ersten Punkt anbetrifft, so 
wäre zu wünschen, daß Nachforsclumgen in dem Zwischengebiet, an 
der Ostküste Süd-Amerikas, an der Westküste Afrikas sowie am Strande 
der Atlantischen Inseln, angestellt würden, dann't festgestellt werden 
kann, ob die Fundorte in der That durch eine so große Lücke getrennt 
sind, oder ob eine Verbindung zwischen ihnen besteht. Der zweite 
Punkt erklärt sich durch den schon oben erörterten euryhah'nen 
Charakter dieser Tiere. Es ist ihnen gleichgültig, oh sie vom Süß- 
wasser oder vom Salzwasser benetzt werden. Daß sie in erster Linie 

12 



Die Oligopliaeten von Süd-Georgien. 65 

marine Ortliclikcitcii bewohnen, Ix'rnlit wolil darauf, daß ihnen hier 
die Widerstandskraft gegen Schwankungen im Salzgehalt auch zu 
statten kommt und ihnen einen Vorteil vor anderen Tieren gewährt. 
Sie halten sich mit Vorliebe in jenem schmalen Streifen auf, der sich 
etwas oberhalb der Wassergrenzc am Strande der Meere hinzieht, in 
jenem Streifen, auf den das Meer den Detritus, Massen von Tanfi; und 
Seegras, untermischt mit den Cadavern von See-Tieren, absetzt. So reich 
dieses Gebiet auch an Nahrungsmaterial ist, so arm ist doch seine 
Fauna. Dipteren-Larven, wenige Ampliipoden-Arten und dann unsere 
Strand-Enchytraeiden sind fast die einzigen Tiere, denen wir in diesem 
modernden PHanzenwalle begegnen. Derselbe stellt aber auch starke 
Anforderungen an die Lebenszähigkeit seiner Einmieter. Dei dem 
geringsten Steigen der Wasserhöhe wird die ganze Masse von Seewasser 
durchtränkt; jeder etwas anhaltende Regen dagegen laugt fast den 
ganzen Salzgehalt wieder aus. In diesem Gebiete können nur Tiere 
leben, die in bedeutendem Grade enryhallin sind. 

Pachydrilus georgianus nuv. spec. 

Im Verhältnis zu dem P. maximus ist der jetzt zu besprechende p. georgianus. 
P. georgianus ein Zwerg. Das gröüte Exemi)lar dieser Art hat eine 
Länge von S mm und eine Dicke von Vs mm. Die Farbe der konser- 
vierten Tiere ist gelb bis braun. Diesen dunklen Farbenton haben sie 
wohl aus dem durch Fucaceen braun gefärbten Alkohol angenommen. 

Die Borsten sind S-förmig gebogen. Sie stehen in der Regel 
zu .5 in einem Bündel. Häufig zählte ich auch 6, selten 7. Ein Kopf- 
porus liegt zwischen Kopllappen und Kopfring in der dorsalen Median- 
linie, Rückenporen sind nicht erkennbar. 

Die Cuticula ist verhältnismäßig dick. Ein Zupfpräparat zeigte 
mir in iilierraschender Klarheit, daß dieselbe durchaus nicht homogen 
sein kann. Die Bruchränder der Cuticula-Fetzen in dem Znpfprä parat 
verlaufen nämlich nicht regellos, sondern stets gradlinig, parallel den 
Seiten eines Rhombus, dessen spitzer Winkel ungefähr (in" beträgt 
und dessen kürzere Diagonale in der Richtung der Längsmnskeln lieg-t. 
An Stellen, wo der Leibesschlaucb parallel den Längsmuskeln zerrissen 
war. zeigte d(n- Rand der Cuticula eine scharfe, fast regelmäßige 
Zähnelniig. Di(^sem gesetzmäßigen Vei'lauf {\rv Ib'uchränder muß eine 
gewisse Struktui' dei- Cuticula zu (li'iiiide Hegi'u. 

Die Lymphk(trperchen sind ])]att, breit ovaJ oder navicellenförmig 
mit stumpf- oder reclit-wiiddigen Polen. Sie sind zart granuliert und 
färben sich in Pikio-Kaiiiiin gleielnu-iliii: durch. 



66 Dl'- W. ^Vlichaelsen. 

Speiclieldrüsen sind nicht vorlianden. In den Segmenten IV, 
V und VI liegt je ein Paar Septaldrüsen an die Hintenvand der Seg- 
mente angelegt. Die beiden ersten Paare sind ziemlich klein, fast 
kugelig; das dritte Paar ist groß, birnförmig (die spitzen Pole sind 
nach vorne gerichtet und gehen ohne Absatz in die Septaldrüsen- 
stränge über). 

Das Rückengefäß entspringt am Ende des XIII. Segments aus 
dem Darmblutsinus, im Grunde einer fast taschenförmigen Einsenkung 
der dorsalen Darmwand. Der Darm, der vom hinteren Ende bis hier 
sehr umfangreich ist, plattet sich an dieser Stelle plötzlich ab. (Etwas 
weiter nach vorne verschmälert er sich dann auch, so daß sein Quer- 
schnitt wieder annähernd kreisförmig wird.) Durch schwache Über- 
wülbung des abgeplatteten Darms von Seiten der dorsalen Wand des 
erweiterten Darmes entsteht jene Einsenkung. Die ursprüngliche Earljc 
des Bluts ist mir unbekannt. 

Das Gehirn (Fig. 7 a) ist länger als lireit, vorne eng und tief, 
hinten weit und tief ausgeschnitten. Es ist in der Mitte am breitesten, 
nach vorne und hinten verschmälert es sich fast gleichmäßig. 

Die Lagerung der Gescldechtsorgane ist normal. Die Samen- 
trichter sind cyliudrisch, ungefähr doppelt so lang wie dick, vorne mit 
umgeschlagenem Rande. Die Samenkanäle sind lang und scheinen zu 
spiraliger Aufrollung hinzuneigen (in der Art, wie es von den Samen- 
kanälen der Anachaeten bekaimt ist). Die Samentaschen (Fig. 7 b) 
bestehen aus einem einfachen, sackfcirmigen Hauptteil, der einerseits 
mit dem Darm konnnuniciert, andrerseits durch einen kurzen, dicken 
Ausführungsgang nach außen mündet. Spärliche Drüsen stehen an 
der Mimdung der Samentaschen. 

P. georgianus ist ein marines Tier. Er le1)t zwischen Tang- 
wurzeln, Schiefer-Getrümmer und in dem Kanal-System von Si^ongien 
am Strande von Süd-Georgien. 

Enchytraeus monocbaetus mv. spec. 

Enchytraeus E. monochactus ist ein kleiner Enchytraeide von ungefähr 7 mm 

Länge und V4 mm Dicke. Die konservierten Tiere sind gelbgrau bis 
schwarzljraun. Die dunkle Färbung einiger Tiere rührt wahrscheinlich 
von dem durch Algen 1)raun gefärbten Alkohol her. 

Das beste Kenntzeiclien für diese xirt lietern die Borsten. Die- 
selben stehen nämlich nicht in Bündeln zusammen sondern einzeln und 
zwar in 4 Längszeilen, 2 lateralen und 3 ventralen. Es entspricht 
also jede einzelne Borste dieser Art einem ganzen Borstenbündel 
anderer Enchytraeiden. Noch in anderer Linie ist eine Reduktion der 

14 



monocbaetus. 



Die Oligocliaeteu von Süd-Georgien. « ß7 

Borsten eingetreten. Es enthelu-en nänilicli in der Regel die ersten 
4 oder 5 Segmente der Borsten überhaupt, sowohl der ventralen wie 
der lateralen und eine weitere Reihe von Segmenten nur der lateralen. 
Die Borsten des Vorderköri)ers sind sehr zart und kui'z , gegen den 
Hinterkch'per nehmen die Borsten an Stärke zu. Sie sind scharf zu- 
gespitzt, fast gerade gestreckt, am irmeren Ende kurz umgebogen. 

Vom Leibesschlauch ist zu erwähnen, daß die Cuticula auftauend 
dick ist. Die Hypodermis erscheint durcli das regelmäßige und tiefe 
Einschneiden der Ringmuskeln (pierstreifig. Die granulierte Masse, in 
die die Längsmuskeln eingebettet sind, ist stark entwickelt und über- 
ragt die Längsmuskehi an manchen Stellen um mehr als deren eigene 
Höhe. Der Kopfjjorus liegt dorsal in der Litersegmentalfurche zwischen 
Kopflappen und Kopfring. Rückenporen hal)e ich nicht erkannt. 

Aus ol)eu angegebenen Gründen läßt sich über die Lymph- 
kör})erchen nur Unsicheres aussagen. Ich fand in der Leibeshöhle nur 
kugelige oder ellipsoidische, grolj granulierte K()r])erchen. die dadurch 
auffielen, daß sie gar kehi Pikro-Karmin annahmen. Da die am Darm 
festsitzenden Cldoragogenzellen ein anderes Aussehen ha1)en, dürfen 
diese Körperchen wohl nicht für losgelöste Chloragogenzellen angesehen 
werden, wenngleich diese Deutung nicht ganz ausgeschlossen ist. Mel- 
l(>icht sind es Lymphkörperchen. 

Der Munddarm ist mit einem glattrandigen (ieschmackslappen 
ausgestattet. Speicheldrüsen sind nicht vorhanch'U. Die Sej^taldrüsen 
nehmen von vorne nach hinten an Größe und Zahl zu. Ln IV. Segment 
liegt nur ein Paar sehr klehier, im V. Segment finden sich in der Regel 
zwei Paar etwas größerer, im VI. Segment meistens drei Paar sehr dicker 
Septaldrüsen. die den größten 'l'eil der Leibeshöhle dieses Segments in 
Anspruch nehmen. 

Das (ichirn (l''ig. (ia) zeigt den Arcliienchytraeus-'ry})us stärker 
ausgebildet als von einem anderen I'Jichytraeiden Ix'kannt ist. Es ist 
ungefähr •^■-' mal so hing wie l)reit. hinten schmal und tief ausgeschnitten, 
vorne konkav. Die Seitenränder laufen in der hinteren Hälfte ])araliel. 
vorne nähern sie sich einander, so daß das Gehirn vorne sein- ver- 
schmälert ist. Der Bauchstrang ist durch eine stai'ke Entwicklung 
der ei-sten (ianglien ausgezeichnet. Die ventrale (langlienzellen-Partie 
umwallt in gei'ingem Älaße die dorsale fibrilläi'e Substanz. Am Schlund- 
nervensystem ist neben einem l'aar in den Se])taldrüsensträngen ein- 
geschlossener (jtanglien noch ein I'aar ficier. birnf(»rmiger (Janglien 
vorhanden, die vom Hinterrande des Schlmidkoiifes in die Leibesh()hlc 
In'nein hängen. 

Das Rückengefäß entspringt dicht hinter den ( lürtel-Segmeiiten. 
Die ursj)rüiigiiche Blutfarbe ist nicht mehr festzustellen. 

15 



68 Dr. W. Michaelscn. 

Die Segiiieutalorgaiie (Fig. G 1)) Ijestelioii aus einem kleinen, 
platt- ovalen Anteseptale und einem langen, schmalen, platten Post- 
septale, welches, sich hinten im rechten Winkel umhiegend, allmäldich 
in den kaum schmäleren Ausführungsgang übergeht. 

Die (Jeschlechtsorgane zeigen die für die Enchytraeiden normale 
Lagerung. Die Samentrichter sind ziemlich kurz, tomienförmig, häutig 
unregelmäßig verkilimmt. Ihr Rand ist umgeschlagen. Sie gehen in 
lange, zu lockeren Knäulen zusammengelegte Samenkanäle über. Die 
Samentaschen (Fig. G c) sind, sehr einfach. Der Hauptteil ist birn- 
förmig, an der Spitze mit dem Darm vei-wachsen und in Kommuni- 
kation getreten. Der aus dem breiten Pol des Hauptteils austretende 
Ausführungsgang ist so lang wie der Hauptteil, schlank und an der 
Ausmündungsstelle verengt. Sehr spärliche Drüsen stehen an seinem 
äur3eren Ende. 

E. monochaetns schehit sich vollständig an marine Ortlichkeiten 
angepaßt zu haben. Er lebt zusammen mit Pachydrilus georgianus 
zwischen Scln'cfcr- Detritus und Tangwur/elu sowie im Köhrensystem 
von (wahrschcinb'ch nodi lebenden) Spongien am I''.bbestraiide von 
Süd-Georgien. 

Acaüthodrilus georgianus ^loo. ^pec. 

Acanthodriiu.s Mit dicsem Nauicu bezeichne ich einen terricolen Oligochaeten. 

georgianus. j^^^. ^|^.-|^ j^^ ^y vorzüglich erhaltenen Stücken untin- dem Süd-Georgischen 

Material vorfand. Die Etikette trug die auf ihn bezügliche Bemerkung: 

„Fleischfarbige, große (11*) Lumbricoiden; Grasgrenze am 
Strande, Süd-Georgien, Febr. 1883." 

Das größte Stück hat eine Länge von 60 mm, eine größte Dicke 
von r)'/2mm und besteht aus 87 Segmenten. Die Grundfarbe der kon- 
servierten Tiere ist ein beUes (iraugelb. Dei' Voi'derkörper ist opak 
und besitzt einen schwachen r()tlichen Schinnner. Am Hinterkörper 
ungefähr vom CJürtel an ist die Haut schwach durchscheinend. Es 
verursacht infolgedessen der Bauchstrang bei auffallendem Licht einen 
kräftigen, weißen, ventral-medianen Streifen. Die Borstenlinien er- 
scheinen wegen der Unterljrechung der Längsnniskelschicht dunkler. 
p]benso die Linien der Segmentalorgan-Ausmündungen, diese letzteren 
jedoch unterbrochen durch gi-oße, helle Flecke, in deren Mittelpunkten 
sich die Offnungen der Segmentalorgane Ijetinden. Der (nirtel ist 
gelbbraun bis rotbraun. 



11~ Im Vei'gleicli mit den Exemiil;n-e'ii ilrs l';icliy<liiliis maximuy, die sieli in 
demselben Glase befanden. 

16 



Die Olioochacteu von Süd-Georgien. 69 

Der Kopflappen ist klein, kaum voiTagend. vorne gleiclmiäßiri- 
flaeli gerundet, nach dem llücken /u in einen schmalen Streifen aus- 
gezogen. Dieser Streifen springt tief in den Kopfring ein, nämlich 
um ''^/.i diT griU.iten Längenausdehnung desselben. Seine Breite l)eträgt 
nicht ganz Vi der gröCsten Dreite des Kopfringes. Seine Seitenränder 
sind kaum merklich ausgeschweift, im allgemeinen parallel und hinten 
geht er ohne scharfe (irenze in den Kopfring über. 

Der Kopfring hat die Gestalt eines nur schwach konver- 
gierenden, schief (d. h. ventrahvärts stärker als dorsalwärts) al)ge- 
stumpften Kegels mit stark al)gerundeten Kanten. Durch eine schwache 
Einschnürung, die i)arallel dem Hinterrande um den Kopfring herum- 
läuft, ist derselbe in zwei ungleiche Teile zerlegt, deren vorderer der 
gröÜere ist. Dis an diese Einschnürung gehen die Seitein'änder des 
Ko])fla))penstreifens. 

Die folgenden Segmente nehmen ungefähr bis zum achten stetig 
an Dicke zu. Di(^ Dickenabnahme am Hinterkih'per ist nur gering. 
Die borstentragenden Segmente sind mit Ausnahme der vom (iiirtel 
in Anspruch genommenen fast regelmäüig dreiringlig. (Eig. 4 a). 

Die Borsten stehen in 8 weitgetrennten Linien. Bezeichnet 
man die Borstenlinien von der Bauchmittellinie zur Rückenmittellinie 
gehend rechts mit 1 r, 2 r, 3 r und 4 r, links mit 11, 2 1, 3 1 und 4 1, 
so ist die Entfernung zwischen 4 r und 4 1 ungefähr gleich einem Viertel, 
die zwischen 1 r und 1 1 ungefähr gleich einem Achtel des ganzen 
Körperumfangs. Die Entfernungen zwischen 1 r und 2 r, 2 r und 3 r 
sowie 3 r und 4 r (bez. 1.) sind am ganzen Hinterkörper gleich groß. 
In der Nähe des Gürtels nähern sich die zusammen gehörigen Borsten- 
linien 1 r und 2 r sowie auch 3 r und 4 r (bez. 1.). Diese Annäherung 
ist jedoch bei weitem nicht so stark wie Lankerster es von Acantho- 
drilus kerguelensis beschreibt und abbildet (12* pg. 266 u. Eig. 2). 
Gegen den Kopf zu entfernen sie sich wieder von einander, ohne jedoch 
ganz die Stellung zu erreichen, die sie am Hinterkörper einnehmen. 
Die Ausmündungsstellen der Segmentalorgane liegen etwas ventrahvärts 
von den Borstenlinien 3 r und 3 1. Rückenporen habe ich nicht er- 
kennen können. 

Der Gürtel nimmt die beiden hinteren Ringel des XIIL Segments 
das XIV., XV. und XVL Segment in Anspruch, die beiden letzten mit 
Ausnahme eines dreieckigen, ventralen Eeldes, welches kciliVirmig von 

12* „An account of the petrolni;'.. liufnnic. and zooldg. (•(ilicciiiiiis uiade in 
Kerguelen a. Ilddriqucz, diu-, tlie tiansit ot' tlie Venus exped. E. Kay Lan- 
kester: Terrestrial Aniiclida;" in: IMiilns. Tfaiisaft. I\(iy. Soc. I.ondoii. 
V. 168; 1879. 

17 



70 Dr. W. Michaelsen. 

Linteii in den Gürtel einspringt. Der Gürtel ist einf^esunken niid in- 
folgedessen der Körperumfang an dieser Stelle geringer als an den 
benachbarten. Die Segraentgrenzen sind am (iiirtel nicht /.u erkennen. 
die Borsten jedoch, sowie die Flecke, die die Ausmün düngen der 
Segmentalorgane markieren, geben einen sicheren Anhalt i'ür die 
Zählung der Giirtelsegmente. 

Zwei Paar dicker Papillen auf den Borstenlinien 2 r und 'i 1 
tragen die Öffnungen der Samenleiter. Andere Geschlechtsöffnungen 
sind äuüei'lich nicht erkennbar. Im X. Segment Hegen auf den Borsten- 
linien 2 r und 2 1 in der Regel 2 gi'oüe Papillen, deren Bedeutung 
weiter unten ])esprochen werden soll. 

Die Borsten sind gerade gestreckt bis S-iTirmig geschweift, 
ziendich stumjjf, in der Mitte verdickt. Trotzdem die Kntternungen 
zwischen den Borsten 1. 2 inid o tiist gleich sind, besteht doch eine 
engere Beziehung zwischen den Borsten 1 und 2 bez. ■'> und I als 
zwischen den Borsten 2 und :!. An Querschnitten erkennt man, daß 
die inneren Enden der Pxn-sten 1 und 2 be/. ?> und 4 einander ge- 
nähert und durch JMuskeln verbunden sind, so daü num nicht eigentlich 
von 8 getremiten Borsten reden kann. Es sind in der 'I'hat 4 Borsten- 
paare, aber die 1)eiden Borsten eines jedi'U Paares sind dui'ch dazwischen 
getretene Längsmuskeln auseinander gedrängt. 

Der Darm besitzt im V. Segment eine nach hinten gerichtete 
dorsale Tasche. Dicke Drüsenmassen undagern dieselbe sowie die be- 
nachbarten Darmpartien und zahlreiche Muskeln gehen von d.er Tasche 
durch jene Drüsennnissen hindurch zur Leibeswand. 

Für Hoden halte ich Wucherungen der Dissepinu'ute IX. /X. 
und X./XI. Verschieden weit ausgebildete Spermatozoen hnden sich 
in birnförmigen , von einer feiner Membran (Peritoneum?) umhüllten 
Säcken, die einen groüen Teil der Leibeshcihle imX., XI. und XII. Segment 
ausfüllen (Samensäcke?). Als Ovarien nelnne ich paarige Wucherungen 
des Dissepiments XILXIII in Ans])ruch. Diese Wucherungen, die in 
das XIII. Segment hineinhängen, geben auf Schnitten perlschnurartige 
Bilder, da die reifen luzellen die übrigen Zellen an (Jrölie übertreffen. 

Wie l)ei allen Acanthodrilen sind auch bei A. georgianus 2 Paar 
Samenleiter vorhanden. Die zierlich geformten Samentrichter liegen 
paarweise in den Segmenten X und XI. Von hier aus gehen die hingen, 
engen Samenleiter eng an die Leibeswand angelegt nach hinten bis in 
die Segmente XVII und XIX. wo sie dui'ch die oben erwähnten Papillen 
in den Borstenlinien 2 r und 2 1 nach aufien münden. Die Ausniündungs- 
enden der Samenleiter sind stark verdickt und von mächtigen, lappigen 
Prostata-Drüsen besetzt. Dicht neben den Samenleiteröfthungen treten 

18 



Die Oligochaeten von Süd-Georgien. 71 

auch dieGeuitalborsteu aus dem Körper heraus. r)iesell)eu rulieu iu laugeu, 
dickeu, weit iu die Leibeshöhle liiueiuhäugeudeu, muskulöseu Säckeu. 
Die Genitalborsteu siud schlank, vorne scharf zugespitzt und verdicken sich 
nach hinten gleichmäfsig. Sie sind iu der Regel leicht gebogen und das 
äußere Ende ist meistens iu einem stumpfen Winkel umgeknickt. Weuige 
kurze, dicke Zähne sitzen dem äußeren Eude auf. Die Genitalborsteu siud 
bei sämtlichen Exemplaren vollkommen in den Körper zurückgezogen. In 
dem Gcuitalborstensack, den ich aus dem einen Tier herauspräparierte, 
waren die Borston nur zum Teil fertig gebildet. Neben den ausgebildeten 
war iu ihm eine ganze Reihe noch in der Entwicklung begriffener Borsten 
vorhanden. Fig. 4 c ist die genaue Wiedergabe eines aus dem Genital- 
borstensack herausgezupften Lappens. In demselben liegen die Borsten 
nach dem Eutwicklungsstadium geordnet neben einander. Es bildet 
sich nicht zuerst die Spitze der Borste, sondern die innere Partie 
eines weiter nach unten gelegenen Borstenstückes. Die junge Borste 
vergrößert sich nach allen Richtungen hin, besonders stark natürlich 
an den Endeu. Erst nachdem die Borste eine gewisse Größe erreicht 
hat, beschränkt sich die Bildung mehr auf das innere Eude. In Fig. 4 c 
hat erst die älteste I'orste eine fertig gebildete S})itze. Der größte 
Teil der l)orste ist noch unfertig, wie nmn daran erkeuueu kami, daß 
sich erst ein einziges Zälmcheu (und zwar auch noch nicht vollständig) 
gel)ildet hat. Es arbeitet hier eine ganze Reihe von Zellen an der 
Bildung eiuer Borste. 

A. georgiauus besitzt 2 Eileiter. In dem XIII. Segmeut liegt 
jederseits ein lang gestreckter, pantoffelförmiger Flimmertrichter, der 
die reifen Eier aufzufangen hat. Diese Trichter gehen in kurze, dicke 
Kanäle ül)er. die das Dissepiment XIII durchbohren, sich nach unten 
umbiegen und dann diclit hinter der Intersegmentalfurche XIII. /XIV. 
in den Borsteidiuien 1 r und 1 1 nach außen führen. 

2 Paar Sanientaschen liegeu in den Segmenten YIII und IX. 
und uiiiudeu iu den lutcn-segnuaitallürcheu VII/VIII und VIII/IX auf 
den Borstenlinien 2 r und 2 1 nach außen. Sie sind groß, birnfcirmig 
und iu ihre Ausführungsgänge mündet je ein Paar kleiner, ebenfalls 
birnförmiger Divertikel ein. 

Es ist noch die Bedeutung der dicken Papillen zu erörtern, die 
ich bei einigen Tieren im X. Segment faud. (^)uerschuitte durch diese 
Papillen zeigen, daß sich die Hvpodermis auf der Kuppe derselben zu 
einem eigenartigen Organ umgewandelt hat. Ein aiiga])felf()rniiger, 
hellerer, aus langen, spindelförmigen Zellen zusammengesetzter Körper, 
von dem sich die benachbarten, nornnd gebildeten Hypodermiszellen 
scharf absetzen, liegt zwischen Cuticula und Riugmuskelschicht (Fig. 4d). 

19 



72 r>i'- W. Miehaelsen. 

Von allen Seiten treten helle Faserbündel in die Basis des Körpers 
ein und verteilen sieh in demselben. Die Faserbündel halte ich für 
Nerven. Avenngleieh ich ihren Zusanimenliang mit dem Centralnerven- 
system nicht nachweisen konnte. Dieser Körper ist Avohl ein Sinnes- 
organ, Avahrscheinlich ein Tast- oder Wollust-Organ. 
Acautiiodiiius Vou dem Acauthodrilus (Lund)ricus Gr.) Kerguelarum (ir. (io*), 

larum Gr. dem ein/igen Acanthodrilen, dt'u icli nel)en A. georgianns untersuchen 
konnte (14*), unterscheidet sich der letztgenannte schon durch die 
Form des Kopflai)i)eus. Die obige Beschreibung des Kopflai)pens von 
A. georgianus ist allerdings nach dem Fxemijlar gemacht, das mir am 
schwächsten kontrahiert zu sein schien und infolgedessen den längsten 
und schmälsten Koi)flappenstreifen besaü. Bei anderen E.Kemplaren 
ist das dorsale Kopflai)peustück etwas kürzer und breiter, nimmt aber 
nie die Dimensionen an die das dorsale Kopfhippenstück des A. Ker- 
guelarum (Fig. 5) besitzt. 



13* Grube: „Annelidenaasbeute v. S. M. S. Gazelle." a. d.: Monatsber. : d. 

Kiiiugl. Akad. d. Wissenschaft, zu J5crlin IS77. 
14* Ich trlaulie mir. Herrn VnA'. Midiius für die freundliche üebersendunfj: 

eines A. Kerguelarum Gr. auch an dieser Stelle meinen Dank auszusprechen. 

20 



Fifi'uren - Erkliirunfr. 73 



Figuren - Erklärung. 



Fig. 1. Pacliydrilus maximus nov. spec. 

a. Lymplikörperchen (in Pikro-Karmin gefärbt). 

b. Gehirn. 

c. Querschnitt durch die Bauchstrang- Wucherung. 

d. Segmentalorgan, 

e. Samentasche. 

Fig. 2. Pachydrilus germanicus Mich. 

a. Lymphkörperchen. 

b. Gehirn. 

c. Querschnitt durch die Bauchstrang-Wucherung. 

d. Segmentalorgan. 

e. Samentasche. 

f. Längsschnitt durch ein Hoden-Teilstiick. 
Fig. 3. Pachydrilus nervosus Eisen. 

Querschnitt durch die Bauchstrang- Wuclierung. 

Fig. 4. Acanthodrilus georgianus nov. spec. 
a. Kopfende von oben gesehen. 
h. Genitalborste. 

c. Lappen aus dem Genitalborstensack mit Genitalborsten in ver- 
schiedenen Entwicklungsstadien. 

d. Längsschnitt durch ein augapfelförmiges Organ. 
Fig. 5. Acanthodrilus Kerguelarum Gr. 

Kopfende von oben gesehen. 
Fig. 6. Enchytraeus monochaetus nov. spec. 

a. Gehirn. 

b. Segmentalorgan. 

c. Samentasche. 

Fig. 7. Pachydrilus georgianus nov. spec. 

a. Gehirn. 

b. Samentasche. 



21 



Fi/j. /' 



Midiaelseii, Oligodiaeteii von Süd- Georgien. 

Zum Bc'iirlit üliw das XaUirlüslorLsdie Museum zu Hamburg füi' 




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Jalirliuili der llnmliur(i.\visscus(li..\iisl;illpil V. 1SS8. 



.MifkioLsfii Üliyochai'loii von Süd üeorcjioii. 

Zum l]md\[ üIht das Xalidusloiisdie Miisouni zii Hainlmiif Rir 1887. 
7-}//. .3. 



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Jalu'buch der lIaiiümi'((A\issensch.AiistalU'n V. ISSS. 



Die 

Krebse von Süd - Greorgien 

nach der Ausheute 
der Deutschen Station 1882-83. 



2. Teil. Die Amphipoden. 



Von 

Dr. Georg Pfeffer, 



Mit 3 Tafeln Abbildungen. 



Allorchestes georgianus nov. spec. (Taf. r, Fig. i a— n.) 

Der Kopf ist ein weniges länger als hoch; die Breite übersteigt Aiiorchestes 
die Länge etwas. Der Vorderrand des Kopfes ist in der Mitte zu geo»"gianiis. 
einer ganz schwachen, zwischen die Wurzeln der oberen Fühler ein- 
dringenden Sj)itze ausgezogen. Die oberen Fühlerwurzeln liegen in 
einer etwa ' :, Kreisbogen gleichkommenden Ausbuchtung des Vorder- 
randes; das untere Ende der Ausbuchtung reicht weiter nach vorne, 
als das obere, und setzt sich in den ziendich kräftigen, sich allmählich 
erhebenden, stumpf zugerundeten Backen-Lappen fort, welcher die 
obere Hälfte des Grundgliedes der unteren Fühler von außen bedeckt; 
außerhalb der unteren Hälfte des Grundgliedes zieht sich der Vorder- 
rand des Kopfes wieder etwas zurück, jedoch nicht bis zum Niveau 
des Stirnschnabels, um dann amiäliernd rechtwinklig in den Unterrand 
des Kopfes überzugelien. Das Auge ist wohl entwickelt; es liegt dicht 
hinter der Ausbuchtung am (irunde der großen Fühler. 

Der Eücken ist überall wohl gerundet. Die Dorsal-Linie der 
einzelnen Ringe ist im allgemeinen ziemlich schwach konvex; auf dem 
letzten Mittelleibs-Ringe beginnend, auf dem Nachleibe stärker werdend, 
tindet sich in der Mitte jedes Ringes eine schwache Einsattelung. 

Die unteren vorderen Ecken der Ringe sind nicht ausgebildet, 
sondern hier weicht der Kontur im Bogen zurück, um dann in den 
Bauchrand des Segmentes überzugehen; am 1. Ring ist der Bogen 
flacher als am 2., etwa gleich dem am H., der sich annähernd so wie 
der 4. verhält; die Ventralkanten der Ringe sind etwas geschwungen. 
An den drei folgenden Ringen stoßen Ventralrand des Ringes und 
Oberrand des Epimers in grader Linie zusammen; am 5. verläuft diese 
Kante parallel der Dorsalkante des Ringes, am folgenden neigt sie 
sich, wie gewöhnhch, schwach, am 7. stark nach vorn und unten. Die 
hintere untere Kante des 5. Ringes zeigt eine kräftige, die des ß. eine 
schwächere, die des 7. keine Ausziehung. 

3 7- 



78 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

Die Epimeren sind, wie in der Gattung überhaupt, ziemlich- 
hoch ; die Höhe einer jeden ist etwa um »/:, mehr , als die des 
entsprechenden Ringes. Bei den älteren Tieren findet sich am Ventral- 
rande des 3., 3. und 4. Epimers ein kerbartiger Einschnitt, der bei 
den verschiedenen Individuen nicht ganz, aber doch annähernd an 
derselben Stelle sich befindet. Von den vier großen Epimeren ist das 
?). das höchste, dann folgt das 4. und 3.; das 1. ist das niedrigste. 
Das 1 . ist dreieckig spateiförmig und reicht nach vorn bis an das 
Niveau des Auges; sein Vorderrand ist schwach konkav geschwungen, 
die vordere Ecke zugerundet, der Unterrand konvex. Die von den 
folgenden Epimeren überdeckten Hinterränder des 'I. und 3. Epimers 
sind grade, senkrecht, der des 4. konvex geschwungen. Der Vorder- 
rand des 2. bis 4. Epimers ist geschwunden und geht gerundet in den 
Unterrand über; beim 4. Epimer ist eigentlich kein Unterrand vor- 
handen, sondern Vorderrand und Hinterrand neigen sich nllmählich 
gegen einander und gehen zugerundet in einander ül)er. 

Die ersten drei N a c h 1 e i b s - S e g m e n t e haben charakteristisch 
gebildete epimeriale Lappen, die jedoch nicht sehr hoch sind, sodaß der 
sonst bei Amphipoden auftretende ganz ungeheure Höhenunterschied 
zwischen den letzten Mittelleil)s- und ersten Nachleibsringen hier nicht 
auftritt. Der Winkel, in dem sich der Hinterrand des epimerialen 
Lappens von dem des Segmentes absetzt, ist beim 1. Segment kaum 
angedeutet, ])eim 3. a;anz schwach, beim 3. merklich, jedoch sehr 
stumpf, sodaß sich der dorsale Teil des Segmentes nur schwach kappen- 
förmig über das folgende Segment hinweg legt. Der Vorderrand des 
Lappens am 1 . Segment weicht stark zurück, bei den beiden folgenden 
verläuft er i)arallel dem Hinterrande. Der Unterrand ist beim 1. ganz 
kurz und auüei-ordentlich stark geschwungen; bei den beiden folgenden 
länger und schwach konvex. Der liinterrand geht beim 1. Segment 
allmählich in den Unterrand über; bei den beiden folgenden findet sich 
an der Grenze beider Ränder eine etwa rechtwinklige, ein wenig aus- 
gezogene Ecke. 

Das Telson ist kurz und dick; es ist bis auf den Grund ge- 
spalten; die Spaltäste stehen weit aus einander, sind fast doppelt so 
lang wie l)reit, proximal und außen abgeschrägt, sodaß sie in einer 
schräg stehenden Spitze endigen. 

Die oberen Antennen überragen den Stiel der unteren um die 
Länge des 5. Stammgliedes der unteren. Die olieren sind so lang, Avie 
Kopf plus erstes Segment, die unteren etwas länger, als Kopf plus die 
ersten beiden Segmente. Die drei Stammglieder der oberen Antennen 
nehmen ein wenig an Jjänge und ziendich kräftig an Breite ab. Die 

4 



Pfeffer, Krebse vou Süd-Georgien. 79 

einzelnen Geißelglieder sind trapezisch, die proximalen breiter als lang, 
das *J. ebenso' Ijreit Avie lang, die distalen schmaler als lang, die 
äußersten lang zylindrisch. Durch die trapezische Form der einzelnen 
Glieder erscheint die Geißel kräftig gesägt; sie hat etwa 17 Glieder. 

Das 1. Glied der unteren Antennen ist, wie gewöhnlich, 
nur auf der Außenseite, und zwar als eine unregelmäßig rundliche 
Platte entwickelt. Das '2. (ilied ist ein ziemhch schmaler, vollständig 
herumlaufender Eing, der sich oberhalb des 1. Gliedes etwas mehr 
entwickelt und dort als schmale, das 1 . Glied oben überlagernde und 
mit ihm zugleich distal abschließende Platte zu Tage tritt. Das 
o. Glied ist zylindrisch, etwa so lang, wie das 1 . oder tl. ; das 4, ist 
etwas länger als die vorangehenden zusammen; sein Innenrand ist mit 
einigen kräftigen Sägezacken versehen ; der 5. Ring ist ein wenig länger 
und schmäler, gleichfalls mit gesägtem Innenrande. Die Geißel besteht 
aus etwa 18 Gliedern, deren trapezische Gestalt der Geißel scharf 
gesägte li ander giel)t. Das 1 . Geißelglied ist fast doppelt so lang, wie 
die folgenden, die folgenden sechs sind breiter als hoch, das 7. von 
gleicher Höhe und Breite, die folgenden an Höhe gegen die Breite 
zunehmend; die äußersten sind schlank zyhndrisch. Der distale obere Eand 
sämtlicher Glieder, ebenso wie die Sägezacken der Stammglieder sind 
mit steifen, im letzten Falle zu Bündeln zusammen tretenden Haaren 
besetzt. Außerdem zeigt jedes Geißelglied am distalen unteren Rande 
ein dichtes Büschel langer Haare von mäßiger Steifheit. 

Das Epistom ist etwa dreieckig, eni wenig länger als breit; 
die zugerundete Spitze liegt nach hinten; der ^'orderrand ist abgestutzt, 
die Mitte schwach und stumpf herzförmig eingekerbt, an der vorderen 
seitlichen Kante schräg abgestutzt. — Die Oberlippe ist im allgemeinen 
trapezisch, etwas breiter als lang, die hinteren Ecken abgeschrägt, die 
Vorderkante und die vorderen Ecken etwas zugerundet. Der seitliche 
Rand ist nach hinten stark chitinisiert, nach vorn, ebenso an den 
seitlichen Ecken, mit einem dichten Kamm kurzer Haare berandet, die 
nach der Mitte der Vorderkante zu immer kleiner werden. 

Die Spitze der Oberkiefer zeigt eine Reihe von drei kräftigen 
Zähnen, welche sich in eine nach innen herundaufende Reihe von 
kleinen Zähnchen fortsetzt. Nach iniuMi und i)i'oximal von dieser 
Schneide findet sich die andere, annäliernd frei bandförmig entwickelte 
Innenschneide mit etwa fünf kurzen Zähnen. Beide Schneiden sind 
braun chitimsiert. Proximal von der Innenschneide zeigt der Innenrand 
einige wenige lange Fiederhaare. Der Molarfortsatz hat eine schmal 
elliptische Endfläche; der Rand ist gelb chitinisiert und mit den 
übhchen feinen Zähnchen versehen. Der iinierste proxinuüe Rand des 

5 



30 Pfeffer, Krelise vou Süd-Geurgieu. 

Molarfortsatzes zieht sich als scharfe Leiste nach außen und clistalwärts 
auf den Stammteil des Kiefers herum und ragt in der aboralen Aufsicht 
als Zahn hervor. Die Innenschneide des rechten Kiefers ist etwas 
schwächer und zeigt etwas längere, aber unregelmäßige Zähne. 

Die Außenlade des 1. Unterkiefers zeigt an ihrem Ende etwa 
fünf starke gelbe Stacheln, welche einseitig mit einem Kamm starker 
dicker Fiederzähne versehen sind. Auf dem am tiefsten und am 
meisten einwärts gelegenen Teile der Distalkante sind in ähnlicher 
Weise vier zartere hyaline Stacheln mit sehr feiner einseitiger Fiederung 
von kammzahnartigen Elementen. Die Iiinenlade ist klein und schmal, 
sich distal verjüngend, mit gradem Außenrande, etwas gebogenem, 
schwach behaarten Innenrande und an seinem Ende mit zwei langen 
gefiederten Haaren, die sich von der Lade mit deutlichem Gelenk 
absetzen. Der Taster ist ganz schlank biscnitförmig, Avodurch 
anscheinend sein Bestehen aus zwei Gliedern angedeutet wird ; am 
Ende trägt er einige schwache Haarbildungen und eine lange Borste. 

An den Unterkiefern des zweiten Paares zeigt der nicht- 
ladenförmige Teil des 1. (iliedes einen im Bogen nach vorn und innen 
verlaufenden Kontur, Die Lmenlade ist halbeiförmig, mit gebogenem 
Innen- und gradem Außenrande. Die distale Hälfte des Innenrandes 
trägt eine große Anzahl gekämmter Dornen, deren jjroximaler größer 
ist, als die übrigen. Der mittlere Teil des Innenrandes trägt ganz 
schwache Haare. Die Außenlade überragt die innere an Länge ein 
wenig, ist schmaler, mit annähernd parallelen, schwach behaarten 
Rändern; das Apikal-Ende trägt eine große Anzahl nicht gefiederter 
Stachelborsten, die dünner und fast so lang sind wie die der Innenlade. 

Der hintere Kontur der Grundplatte der Kieferfüße stellt 
einen Bogen von dem Umfange eines drittel Kreises dar; von da an 
wenden sich die Kanten plötzlich in der Richtung der kleinen Axe 
nach innen und biegen dann rechtwinklig nach vorn al). Die ganze 
Platte ist ein wenig länger als breit. Der Vorderrand ist, wie 
gewöhnlich, nur an den Seiten entwickelt, indem sich das 1 . Glied der 
Gliedmaaße innen weit in die Grundplatte hineinschiebt. Das 1. Glied 
ist, wie gewöhnlich, halbherzförmig. 

Die Innenlade reicht nicht ganz so weit nach vorn, wie der 
Außenrand des o. Gliedes; die Ränder sind annähernd parallel; am 
Distalrande zeigt sie eine Bewehrung mit einigen dicken, kurzen Zähnen 
und einer Anzahl von Borsten, die auf der konvexen Seite oder auf 
beiden Seiten gekämmt sind; der an der Innenecke stehende Zahn ist 
kurz; die übrigen Stacheln des Distalrandes nehmen nach außen an 
Länge zu, dagegen ctn Dicke und Festigkeit ab. Der oralwärts ein- 

6 



PfeS'er, Krebse vou Süd-Geoi-gieü. 81 

geschlagene vordere Teil des Iimeiiraiides trägt lauge, schlaffe Fieder- 
liaare; der vorderste Teil der Außenkante hat einige Avenige Haare. 
Das 2. Glied sitzt mit ziemlich breiter Basis dem Distalende des 
1. Gliedes auf, nui* von den Ecken überragt; sein Außenrand ist etwa 
doppelt so lang, Avie der des I . Gliedes ; es verbreitert sich distal 
ziemhch kräftig. Die Außenlade ist bedeutend entwickelt; ihre Spitze 
reicht distalwärts über die proximalen zwei Drittel des -4. Gliedes 
hinaus; ihr Innenrand ist fast doppelt so lang, als der äußere, der 
freie distale Lappen ist annähernd elliptisch. Der äußerste Teil des 
Außenrandes und die distale Hälfte des Innenrandes trägt kleine 
Borstenstifte, die nur zum kleinen Teile über den Ladenrand hervorragen, 
sondern in der Hauptsache innerhalb der Lade zwischen den Chitin- 
lamellen verlaufen. Da, wo der freie Lappen der Lade sich von dem 
proximalen Teile absetzt, steht am Rande und auf dem daneben 
liegenden Theile der Aboraltiäche eine schräg nach außen und distalwärts 
ziehende Reihe langer Borsten. - - Der inneren Hälfte des freien Distal- 
randes des ;2. Gliedes aufsitzend schließt sich der sehr viel schmalere 
tasterartige Teil der Gliedmaße an. Der Innenrand des 3. Gliedes ist 
etwa so lang, wie der Außenrand des ersten, sein Außenrand dagegen 
doppelt so lang, so daß der Distalrand sehr schräg nach außen 
gewandt ist; die innere distale Ecke ist schwach lappenförmig entwickelt. 
Der Innenrand des 4. Gliedes ist fast so lang, wie der Außenrand des 
3., der Außenraud um ein Drittel kürzer; der Distalrand ist quer, 
die distale innere Ecke in einen gerundet-dreieckigen, nach innen und 
distalwärts ragenden, deuthchen Lappen ausgezogen. Das vorletzte 
Glied ist annähernd so lang, Avie der Innenrand des 4., von halber 
Breite des 4., mit deutlichem vorderen inneren Lappen, - — Das Endglied 
erreicht etwa drei Viertel der Länge des vorletzten, ist noch nicht halb so 
breit Avie dieses, distal sich zuspitzend und hier mit einer hyalinen 
Kralle versehen, — Die Außen- und Innenecke der Distalkante der 
Glieder zeigen Haarbüschel; außerdem noch die ganze Distalkante des 
5. und 6. und der Innenrand des (i, und 7, Gliedes. 

Die beiden ersten Beinpaare des Mittelleibes haben 
Greif bände, die am '2. Paare ganz außerordentlich viel stärker ent- 
Avickelt shul; das Handglied ist fast zwei ein halb nuxl so lang und 
fast drei mal so breit ^yie das des 1. Paares. Das 2. Glied des 
1, Paares verbreitert sich distal kräftig; das 3. ist kürzer und trägt 
am Außeiu'ande einen kleinen, al)er ganz scharfen, halbkreisförmigen 
Ausschnitt; das 4. ist etAvas länger, sein Innenrand lang, sein x\.ußen- 
rand kurz, sein Distalrand in der aboralen Mitte stumpfzähnig aus- 
gezogen. Das 5. Glied ist an seinem Außenrande etwa so lang, wie 

7 



82 Pfeffer, Krelise von Süd-Georgien. 

der limenrand des 4., die Distalkaiite so lang wie die äußere. Das 
ganze Glied ist (wenn es geliürig zur G(dtiuig kommt, was auf der 
Zcielniuug Taf. 1 , Fig. 1 d nicht ganz der Fall ist) von etwa anderthalb- 
facher Größe des 4. Gliedes. Das 4. und 5. Glied zusammen machen 
etwa zwei Drittel von der Größe des Handgliedes aus. Dies hat einen 
schwach gebogenen Aulienrand und einen graden Innenrand; der grade 
Distalrand stößt mit iinn in einer stumpf gerundeten Ecke zusammen. 
Die Länge des Ghedes ist etwa gleich der des 8,, 4. und 5. zusammen 
genommen, die Breite gleich zwei Dritteln der Länge. Das Endglied 
reicht mit der stärker eingebogenen chitinigen Spitze etwas id)er den 
Anfang des Innenrandes hinweg. Die Haarbildungen der Gliedmaße 
sind schwach, doch an den charakteristischen Stellen ausgej)rägt. Der 
Innen- und Distalrand des Handgliedes ist mit gewöhnlichen Borsten 
versehen; an der Stelle, gegen welche sich die Sjjitze des Klauen- 
gliedes einschlägt, steht dicht neben dem Kande jederzeit je ein 
spitziger Stachel. 

Das 2. Glied der 2. Gliedmaße ist lang uiul kräftig, die dj'ei 
folgenden dagegen schwach und klein; das dritte ist ziemlich schmal, 
das folgende scheinbar distal verbreitert; in Wirklichkeit ist jedoch 
die scheinbare Distalkante des Gliedes der vordere Teil der Innenkante, 
der sich von dem hinteren Teile derselben so scharf absetzt, daß das 
Glied hier in eine dreieckige Spitze ausgezogen ist; der vordere 
Teil der Innenkante legt sich gegen das proximale Stück der Innenkante 
des Handgliedes. Außenkante und Distalkante des 4. Gliedes liegen 
in gleicher Flucht; die Außenkante ist kaum angedeutet. Das 5. Ghed 
ist ganz kurz, dreieckig, mit wenig angedeutetem Innenrande. Das 
Handglied ist schlank herzförmig; die Außenkante bildet die eine, die 
Distalkante die andere Seite der Herzfigur, die Si^itze liegt am Ursprung 
des Klauengliedes. Das wesentlichste Merkmal des Handgliedes ist, 
daß der Innenrand sich halljkreisförmig herumwöll)t und gegen den 
Innenrand des '). und 4. Ghedes legt. Das Handgiied ist so lang, wie 
das 2., ))., 4. und ö. Glied zusammen genonnnen; die Breite ist gleich 
vier Fünfteln der Länge. Die Haarbddung auf der Gliedmaße ist eine 
ganz schwache; an den üblichen Stellen stehen nur vereinzelte Hudimente; 
der Innen- und Distalrand des Handgliedes dagegen trägt zwei dichte 
Reihen von Borsten, die an dem proximalen Teile des Innenrande deut- 
licher zu Büscheln zusammen treten; am Ursprung dieser Büschel findet 
sich stets eine schwache Einkerbung des Randes. Stachelbildungen sind 
nicht vorhanden. Zwischen die beiden Borstenreihen schlägt sich das 
Klauenglied der Ghednuiße ehi. Dies ist stark eingebogen; es führt 
am Innenrande ganz kleine, hyaline Borstenstifte. 

8 



Pfeffer, Krebse von Süil-Georüien. 83 

Das o. und 4. IJeinpaar ist gleich gebildet, etwas dünner und 
nicht so borstig, wie die drei folgenden. Das ;2. (ilicd ist ziemlich 
kräftig, das o. dünner und kürzer, das 1. lang, mit einer dreieckigen 
Ausziehung am Distah-ande; das 'i. wieder viel kürzer und scliAväclier, 
mit einer ähnlichen aber schwäclieren Ausziehung; das (>. schlank und 
fast so lang wie das 1.; das Klauenglied kräftig und gel)Ogen. Die 
Behaarung ist ziendich schwach; das 4. zeigt auf der (nach vorn 
gerichteten) Aufienkante, das 5. auf der Innenkante einige ^ausschnitte, 
die Haarbüschel tragen. 

Das 5., (i. und 7. Bein paar ist einheitlich gebildet, kräftig, 
stark behaart, an ijänge etwas, jedoch nicht bedeutend, zunehmend. 
Die Epimeren der beiden ersten setzen sich mit scharfem Einschnitt 
als rundliche Lappen ab; das 7. Paar zeigt keine e})imeriale Abgiiederung, 
sondern das I.Glied ist eine gleichmäßig halbkreisförmige Platte. — 
Die '2. Glieder sind kräftig, nach hinten mit einer großen halb-blatt- 
förmigen Verbreiterung versehen; dieselbe setzt sich beim 5. Paare 
durch einen schwachen Kerbschnitt. l)eim (>. durchaus nicht, beim 7. 
mit einer sehr kräftigen Auskerbung vom Distalrande des Gliedes ab. 
Die 2. Glieder sind etwa von der Ausdehnung des Epimers der "2. oder 
o. Gliedmaße, etwa so hoch wie breit. Der Hinterrand ist bei allen 
Exemplaren ab und zu eingeschnitten, gleich wie die vorderen Epimeren. 
— Die n. Glieder sind klein. — Die 4. Glieder sind kräftig, an der 
Außen- und Innenkante stark gesägt und mit kräftigen Haarbüscheln 
versehen, die Außenspitze des Distalendes ist etwas ausgezogen. — Die 
ö. Glieder sind schwächer und kürzer, mit distaler Ausziehung, jedoch 
nur an der Innenkante und an der Spitze der Ausziehung mit Haar- 
büscheln versehen. — Die (5. Glieder sind lang und schlank, in gleicher 
Weise wie die fünften Glieder behaart. — Die Klauen sind ein wenig 
stärker als bei den beiden voraufgelienden Gliedmaßen. 

Die Nek top öden haben ein sehr kurzes Grundghed und ein 
sehr langes Hauptglied des Stammes; die Geißeln sind etwa doppelt 
so lang, als das 2. Stammglied, die innere ganz wenig länger, platt, 
schmal. Die Einkerbungen am Rande des proximalen Teiles sind 
ziemlich undeutlich und nahe bei einander stehend, die des distalen 
Teiles schärfer uinl weiter von einander entfernt : es sind etwa 
1 S Kerbglieder vorhaiiden und ein ungekerl)ter })roxinuiler Teil, der an 
Länge etwa einem Drittel des 2. Stammgliedes gleichkommt. Die 
Schwimmhaare sind länger als der (bitte Teil der Geißellänge. 

Die Haitopoden nelnnen an Länge stark ab. Das Stammglied 
des I.Paares ist etwa so lang, wie das 5. Glied des 7 . Beinpaares ; 
das des 2. Paares ist halb so lang, untl das des o. Paares erreicht 

9 



84 Pfeffer, Kreljse von 8üd-Georgieu 

noch nicht die lialhe Länge des hetreffenden GHedes der 2. Haltoj)oden. 
Der Außenast jeder Ghedniaße ist länger als der Inneiiast; heide Aste 
sind an der hinteren Kante mit einigen einzelnen Stacheln und am 
Ende mit mehreren, nämhch '2 oder ?>, dicht bei einander stehenden 
größeren Stacheln versehen. Am 3. Paare ist der Außenast ver- 
schwunden, 

(iröße des ausgestreckten Tieres 1(),5 nun. 
Ziemlich viel Stücke, „Tiefe Ebbe, grau-grün, unter Steinen." 
Bei den jungen Stücken sind die Glieder der AntenncngeißeJn 
in ganz geringer Zahl ausgebildet und unterscheiden sich in ihrer Aus- 
))ildung kaum von den Stammgliedern; ferner überragen die oberen 
Antennen den Stiel der untei'en kaum, sodaß dies Jugendstadium auf 
diese Weise den wichtigsten Charakter der Gattung Orchestia aufweist. 

Metopa Sarsii nov. spcc. (Taf. ii, Fig. 3, b und T^r. ni, Fig. 2.) 

Metopa J )ie allgemeine CJestalt schließt sich durchaus an die der nordischen 

Meto})a- und Montagua-Arten an. Skulptur ist nicht vorhanden; ebenso 
sind die Mittelleibs -Segmente durchaus nicht ausgezeichnet. Die 
Hinterränder der Segmente richten sich ein ganz wenig nach hinten; 
die hhitere untere Ecke ist ein wenig gerundet, winklig ausgezogen. 
Die Hinterkante des 1. Nachleibs -Segmentes ist bei den vorliegenden 
Stücken nicht deutlich zu sehen; die der beiden folgenden Segmente 
ist blattförmig ausgezogen, mit hinterer Spitze. 

Das Telson ist lanzettlich, mit querem, in der Mittellinie etwas 
eingekerbtem Grunde; es ist dick, seine Seitenränder schehien etliche 
Stachelzähne zu haben. 

Die Stirn sjjriugt in der Mittellinie mit einem stumpfen Wiid^el 
zwischen die Basis der oberen Eülder. Der Ausschnitt für die letzteren 
ist kräftig; der Backenlappen wölbt sich sehr kräftig nach vorn und 
biegt dann in gerundetem rechten Winkel nach hinten und etwas nach 
unten um. Die Augen hatten bei allen drei Stücken ihr Pigment ver- 
loren; sie sind kreisrund, so hoch Avie die Dicke der Grundglieder der 
oberen Eühler. 

Das 1. Glied der oberen Fühler ist länger und l)esonders 
nach der Basis zu viel dicker als das ;2.; das >\. Glied ist wiederum 
viel dünner und erreiclit noch nicht die Hälfte der Länge des 2. Gliedes. 
Die Geißelgheder schließen sich in ihrem Hal)itus durchaus an das 
letzte Glied des Stammes an; sie nehmen nach der Sjjitze zu an Länge 
etwas zu und an Breite ab ; das 1 . ist ein wenig länger als breit, das 
2. doppelt so lang als breit und so fort; die späteren werden stab- 
förniig, die allerletzten wieder kürzer als die voraufgehenden. Es sind 

10 



Pfeffer, Ki-ebse von Süd-Georgien. 85 

12 Geißelglieder vorliandcii. Am )l. Staninigliedo und au der Spitze 
der Geißel üiideu sieh viuv^e bdiwache Haarl)ihhiiii;en; sonst sind die 
Fühler kahl. 

Das 1. und -2. Ghed der unteren Fühler ist nach der 
gewöhnhchen Art gebildet; das letztere hat eine sehr kräftige, sclmppen- 
förmig vorspringende, untere distale Ecke. Das a. ist nur ganz wenig 
länger als das 2., zylindrisch. Das 4. ist sehr lang, das 5. etwas 
Aveniger laug und etwas weniger dick. Die darauf folgende Geißel 
schließt sich, wie bei den oberen Fühlern, im Hal)itus durchaus an den 
Stamm au. Es sind \'2 Geif.ielglieder vorhanden, die alle sehr viel 
länger als breit sind; auf der oberen Fläche der Geißel und am Ende 
stehen einige vereinzelte Haarbildungeu. 

Der Oberkiefer hat einen kurzen, dreigliedrigen, am Ende 
beborsteten Taster, dessen letztes Glied sehr kurz ist. 

Die ersten Maxillen haben eine kurze Innenlade, deren 
Behaarung ich nicht erkennen kann. Die Außenlade ist von mittlerer 
Größe, wenig gebogen, von gewöhnlicher Form und zeigt am Ende fünf 
sehr lange, wenig gebogene, spitze, kräftige Stacheln und an der inneren 
Ecke einige steife Haare. Der Taster ist zweigliedrig; das 1. Glied 
kurz, das 2. lang, eiförmig. Es legt sich völlig an die Außenlade an 
und überragt deren Distalrand mit den distalen zwei Dritteln ihrer 
eigenen Lauge; jedoch reichen die großen Stacheln der Außenlade 
ebensoweit wie der Taster. Der Distalrand ist sehr kräftig und scharf 
gesägt; im Grunde jedes Eindruckes steht eine Stachelborste. 

Was ich vom zweiten Unterkiefer zu sehen vermochte, 
entsprach den gewöhnlichen Defunden. 

Das Segment der Kiefer fuße ist eine trapezische Platte, vorn 
durch eine Kante begränzt, deren beide Hälften in der Mitte in einem 
Winkel von etwa MO" zusammenstoßen. Demgemäß springt das 1. Glied 
nicht, Avie gewöhnlich, tief in das Segment ein. Die Außenkante des 
1 . Gliedes ist etwas länger als die Hälfte der luneidcante. Die Innen- 
lade ist klein, kurz rundlich, nur über zwei Fünftel des Gliedes hinweg 
reichend, am Distalende mit zwei kräftigen Borsten. Von einei- Be- 
haarung des eingeschlagenen Randes mit Fiederborsten konnte ich nichts 
sehen, obgleich das Bild recht klar war. Das 2. Glied ist sehr lang. 
Die Außenlade ist nur ausgej^rägt als die zngerundet dreieckige, etAvas 
vorspringende distale Ecke, welche am Inncni'andc drei Borsten trägt. 
Die folgenden Glieder sind etwas schmaler als das 2., die drei folgenden 
verlängern und verschmälern sich etwas; am Imien- und Vorderrande 
haben sie einige Borsten, besonders das vorletzte. Die Eudklaue ist 

11 



86 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

schlank, so lang wie das voraufiieliende Glied, an der Tnnenkante mit 
kurzen, steifen Haaren bestanden. 

Das 2. Glied der 1. Gliedniaße ist lang und sehr sehlank; das 
folgende ist kurz, der Innenrand längei-, der Aufkiurand kürzer als die 
Breite des Gliedes; das folgende Glied mit ganz kurzem AulJen- und 
langem Innenrande, die distale innere vorspringende Ecke mit einem 
Borstenbündel besetzt; der distale, ganz auf die Auüenseite gerückte 
Rand ist sehr lang; das 5. Glied ist breit, der Auüenraiul d(»i)i)elt so 
lang als der innere, an der Innen- und Vorderkante mit langen Borsten 
l)estan(h'n. Das Handglied sitzt mit breiter Basis auf und hat einen 
annähernd bogenförmigen Umriß ; der Distalrand ist mit einer lockeren 
Reihe ziemlich kurzer Borstenstifte bestanden. Die Klaue ist sehr schlank, 
mäßig gebogen, von etwas mehr als halber Längen des Handgliedes. 

Die '2. Gliedmaße ist viel länger und ki'äftiger als die 1., zeigt 
aber im übrigen durchaus entsprechende Merknude; nur ist das di'itt- 
letzte Glied im Verhältnis viel kürzer. Das Handglied verbreitert sich 
von seiner Pjasis bis an die nn"t einem kleinen, s})itzen Zahn versehene 
Innenecke des distalen Teiles des Innenrandes ; dieser ist doppelt so lang 
wie der proximale und etwas gebogen, während Innen- und Außenrand 
grade ist. Der distale Iinienrand ist mit einer lockeren Reihe von 
kurzen Borstenstacheln besetzt; die Klaue ist sehr schlank, müßig gebogen 
und reicht ül)er die äußeren drei Viertel des distalen Innenrandes. 

Für den Typus der drei folgenden Beinjiaarc schildere ich das 
4. Paar. Es hat ein ziendich schlankes 2. Glied, dem ein ganz kurzes 3. 
folgt; das 4. erreicht an Länge etwas mehr als zwei Drittel und an 
Breite etwas mehr als die Hälfte des 2. Gliedes; an der äußeren distalen 
Ecke ist es in eine kräftige, dreieckige Spitze ausgezogen. Das 4. Glied 
ist halb so lang und etwas dünner als das o., gh:'ichialls mit ausgezogener 
Ecke. Das (>. ist etwas schlanker und hat die halbe Länge des 6. ddiedes. 
Abg(^sehen von schwachen Haarbildungen sind die ni regelmäßigen Ab- 
ständen auf dem Innenrande des dritt- und vorletzten Gliedes stehenden 
kräftigen Borstenstacheln hervor zu helfen. 

Die zweiten Glieder der drei folgenden Beini)aare haben nur 
scliwache Verbreiterungen ; proximal ist die Verbreiterung etwa so 
breit wie der eigentliche Stannn des Gliedes, distal wird sie niedriger; 
das verbreiterte Glied hat im allgemeiiK^i eine schlaidv elliptische Form. 

Länge 3,1 mm. 

Es sind im ganzen 8 sehr mäßig erhaltene Stücke vorhanden, 
von denen das schlechteste zur Beschreibung der pjinzelheiten der 
(diedmaßen benutzt wurde. Eine Notiz über eines der Stücke lautet: 
Tiefe Ebbe. 

12 



Pfpffer, Krebse von Süil-Geoij^iei). 87 

Anonyx Zscliauii noo. ^pec. (Xaf. ir, Fig. i.) 

Die Gestalt ist sehr liocli gewölbt, indem die Höhe der Seg- 
mente wie der Epimeren nach der IVLitte der Körperlänge zu stark 
Avächst. Die Ringe des Älittelleibes wachsen derart, daß die letzten 
drei Ringe mehr als die doppelte Höhe des ersten Ringes haben. 

Die Hinterkanten der Mittelleibs-Ringe richten sich sehr schräg 
nach hinten; die untere hintere Ecke zieht sich an allen Segmenten 
nach hinten in einen kleinen, gerundet-dreieckigen Lappen aus. Die 
Ventralkante der ersten fünf Ringe l)ildet, wie gewöhnlich, eine grade 
Linie ; bei den folgenden Ijeiden steigt die Ventralkante nach vorn herab. 

Die drei ersten Ringe des Nachleibes entwickeln grosse epi- 
meriale Lappen; der Hinterrand des ersten setzt sich vom Hinterrande 
des Ringes in weitem Bogen ab; er ist breit blattförmig und endigt 
rundlich, mit kaum angedeuteter Hinterecke. Der Lappen des t2. Seg- 
ments setzt sich kräftiger ab ; er ist größer, noch Ijreiter blattförmig 
und hat eine rechtwinklige Hinterecke, in welcher der schwach • kon- 
vexe Unter- und Hinterrand zusannnen stoßen. Der '■^. Nachleibsring hat 
die häutig vorkommende kappenartige P^orm; sein epimerialer Lappen 
setzt sich rechtwinklig vom Segment ab und endigt gerundet recht- 
W'inklich mit gebogener Ventral- und Hinterkante. Der 4. Nachleibsring 
ist für die Art am meisten charakteristisch. Der vorderste Teil des 
Rückens hegt, wde in der Gattung gewöhnlich, zunächst in der Elucht 
des vorangehenden Segmentes, fällt dann aber plötzlich ab, um sich 
kurz darauf wieder zu erheben; diesei' Anstieg ist kielartig zusammen 
gedrückt; hier auf der höchsten H()he des Segmentes erhebt sich 
plötzlich ein Dorn, dessen Vorderkante senkrecht abfällt, w^ährend dies 
nach hinten allmählich gescliieht. und dieser Abfall allmählich in den 
des ganzen Segmentes übergeht. Der Teil hinter dem Dorn ist nicht 
zusammen gedrückt. Das ö. Nachleibs-Segment ist klein, mit rundem 
Rücken. Am ti. setzt sich der Rücken von den Seiten durch zwei 
kleine aber sehr scharfe, hochstehende Leisten ab ; zw^ischen beiden ist 
der ganze Rücken von einer Längsgrube eingenommen. Das Telson 
ist dreieckig blattförmig, durch einen Schnitt mit ])ai-allelen Wänden 
bis fast auf die Basis geteiU ; die Si)althällti'n sind schmale, etwas ver- 
j iingte, kammzahnartige Plättchen. 

Die Epimeren sind groß, wenn auch nicht ganz in dem Maße 
entwickelt, wie Ijei A. feroniatus. In (U'r Mitte der Segmentlänge 
gemessen, verhalten sich die Hcihen der Segmente zu denen der Epi- 
meren beim 1. und 2. fjist wie 1 : ;> ; beim :>. wie 1 : 1'2; lieim 4. wie 
1 : I':!. Das ]. Epimer scliieht sich stark naeh vorn ühe'r einen Teil 

18 



88 Pfeffer, Ki'ebse von JSiid-Georg'ien. 

des Kopfes hinweg ; sein Vorderrand ist etwas konkav, die vordere Ecke 
gerundet-spitzwinklig, der Ventralrand mäßig gerundet; der frei hervor- 
tretende Teil dieses Randes ist so lang, wie der des 2. und 3. Epimers 
zusammen genommen. Die drei folgenden Epimeren wölben sich, die 
ersten schwach, das 4. kräftiger konvex, nach vorn ; die vorderen 
Winkel sind gerundet, beim letzten stumpfer; die Ventralkanten sind 
fast grade, ganz schwach konvex. 

Die Stirn läßt ihre beiderseitigen graden Kanten in der Mitte 
in einem durchaus nicht ausgezogenen Winkel von etwa 140*^ zusammen 
stoßen. Der Ausschnitt für die großen Fühler ist kräftig. Der Backen- 
lappen wölbt sich mit konvexer Kante sehr kräftig nach vorn und 
bildet einen zugerundeten spitzen Winkel. Das Auge ist außerordentlich 
groß ; es reicht mit Ausnahme eines kleinen ol)eren und eines noch 
kleineren unteren freibleibenden Stückes über die ganze Seite des 
vorderen Kopfteiles. Es ist unregelmäßig biscuitf()rmig; der obere Teil 
kürzer und schmaler als der untere. 

Die Fühler sind kurz; die oberen etwa so lang wie die Rücken- 
linien der drei ersten Mittelleibs -Segmente; die unteren reichen, nach 
vorn gerichtet, immer ein Stück weiter als die oberen; bei einigen 
übertreffen sie die oberen an Länge nur wenig, bei anderen sind sie 
dagegen so. lang wie die Rückenlinie des Kopfes ])lns den sechst ersten 
Ringen des Mittelleibes. Ob dies Verhalten mit dem Geschlecht zu- 
sammenhängt, habe ich nicht feststellen können. 

Das 1. Glied der oberen Antennen ist. wie bei der Gattung 
gewöhnhch, groß und dick; oben innen hat es eine scharfe Kante; 
diese ist doppelt so lang wie die Breite des Gliedes, während der 
Unteri'and nur das anderthalbfache der Gliedbreite erreicht. Die beiden 
folgenden (Jlieder sind klein und kurz, ringf()rniig. an Breite stark ab- 
nehmend. Das n. zeigt eine deutliche Längsteilung ; von jeder Teilhälfte 
entspringt eine der beiden Geißeln. Das 1. Glied der Hauptgeißel ist 
groß und ziemlich dick ; es trägt auf seiner Innenfläche ehien dicken 
Busch von Haaren , der sich aus acht Qiierreihen zusammen setzt. 
Die folgenden 10 Glieder der Hauptgeißel erweitern sich distal etwas; 
die meisten Glieder sind breiter als lang, die distalen länger als breit; 
auf der Lmenfläche findet sich kurz vor dem Distalrande eine Querreihe 
von Haaren. Die Nebengeißel hat ein großes Grundglied von mehr 
als doj^pelter Länge seiner Breite ; dann folgen sechs andere Glieder, 
die ebenso gebaut sind, wie die der Hauptgeißel, doch nur die halbe 
Breite haben. 

Das 1. Glied der unteren Fühler ist ziemlich lang und dick; 
das 2. bildet eine nur auswärts ausgebildete ziemlich kurze Schuj^jDe ; 

14 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georg-ien. 89 

das 3. Glied ist schlank, etwas länger als das 1,; das 4. ist dicker 
und etwa, eben so lang wie das 3., das 5. wieder etwas kürzer und 
dünner. Die Oberseite des 4. und 5. Gliedes ist dicht mit borstigen 
Haaren bestanden ; auf der Unterseite finden sich einige wenige einzelne 
Borsten, besonders an einer ventralwärts vorgezogenen Stelle des 
4. Gliedes. Das 1. Glied der Geißel ist groß, von anderthalbfacher 
Länge der eigenen Breite; die meisten folgenden der etwa 17 Glieder 
sind etwas breiter als lang, die distalen länger als breit. 

Der Oberkiefer zeigt keine besonders bemerkenswerten Eigen- 
schaften; die Kauspitze ist, wie gewöhnlieh in der Familie, stark ver- 
breitert, unten mit einem oder zwei kleinen Zahn-Einschnitten. Die 
Innensclmeide ist am rechten Kiefer nicht zu bemerken, am linken 
lang, gebogen, von der Form eines schlanken Nagetier-Schneidezahnes, 
am Ende gezähnelt. Die Borsten sind klein. Der Taster ist lang, das 
2. Glied von anderthall)facher Länge des letzten; das vorletzte auf der 
distalen Hälfte des Innenrandes l)el»orstet. das letzte am ganzen Rande- 
an der Spitze stehen einige stärkere Borsten. 

Die Unterlippe ist fast bis auf den Grund eingeschnitten; der 
seitliche Fortsatz beginnt nahe dem freien Ende der Lippe, klappt 
sich dann um und verläuft direkt nach hinten, sich nach dem Ende 
zu plötzlich zuspitzend und den Grund der Unterlippe überragend. 

Die Innenlade des 1. Unterkiefer-Paares ist kurz, ziemlich 
spitz zulaufend, am Ende mit zwei nicht grade langen, aber sehr starken 
gefiederten Haaren versehen. Die Außenlade ist lang und ziemhch 
schlank, ihr Ende trägt auswärts einige ganz besonders starke, vor der 
Spitze mit einem oder mehreren ganz groben Sägezähnen versehene 
Stacheln; nach innen stehen ganz wenig (2) sehr fiache, ziemlich grob 
und scharf gesägte Stachehi, deren innerster fast bandförmig zu nennen 
ist. Der Taster ist, nach der gewöhnlichen Art zu reden, zweigliedrip'; 
doch bemerkt man auf der oralen Fläche noch außerdem ein Grund- 
glied. Das distale Glied ist lang, kurz vor seinem Ende am breitesten, 
am Ende selbst mit einer Reihe von etwa 14 kurzen und dicken, ganz 
dicht neben einander stehenden Stacheln versehen. 

Das 2. Paar der Unterkiefer des präparierten Stückes ist 
ganz au ßerord entheb belehrend; es zeigt das völlig erhaltene Segment 
der Gbedmaße, Avelches hinten als eine breit dreieckige Platte aus- 
gebildet ist und sich von (l;i ein schhinker zweiteiliger Strang zwischen 
die (irundglieder der Gliedmaße ehischiebt. Auch hier zeigt, ebenso 
wie bei den Kieferfüßen, das Grundglied eine proximale Abghederung, 
deren quere distale Abgrenzung auf beiden Seiten durchaus überein- 
stimmend ausgebildet ist; erst distal von diesem ]i(\gt das große Glied, 

15 



90 Pfeffer, Krebse von Süd-Georoien. 

von dem die Innenlade entspringt. Es legt dieser Befund, verbunden 
mit manchen anderen, die in der vorliegenden wie in der Arbeit über 
die Süd-Georgien-Isopoden besprochen sind, die Vermutung nahe, daß 
die Innenlade in der That vom 2., die Außenlade vom 3. Segment 
entspringt. — Die Innenlade ist nur ein Drittel so breit wie die äul.iore 
und reicht nur über die proximalen zwei Drittel der Außenlade hinweg. 
Beide Laden laufen spitz zu. Von der Ecke der Innenlade an über 
einen großen Teil des Innenrandes hin steht eine gro'.'e Anzahl von 
schlanken, an der Spitze etv.as eingekrümmten liyalinen Borstenstacheln; 
das proximale Ende der Reihe wird von einer einzigen, sebr großen 
stachelartigen Borste mit sehr starker Wimperung gebildet. Der 
proximale Teil des Innenrandes ist dicht mit sehr feinen Haaren be- 
standen. Das distale innere Ende der Außenlade trägt sehr viele 
große und schlanke, gekrümmte, ganz außerordentlich fein gekännnte 
Borstenstacheln; einige scheinen keine Kammzähne zu haben. 

Das 1. (ilied der Kieferfüße ist ganz außerordentlich groß, 
es springt mit mebr als der Hälfte seiner Länge in das Segment hinein; 
dieser einspringende Teil ist von dem frei entwickelten durch eine 
quere, einer Artikulationskante der andern Glieder gleichende Kante 
abgegrenzt. Der freie Teil des 1. (iliedes ist annähernd ([uadratisch. 
Das zweite Glied ist an sehier Außenkante halb so lang wie der freie 
Teil des 1. Gliedes. Das 3. Glied ist nur von der halben Breite des 
2., an seiner Außenkante fast so lang, wie die Außenkante des 2. mit 
der freien Außenkante des 1. zusammen genommen; die Länge der 
Innenkante ist etwa gleich drei Siel)enteln der Außenkante, so daß 
das Glied einen außerordentlich schräg gerichteten Vorderrand erhält. 
Die distale äußere Ecke ist ein wenig spitz ausgezogen und zugerundet. 
Das 4. (ilied ist distalwärts etwas verbreitert; sein Außenrand ist 
wenig länger als der Innenrand des vorangehenden Gliedes, und der 
Innenrand etwa so lang wie der Außenrand des 8. Gliedes. Das vor- 
letzte (Tlied ist schmaler und erreicht etwa zAvei Drittel der Länge des 
4. Gliedes. Die Klaue ist schlank, wenig gekrümmt und ei-reicht etwa 
zwei Eünftel der Länge des vorletzten Gliedes. 

Das 1 . Glied hat innen kurz vor seinem distalen Rande eine 
kleine Reihe von Haaren ; die folgenden Glieder sind an den Innen- 
und Distalkanten mit langen Haaren versehen; an den äußeren distalen 
Ecken stehen einige stärkere Borsten. Auf dem Innenrande der Klaue 
findet sich eine Reihe kleiner stiftartiger Borsten. 

Die Laden sind ganz außerordentlich lang; die innere reicht fast 
bis an das Ende des 1., die Außenlade bis an das Ende des 2. Taster- 
gliedes. Der Distalrand der Innenlade ist grade abgeschnitten ; er 
trägt drei ganz kurze, stumpfe Stachelhöcker; der eingeschlagene Innen- 

16 



PfeflFer, Krebse von Süd-Georgien. Ol 

rund trägt eine t>Tnüe Anzalil ziemlich fester, sehr hinger nnd dicker 
Fiederhaare, welche in Säge -Einschnitten des Randes stehen. — Der 
Distalrand der Außenlade hat zu äur?erst einige kräftige, gebogene, 
hyaline Stacheln ; von da an zieht den ganzen Distal- und Innenrand 
entlang eine Reilie kleiner, rundlicher, dicht neben einander stehender 
Höcker, sodaß es den Anschein gewährt, als ob der ganze Rand fein 
gekerbt wäre. Eine knrze Strecke vom Innenrande entfernt und 
parallel mit ihm läuft eine Reihe von kleinen Stachelborsten auf der 
Alioralfläche. 

Das 1. Paar der jNIittelleibs -Beine hat ein sehr starkes 
5. Glied, (ilied ?> . 4 nnd T) sind kurz und kräftig, die beiden ersten 
hmen . die letzteren außen sehr viel stärker entwickelt. Das f). Glied 
entsendet an seiner inneren distalen Ecke einen Fortsatz, der sich an 
den Innenrand des Handgliedes anlegt. Das Handglied ist annähernd 
rechteckig, doppelt so lang wie breit; der Außenrand ist grade, der 
Innenrand zuerst konvex, dann konkav gebogen ; kurz vor dem distalen 
Ende bildet der Innenrand eine scharfe Ecke von etwa 75"; hier 
stehen distalwärts gerichtet zwei kirrze, spitze, sich gegenüberstehende 
Dornen frei hoch; <ler Distalrand selber ist mit kurzen, dicht neben 
einander stehenden Stiftborsten bestanden. Der eigentliche Distalrand, 
von dem die Klaue entspringt, ist kurz und viereckig vorgezogen. Die 
Klaue ist kräftig, etwas länger als der distale Teil des Innenrandes. Das 
?. Glied zeigt nur einige schwache Borstenbildungen ; das o. ist auf der 
Innenseite, besonders an der Distalecke. kräftig bel)orstet; das 4, Glied 
auf der distalen Hälfte des Innenrandes, das f). an der distalen Außen- 
und Innen-Ecke ; das 0. an zwei Reihenzonen auf der Außenseite nahe 
dem Innenrande und am Ursprung der Klaue. 

Das '2. Paar hat ein sehr langes, schlankes 2. Glied, dem ein 
hall) so langes noch schlankeres B. Glied folgt. Die drei folgenden 
Glieder sind eigentümlich umgebildet; der Inneni'and des ganz kurzen 
4. Gliedes ist in einen i'undlichen, sammetartig behaarten Lap]ien aas- 
gezogen. Das 5. (ilied ist ziendich lang; sein Aussenrand ist länger 
als der innere und witlbt sich ])roximal sehr weit herum ; der Innenrand 
ist scharf, dünn , durchsichtig, der Außenrand mit dichtem Sammet 
bekleidet; an seinem distalen Ende steht aiißen ein Borstenbusch. Das 
(l. Glied ist klein, hat einen fast graden. schwach konkaven Innenrand, 
einen gewr)ll)t(Mi Außcm-and nnd einen graden Distalrand. der in den 
Außenrand bogenh'irmig übergeht, wälu-end er mit dem Innenrande 
einen scharfen Winkel von etwa SO " bildet. Auf dem größt(Mi Teile 
seiner ])eiden Flächen ist er mit einem dichten l'"ilz besetzt. Nahe dem 
Distalrande steht (Mn Busch sein- ki'ältiger. von außen nach innen an 

17 8 



92 Pfeffer, Krebse von Süd-Georo-ieu. 

Größe abnehmender, einwärts gekrümmter und die Distalkante des 
Gliedes weit überragender Borsten. 

Das 2. Glied des 3. und 4. Paares ist lang und schlank, das 
3, kurz und dünn, bogenförmig, das 4. nicht so lang wie das 2., 
trapezisch, mit schrägem Proximal- und Distalrande; die Ecke des 
letzteren ist nach außen vorgezogen. Das H. ist von ähnlicher Form, 
aber kürzer und von nicht viel mehr als der halben Dicke. Das 
f). Glied ist noch dünner und ebenso lang wie das 5.; die Klaue zeigt 
die gewöhnhche Bildung. Die Behaarung ist schwach und zerstreut. 

Die drei folgenden Gliedmaßenpaare sind kräftiger; sie nehmen 
an Länge zu; alle haben sie sehr breite und hohe erste und zweite 
Glieder. Glied 3 ist kurz und kräftig, 4 und H stark, ersteres mit nach 
außen ausgezogener distaler Ecke; Ghed (i und 7 schlank. Die (irund- 
glieder werden vom 5. zum 7. Paare kürzer, alle andern Gheder länger. 

Die ersten Glieder sind ganzrandig; das des 5. Paares ist so 
lang wie hoch, ebenso hoch wie das 1. Epimer, in der Mitte seiner 
Länge gemessen, mit konvexem \'order- und Hinterrand; das des 
G. Paares ist niedriger und nur von halber Breite; sein in der Zeichnung 
nicht sichtbarer Vorderrand ist paraHel dem Hinterrande schwach 
konkav. Das 1. Glied (h's 7. Paares ist noch niedriger; es hat keinen 
Vorderrand mehr, sondern der stark konvexe Ventralrand zieht sich 
schräg nach vorn bis zur vorderen proximalen Ecke. — Die Vorder- 
ränder der zAveiten Glieder des 5., (i. und 7. Paares sind ziendich 
grade, die hinteren gewölbt, der des (i. am wenigsten, der des 7. am 
meisten; die blattförmigen Verbreiterungen enden distal mit kräftigem, 
gerundeten Lappen. 

Das 1. Glied des 1. Nektopoden i'agt weit, das des 2. weniger 
weit und das des 3. nicht unter den Hinterleibs -Ringen hervor. Die 
Schwinnnäste sind sehr lang, so lang wie die Höhe der großen Epimeren. 

Das Grundglied der \. Haitop öden ist so lang wie die beiden 
EndgHeder des 4. Mittelleibs-Beinpaares, das des 2. nur die Hälfte des 
1.. und das 3. nur die Hälfte des 2. Paares. Von den Asten ist am 
1. und 2. Paare der innere um ein ganz weniges kürzer als der äußere; 
beim 3. ist dies indessen schärfer bemerkbar. Die Spaltäste der ersten 
beiden Paare sind glatt, die des 3. mit langen, gewimperten Haaren 
versehen und auf der Längskante des Außenastes mit kleinen Punkt- 
stacheln bewehrt. 

Länge des ausgestreckten Tieres von der Stirn bis zum Ende 
des Telson: 1.5, .5 mm. 

Diese Art war in der allgemeinen Ausbeute der Station nicht 
vertreten, fand sicli aber unter anderen, Herrn Zchau gehörigen Sanunel- 

18 



Pfeffer, Krebse von Süd-Genrgien. 93 

Objekten von Süd-CJeoruien vor. welcher die Stücke freundlichst dem 
Museum überlieü. 

Anonyx femoratus nov. spec (Tat. ii, Fitr. 2.) 

Der Körper 7.ei,ü,t die bei der Gattung meist auftretende hoch- 
gewölbte Form, ist jedoch nicht ganz so hoch wie der olien beschriebene 
Anonyx Zschaui. Die Kih'perringe sind weder durch Skulptur noch 
Kiele ausgezeichnet, sondern zeigen einen gerundeten Rücken mit im 
allgemeinen gradem Rücken -Kontur; nur die Nachleibsringe zeigen 
charakteristische Bildungen. 

Die Ringe des Mitt elleil^es sind annähernd gleichmäßig 
ausgebildet; sie wachsen an Höhe; ihre ventralen Ränder bilden an 
den fünf ersten Ringen eine gerade Linie; der 0. und 7. Ring setzt 
etwas tiefer an. Die Hinterkanten der Ringe Aveichen zurück; ihre 
Ecken mit der Ventralkant(> sind spitz zugerundet nach hinten ausgezogen. 

Die Epimeren sind in außerordentlicher Stärke ausgebildet, 
sie sind immer doppelt so hoch wie das dazu gehörige Segment; das 1. 
überragt ein großes Stück des Kopfes; sein Vorderrand ist zunächst 
grade mid geht dann in stuni})f gerundetem Winkel in den gerundeten 
Ventralrand über. Das '2. und o. Epimer sind gleich gebildet, der 
ziemlich grade, ganz schwach konvexe Vorderrand geht in gerundetem 
rechten Winkel in den ziendich graden Ventralrand über. Der Vorder- 
rand des 4. Epimers ist etwas stärker konvex, der vordere Winkel 
mehr gerundet, der Ventralrand stärker konvex; der Hinterrand ist 
charakteristisch, indem er dem Vorderrande des 2. Gliedes der 4. Glied- 
maße folgt, also eine starke Konkavität aufweist ; an der Stelle, avo 
diese Konkavität mit der Konvexität der Ventralkante zusannnen stößt, 
entsteht ein bemerkensAverter, scharfer, rechtwinkliger Zahn. Es mag 
bemerkt Averden. daß dies Merkmal der ganzen (Jattung zukommt. 

Die Ringe der Nektopoden sind, Avie gewiihnlich. die höchsten 
und längsten des Tieres; der epimeriale Lappen ist als blattförmiges 
Stück ausgel)ildet ; die hintere Ecke des o. Nachleibs-Segmentes ist in eine 
kräftige, nach hinten und oben gebogene, zahnartige Spitze ausgezogen. 

Das erste Segment der Haitopoden ist auf der Dovsalfläche 
plötzlich tief und kerbartig eingesattelt ; dahinter erhebt sich der Rücken 
zu einem gerundet kielförmigen Grat. Die l)eiden folgenden Ringe 
haben Avieder die gewöhnliche, i)latte Rildung; der ZAveite ist dorsal 
fast gar nicht cntAvickelt. 

Das Telson ist ganz außerordentlich i^lciii. ein wenig länger 
als breit, rechteckig mit etwas konvexen Seiten, das Distalende ab- 
gestutzt und ganz srlnvacli ausgcraiidet. 

19 8* 



94 Pfeffer, Krebse von Sürl-Gcorgien. 

Ein großer Teil des Kopfes ist unter dem I. Epimer verborgen. 
Die ziemlich breite Stirn bildet vorn in der Mittellinie einen stumpfen 
Winkel, der sich nicht zwischen die Fühlerwnrzeln einschiebt; im Profil 
gesehen, macht dies freilich den Eindruck, doch hängt dies mit dem 
auf der Seite des Kopfes sehr tief entwickelten Fühler -Ausschnitte 
zusammen. Der Backenlajjpen ist nicht l)edeutend. alter charakteristisch 
entwickelt als dreieckige, vorn gradlinig begrenzte, sclnvach zugerundet 
rechtwinklige Platte. Das Auge ist sehr groß, sehie Höhe gleich zwei 
Drittehi der Kopfhöhe; bohnenförmig, oben spitzer, unten schmaler, 
mit verhältnismäßig großen Fassetten. 

Die oberen Fühler sind ein wenig länger als Kopf plus erstes 
Segment; die unteren ragen, nach vorne gestreckt, ein Stück über das 
Ende der oberen hinaus. 

Das 1. (xlied der oberen Fühler ist doppelt so lang wie dick; 
das zweite ist ein ganz kurzer, sich distal stark verjüngender Ring ; 
der 3. ist noch küi'zer, auf der Ventralseite kaum entwickelt, sich 
wiederum distal stark verjüngend. Das 1 . Geißelglied verbindet in Form 
und Größe Stamm und Geißel; es ist doppelt so lang wie dick. Die 
Geißel besteht aus etwa 12 Gliedern, die am proximalen Teile der 
Geißel etwas lireiter als lang, am distalen etwas länger als breit sind. 
Die Nebengeißel kommt an Länge nicht ganz der Hälfte der Haupt- 
geißel gleich; sie hat "> Glieder, deren erstes sehr lang ist; das zweite 
hat etwa die hallie Länge des 1 . ; die folgenden werden etwas kürzer 
und sehr viel dünner. Die Lmenfiäche der Fühler zeigt dieselbe Haar- 
bildung wie bei Anonyx Zschaui. 

Vom Stamme der unteren Fühler sind nur die beiden distalen 
Glieder zu erblicken, welche, nach vorne gestreckt, soweit reichen, 
wie die vier proximalen Glieder der oberen Fühler. Das vorletzte ist, 
besonders auf der Unterseite, schwach filzig behaart; am Vorderrande 
stehen einige Borsten. Das letzte Stammglied ist glatt, dünner als 
das vorletzte, etwa dreimal so lang als breit Die Geißel hat etwa 
20 Glieder, welche länger als breit sind. 

Das L Paar der Mittelleibs-Beine hat ein distal nicht 
verjüngtes Handglied mit mehreren Dornstacheln an der Stelle, gegen 
die sich die Spitze der Endklaue einschlägt. — Das Endglied des 
2. Fußpaares ist etwa so breit wie lang, dreieckig mit distaler Basis, 
die Seiten kräftig konvex, am distalen Ende mit einem Büschel starker, 
gelber, gebogener Borsten ; das vorletzte Glied hat fast die dreifaelie 
Länge des letzten; es ist halb so breit wie lang; der Außenrand ist 
sehr schwach, der Innenrand sehr stark konvex. — Das 3. und 
4. Beinpaar ist gleich g(>bildet, schlank; das I. Glied Ix'haart. distal 

20 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 95 

und außen austiezogen, das G, auf dem Innenrande mit einer Reihe 
kleiner Stacheln. 

Das 5. Paar zeigt ein ganz aufserordenthch großes 1. Glied 
von der Bildung der vorangehenden Epimeren; seine Länge ist üher 
zwei Drittel der Höhe des 4. Epimers und seine Breite ein wenig 
größer als seine Länge; seine Vorderecke ist sehr stumpf zugerundet; 
die untere hintere Kante ist ehie schräge Abstutzung für die Insertion 
des 2. Gliedes. Die 1. Glieder der folgenden Paare nehmen an Höhe 
und Breite kräftig nh. 

Das ■}. Glied des .'). Paares ist verhältnismäßig kurz (etwa -/s 
der Länge des 1. Gliedes) und etwas breiter als lang, stellt also eine 
ziemlich große, unregelmäßig viereckige Platte dar; Vorder- und Hinter- 
rand sind kräftig gebogen; der Oberrand steigt schräg nach oben und 
miten; der Unterrand zeigt eine ziemlich schwache Auskerbung. 
Das ;2. Ghed des (i. Paares ist länger und schlanker als das des 
5. Paares; das des 7. Paares ist zu einer gewaltigen, ovalen Platte 
entwickelt. — Die übrigen Glieder der drei letzten Mittelleibs -Glied- 
maßen ähneln denen der beiden vorangehenden, shid jedoch etwas 
kräftiger. 

Die übrigen Merkmale können vorläufig nicht angegeben werden, 
da nur zwei Stücke vorliegen und, abgesehen davon, daß keines der- 
selben geopfert werden soll, die Brüchigkeit des Materiales selbst ein 
Eingehen auf Merkmale verbietet, die im allgemeinen sonst am unver- 
letzten Tiere schon festzustellen sind. 

Länge in der abgebildeten Stellung (vom Kopfende bis zum 
Rücken des 10. Segmentes) 1 f,6 mm. 

Bovallia f/en. noü. Atylidarum. 
Körper zusammengedrückt; Rücken vorn zusammengedrückt- Bovallia 
rundlich, an den letzten Mittelleibs- und an den drei ersten Nachleibs- 
Ringen gekielt und in kräftige Spitzen ausgezogen. Die Epimeren 
sind sehr groß, höher als die dazu gehörigen Segmente, nirgends 
bewimpert. Augen schmal und hoch, schlank bohnenförmig. Fühler 
mit starken Stammgliedern und ziendirh kurzer Geißel; keine Neben- 
geißel. Oberkiefer mit kräftigem, dreighedrigen Taster, mit Borstenreihe 
und gezähnter Kauspitze. Rand der Inneidade des 1. Unterkiefers 
reichlich mit gefiederten Haaren bestanden. Außenlade mit gesägten 
Stacheln; Taster zweighedrig, mit Stachelborsten am distalen Ende. 
Innenrand der Innenlade des 2. Unterkiefers mit gefiedei-ten Haaren, 
Distidrand beider Laden mit Borsten. Kieferfüße stark, mit kräftigen 
Laden und sehr kräftigem Taster mit spitzer Eudklaue. Innenlade am 

21 



Jen. nov. 



96 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

Distalraiide mit dicken Zälmeii , Auüeiilade am Rande mit kleinen 
Stiftstaclieln. Die beiden ersten Beinpaare mit Halljscheeren von etwa 
gleicher Entwickelung; 5., (i. und 7. Beinpaar mit länglich blattförmigen 
Hüften. Die beiden seitlichen hinteren Kanten jedes Stammgliedes der 
beiden ersten Haitopoden -Paare sowie jedes Spaltastes aller dreier 
Paare mit kleinen Dornen besetzt. Die Spaltäste der beiden ersten 
Paare tragen am Ende zwei kräftige, hochrichtbare Dornen ; die des 
letzten Paares gehen in kräftige Dornspitzen aus; an den ersten beiden 
Paaren ist der Aiirseimst kürzer, beim letzten Paare sind beide Aste 
gleich lang, kräftig. Schwanzschild schmal, blattförmig, bis über die 
Mitte gespalten. 

Bovallia gigantea nov. spcc. (Taf. i, Fig. .5.) 

Bovaiiia Köri)er kräftig, hoch, dick und ziemlich kurz. Die Höhe (von 

gigantea. ^jg^. Rückenfirste des 4. Segmentes bis zu dessen unterster Epimerial- 
kante gemessen) ist nicht ganz gleich einem Viertel der Länge des 
Tieres vom Kopfschnabel l)is zum Ende des Telson, oder gleich der 
Länge des Kopfes und der drei ersten Segmente zusammengenommen. 
Die Körperbreite wächst bis zum 4. Segmente und nimmt dann wieder 
ab. Die Länge und Höhe der Körpersegmente wächst bis zum 3. Nach- 
leibsringe ; die folgenden werden dann wieder kürzer und niedriger. 

Die fünf ersten Körper-Segmente haben einen gerundeten 
Eücken; auf dem 6. erhebt sich ein stumpfer Kiel, der auf den fol- 
genden vier Ringen immer schärfer und höher wird. — Die Mittellinie 
der Hinterkante ist an den ersten Ringen des Mittelleibes schwach 
ausgezogen; dies Verhältnis wird nach hinten immer deutlicher; am (i. 
ist die Ausziehung schon recht bemerkbar und verliindet sich mit dem 
Ende des auftretenden Längskieles zu einem ein wenig vorsjjringenden 
stumpfen Hügel ; an den drei folgenden Ringen wird durch die hintere 
Ausziehung, verbunden mit dem nach hinten aufsteigenden Kiel, ein 
kräftiger, schnabelartig gebogener, frei nach hinten hochstehender 
Zahn gebildet. Auf dem 3. Nachleibs -Segmente ist der Kiel höher, 
sein Ende jedoch nicht schnabelartig gebogen, sondern sein Hinterrand 
lallt senkrecht ab. Das 4. Nachleibs-Segment ist kräftig eingesattelt, 
so daü der vordere und hintere Teil seines Rückens höckerartig vor- 
springt. Die beiden folgenden Segmente haben einen runden Rücken. 
Die Ventralkante der Mittelleibsringe liegt in derselben 
Elucht; jeder folgende Ring setzt sich etwas oberhalb der hinteren 
unteren Ecke des voraufgehenden an. Der 0. setzt sich um ein weniges 
tiefer an als der vorangehende, ein Verhältnis, welches zwischen dem 
G. und 7. Ringe noch etwas stärker entwickelt ist. 

22 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georg-ien. 97 

Die seit liehe 11 K unten der Mittelleibs- Segmente verlaufen 
kräftig nach hinten gewandt, mit Ausnahme derjenigen zwischen dem 
Kopf und 1. Segment, welche ziemhch senkrecht ist; die hinteren er- 
halten einen etwas konvexen Schwung, so daP? die bei allen Segmenten 
auftretende zugerundete spitzwinklige Hinterecke beim '). und (i. etwas 
zahnartig vorgezogen erscheint; der Zahn ist auch beim 7. Segment 
geblieben, doch ist der Winkel annähernd ein rechter. 

Die vier großen Epimeren wachsen ganz außerordentlich 
stark in Länge und Höhe. Die Höhe des 1. Epimers (in der Mitte 
gemessen) ist gleich der I^änge der Ventralkante des 5. Mittelleibs- 
Ringes; die Höhe des )l. fast gleich der Ventralkante des 4. und 5. 
zusammen; die Höhe des o. ist reichlich so lang wie die soeben an- 
gefidirten Ventralkanten, und die Höhe des \. noch ein Stück mehr. 
Die zur Sichtbarkeit tretenden Längen der Epimeren verhalten sich 
(in der Mitte ihrer Höhe gemessen) etwa wie 1 : 1,1 : 1,5 : 3. Vorder- 
und Hinterkanten der Epimeren richten sich nach vorn und zwar vom 
1. bis zum 4. allmählich abnehmend; der Vorderrand des 1. ist -ganz 
schwach konkav, der des i2. grade; die folgenden haben einen schwach 
konvexen Schwung, die Ventralkanten sind schwach konvex; die Vorder- 
ecke des 1. Epimers ist nicht ganz ein rechter Winkel, zugerundet; die 
Vorderecken der übrigen und die Hinterecken sind stumpf zugerundet. 

Über die Epimeren der andern Gliedmaßen siehe daselbst. 

Das Telson ist von mäßiger Starrheit, sehr schmal, schlank 
halb-lanzettlich, solang Avie das Femoralglied des 5. Beinpaares, zwei 
ein halb mal so lang wie breit; die Seitenränder sind zunächst am 
Grunde etwas konkav, die Spitze etwas ausgezogen; bis zur Hälfte ge- 
spalten, die Spalte als seichte Furche noch eine Strecke weit über den 
imgespaltenen Teil des Telsons fortgeführt. Die Spalthälften schließen 
dicht an einander. 

Die Länge des Kopfes mitsamt dem Stirnschnabel kommt der 
dorsalen Länge des 5. Mittelleibs-Ringes gleich; die gleiche Entfernung 
findet sich zwischen seiner Hinterecke und dem hinteren Eiidi)unktc 
der dorsalen Längshnie. — Der Schnabel dringt als ein kleiner, drei- 
eckiger, stark nach aliwärts gebogener Zahn zwischen die Fühlerwurzeln 
ein. Die Ausschnitte für die Fühlerwurzeln sind seicht; der Backen- 
lappen springt nur ganz wenig vor, nicht weiter als der Stirnschnabel; 
er ist vorn grade abgeschnitten, seine untere Ecke ist gerundet recht- 
wiidvlig. — Das Auge ist sehr groß, schmal bohnenförmig, fast viermal 
so lang wie breit; es ist länger als der Ausschnitt für die großen 
Fühler und reicht, im Profil gesehen, oben fast bis zur Rückenkante 
des Kopfes und unten bis fast an die vordere Kante des Backenlappens. 

23 



9g PfeÖ'er, Krebse von Süd-Geoigieii. 

Der x^hstand zwischen l^eideii Au^en auf der Dorsalfläche ist kaum 
größer als die Augenbreite. 

Wenn die Fühler nach vorn gestreckt werden, so reicht der 
Stiel der unteren ebenso Aveit wie der Stiel der oberen; das distale 
Ende des vorletzten Stammgliedes der unteren reicht bis auf die Mitte 
des vorletzten Stammgliedes der oberen. Der Stamm der oberen Antennen 
ist so lang wie die Mittelhnie des 4., 5. und U. Segmentes, die Geißel 
so lang wie die Mittelhnie des 4. — 7. Segmentes. Das 1. Glied ist so 
lang, wie die beiden folgenden zusannnen genommen, kräftig, mit einem 
scharfen, gezähnten Kiel an der Unterseite. Da. wo sich der Kiel 
absetzt, befindet sich eine wohl ausgeprägte Längskante und zwischen 
ihr und der Kielkante ist der Kiel ausgekehlt. Das Ü. (ilied ist kürzer 
und dünner, mit ausgekehltem, schwach und unregelmäßig gezähneltem 
Kiel, Das o. Glied erreicht etwa eni Drittel der Länge des ti. Ghedes; 
es hat nur eine Sägekante. In all diesen Sägekanten, ebenso wie an 
der Ventralseite der Distalkanten der Glieder, stehen Stachelborsten, die 
am 1 . Gliede sehr kräftig sind, bei den folgenden Gliedern länger und 
schwächer werden. Der proximale Teil der Geißel zeigt zunächst ein 
großes Glied, welches auf der Rückenseite fast so lang wie breit ist, 
w^ährend seine Entwickelung auf der Ventralseite ganz gering wird; es 
dürfte dies Glied demjenigen entsprechen, welches man bei Isopoden 
noch zum Stamm rechnet. Der übrige Teil der Geißel setzt sich aus 
lauter niedrigen, Brettstein-artigen Scheiben zusammen, von denen innner 
ein ganz niedriger mit einem etwas höheren, außerdem auf der Ventral- 
seite in einen Fortsatz ausgezogenen abwechselt. Auf der Rückenseite 
dieser letzteren Ringe stehen einige wenige, kleine, auf dem Fortsatze 
ein Bündel stärkerer Haare. Außerdem findet sich hinter dem Büschel 
beim c^ ein auf einem dünnen Stiele stehendes napfartiges Organ. Der 
Vergleich mit andern Geißeln lehrt sofort, daß im vorliegenden Falle 
jedes Geißelglied sich in zwei gegliedert hat. Auf dem proximalen 
Teile der Geißel haben die Gheder nur (He Länge von einem Sechstel 
ihrer Breite, nach dem Ende zu werden sie länger und schlanker, und 
es verrwischt sich schließlich fast der Unterschied zwischen beiden 
Arten von Ringen, indem die Fortsätze schwächer werden und die 
andere Art von Ringen Randhaare entwickelt. Die äußersten Ringe 
sind doppelt so lang wie breit. 

* Der Stiel der unteren Antennen ist so lang wie seine Geißel 
Das 1 . Glied erscheint im Profil als eine dreieckige, mit der gerundeten 
Spitze nach vorn liegende, am ventralen Teile des Fühleranfanges 
gelegene, schuppenförmige riatte. Über demselben liegt das im Profil 
dreieckig erscheinende , mit der oberen Kante etwas zahnartig vorgc- 

24 



Pfeffer, Krchsc; von Süd-Georgien. 99 

zogeiie ;?. Glied. Auf der luueuscite ist das 1. Glied uariiicht ausge- 
bildet, sondern der proximale l^Tdiicrteil wird liier vom ;.'. (ilied gebildet, 
welches auf der Unterseite die s[)itz di'eieckige, scheiid)ar aus dem 
1. Glied schwaeli zalniartig hervorspringende Schuppe entwickelt. Das 
3. Glied ist so lang wie das 1., das 4. etwas länger als die vorher- 
gehenden zusannneu genonnnen; das ■). hat etwa zwei Fünftel von der 
Länge des -1. - An der Distalkante. ebenso an einigen Sägezahn- 
förniigen, sehwachen Kinsclniitten. die auf der Ventralseite der Glieder, 
beim :i. und o. auch auf der Dorsalseite sich belinden, stehen etliche 
Borsten. Die (ieiüel ist durchaus nach Art der (ieiliel der oberen 
Fühler gebildet. 

Die Oberlippe ist sehr stumpf, halb eiförmig, mit ein wenig 
ausgezogener Spitze, diese ist am freien Ivande mit einem dichten 
Kamme ganz kleiner, starrer Haare versehen. Eine Strecke vor der 
Spitze läuft eine quere Zone über die 01)erlippe, welche einen nach 
der Spitze der Lippe zu gerichteten ziemlich dichten Kamm längerer 
Haare trägt. 

Überkiefer. Die stärker chitinisierte Fläche des Molar-Fort- 
satzes ist unregelmäßig oval, mit ausgeschnittenem Eande gegen den 
Gelenkhöcker zu. Die kurzei^^ Stacheln dieses Randes ragen frei über 
den Rand hinaus; in der Fortsetzung dieser Konturen ist die ganze 
Mahlfläche mit feinen, sauberen Riefen ül)erzogen. Die Stachelchen 
des gegenüberliegenden Randes stehen, wie gewölndich, über die Mahl- 
fläche zurück schräg auf. Drei lange schlafle Haare bezeichnen die 
Stelle, w(dche dem distalen Ende der Lmenlade entspricht.. Der innere 
(den Molarfortsatz mit den Scbneiden verlundende) Rand der Auüen- 
lade ist mit einer Reihe dicht stehender, gekrünnnter, nicht getiederter 
Borsten bestanden. Die beiden Schneiden des linken Kiefers sind wolil 
entwickelt, bandförmig, die äuüere mit vier, die innere mit iüuf rund- 
lichen Zähnen aul.ier der Hau})tspitze. Beim rechten Kiefer ist die 
iVußenschneide breiter und trägt außer den oral gestellten noch einen 
ziemlich großen aboralen Zahn; die Innenschneide dagegen ist schmal 
bandförmig mit drei Zähnen. — Der Taster ist lang und kräftig; seine 
Länge ist gleich der anderthalbfachen des Kiefers, vom (Jelenkkopf 
bis zur Kauspitzc gerechnet. Das 1. (ilied ist kurz, die beiden andern 
etwa gleich lang; das '2. etwas zurückgebogen, ziemlich breit, von 
dopj)elter Länge seiner Breite, mit ziendich langen und schwachen 
Borsten längs dem Iinienrand. Das 3. (ilied ist schmal eiförmig, auf 
seinen Innenkante]i dicht mit Borsten besetzt; an der Spitze stehen 
deren vier längere und stärkere. 

25 



[00 Pfeffer, Krebse vou Süd-Georgiea. 

Das Grundglied des 1. Unterkiefers ist an der Außenkante 
deutlich vom Segment und vom 2. Gliede abgesetzt, dort ist die Distal- 
grenze nicht deutlich. Dit' Innenlade ist oval, ihre Innenkanten mit 
verhältnismäüig dicken und kräftigen Fiederhaaren vei'.sehen. Das 
'2. (ilied ist an der Außenkante ziemlich lang. Die Außenlade ist von 
der üblichen Form, an der Distalkante mit etwa 10 langen und starken, 
auf der Innenseite mit Fiederzähnen versehenen, unter sich gleichen, 
braunen Stacheln und einer x\nzahl von Borsten versehen. Der Taster 
überragt die Außenlade. Das 1. (ilied ist kurz, außen vorgezogen und 
an der Ecke mit einer langen, starken Borste versehen, das Endglied 
ist so lang, wie die Außenkante der Außeidade mitsamt den End- 
stacheln. P]s ist am distalen Rande mit einer Anzahl von Borsten- 
stacheln versehen. 

Die Laden des 2. Unterkiefers sind gleich lang, die Innen- 
lade etwas breiter. Der Innenrand der Innenlade trägt eine Anzahl 
gefiederter, schlaffer Haare; der Distalrand ist sehr dicht mit Stachel- 
borsten besetzt. Die gleichen Ge))ilde der Außenlade sind von doj)pelter 
Länge. 

Die Kiefer fuße sind stark inid krättig chithiisiert und stark 
l)el)orstet. Die Grundglieder und die ;2. (Jlieder haben die übliche Form. 
Die freie Seitenkante des :2. ist etwa gleich einem Di'ittel der Außen- 
kante des 1. (iliedes; der Fortsatz reicht l)is an die Proximalkante 
des 1. Gliedes. Das o. Glied ist an der Außenkante etwa so lang 
wie das 1., seine Distalkante hat die Länge von mehr als zwei Dritteln 
der Gliedbreite und ist ebenso lang wie die Außenkante. Das 2. Avie 
das o. Glied springt mit der distalen äußeren Ecke etwas vor. Das 
4. Glied hat nicht viel melir als die halbe Breite des :5.; auf der 
Imienseite ist es sehr kurz, auf der Außenseite sehr lang; während 
nämlich die Innenkante etwa gleich der Hälfte der Proximalkante des 
Gliedes ist, so ist die Außenkante doppelt so lang wie die Proximal- 
kante. Die Distalkante verläuft an der Angellinie des 5. Ghedes 
parallel der Proximalkante, wendet sich dann nach außen und distal- 
wärts, so daß der äußere Teil des Ghedes hornartig vorgezogen ist. 
Das 5. Glied ist so lang wie das 3. und 4. zusammen; es setzt sich 
schmal an das 4. an, erweitert sich dann etwas distal; die proximale 
Hälfte sehies Außenrandes liegt neben dem hdi'nartigen Fortsatze des 
4. Gliedes. Das vorletzte Glied ist niclit viel mehr als halb so lang 
wie das 5. Glied. Das Endglied ist eine kräftige Kralle mit starker 
hornbrauner S})itze. — Die Innenlade ragt distalwärts so weit wie die 
Innenkante des 4. Gliedes; sie ist schmal, annähernd rechteckig, distal 
etwas abgerundet. Auf der Distalkante stehen zu innerst etliche dicke 

26 



Pfeifer, Krebse von Süd-Georaien. 101 

Stacheln, ferner auf der oralen wie aboralen Fläche kurz vor dem 
Rande eine Reihe von Borsten. Der um^cldappte Innenrand der Lade 
zeigt lange, schlatt'e Fiederhaare. — Die x\uüenkante reicht distal etwas 
weiter als die Außeneckc des ;>. (Uiedes- der Innenrand ist grade, der 
Auüenrand ist konvex; die griW.Ue Breite liegt etAvas distalwärts von 
der Hälfte der Länge. An der Außenkante his zur Spitze stehen 
lange, schlafte. getiederte Haare ; auf der OralÜäche, nahe dem Inneu- 
rande. dicht nelien einander stehende, kurze, feste Chitinstifte; auf der 
Ahoraltiäche zieht sich nahe dein distalen inid imicren Rande eine 
Reihe von Borsten entlang. — Die Iinienseiten der Glieder sind durch- 
weg mit starren Borsten besetzt; am distalen Teil des G. (jliedes sind 
die Borsten am dichtesten, so daü sie das 7. (Uied last ganz verbergen. 
Das Grundglied führt noch zwei kurze behaarte (|uere Linien. 

Die beiden ersten Mittelleibs-Beinpaare haben wohl- 
ausgebildete Halbscheeren von mäßiger Größe; die Länge der Glied- 
maßen steht niclit viel hinter (h^r der folgenden Gliedmaßen zurück. 
Das 2. Glied ist lang und kräftig, kantig, am :.'. Paare länger. Kurz 
vor der äußeren distalen Ecke hndet sich ein kleiner, beim Ü. Paare 
spitzerer Tuljerkel. Das :>. Glied ist kurz, auf der Innenseite kaum 
länger als auf der Außenseite, hier mit dem iiblichen halbkreisförmigen 
Ausschnitt versehen. Das -1. Glied ist außen nicht entwickelt, vielmehr 
verläuft der Distalrand in der Richtung der Gliedmaßen-Längsaxe, das 
-1. Ghed der ;>. Ghedmaße ist viel schlaidver. elienso die innere distale 
Ecke spitziger und länger ausgebildet. Das f». Glied hat ein breit 
dreieckiges Protii, indem sein ganzer Innenrand in einen runden, jiro- 
ximal gewölbt ansteigenden, distal plötzlicii abfallenden, sich an das 
Handglied anlegenden Lappen ausgezogen ist. Das Handglied ist so 
lang, wie das o. und G. Glied zusammen genonniien; sein Außeiu'and 
liegt in der Fortsetzung des Außenrandes des 5. (Uiedes; sein Innenrand 
divergiert indessen stark damit. Wahrscheinlich ist der Innenrand als 
solcher weiter zu rechnen, als er sich an das 5. Glied anlegt ; 
hier wendet er. beim 1. Beinj)aar in einem gerundeten rechten, beim 'i. in 
einem gerundeten stumpfen Wiid^el um und begiebt sich ziendich grade 
zur distalen Spitze des Handghedes; dieser distale Rand hat beim 
1. Paare etwas mehr als die doppelte, beim zweiten nicht ganz (he 
doppelte Länge des Innem-andes. r)ie Khiue ist sehr schlank und 
besonders kräftig gebogen, mit (huikel chitinisierter Spitze; sie vermag 
sich etwa über zwei Drittcd des Inuenrandes hinweg einzuschlagen. 

Das ;>. Glied zeigt eine größere Anzahl ziemlich schwacher, 
schwach behaarter Einschnitte; das folgemh^ (ilied ist an der Innenecke, 
das 4. an der distalen Hälfte des liinenranch's, das ö. am ganzen 

27 



102 Pfeffer, Krebse von Süd-Geoigieu. 

Innenrande und das (>. am ganzen Distalrande .sehr kräftig liraun 
behaart. 

Das ;>. und 4. Beinpaar ist schlank; das dritt- und vorletzte 
Glied ist mit sehr vielen kleinen und kurzen liorstenkämmeii auf der 
Innenfläche ausgezeichnet. 

Das 5. Paar ist sehr viel kürzer, als das folgende, welches vom 
7. Paare an Länge nur sehr wenig ühertoffen wird. 

Das 1. Glied des 5. Paares ist stark in die Breite entwickelt, 
das (i. schon weniger und das 7. durchaus nicht; der epimeriale Lappen 
des (xliedes ist hei den beiden ersten spitz dreieckig, etwas hornartig 
gebogen, mit gerundeter Spitze; beim 7. Paare ist er, wie gewöhnlich, 
rundlich. — Die Coxalglieder sind kriiftig in Höhe und Breite ent- 
wickelt. Das des 5. Paares schheßt distal mit dem unteren liande 
des 4. Epimers ab; die Coxalglieder der folgenden Paare sind etwas 
länger und breiter; der gebogene Hinterrand Hacht sich immer mehr 
ab und ist beim 7. Paare ganz grade. Der rundlicbe distale Lappen 
ist überall kräftig ausgebildet; die Vorderkante der Coxalglieder ist 
mit feinen beborsteten Sägeschnitten versehen. Das gleiclie zeigen 
sämtliche folgenden Glieder auf der Innenfläche, und das vorletzte 
Glied nach außen. 

Die Nektopoden zeigen keine bemerkenswertfui Eigenschaften. 
Die (irundglieder der beiden ersten Haitop öden- Paare reichen 
gleich weit nach hhiten und zwar bis auf die Hälfte des Grundgliedes 
des dritten Paares. Mit den Si)altästen überragt jedes Paar das 
vorangehende um ein weniges. Der Außenast der beiden ersten Paare 
ist kürzer als der innei-e. wäbrend beim letzten Paare dies Verhältnis 
umgekehi-t ist. Die beiden Kanten der Stammglieder wie die Äste 
der beiden ersten Haltopoden-Paare sind mit ganz kleinen, feinen, roten 
Stacheln bestanden. Die distalen Enden der Stammglieder sind nicht 
weiter ausgezeichnet; die Spaltäste der beiden ersten Haltopodenpaare 
tragen je zwei aufrecht stehende, stärkere Stacheln. Das Stammglied 
des ;i. Paares ist stark und kräftig, mit ol)erer Kante, unbewehrt; die 
Spaltäste sind breiter, lanzettlich als die der vorangehenden Paare, von 
gleicher Bewehrung der seitlichen Kanten, am Ende in eine kräftig 
chitinisierte Spitze auslaufend. — Farbe im Leben orange- bis purimrrot. 
Länge 45 mm. 

Eurymera (/cn, nor. Atylidüram. 

Eiirymera Körper uur hinten zusammengedrückt, der Kücken ganz außer- 

gen. uov. ordentlich breit und flach gewölbt. Epimeren ganz außerordentlich 

groß, hoch uiul breit. Der Stirnvorsprung ist nur ein Winkel. Auge 

klein, glänzend, rund, auf einem kräftig vorspringenden Höcker liegend . 

28 



PfefftM', Krebse von Süd-Cxeoroicn. 203 

Telson gespalten. Fülilm- von mäüiger Länge, die (»l)eren ziemlich 
stark; der Stannii der unteren etwas länger; keine Nel)engeiüel. Die 
Anßensclmeide des Oberkiefers gezähnt, ebenso die Innenschneide des 
linken Kiefers; eine gniüere Anzahl nicht gefiederte Borsten, Iinienrand 
der Innenlade des '..Unterkiefers mit vielen Fiedei'haarcn: AnCäenlade 
l)roximal mit sclnvach gefiederten Stacheln; Taster länger als die 
AuÜenlade, das Endglied hehorstet. Laden des ;>. Unterkiefers gleich 
lang, die innere schmäler. Proximalrand der Innenlade der Kieferfüße 
mit geiiederten Borsten ; an der inneren Ecke mit einigen Stacheln ; 
Proximalrand der Au(.ienlade mit schlanken Stacheln. Die Handglieder 
der beiden ersten Paare nur ganz schwach ausgebildet, beim 1 .Paare etwas 
läiiger und kräftiger als beim 9..; die drei hinteren Mittelleibsbeine 
wachsen nach der Reihe an Länge, die Coxalgheder an Länge und Breite. 

Eurymera monticulosa sjmt. nov. cinf. i. Fig-. a.) 

Gestalt niäüig schlank; die Höhe des 4. Einges nebst Ephner Em-ymera 
ist gleich einem Viertel der Körperlänge von der Stirn bis zum Ende "^'^"''cuiosa. 
des Telsons. Dies Tier ist nur an den letzten Nacldeibsringen zusammen- 
gedrückt; der Rücken ist auüerordentlich breit und flach gewölbt; die 
größte Breite hegt beim 4. und o. Segment. Länge und Höhe der 
Segmente wachsen wie gewrdndich ; doch ist der 1 . Mittelleibsring ein 
wenig länger als der zweite. 

Die Ventralkanten der 5 ersten Mittelleibs -Ringe hegen in 
einer Flucht; der fi. und 7. Ring setzt etwas tiefer an. 

Die Hinterkanten der Mittelleibs-Ringe verlaufen stark nach 
hinten geneigt; bei den Nachleibs - Ringen dagegen stellen sich die 
Hinterkanten etwa im Wiidcel von 00 " zu der Rückenkante. Der 
hintere untere Winkel der Mittelleibs-Ringe ist im allgemeinen gerundet- 
spitzwiiiklig; der des 7. ist ziendich scharf und annäliei'nd gleich einem 
Rechten, die andern werden allmählich kleiner. 

Jedes M i 1 1 e 1 1 e i b s - S e g m e 1 1 1 trägt vor seinem Hinterrande 
auf dem Rücken einen kräftigen Querwulst. Auf der Seite, oberhalb 
der Ventralkante des SegnuMites, trägt ein jeder einen kräftigen Höcker, 
der hinten am h('»chsten ist; von ihm zieht sich eine erhabene, innner 
flacher werdende Leiste nach oben und vorn, um sich da mit einem 
schwächeren, niclit id)ei'aH gleich deutlichen, hinter (h'iii \'orderrande 
des Segnn^ntes stehenden Querwulste zu verbinden. Am 1. Rhige 
liegt natürlich dei' b(M den ül)rigen Ringen verdeckte Vorderwulst klar; 
er ist hier in eben derselben Stärke entwickelt, wie der Hinterwulst; 
fei'uei- ist der Hr»cker am \'eii(rah-aii(le hier leistenf(»i-iiiig umgebildet, 
so daß das ganze Segment von einem kräftigen Randwulste umgeben ist. 

29 



104 l'fefTi^r, Krelisp vnn Sü(l-(n'oi'p;ien. 

Die vier oroüoii Epimercii sind solir kräftig entwickelt; ihre 
Vorder- und Hintei-ränder weisen nach vorn . und zwar am 1 . Einge 
am stärksten, nach liinten zu abnehmend. Die Höhe des l.Epimersist 
(in der Mitte der Längshaie gemessen) etwa so groß wie die Ventral- 
kanten des 2. und n. Segmentes; das 2. hat etwa '^Ih, das 3. und 4. 
etwa V} dieser Höhe ; (he IJreite des 4. Kpiniers ist gleich dei- H('»he des 
zweiten. Der Vorderrand des I. ist grade, der der andern etwas konvex. 
Der vordere Wirdcel ist ein etwas stum])f zugerundeter spitzer Whikel ; 
l)eim 1 . Epimer beträgt er etliche (iO". bei den andern wird ei- größer, 
beim 4. macht er etwa SO" aus. Der hintere Winkel des letzten Epimers 
ist ein stumpf zugerundeter stumpfer Winkel, Der hintere Teil des 
Vorderrandes der drei ersten Epimeren ist fein gesägt, der Hinterand 
mit feinen Dornen versehen. 

Über die Epimeren der folgenden drei Segmente siehe pag. '55, 

Die epimeria,len Lappen der drei ersten Nachleil)s- Seg- 
mente sind verhältnißmaüig schwach vom Segment abgesetzt; nur beim 
dritten ist die Absetzung vom Segment scharf. Das 1 . Nachleibs- 
Segment gleicht durcliaus (h'ui 7. Mittelleibs-Segment plus coxa, sowohl 
in Gestalt wie in Ausdehnung; das 2. ist viel höher; der Vorderrand 
seines epimerialen La})pens setzt sich kräftig vom Vorderrande des 
Segmentes ab und rundet sich etwa im Halbkreis nach vorn, um dann 
zurücklaufend in den graden Ventralrand ü])er zu gehen; der Hinterrand 
ist grade und senkrecht und stößt mit tler Ventralkante in einer recht- 
winkligen Ecke zusannnen. Das ?t. Nachleibs - Segment ist nicht so 
hoch wie das 4. ; der epimeriale Lappen erscheint gleichgebildet mit 
dem des 2. Segmentes; doch ist der (vom voraufgehenden E])imer ül)ei'- 
deckte) V(n-derrand nicht so stark geschwungen. Die Hck-kerbildung 
der drei ersten Nachleibs-Segmente ist die gleiche wie auf dem Mittelleib. 
aber schwächer und nicht so klar zu verstehen. 

Der 4. Nach leibs-liing ist etwa so lang wie der 2.; sein 
Ventralrand wird von dem voraufgehenden Epimer überdeckt; die l)eiden 
Wülste am Vorder- und Hinterrand sind sehr tiach. doch deutlich, der 
vordere stärker als der liintere. Ein epimerialer Absatz am Hinter- 
rande ist schwach umgedeutet; vor der Lisertion der Ciliedmaße steht 
ein spitziger Zahn. Der 5. Nachleibs -Ring ist ganz kurz, etwa gleich 
einem Viertel des voraufgehenden, skulpturlos. Der (i. ist beinahe 
doppelt so lang wie der f). ; das Epimer setzt sich deutlich ab; es hat 
einen graden hinteren und einen geschwungenen Ventralrand, die in 
einer hhiteren Ecke von etwa 1)0 " zusannnen stossen. 

Das Telson ist ziendich schlank dreieckig, von nicht ganz 
doppelter Länge seiner Breite, mit ganz schwach konvexen Seitenrändern; 

30 



Pfoflfer, Krebsp von Süd-Gporffien. ]05 

die Spitze ist ziigerumlet ; es ist in seinen beiden distalen Dritteln 
gespalten; die Spaltstücke schlieTsen an einander, ihre distalen Spitzen 
sind zngerundet. 

Die Stirn zeigt einen sehr tiefen Ansschnitt für die Insertion 
der oheren Fühler. Der r)arken]aj)p(Mi ist klein, vorn in langer, schwach 
konvexer Kante abgestutzt; unten setzt er sich durch einen kleinen, 
aber sehr scharfen Einschnitt vom unteren Teile des Kopfes al). Die 
untere vordere Ecke des Kopfes ist stark vorgezogen und endigt in 
einem spitzen zugerundeten Winkel ; auf diese Weise wird an der Insertion 
des unteren Fühlers ein konkaver Ausschnitt gebildet. Das Auge sitzt 
auf einen kräftig entwickelten Höcker; es ist ziendich klein, nieren- 
förmig; seine Höhe erreicht nicht ganz die Dicke des (Irundghedes der 
oberen Fiddei'. Es ist auftauend glänzend. Der Stirnschnabel ist kurz, 
stumpfwinklig, die Stirnkanten schwach konvex. 

Das Läniienverhältnis der Fühler ist nicht mit vc'illioer Genaui"-- 
keit wiederzugeben; weil die Stücke nicht unverletzt sind. Im allge- 
meinen sind beide Fühler etwa gleich lang und zwar so lang wie die 
Mittellinie des '-k. 4. und ö. Segmentes. Der Stamm der unteren ist 
um die halbe Länge sehies letzten Stammgliedes länger als der der 
oberen; die Länge des letzteren ist gleich der des :!. Postabdominal- 
ringes, in der Mittelhnie gemessen. 

Das Grundghed der oberen Fühler nimmt die halbe Länge 
des Stammes ein; es ist ziendich dick und kräftig, doppelt so lang Avie 
dick; vorn oben ist es kräftig ausgezogen. Die beiden folgenden Glieder 
nehmen an Länge und Dicke stark ab. Das 1. Glied der Geißel ist 
verhältnismäüig groß, fast so lang wie breit; die folgenden sind sehr 
viel breiter als lang, wachsen jedoch nach der Spitze des Fühlers zu 
an Länge, so daß etwa das 14. Glied die gleiche Breite und Länge 
hat; die äußersten Glieder sind lang und schlank. Die Geißel ist so 
gegliedert, daß immer zwei (dieder zusammengehören, nämlich ein 
dünnes und ein dickes; das erste hat innuer an seinem distalen Rande 
einige Haare, das andere ist an der unteren distalen Ecke nach unten 
ausgezogen und tr=igt hier ein lUischel von Haai-en. Es sind etwa 
34 (ilieder vorhanden. 

Das 1. Glied der unteren Fühler ist schu])penförmig. nur 
auf der Unter- und Außenseite entwickelt. Das )>. (died ist im Profil 
nur als ehie über dem 1. (iliede liegende Schu}))))' zu hemerk^'u: die 
Haui)tentwicklung des (iliedes liegt auf der Innenseite, wo es unten 
Avie oben in einen kräftigen dreieckigen Lai)pen ausgezogen ist. Das 
n. Glied ist klein, wenig länger als dick, außen und innen in einen 
dreieckigen Lappen ausgezogen. Das 4. Glied ist fast doppelt so lang, 

31 



106 Pfpffei-, Krel)s(' von Süfl-Gpo;o;ipn. 

als das '■).. nur etwas düinier; das T). Glied ist ein Stück kiii-zer und 
ziemlich viel dünner; beide sind an ihrem Distalrande meln-fach la])pig' 
ausgezogen. Das 1. Geißelglied ist viel länger ;ds breit, so lang yyio 
die drei folgenden Geiüelglieder zusammen; diese sind an dei- Basis 
der Geißel breiter als lang; beim 10. (ihede ist die Breite gleicli der 
Länge; die folgenden werden (L-mn immer schlanker; jedes Glied trägt 
am Distalrande oben auf seiner Innenseite zwei kleine Borstenbüschel; 
im übrigen linden sich an den idtlichen Stellen der Stiele wie der 
Geißeln Haarbildungen, jedoch von keiner Itesonderen Ausbildung. 

Die Oberlippe ist im allgemeinen dreieckig mit gerundeten 
Ecken; die Kante, mit der sie an das E])istom stößt, ist in der Mitte 
etwas eingezogen; das Ende ist ganz fein Itehaart; am Rande des 
seitlichen Teih'S tindet sicli ein Kamm schwacher Haarl»ihlungeii. der 
sich jedocli nicht auf die Fläche der Liitpe fortsetzt. 

Der Schneide-Teil des Olterkiefers ist kurz, der Taster lang. 
Der Molarfortsatz ist annäliernd nierenförmig, sehr dunkel chitinisiert. 
mit sehr scharfen mid kräftigen Riefen überzogen; die Randstacheln 
sind kräftig; ferner linden sich vier lange, schlaffe gefiederte Haare 
vor. Die Borstenreihe besteht aus etwa zwftlf nicht gefiederten Borsten. 
Die Innenschneide liat am rechten Kiefer vier Zälnie. am liidvcn mir 
einige Einschnitte. Die Außenschneide hat drei Hauptzähne und etwa 
drei proximal davon liegende, welch letztere beim rechten Kiefer stärker 
sind als Iteim linken. Das 2. Glied des Tasters ist ein Avenig länger 
als das 8.. etwas zurückgebogen, am Inncm";inde schwacli Iteborstet. 
Das Endglied ist schlank, halb eiförmig, insofern der Innenrand fast 
grade ist; dieser ist mit einer Reihe kräftiger Borsten besetzt. Am 
Ende des Gliedes stehen etwa neun längere und stärkere Borsten, 
welche mit Ausnahme der äußersten eine ganz ungemein feine Krenu- 
lierung aufweisen. 

Am 1. Unterkiefer ist die Innenlade sehr groß, auf ihrem 
ganzen Innenrande mit mehr als zwanzig kiederhanren von mäßiger 
Länge besetzt. Die Außeidade trägt am Ende kräftige Stacheln der 
gewöhnlichen Art, die sich dadurch auszeichnen, daß ihre Fiederung 
nur aus einem oder zwei Fiederstacheln besteht. An der imieren 
distalen Ecke steht außerdem noch ein Filz von schwachen, kurzen 
Borstenhaaren. Auf dem Innen- wie Außenrande der Lade finden sich 
dann noch außerdem schwache Haarbildungen. Der Taster überragt 
die Außenlade um etwas. Das zweite Glied ist üljei- doppelt so lang 
als das erste, von gewöhnlicher Form ; am Innenrande und von hier 
abbiegend und über die aborale Fläche kurz vor dem Distalrande 
entlang laufend, findet sich eine Borstenreihe; ferner ist das Ende dicht 
mit kurzen, aber stärkeren Borsten besetzt. 

32 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 107 

I)ie beiden Laden des 2. Unterkiefers sind gieicli lang, die 
innere jedoch ein gut Teil schmaler; beide haben gebogene Außen- 
ränder ; der Innenrand ist grade ; die Innenhide verschmälert sich nach 
dem Ende zu. Die Enden beider Laden sind mit den üblichen Borsten 
versehen, die bei der Außenlade länger und stärker sind; außerdem 
findet sich auf der Oberfläche der Iinienlade die bekannte schräge 
Reihe gefiederter, langer, schlaffer Haare. 

Das Segment der Kieferfiiüo umschließt, wie gewöhidich, das 
l. Glied der Gliedmaße; es zeigt jederseits einen basalen etwa recht- 
eckigen, seitHchen Fortsatz, auf dessen Oberfläche eine Reihe von 
wenigen, langen Haaren steht. Das 1 . Glied hat die übliche Form ; 
der freie Teil des Außenrandes ist etwas mehr als ein Drittel des 
ganzen; der Distalrand ist um die Hälfte länger als der freie Teil des 
Außenrandes. Das 2. Glied ist sehi* breit, sein Außenrand etwas länger 
als sein Innenrand. Avelch letzterer etwa gleich dem freien Teile der 
Außenkante des 1 . Gliedes ist ; die Distalkante ist gleich dem andert- 
halbfachen des Außenraudes. konvex gebogen; der Distalrand ist auch 
gegen die Lade zu als eine branne Grenzkante ausgebildet. Die vier 
nun lulgenden Glieder sind ganz außerordentlich schmal, so daß das 
1. Glied derselben noch nicht zwei Fünftel von der Breite seiner Basis 
(des Distalrandes des ;'». Gliedes) hat; es hat, Avie immer, ehie vor- 
gezogene distale Außenecke. Das folgende Glied ist so lang wie 
die beiden vorhergehenden, schlaidx", distal nicht verbreitert. Das vorletzte 
Glied ist schmal, distal nicht verbreitert, die Kralle so lang wie der 
Innenrand des voi'letzten Gliedes, mit schlanker, chitiniger Spitze. 

Die Beoljachtung der A))oralfiäche hirdert zwei anscheinend 
wichtige mi)r|»h(tl()gische Merkmale zu Tage. Erstens länft von der 
Stelle, an welcher sich das Segment und der freie Außenrand des 
\. Gliedes treffen, eine auf beiden Seiten durchaus gleichmäßig gebildete, 
einer etwas schwach gewordenen Artikulationslinie yTtUig gleich sehende 
Linie nach der Innenkante des Gliedes zu fast hinüber. P^ine solche 
Bildnng dürfte wesentlich sein für die Erörterung der Frage, welcben 
Teil bez. welche Teile man als 1. (ilied. bez. Al)gliederinig des 
1. Gliedes, und andrerseits, welche Teile man lüi- das Segment der 
Kieferfüße zu halten hat. Das andere wesentliche Merkmal ist der 
Ansatz der Innenlade am L Gliede. Es war oben gesagt, daß sie 
sich anf der AboralHäche dnrch eine wirkliche .Xbgrenznng \(tin(die(h' 
absetzte; auf der Oralfläche sieht num dagt'gen deutlich den Innein'and 
etwa bis zur Stelle, wo der fein behaarte x^ußenrand aufhört, sich 
über das (ih'ed fortsetzen. Es ist S(unit die i\nschauung bercclitigt, 
die Lade als eine der al)(»ralen {''lache zngelK'U'ige Lappeiibildnng der 

•6'6 u 



108 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

nach innen gelegenen Teile des Gliedes zu betrachten; oder aber es 
ist anzunehmen, daß der nach vorn gelegene Teil zugleich von einem 
zurilckgebildeten Teil des Endopodites gebildet wird. 

Die Innenlade ist flach eiförmig, distal zugerundet- abgestuzt. 
Sie trägt an ihrem Distalrande gekrümmte Borsten mit wimperiger 
Fiederung, nach innen werden sie anscheinend etwas starrer. Die 
distale innere Ecke ist mit einigen festen. 1 »raunen, kurzen Chitinstacheln 
besetzt. Der eingeschlagene Innenrand trägt, wie gewöhnlich, sehr 
lange und breite, ziemlich weiche, gewimperte Haare. Die Lade reicht 
distal l)is zum distalen Ende der Innenkante des 3. Gliedes. Die 
Bewehrung der Aboralfläche der Lade ist in situ nicht zu sehen; eine 
weitere Zerlegung des Präparates soll jedoch nicht eher vorgenommen 
werden, als das Material zugleich morphologisch völlig verwertet 
werden kann. 

Die Außenlade reicht distal um ein gutes Stück weiter als die 
Außenkante des 3. Gliedes; nämlich mit den Spitzen ihrer Borsten bis 
an die iimere distale Ecke des drittletzten Gliedes. Ihr Innenrand ist 
ziemlich grade al)geschnitten, ihr Außenrand ist sehr stark gebogen. 
Der am weitesten nach außen gelegene, scheinbar schon zum Außen- 
rande gehörige Teil des Distalrandes ist mit schwach bewimperten, 
schwachen und schlanken Borsten besetzt, nach innen werden sie zu 
stark gekrümmten, etwas kurzen, ziendich breiten, doch immerhin 
noch sehr schlanken Stacheln. Am Anfang des Innenrandes hört diese 
Bildung plötzlich auf; er ist mit kurzen, ziemlich breiten Stiftstacheln 
völlig besetzt. 

Die Beborstung der ganzen Gliedmaße ist eine recht kräftige 
zu nennen. An der Außenkante der Gheder steht eine geringe Anzahl 
starker Borsten, vor der inneren Hälfte der Distalkante steht die 
bekannte kurze, schräge Reihe von Borsten; die Innenkante des dritt- 
letzten Gliedes und der distale orale Teil des vorletzten Gliedes sind 
dicht mit Borsten besetzt, deren letzteren einige ganz schwach gesägt 
erscheinen. Außerdem finden sich auf der aboralen Eläclie des 2. Gliedes 
zwei längere und auf der des drittletzten (rliedes vier kleine Reihen 
von Borsten. Der Inncnrand der Endklaue trägt eine Anzahl kurzer, 
fester Borsten. 

Die lieiden ersten Paare der Mi tte lleibs-Be ine liaben etwa 
diesellje Längsentwickelung wie die beiden folgenden Paare; das 1. ist 
etwas kürzer und kräftiger; beide Paare haben eine mäßig ausgebildete 
Haibscheere, deren Handglied Aveder in Länge noch Breite das 5. Glied 
der GHedmaße sonderlich übertrifft. — Das 2. Glied ist bei beiden 

34 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 109 

Paaren lang und kräftig, das o. kurz, außen und innen annähernd 
gleich lang entwickelt. Das 4. hat keine Entwickelung auf der Außen- 
seite ; sein Innenrand ist gebogen ; er ist beim 1 . Paar sehr viel kleiner 
als beim 2.; das 5. Glied zeigt eine kräftige Entwickelung; es ist am 

1. Paare doppelt und am 2. Paare mehr als doppelt so lang wie breit; 
der Innenrand ist l)cim 1. Paar scliwächer, beim 2. Paar stärker 
herausgezogen, ohne daß man freilich von einer wirklichen Lappen- 
bildung sprechen könnte. Die Ränder des Handgliedes divergieren 
beim 1. Paar ein wenig, beim 2. dagegen nicht, so daß eine wirkliche 
verbreiterte Hand nicht gebildet wird. Kurz vor dem distalen Ende 
des Gliedes wendet sich der Innenrand phUzlich nach außen, so daß 
eine schwach stumpfwinklige Ecke gebildet wird, gegen deren distale 
Kante sich die Endklaue einschlägt. Über die ganze Fläche des Hand- 
ghedes hin ist der eigentliche Innen -Kontur des Gliedes zu verfolgen 
und an dem am weitesten distal gelegenen Angelpunkte des Endgliedes 
tritt das unverbreiterte Glied auf eine kurze Strecke frei zu Tage. 
Die Endklaue ist kräftig. — Das 2. Glied zeigt eine mangelhafte Haar- 
bildung; auf der proxinuxlen Hälfte des Innenrandes steht ein Büschel 
schlaffer Haare; die innere distale Ecke des 3. und 4. Gliedes zeigt 
ein kräftiges Borstenbüschcl. Die Innenkanten des 5. und G. Gliedes 
zeigen viele Kerbschnitte mit Borsten, die besonders auf dem 5. Gliede 
lang und dicht entwickelt sind. 

Die b e i d e n f o 1 g e n d e n G 1 i e d m a ß e n p a a r e sind schlank ; die 
äußere distale Ecke des 4. und 5. Gliedes ist etwas ausgezogen; das 

2. Glied zeigt dasselbe Büschel schlaffer Haare, wie beim 1. und 
2. Paar. Die inneren distalen Ecken des Gliedes, die äußeren distalen 
Ecken des 4., 5. nnd 0. Paares und einige Sägeschnitte auf dem 4. 
und 5. Paare sind mit langen Borsten bestanden. Außerdem zeigt das 
6. Glied auf dem Innenrande eine größere, auf dem Außenrande eine 
kleinere Zahl von Einschnitten, auf denen kurze Borsten stehen. 

Die ]. Glieder der drei folgenden Mittelleibs-Beinpaare 
nehmen an Höhe und Breite ab. Der epimeriale Lappen des 5. Paars 
ist stumpf rundhch, der des G. spitzer; der des 7. hat die gewöhnliche 
Bildung. 

Die Coxalglieder wachsen nach der Reihe in Länge und Breite; 
der Hinterrand der ersten beiden ist konvex, der des 3. Paars grade; 
der distale gei-undete Lappen jeder Coxa ist deutlieh ausgeprägt; auf 
der ]\Iitte der alliieren Oberfh'iche zielit eine kräftige Eängskante iiliei' 
das giinze ('uxalgiied. --- j)ii' übrigen (iliedei' des .^).. G. und 7. Paars 
gleichen (h'nen (h's 3. und I. Paars; sie sind jedoch (hucligehends 
kräftiger gebaut; (be äußere distale Ecke des I. nnd •'>. (ihedes ist 

35 9' 



110 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 



sc4ir Icräftig ausgezogen ; die drei Beiiipaare wacliisen nach der Reihe 
an Länge. 

Die Nek top öden sind ganz besonders stark bewimijert. 

Der Stamm des 1. Halto^joden reicht bis ans Ende des 
(i. Nachleibs-Segmentes ; der des 2. Paares ein ganz wenig weiter; die 
Spaltäste reichen ol)en üljer den Kamm dos 3. Paares liinaus und zwar 
die des 2. Paares etwas weiter. Der Außenast aller drei Paare ist 
um ein beträchtliches Stück kürzer als der Iinienast. Die Kanten der 
Stämme wie der Spaltäste sind in gew()hnlichcr Weise bewehrt. Am 
Ende der Spaltäste des 1. und 2. Paares steht nur je 1 Stachel. 

Mehrere Stücke. Länge 27 mm. 

Stebbingia gen. nov. Atylidarum. 

(iestalt sehhink. Iv'nper zusammen gedrückt, nirgends gekielt. 
Die Nachleibs-Segmente scliwacli ciiigesattclt. nirgends skuli)iert oder 
in »Spitzen ausgezogen. Die Epimeren sind ziendich grof}, höher als 
die dazu geh()rigen Segmente. Augen l)ohneufr)rmig. Eühler von 
mäCjiger Länge, die ()l)eren etAvas länger, nicht so hing wie der IMitteHeih. 
Die Stämme sind etwa, .^leicli hing, ziemlich schlank; die (ieiüehi etwa 
doppelt so lang wie die Stämme. Keine Nebengeiüel. ()])erkiefer wie 
l)ei den Atyhden überhaui)t, gezähnt; die Borsten kurz, hyalin und 
ungetiedert. A\'eiiige längere P>orsten am Tasterende. 1. Unterkiefer 
wie bei Dovallia. Lmenladen des 2. Unterkiefers etwas kürzer und 
breiter als die Auüenlade ; die Distalenden mit Borsten. Innenlade 
der Kieferfüße mit Borsten und wenigen Stachelhöckern ; Außenlade 
am Distalr;inde mit gebogenen Stachehi , ;im Lnienran(h' mit knrzen 
Borstenstiften. Die beiden ersten Beinpaare mit schwacher, wenig 
verdickter Hall)scheere; das 1. Paar ganz außerordentlich viel schwächer 
als das 2. Paai-. Die Coxalglieder der drei letzten Mittelleihs-Beini)aare 
wenig verbreitert. Telson bis zur Hälfte gespalten. 



Stebbingia gregaria nov, spec. (Taf. ii, Fig. 7.) 

Die Länge des Kör])ers ist etwas mehr als das vierfache der 
Höhe (his 4. Segmentes samt dessen Epimer. — Die Ventralkanten 
der fünf ersten Mittelleihssegmente liegen in grader Flucht; die beiden 
folgenden Segmente steigen etwas unter die Kanten der voraufgehenden 
Segmente heral). Die Hinterkanten der Segmente des Mittelleibes 
steigen in der Protihinsicht schräg nach hinten und unten, der hintere 
initere Winkel ist bei den ersten fünf Ringen al)gerundet dreieckig, 
wenig ausgezogen; beim G. und 7. scharf, fast rechtwinkhg. 

36 



rfVl'f'cr, Krebse von Siid-Ciooroicn. \ \ | 

Das 1. E})imcr oiTeiclit die Länge von drei Fünfteln des 4., 
das 4. ist etwa um ein Sechstel höher als lang, und etwa so lang, 
■wie die ventrale Kante des 5. und G. Segments zusammen genommen. 

Die Vorderkante der drei ersten Epimeren ist stark nach vorn 
geneigt, die des 4. nur schwach. Der Vorderrand des 1. Epimers ist 
grade, der der heiden folgenden ganz schwach, der des 4. ziemlich 
kräftig geschwungen. Der Hinterrand des 1. ist etwas konvex, der der 
heiden folgenden ziemlich grade, der des 4. wiederum etwas konvex. 
Der Veutralrand des 1. ist axial, die vordere Ecke hat einen stumpf 
zugerundeten Winkel von etwa 80"; der hintere ist etwa 120". Die 
Ventralkante des 2. Epimers ist kaum ausgehildet; der Vorder- wie 
Hinterrand gehen gerundet in einander üher , so daß das unterste 
Ende des E^jimers annähernd einen Halhkreis darstellt. Auch das 
3. Epimer hesitzt keine eigentliche Ventralkante; die Hinterecke ist 
ein gerundeter rechter Winkel, die vordere ein sehr stumpfer Dogen. 
Das 4. Epimer hat einen ziemlich langen, etwas aufsteigenden, scliwach 
konvexen, fast graden Ventralrand; ])eide Ecken sind stumpfwinklig, 
al)gerundet, der vordere stumpfer als der hintere. 

Der iVljsetzungswinkel des ejumerialen La])])ens des 1., 2. und 
?>. Nachleihs-Segmentes ist hei den heiden ersten schwach, aher deutlich, 
heim 3. heträgt er etwa 100", Der 1. ist verhältnismäßig niedrig, 
nicht viel höher als der 6. Mittelleibsring (samt seinem Coxalgiied), 
der 2. ist ein gutes Stück höher, der 3. wieder niedriger, aber länger. 
Die Ventralkante des 2. reicht so weit nach unten wie der des 3.; 
die des 1. endigt sehr viel h()her, etwa in der Höhe des ventralen 
Endes des Epimerial- Lappens bei den drei voraufgehenden (gliedern. 
Das Epimer des 1, Nachleil)s-Segmentes w^eist kräftig nach hinten und 
ist blattförmig; sein Vorder- und Hinterrand geschwungen, der letztere 
etwas stärker; l)eide treffen in einem nicht ausgezogenen Spitzbogen 
zusammen. Die beiden folgenden Epimeren hal)en enie hintere Bogen- 
ecke, die beim 2, etwas weniger, beim 3. etwas mehr als '.hV l)eträgt. 
Der Ventralrand ist heim 2. ein schwach aufsteigender, schwach gewr»ll)t(>r 
Bogen, der sich in sehr stumpfem Winkel in den Vorderrand fortsetzt. 
Der Ventralrand des 3, epimerialen Lappens läuft ganz schwach ge- 
schwungen, annähernd wagerecht, und geht hi einem zugerundeten rechten 
Winkel in den \^»rden'and über. 

Der 4. Postabdomin;dring ist dorsal etwa so lang wie der 
1. Nachleibsring, kräftig eingesattelt; der folgende ist ganz kni'z. 
dorsal in äußerster Kleinheit entwickelt; der (i. hat etwa die halbe 
Länge des 4. 

37 



]10 Pfeffer, Krebse V(in Süd-Geoi'oien. 

Das Telson ist so laiii!; wie die Rückoiilinie des 1. Naeldeibs- 
ringes; seine Breite beträgt etwa zwei Fünftel der Länge; seine Seiten- 
kanten sind ganz scliwacli gegen einander geneigt. Die distale Hälfte 
ist gespalten; der Spalt erweitert sich distal; die l)eiden Spaltäste 
sind infolge dessen etwas von einander getrennt; das Ende eines jeden 
ist abgestntzt niid in der Mitte eingekerbt. 

Der Kopf ist beinahe so lang wie die Eilekenlinie der beiden 
ersten Segmente ; die Stirnkante ist für die Fühlerwnrzeln nnr schwacli 
ausgeschnitten; zwischen die beiden letzteren schiebt sich ein ganz 
nnscheinbarer. niedrig dreieckiger Fortsatz hinein. Der r>;u'kenl;ip])('n 
ist kaum ausgebildet; der I\o])frand 1)ildet nur eine ganz schwache, 
senkrecht abgestutzte Konvexität. Die Augen sind groß, nierenfrirmig ; 
ihn^ Breite beträgt etwas melir als die Länge; ihr Oberrand reicht 
beinahe bis zur Ilückentirste des Kopfes, ihr l'nterraiid so weit wie 
der Ausschnitt zur Aufnahme der Fühlerwurzeln, 

Die Fühler sind ziemlich schwach, von mäßiger Länge; die olteren 
erreichen die Länge vom Anfang des 1. bis zur jNIitte des (i. Mittelleibs- 
ringes. Die ol)eri'n Fülder sind etwas länger als die unteren, dagegen 
ülx'rragt der Stamm der unteren den der oberen um die Hälfte seines 
letzten Gliedes, 

Das l. Glied der oberen Fühler ist ziemlich kräftig, das 2, 
etwas kürzer und viel schmaler; das 3, erreicht kaum die Hälfte von 
Länge und Dicke des 1. (iliedes. Die Borstenbildungen des Stammes 
sind ganz außerordentlich schwach. Die Geißel iK^gimit mit einem 
Gliede, welches etwa so lang ist, wie die drei folgenden Glieder zu- 
sammen. Die Geißelglieder bestehen abwechselnd aus einem an der 
unteren distalen Ecke ausgezogenen und ndt einem stärkeren Borsten- 
bündel versehenen und aus einem solchen, dessen untere Partieen keine 
Auszeichnung haben. Am Grunde der Geißel beträgt die Länge des 
Gliedes etw^a ein Drittel der Breite, am 30, (Uiede ist die Länge etAva 
gleich der Breite ; die äußersten Glieder sind sehr viel länger als l)reit; 
eine unversehrte (ieißel zeigt 50 Glieder. 

Die drei proximalen Glieder der unteren Fühler zeigen die 
Merkmale der Atyliden überhauj)t; das 4. und 5. Glied ist lang und 
ziemlich kräftig. Die Borstenbildung ist schwach, doch zeigen die 
proximalen unteren Kanten der drei proximalen Stammglieder eine 
Reihe etwas festerer Borsten, die am 3. Gliede einen etwas stachelartigen 
Charakter annehmen. Die Geißel besteht aus etwa 40 (iliedern; das 
1. (ilied ist so lang, wie drei folgende zusammen. Die Ringe zeigen 
einen Dimorphismus; zwar nicht in der Gestalt, sondern darin, daß 
abwechselnd je einer auf der Unterseite ein längeres Haar entsendet, 

38 



Pfeffer, Ki'ebse von Siul-Georgien. 113 

während der folgende anf der Oberseite das napfförmige Sinnes- 
organ führt. 

Der Mohirfortsatz des Oberkiefers ist qner oval, sehr sau])er 
gerieft. Er ist unigelx'n von den iil)lichen kleinen Borstenstacheln nnd 
trägt außerdem drei sehr lange, dicke, geliederte Haare; von hier ans 
zieht sich in der Richtung nach dem Fühlergrunde zu eine kurze, mit 
vielen scluvachen und kurzen Haaren besetzte Stelle. Die Borsten der 
Reihe, welche den IMolarturtsatz mit der Sclnicidc verbindet, sind kurz, 
gekrümmt, hyalin und ungefiedert. Die Auüenschneide des linken 
Oberkiefers hat auLser dem Ende noch fünf, die innere vier Höcker- 
zähne. Am rechten Kiefer hat die Außenschneide außerdem noch 
einen aboralen Zahn, welcher dem Haujjtzahn an (iröße gleich kommt; 
die Innenschneide ist rudimentär, zeigt etwa vier unregelmäßige Zalm- 
bildungen ; die ihm zunächst stehenden Haarbildungen der Borstenreihe 
sind zwei oder drei gefiederte Haare, welche auf dem Kiefer der linken 
Seite nicht zu bemerken sind. Der Taster ist etwa um ein Drittel 
länger als der Kiefer, vom Gelenkkopf liis zur Schneide gemessen; 
Form und Größenverhältnisse stimmen zu dem von Bovallia gigantea; 
die längeren Borsten an der Spitze des Endgliedes sind in der Zahl 
von fünf vorhanden. 

Die Unterlippe hat einen medianen Kerbschnitt, der fast die 
ganze Länge der Lippe ausmacht; jede der beiden seitlichen Hälften 
ist in einen queren, etwas nach hinten gewölbten, freien Lappen mit 
gerundetem Ende ausgezogen. Die freie aborale Fläche, besonders da. 
wo sie sich in den Einschnitt hinein wölbt, ist mit einem Filz sehr 
feiner, kurzer, steifer Häärchen bestanden. 

Der Unterkiefer des 1. Paares ähnelt durchaus dem von 
Bovallia. Die Innenlade ist stumpf oval, mit etwa neun langen, 
schlaffen Fiederhaaren. Das Distalende der Außenlade ist dicht mit 
starken Stacheln besetzt; die äußeren sind größer, stärker, braun 
chitinisiert und zeigen stiim])fe Fiederzacken; diejenigen auf den inneren 
zwei Dritteln des Randes sind etwas schlanker, hyalin und auf der 
konvexen Seite mit sehr sauberen, scharfen Stachelfiedern versehen. 
Der Taster überragt die Außenlade um ein Stück; er hat ein kleines 
Proximalglied mit etwas ausgezogener Außenecke ; seine Länge über- 
steigt seine Breite um etwas; das Außenglied hat einen schlank bohnen- 
förmigen Umriß, ist so breit wie das 1. (ilied lang ist, zwei ein hall» 
mal so lang wie breit. Der Außenrand trägt etliche (etwa vier) lange 
Borsten; das Apikal-Ende trägt auf der Oraltläche eine Reihe kurzer, 
etwas gebogener Stiftborsten, während auf der Abor.iltliiclie eine ent- 
sprechende Reihe langer, grader, stumpf abschließender Borsten steht. 

39 



114 Pfoffci", Kre1)so von Si'id-Geoi-t^ien. 

Die innere Lade des 2. Unterkiefers ist etwas kürzer und 
l^rciter, als die Aiirjenlade, mit konkavem Außen- und p'adem Innen- 
rande ; die Ränder der Außenlade sind ziemlicli parallel. Die 
Distal-Enden sind mit kräftigen Borsten versehen, dio nach innen an 
Größe ahnehmen und auf der Außenlade länger sind als auf der 
inneren. Auf der Oralfläche steht eine etwa in der Mitte des Iinien- 
randes l)eginnende und schräg nach außen und proximalwärts gewandte, 
üljer etwa zwei Drittel der Oraltläche hinweg verlaufende Reihe von 
etwa neun heweglich eingelenkten, sehr langen, gefiederten Haaren. 

Das Segment der Kieferfüße zeigt einen etwa (luadratischen 
Umriß; nahe seiner hinteren Kante steht eine quere Reihe langer, sehr 
dünner Haare. Das 1. Glied springt innen ziemlicli kräftig in das 
Segment hinein; der Außenrand hat etwa die lialhe Länge des freien 
Segmentrandes; das 3. Glied ist etwas kürzer als der Außenrand des 
2., breiter als lang, distal etwas verbreitert, die Innenecke ein wenig, 
die Außenecke sehr stark vorgezogen. Das 4. Glied ist länger als das 
2. und 3. Glied zusannnen genomnu'ii. doppelt so lang wie hrcit, 
distalwärts verbreitert, mit ausgezogener Außenecke, schwach konvexem 
Außen- und stärker konvexem Innenrande. Das vorletzte Glied ist 
eiförmig, mit abgestutztem Distalende. Die Klaue hat etwa zwei Drittel 
der Länge des vorletzten Gliedes; sie ist sehr schmal und schwächlich. 
— An der äußeren distalen p]cke haben alle Glieder kurze, steife 
Haare; außerdem hat das 1. Glied kurz vor der Distalkante und in 
einem mittleren Bereiche auf der inneren Hälfte je eine Reihe LIaare. 
Das 2. Glied hat eine von der Distalkante ausgehende, schräg nach 
innen und proximalwärts verlaufende Reihe von Haaren; das 4. Glied 
zeigt außer einer am Vorderrande verlaufenden längeren Reihe noch fünf 
ander(> kurze Querreihen. Am vorletzten Gliede finden sich sowol auf 
der Außen- wie auf der Innenseite einige Andeutungen solcher kleiner 
Querreiben. Ferner sind die Innenränder der Glieder, vornehmlicli 
nach dem ])istalende zu, mit Haaren versehen; die des vorletzten 
Gliedes sind so lang, Avic die Endklaue. — Die Iimenlade reicht nach 
vorn fast so weit, wie das 3. Glied; sie hat am Distalrande einige 
Avenig(! (etwa 3) starke kurze Stachelhöcker und eine Anzahl von Borsten, 
ebenso kurz vor dem Rande auf der aboralen Fläche. Die einge- 
schlagene Innenseite zeigt die gewöhnliche Besetzung mit schlaffen 
Fiederhaaren. Die Außenlade hat ein halb-eiförmiges Ende, mit sehr 
stark gewölbtem x^ußenkontur. Am distalen Rande stehen gebogene 
Stacheln; von der Spitze am ganzen Innenrande entlang gebogene, stift- 
förmige, kurze Borstenstachehi. Die aborale Fläche nahe der Innen- 
kante ist mit Borsten l)edeckt. welche eine Anordnung in kleinen 
queren Reihen erkennen lassen. 

40 



rfi'fiVi-, Kri'l)sc von Süd-Genrsicii. 115 

Das 1. und ;?. Paar der Mittelleibs-Beine ist durcliaus nach dem- 
selben Plane gebaut, das 2. jedoch etwas schlanker und. besonders die 
Hand, beträchtlich größer. Das 2. Ghed ist lang und kräftig; das 3. 
kurz, mit lialbkreisfönnigem Ausschnitt auf dern AuCK-nrande; das 4. ist 
außen wenig, innen sehr kräftig entwickelt ; beim 1 . Paar ist der Anfk-n- 
rand sehr viel kräftiger gebogen. Beim 5. (JHed verläuft der Aufsen- 
rand in der Richtung der Außenkante des 4. Ghedes; der Innenrand 
läßt den üldichen Lappen entstehen, der beim 1. Paare allmählich 
ansteigt und allmählich wieder absteigt, Avährend er Ix'im 2. Paare 
nach dem Anstiege sofort derart abfällt, daß sein Abfall mit der 
Distalkante des Gliedes eine einheithche grade Linie l)ildet. Das Hand- 
glied ist oval, der Außenrand etwas Aveniger gel)()gen als der Lmen- 
rand. Li seinem distalen Drittel wendet sich der Lmenrand in stumpfem 
Whdcel, aber ziendich ausgeprägt, nach dem Ursprungsort der Klaue 
zu. Diese ist ganz besonders stark gebogen, nicht ganz so lang als 
der distale Teil des Innenrandes. Das 2. (died hat etliche schwache 
Haarbildungen, ebenso das 3. Glied an der distalen inneren Ecke. 
Ein Teil des Innenrandes des 4. Gliedes, el)enso wie der gesamte 
Innenrand des 5. Gliedes, ist mit langen kräftigen Haaren l)estanden. 
Der Innenrand des (i. (diedes ist stark, der Außenrand schwach Ix'haart; 
die Borsten stehen in Querreihen; außerdem findet sich an der Stelle, 
gegen die sich die Spitze der Endklaue einschlägt, ein Haufe von kleinen 
Stacheln, der am 1. Paare aufrecht steht, während er am 2. Paare 
gegen die Klaue zu niederliegt. Die Klaue ist kurz, außergewöhnlich 
stark eingebogen. 

Das 3. und 4. Beinpaar ist schlank; das 3. Glied hat auf der 
Außenseite den halbkrcisflnnuigen Ausschnitt der vorangegangenen 
beiden Paare; das I.Glied zeigt eine mäßig ausgezogene äußere distale 
Ecke; der distale und })r()xinKde Rand des ;">. (iliedes läutt ijarahel. 
Alle (ilieder zeigen an der Außen- wie Innenseite Haare, die. besonders 
deutlich an den mehr distal gelegenen (iliedern, in Säge-Einschnitten 
stehen. Die Endkralle ist am distalen Ende besonders stark eingel)ogen. 

Die hinteren Lappen an den 1. Gliedern dei' Ix'iden folgenden 
Beinpaare sind dicieckig abgei'undet. der 2. spitzer als der erste; der 
des 7. Paares hat dii' gewöbnliche runde Eorm. — Di<' ('oxaiglicdcr 
sind ziendich hocli ; sie übei'ragen die großen Epimeren deutlich; die 
Hinterränder werden nacli der Reihe etwas weniger konvex; die P>reite 
der (ilieder wächst in der Reihe nicht bedentend; dei- distale Lappen 
ist nur wenig ausgebildet, spitz-rundlicli. Die übrigen (dieder der drei 
letzten IVIittelleibs- J)ein])aare sind etwas krältiger. als die des 3. nnd 
4. Paares, die distale Ecke des 4. Gliedes ist kräftig, die des .'>. mäßig 
stark angezogen. 

41 



116 Pfeffer, Krol)SO von Süd-Geoi-gien. 

Die Noktopoden sind vcrliältnisniäüi^- lan,^' ; die der l)eideii 
letzten Paare reichen fast soweit nach hinten wie chts erste Haltopoden-Paar. 

Der Stamm des ersten Haitop öden -Paares ist schlank und ragt 
über den des 2. Paares hinaus; der des 2. Paares reicht nur über das 
proximale Drittel des Stammes des 8. Paares hinweg. Die Spaltäste 
des 1. Paares sind beträchtlich lang, von ^/s der Länge des Stannnes 
und überragen die Spaltäste des 2. Paares um ein Ix'dentendes Stück. 
Von den Spaltästen ist am 1 . Paare der äuTjcre um ein kaiun l)enierk- 
l)ares Stück kürzer, beim ;». Paare ist er sehr viel kürzer als der 
innere; l)eim ?>. Paare sind l)eide Äste gleich lang. Die Kanten der 
Stammglieder der l)eiden ersten l'aare ninl die der Spaltäste aller drei 
Paare sind mit Stacheln l)esetzt; am l*;iide der Äste der l)eiden ersten 
Paare steht ein stärkerer aufrechter Stachel, wälncnd die S]>altäste 
des ;;. Paares in eine kräftig chitinisierte S])itze ausgelien. 

Länge der Stücke 17 mm. 

Es ist dies der genuinste Anphi|)od von Süd-(ieoi'git'n. Über 
das lebende Tier findet sich die Angabe: grangiün. unter Steinen, 
niedrige Eljbe. 

Calliopius georgianus nov. ^pcc. (Taf. 2, fio. g.) 

Caiiiopius Der Körper ist nur in der (Jegend der letzten Nachleibsringe 

georgiauus. zusammen gedrückt, der Mitteileil) dagegen ist durchaus nicht mehr 
gewölbt als der vieler Isopoden und hat einen breiten runden Rücken. 
Kielbildungen und auffallende Skulpturen sind nicht vorhanden, doc-h 
springen die unteren seitlichen Teile der Ringe etwas heraus und die 
ausgezogenen Ecken der Segmente etwas seitwärts vor, eine Tendenz, 
die sich auch bei den Epimeren und epimerialen Teilen zeigt. — Be- 
sonders charakteristisch ist die l)ei allen Lulividuen auftretende lockere 
Verbindung der einzelnen Segmente, so daß bei denen des Mittelleibes 
die Zwischenstücke der einzelnen Ringe fast alle deutlich zu Tage treten. 

Der Kopf springt mit einem breitschenkhgen, einen Winkel von 
etw^a 80 " bildenden , mit ganz schwach konkaven Rändern versehenen 
Stirnschnabel zwischen die Eühlerwurzeln ein. Der Backenlappen ist 
vorn abgestutzt. Das Auge ist wohl gehildet, im ganzen rundlich, sehr 
stumi)f oval, jedoch nicht ganz gleichmäßig ausgebildet, insofern es 
einen vorderen, hinteren oder unteren Ausschnitt oder eine ebendaselbst 
gelegene grade Kante aufweisen kann. 

Die Ringe des Mittell eil)es wachsen an Höhe und Breite in 
der üblichen Weise; die Hinterränder sind im allgemeinen scliwach 
nach hinten gewandt; die Ansziehung der hinteren unteren Ecke ist 

42 



IM'rft'cr, Krt'lisi' von Süd-Gcoi-gicn. J ] 7 

luir 1)('i den di'ci Ict/tcn ^rittcllciljs-SconuMitcu zu Ix'iui'i'kcu; l)oi doii 
vorderen ist diese Ecke rundlicli und der Kontur wendet sich sogar 
etwas nach vorn, um in den Ventrah-and des Segmentes überzugehen. 
Die Ventralränder der ersten fünf Segmente bilden nicht, wie gewöhnlich, 
eine grade Linie, insofern hei den Ix'iden ersten Segmenten die Ventral- 
kante schräg nach vorn gerichtet ist und die Lockerung der Segmente 
eine einheitliche Linie nicht aufkommen läßt. 

Die vier Epimeren sind in mäßiger (inU.h^ entwickelt, etwa 
-'?. l)is V* der l'i'()fil-Hr)he der hetreftenden Segmente. Das 1. ist sehr 
klein, hat einen etwas vorgezogenen Vorderrand; die beiden folgenden 
haben rundliche Vorder- und Hinterränder und eine schwächer konvexe 
Bauchkante. Das 4. Epimcr übertrifft die andern wesentlich :in ( irr)üe; 
der Vorderrand geht im Dogen in den Ventralrand über, der Hinterrand 
ti'ift't in einer etwas zugerundeten rechtwinkligen Ecke auf den \'entral- 
i'and. In seinem oberen Teile folgt der Hinterrand dieses Epimers, 
scharfwinklig absetzend, d(^m Vorderrande des I.Gliedes der folgenden 
(iliedmaCse und ist bogig ausgeschnitten. 

Das Telson ist etwa von doppelter Länge seiner Breite; die 
Ränder verlaufen zuerst schwach konkav, dann grade; die Spitze ist 
zugerundet. Die hintere Hälfte der dorsalen Oberfläche zeigt eine 
elliptische Längsgrube, in deren Mittellinie eine I'urche verläuft, die 
das Ende des Telsons ausker1)t. Diese Furche ist jedoch nur ober- 
flächlich und spaltet das Segment nicht. 

Die Fühler haben kräftige Grundglieder und eine kräftige 
obere Geiüel; die untere Geißel ist schwächer. Der Stiel der oberen 
ist um ein halbes Glied kürzer als der der untern, die Geißel der 
untern ist etwa doppelt so lang wie die der obern, doch ist dies 
Verhältnis vielfach gest()rt; die Länge der oberen Fühler ist etwa 
gleich der des Kopfes und der l)eiden ersten Segmente. 

Die dri'i Stammglieder der oberen Antennen sind sich au 
Länge etwa gleich, nehmen aber an Dicke sehr kräftig ab; das '2. und 
o. Glied ist distal etwas erweitert, insofern die distale untere Ecke 
etwas nach unten und voi'n ausgezogen ist. Die untere Kante zeigt 
innen Ijeim ersten Gliede eine, beim ',i. und ?■>. (iliede zwei abwechselnde 
Reihen von Sägeschnitten, in denen lange, nach unten und vorn ge- 
richtete Borsten stehen. Außen am Distali-ande des :.*. nnd .">. (iliedes 
stehen gewaltige Borsten. Das 1. Glied dei' (ieißel ist kaum langer 
als breit. Die (ieißel setzt sich aus zwei Alten von Gliedern zusammen, 
je einem schlankeren proximalen, distal schwach ei-weiterten. und je 
ehiem distalen, an dei' distalen untern Ecke kräftig nach unten aus- 



43 



118 Pfeffer, Krel)se von Süd-(ieor,a;ien. 

gezogenen Gliede. Jedes proximale (»lied trägt am Distalrande innen 
eine gewaltige Borste, und jede distale an der vorgezogenen Ecke ein 
Büscliel zarter Sinneshaare; außerdem tragen alle (etwa 2;")) Glieder 
an der oberen distalen Kante ein kleines Haarl)üscliel. 

Das 3. Glied der unteren Antennen ist kurz, distal stark erweitert, 
das folgende ist bedeutend länger, ebenfalls dick und distal erweitert; das 
0. Glied ist wiederum etwas länger und dünner. Unten und innen linden 
sich auf den Schaftgliedern Sägeschnitte, in denen kräftige Borsten stehen; 
ebenso tragen die distalen Ränder solche. Die Geißel beginnt mit einem 
Gliede von do])2)elter Länge der eigenen Breite ; die folgenden sind 
etwas breiter als lang, etwa bis zum 25. Gliede; von da ab werden 
die Glieder länger als l)reit, doch erreichen selbst die äußersten nicht 
viel mehr als die doppelte bis dreifiiche Länge ihrer Breite. Die (Jeißcl 
eines ziemlich großen Stückes hat .38 (ilieder; junge Stücke zeigen 
deren Aveniger. Am distalen Rande oben wie unten hat jedes (ilied 
ein Büschel ganz kleiner Haare; außerdem haben auf dem i)roxinialen 
Teile der Geißel einige beliebige Glieder am Distalrande unten lange 
Borsten. 

Der Oberkiefer hat einen Taster von einer Länge, der gegen- 
über der kauende Teil der Gliedmaße beträchtlich zurücktritt. Der 
Molarfortsatz si)ringt sehr kräftig vor und zeigt an der ül)lichen Stelle 
drei lange gefiederte Haare. Die fehlen über die ()l)ertläche des Fort- 
satzes verlaufenden Riefen sind deutlich vorhanden. Das schneidende 
Ende des rechten Kiefers hat eine Außenschneide mit drei gi'oßen 
und drei kleinen mehr oralwärts gelegenen Zähnen. Die Lnienschneide 
ist bandförmig und zeigt in der Haui^tfläche zwei, uml in einer darüber 
liegenden Fläche einen zwischen den beiden der Hauptfläche gelegenen 
Zahn. Die Borstenreihe besteht aus etwa zehn kräftigen, deutlichen und 
einigen distal davon stehenden undeutlichen Borsten. Der linke Kiefer 
zeigt fünf Zähne an der Außenschneide, ferner ehie große, bandförmige 
Innenschneide mit .5 Zähnen. Das proximale Glied des Tasters ist 
ein wenig länger als breit; das folgende lang, wenig zurückgebogen; 
das letzte etwas kleiner als das vorletzte, schlank, sich nach dem Ende 
zuspitzend, ziemlich kräftig nach innen eingebogen. Der Lnienrand 
des vorletzten und letzten Gliedes trägt viele r>orsten ; auf dem letzten 
Gliede zeigen einige distale Stacheln eine feine Kreiiulierung auf der 
konkaven Seite. An der Distalspitze des letzten Gliedes stehen 
einige (etwa sechs) stärkere und längere Borsten. 

Die Lmenlade des 1. Unterkiefer -Paar es ist wohl ausge- 
bildet; sie hat an ihrem Lmenrande einen schwachen Haai'Hlz und am 
distalen Ende zwei starke und ein ganz schwaches I'iedi'ihaar. Die 

44 



Pfeffer, Krebse von Siul-Georgien. 119 

Außeiilade ist distal ein wenig verbreitert, nur ^venig nach innen ein- 
gekrümmt; an dem äuOeren Teile des Distalrandes stehen starke, 
gelbe mit Höckertiedern versehene Dornstachehi, die nach innen in 
die sclnvächeren. hyalinen, sehr sanber an der Innenseite gekämmten 
Stacheln übergehen. Das Endglied des Tasters überragt den Rand der 
Außenlade (ungerechnet die Stacheln) mit seinen distalen zwei Dritteln ; 
es ist fast drei mal so lang wie das Grundgiied. distal sich verbreiternd, 
mit sehwach konkavem Innen- und kräftig konvexem Außenrand. Der 
innere distale Kandteil des linken ist mit starken, kurzen Stacheln 
bestanden, die nach außen zu an Länge und Schlankheit zunehmen; 
an dem Taster der rechten (iliedmaße sind die Stacheln viel schlanker 
und annähernd l)orstenartig. 

Von den beiden Laden des ;2. Unterkiefers ist die äußere 
etwas kürzer und bedeutend breiter. Der distale Teil des Innenrandes 
der Innenlade ist mit sehr vielen ziemlich schwachen Borsten bestanden; 
d(Mi proximalen Schluß dieser Reihe machen zwei sehr große und sehr 
starke Fiederhaare. Proximal davon findet sich ein Filz schwacher 
Haare. Der Distalraud der Außenlade führt längere, stärker ge- 
krümmte, jedoch iuinier noch ziemlich starke Dorsten. 

Der i)roxiniale Rand des Segmentes der Kieferfüße stellt 
einen weiten Bogen dar; die seitlichen proximalen Kcken sind ein 
wenig ausgezogen; der vordere Teil verschmälert sich erst ziemlich 
pliitzlich mit l)ogenförnn'geu Rändern, dami al)er nur noch ganz wenig 
bis zum distalen Rande. Das 1. Glied der Kieferfüße legt sich, wie 
gewöhnlich, ülier das Segment hinweg; der freie Teil des 1. Gliedes 
ist. wie ültlicli. kurz; das )l. Glied ist fast doppelt so lang, der Außen- 
rand des 3. ein wenig kürzer, die äußere distale Ecke verhältnismäßig 
wenig vorgezogen. Der Außenrand des 4. ist nicht ganz do})})elt so 
lang, wie der des ;'».. der Innenrand etwas kürzer, das (ilied distal 
etwas verbreitert. Das vorletzte Glied ist noch nicht h;dh so breit 
wie das 4.. V(»n etwa zwei Drittel der Länge des drittletzten Gliedes. 
Die Klaue ist etwa gjcicli /wei Dritteln oder drei Vierteln der Länge 
des vorletzten Gliedes, ziemlich schwach, mit besonders langer, schlanker 
Spitze. Die ])roximal(ii (ilicder zeigen an den üblichen Stclh'U eine 
ziemlich schwache Behaarung; dagegen ist das dritt- inid vorletzte 
Glied sehr stark behaart. Die Klaue hat auf dem Inncui'ande nalu; 
der Spitze einige kleine, stittai'tige llorsten. — Die Inncnlade i'ciclit 
nach vorn so weit wie das '.). Glied dei- (iliedmaße; die Außenlade 
etwas über die Hälfte des 1. (iliedes. Die Innenlade trägt auf dem 
eingeschlagenen Innenrande die ül)lichen, schlanken, geliederten Haare; 
kui'z voi' dem distalen VauIv schwenkt diese Reihe nach außen ah und 

45 



120 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

setzt sich bis auf den Eand fort, während die Haare kürzer und fester 
werden; das letzte Haar steht auf dem Distah-ande der Lade selber. 
Aufjerdem besitzt der Distalrand eine Eaudreihe gekrümmter, ziemlich 
schwacher Borsten und nach dem Innenrande zu drei kurze, feste 
Borstenstacheln. Nahe dem Innenrande der Außenlade stehen auf der 
oralen wie ab(jralen Fläche sehr viele, in kleinen queren Reihen an- 
geordnete Borsten; nahe der distalen Ecke stehen diese Borsten auf 
dem Rande selber; sie sind sehr viel grör3er und fester geworden und 
krümmen sich kräftig nach innen. 

Die l)eiden ersten Beinpaare ]ial)en kh'ine, aber wold 
ausgel)ildete Haibscheeren. Das 1. Paar ist etwas kräftiger gebaut 
und hat eine etwas größere Scheere. Das 'J. Ghed ist bei lieiden 
Paaren lang; am Außenrande kurz vor seinem Distalende steht ein 
kleiner Höcker; der Innenrand ist am 1. Paare stärker gebogen, das 
Glied kräftiger. Das 8. Glied ist klein, nahe dem Außenrande mit 
dem übbchen, runden Ausschnitt. Das 4. (ihed ist klein, auf der 
Innenseite sein- stark, auf der Außenseite sehr stark entwickelt. Das 
5. Glied ist fast so lang wie das Handglied; sein Innenrand erhebt 
sich (beim 2. Paare stärker) zu einem kräftigen Lapi)en, der kurz vor 
dem distalen Rande ziendich steil wieder abfällt. Das Ghed ist am 
1. Paare etwas kräftiger; ebenso das Handglied, dessen Außeni-and 
ganz schwach gebogen ist, während sich der Innenrand ziemhch stark 
und zwar am 1. Paare stärker als am 2. wöilbt. Die Klaue ist schlank, 
die äußerst«' Spitze ein wenig, stärker gekrihnmt; der Teil des Innen- 
randes der Hand, gegen den sie sich einschlägt, ist etwas mehr als 
die distale Hälfte. — Das 3. Glied ist ziendich kahl; die folgenden 
Gheder zeigen innen kerbige Einschnitte, hi denen Borsten stehen; 
außerdem finden sich solche an der distalen Innen- und Außenecke. 
Auf dem 3. (üiede stehen die Ker])zähne und Borsten auf dem vor- 
springenden Lappen. Das Handghed zeigt die bel)orsteten Einschnitte 
am Außen- und Inneiu'ande ; Dornen sind nicht vorhanden. 

Die l)eiden folgenden Beinpaare des Mittelleibes sind 
etwas schlanker als die drei letzten Paare, sonst diesen durchaus 
ähnlich. Die Außenecke des 4. Gliedes ist überall in einen dreieckigen 
La])pen kräftig ausgezogen. Der hintere Lap})en des 5. Beinpaares ist 
annähernd eiförmig mit schlanker .Si)itze mul viel kleiner als das 
1. Glied der Gliedmaße; der der (i. (ihedmaße ist gleich gebildet und 
größer als das 1. (Ilied des Beines; beim 7. Paare ist der hintere 
La])|)en hall)kreisfö]'mig und das 1. (ilied mir als ein vorderer Höcker 
zu erkeinien. 



46 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 121 

Die Coxalgiieder des 5. — 7. Paares wachsen nach hinten an 
Breite und Länge ; der hintere Rand ist ein wenig geschweift ; die 
distale äußere Ecke ist üherall nur schwach rundlich ausgezogen. 

Die Nek top öden haben sehr lange, von vorn nach hinten an 
Länge zunehmende Stamniglieder. 

Die beiden ersten Haitop öden- Paare sind ziemlich schwach, 
sowol im Stamm wie in den Spaltästen. Die Stämme reichen gleich 
wTit nach hinten; die Aste sind klein, der äußere etwas kleiner. Die 
Einschnitte und Stacheln auf den Kanten des Grundgliedes wie der 
Spaltäste sind ziemlich schwach; am Ende jedes Spaltastes steht ein 
kräftiger Stachel; ebenso ist der Stachel am distalen Ende des Stammes 
des 2. Paares etwas kräftiger. Das Grundglied des 3. Paares der 
Haitopoden ist kräftig, glatt, reicht nach hinten soweit wie die Spalt- 
äste des 2. Paares, wird vom Telson etwas überragt und hat eine 
lappig vorgezogene, runde, distale obere Ecke. Die Spaltäste des 

3. Paares haben gesägte, mit Stacheln besetzte Kanten und einen 
kräftigen Enddorn. 

Größe 17 mm. 

Diese Art ist nächst Stebbingia gregaria der gemeinste Amphipod 
Süd-Georgiens. Die Bemerkungen über das lebende Tier lauten: ,,Grau- 
grünlich, unter Steinen, in Florideen u. s. w." 

Megamoera Miersii nov. spec. (Taf. iii. Fi«-. 3.) 

Der Kör2)er ist außerordentlich langstreckig; die Entfernung vom Megamoera 
Kopfende bis zum Hinterende des 6. Nachleibs-Segments siebenmal so 
groß, Avie die Höhe des 3. Brustringes nebst Epimer. — Der Rücken 
des Kopfes und der ersten sechs Ringe ist gerundet; am 7. Ringe tritt 
eine nach liinten inniier schärfer werdende Mediankante auf; auf dem 

4. und 5. Nachleibs -Segmente erhebt sie sich kielförmig und läuft 
hinten in eine Spitze aus. Der Rücken des (). Naehleibssegmentes ist 
platt. — Die Körperringe wachsen bis zum 3. Nachleibsringe an Länge 
und Höhe; vom 4. ])is <>. Nachlei])sringe nimmt die Höhe schnell ab. 
Der ^^Jrderrand des 1. Segments verläuft grade, schwach nach vorn 
geneigt. — Die Hinten'änder der Mittelleibs-Segmente verl.iufen dorsal- 
wärts zunächst senkrecht, biegen daini aber nach liinten ab und bilden 
an jedem Segment einen liintereii unteren vorspi'ingenden. gerundet 
rechtwinkligen liiippen. — Die Doi'salkante der einzelnen i\inge verläuft 
im ;illgenieinen grnde. - Die \'enti',ill\',inte dei' ersten finif Mittelleibs- 
Segmenti' liegt in giejclier flucht; die des (!. und noch viel im-hr die 
des 7. Ringes steigt dagegen bedeutend weiter ventralwiiits herah. 

47 



ilicrsii. 



122 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

Die vorderen Epimeren sind im Verhältnis zum ganzen Tiere 
klein, im \'erliältnis zu ihren Eingen jedoeh immer noeh ziemhch hedeutend 
entwickelt. Die Höhe des ersten ist so i'roß wie die des 1. Binaes: 
das 2. ist etwa ebenso hoch; die folgenden werden immer niedriger. 
Das 1. und 2. sind etwa so hoch wie lang, die folgenden beträchtlich 
länger als lioch. Die Vorder- und Hinterk;inte der I'^jinieren wendet 
sich nach vorn, sodaü die Epimeren als (lanzes stark scln'äg nach 
vorn stehen. Der ^'orderrand des 1. steigt, schwach konvex, etwa im 
Winkel von 45" nach unten und vorn; der Eand der folgenden Epimeren 
wendet sich erst stark nach vorn und d;iini in gerundetem Winkel nach 
unten, so daü der Vorderrand l)ucklig erscheint. Der Unterrand ist 
schwach konvex, l)eini \. E2)imer an einem Stück sogar schwach konkav 
ausgeschweift. Das E])imer des 5. JMittcllcihs- Paares ist ebenso hoch 
wie das des 4., jedoch, wie gewöhnlich, nur in der vorderen Hälfte des 
(Jrundgliedes als unvollständig-ovaler Lappen ausgebildet. Beim 0. und 
7. Mittelleibs- Paare ist das AequivahMit des pj})iniers als ein kleiner, 
vorderer, durch einen reelit\viiddig(Mi Kerbsehnitt abgesetzter Lappen 
des Coxalgliedes ausgehildet. 

Die drei ersten l\inge des Nach leihe s sind die hedeutendsten 
des ganzen Tieres; sie haben in der Dovsallinie die Länge des Kopfes 
samt den di'ei (olgenden Hingen; sie wachsen an IL'jhe; die llüeken- 
kante ist heim H. etwas längei' als bei den beiden gleichlangen ersten. 
Die Hinterkante steigt heim ersten senkrecht heral); beim 2. neigt 
sie sich etwas, lieini .'!. stark, und zwar im Logen, nach voi'u. 
Der e})inn?'rir(le Lappen setzt sich Ix'im 1. und :*. durch einen ganz 
seichten Kerbschnitt, heim .'!. dagegen im rechten Winkel ab. Die 
Hinterkante des Lappeus ist an den beiden ersten Kingen schwach 
konvex, beim II. konkav. Die \'eiitralkante des Lappens verläutt beim 
1. gerundet nach unten und hinten uiul st(")üt mit der Hinterkante in 
in einer rechtwinkligen lu-ke zusannnen ; diese ti'ägt eine kleine aus- 
gezogene Spitze. Die Ventralkanten der beiden folgenden Segmente 
verlaufen wagerecht, konvex geschwungen, die Ecke des 2. ist schwach 
stumpfwinklig, die S[)itze etwas ausgezogen, die S])itze des I'. ist kräftig, 
spitz zahnartig. Das 4. Nachleil)s-Segment ist noch nicht halb so lang 
wie das o., an seinem Llinterande etwa um ein Drittel niedriger als 
die Vorderkante des voi'angehenden Pinges. Sein Dorsalrand ist zu 
einem scharfen Kiel entwiidvclt, der au seiiu'm Hinterrande einen kleinen 
Dorn trägt und dann steil nach unten und hinten abfällt. Das 5. Nacli- 
leibs-Segment gleicht dem 4.. ist aber kürzer und niedrigei';, der Rücken- 
kiel steigt nach hinten auf und endigt in einer scharfen, zahnartig 
gebogenen Spitze. Das 0. Postaldoniinal - Segment ist hi der liücken- 

48 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 123 

liuie etwas länger als das 5., seine Höhe gleich der Hälfte des 5.; 
zur Aufnahme des Telsons zeigt es eine dorsal hegende, breite, etwa 
einem Drittel eines Kreises gleichkommende Ausbuchtung, wälu^end der 
Artikulationsrand für die Ghedmafse senkrecht verläuft. 

Das T eisen ist etwa um ein Drittel länger als das 6. Segment; 
seine Breite am Grunde ist gleich zwei Dritteln seiner Höhe. Es ist 
fast in seiner ganzen Länge gespalten und hat zwei etwas divergierende, 
schmale, sich allmählich verjüngende und mit stumpfer Spitze ab- 
schher3ende Schenkel; der zwischen diesen hegende Winkel ist etwa 30°. 

Der Kopf ist groß. Höhe, Breite und Länge sind annähernd 
gleich ; die Länge jedoch etwas grör3er, nämlich so groCj wie die der beiden 
ersten Brust- Segmente. Der Oberrand verläuft ziemlich grade, ganz 
wenig konvex, in der Richtung der Rückenkante des Tieres. Der 
^^orderrand ist. von oben gesehen, im allgemeinen eine quere Abstutzung, 
am Grunde der oberen Fühler ein wenig ausgeschweift und zwischen 
den Fühlern ganz wenig gerundet-rechtwinklig vorspringend. Von der 
Seite betrachtet, springt der Yorderrand unterhalb des dorsalen Endes 
zunächst ein wenig ein und verläuft seitlich von den oberen Fühlern 
im allgemeinen gradlinig sehräg nach vorn und unten ; der Backenlappen 
ist klein, spitz dreieckig gerundet und springt kräftig vor. Der vordere 
untere Winkel des Kopfes ist sehr stumpf gerundet; der Unterrand 
verhluft, schwach konvex geschwungen, schräg nach oljen und hinten. 
— Das Auge hat etwa die halbe Länge des Ausschnittes für die oberen 
Fühler; es ist schlank oval, doppelt so lang Avie breit. 

Die oberen Fühler sind so lang wie der Kopf mitsamt den 
sieben Mittelleilts-Segmenten; der Stamm reicht in normaler Lage so 
weit nach vorn wie die vier })roximalen Stammglieder der unteren. 
Schaft und Geißel verhalten sich in ihrer Länge wie 2 : o ; die Nelien- 
geißel hat zwei Fünftel der Länge des 2. Gliedes. Das 1. Glied des 
Stammes ist lang und kräftig, so lang wie der 1. und ^. Körperring; 
distal verjüngt es sich kaum. Die beiderseitigen ersten Glieder hegen 
in der Ruhe dicht neben einander und stoßen mit einer ebenen Fläche 
an ehiander; ()])en sehließt diese Fläche in einer stumpfen, unten in 
einer kielartig vorgezogenen Längskante ab. Das '2. Glied ist dünner 
und etwas kürzer als das erste. Das 3. ist recht düini und macht den 
Übergang zur Geißel; es schwillt distal etwas an und erreitld den vierten 
Teil der Länge des 1. (diedes. Alle Gheder trag(>n in eine Längsreihe 
angeordnete, kleine, mit einem Kamm von weichen Haaren versehene 
Flecke; außerdem ist die Unterseite, besonders des U (diedes, etwas 
l)ehaart. Die Nebciigciücl zeigt etwa 7. die Hanptgcißd etwa :'»() (diecU-r ; 
jedes Glied zeigt an seinem Distalrande schwache Haarbildinigen. 

49 10 



]04 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

Die unteren Fühler sind sehr kräftig. Das 1. Ghed ist, wie 
gewöhnlich, nur ventral und auCsen entwickelt, das 3. Iiau2)tsächlich 
auf der Innenseite ausgehildet;. von außen bemerkt man, wie gewöhnlich, 
den oherhalb des 1. (iliedes liegenden La])})en und die unterhalb des 

1. (iliedes liegende Schuppe, die ohne Naht mit dem 2. Gliede ver- 
wachsen ist; die Schuppe ist etwa so lang wie das 3. Glied des oberen 
Fühler. Das 3. Glied ist sehr stark, unten kantig, und erreicht etwas 
mehr als die Hcälfte der Länge des ersten oberen Fühlergliedes. Das 
4. Glied ist fast so lang, wie das erste obere Fühlerglied und etwa 
von derselben Stärke. Das 5. entspricht in Länge und Stärke dem 

2. Gliede der oberen Fühler. — Alle Schaftglieder tragen sowohl 
spärlich an der Seite, wie dicht und regelmäßig an der unteren Kante, 
dieselben behaarten Flecke, wie die oberen Fühler. — Die Geißel ist 
so lang, wie das 5. Stammglied, dick, die einzelneu Glieder mit den- 
selben Haaren versehen, wie bei den oberen Fühlern, außerdem aber 
noch mit langen, mir an der Unterseite der Glieder entwickelten 
Haaren. Die Geißel zählt etwa 17 Glieder. 

()l)erlippe und Fpistom stellen zusammen ein einziges Ge- 
l)ilde dar, indem die (juere, schmal -elliptische Oberlippe, durch einen 
dunklen Chitinstrich geschieden, vorn von dem ganz schmal-halbmond- 
lÖrniigen Fpistom ums])annt wird. Die ()l)er]ii)pe geht nach vorn 
unabgesetzt in das Epistom ül)er; mich hinten verjüngt sie sich sehr 
breit herzförmig. 

Der Oberkiefer hat, von dei- aburalen Seite gesehen, die in 
Fig. c dargestellte Form; man erl^lickt die lappige Form der Außen- 
schneide, ein zalmartiges Stück der Lmenschneide und darunter das 
Borstenbündel; der Taster ist etwas länger als der Oberkiefer, vom 
Geleukkopf l»is zur Spitze gemessen. Die genaueren Merlaiialc sind 
die folgenden: der Umriß der chitinisierten Fläche des Molar-Fortsatzes 
stellt ein etwas unregelmäßiges, sich dem Kreise näherndes Oval dar, 
sie ist rings von einem stärker chitinisierten Rande umgeben, welcher 
auf der der Luienkaiite entprechenden Stelle mit den üblichen kurzen, 
dunklen Borstenstiften besetzt ist; außerdem tindet sich auf dem ge- 
samten Rande ein Haarfilz, Avelcher an dei- Stelle, die morphologisch 
der Imienkante der inneren Lade beim 1. Unterkiefer entsj)richt, viel 
dichter wird und an der Stelle, welche der distalen S})itze des ange- 
zogenen Gliedes entsj)richt, ein Borstenbihidel trägt. Die Stelle, welche 
den Molarfortsatz mit den Kauspitzen verbindet, d. h. inophologisch 
ausgedrückt: die Distalkante der Außenlade, ist mit einem dichten 
Borstenfelde bewachsen. Das Kau-Ende gliedert sich in die beiden 
ziemlich schlanken Schneiden, die außer der Hauptspitze noch je drei 

50 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 125 

orahvärts gelegene Nebenspitzen aufweisen. Der Taster des Oberkielers 
ist sehr lang; er reicht, nach vorn gestreckt, fast bis an das distale 
Ende des 3. Gliedes der unteren Fühler; besonders lang ist das zweite 
Ghed, nämlich fast so lang, wie die dorsale Kante des 3. Ghedes der 
unteren Fühler; der Taster ist, besonders außen, kräftig behaart. 

Die Unterlippe ist halb-zungenförmig, auf der oralen Fläche 
längs ausgehöhlt, an der Spitze fast unmerklich stumpf eingekerbt. 

Der Unterkiefer des ersten Paares zeigt eine Reihe mor- 
phologisch sehr wichtiger Merkmale. Das 1. und 2. Glied zeigt noch 
deutlich die Wertigkeit der einzelnen Teile, indem der eigenthche 
Hauptteil noch wie das Glied einer indifferenten Ghedmaße ausgebildet 
ist, und die Laden sich in ganz ähnlicher Weise wie bei einem Kiefer- 
fuße absetzen; selbst von den Haaren, welche die inneren distalen 
Ecken der Glieder auszeichnen, sind noch Spuren vorhanden. Das 
1. Glied ist sehr breit, viel breiter als lang. Die Innenlade ist in 
einer verhältnismäßig bedeutenden Länge und Breite entwickelt, schräg 
parallelogrammförmig, die distale Ecke mit etlichen gefiederten Haaren 
versehen. Das 2. Glied ist sehr viel schmaler, dagegen länger als das 
erste, länger als breit, mit den üblichen Borstenhaaren an der distalen 
äußeren Ecke. Die Lade setzt sich in einem Winkel vom Gliede ab, 
ist kräftig gebogen und gegen das Ende kaum verjüngt. Die Stacheln 
des Distalendes sind außen stärker, länger und dunkel chitinisiert; die 
Fiederung der Stacheln ist nur durch einige bei den starken Stacheln 
auftretende schwache Höckerbildungen angedeutet. Der sog. Taster 
zeigt sich aufs deutlichste als die eigentliche Fortsetzung der Glied- 
maße. Er ist außerordentlich stark entwickelt, ebenso lang, wie die 
beiden proximalen Glieder der Gliedmaße zusammen, das Endglied 
doppelt so lang wie das erste. Das Endglied ist eiförmig, distal etwas 
zugestumpft, am Ende mit zienüich schwachen, etwas stiftförmigen 
Borsten. 

Die Außenlade der Unterkiefer des zweiten Paares i«t 
etwas breiter und länger als die Lmenlade. Der Distalrand beider 
Laden ist mit gekrünnnten, hyalinen Stiftljorsten versehen, die auf der 
Außenlade, besonders nach außen, sehr viel länger sind als auf der 
Linenlade. Der Lmenrand der Lmenlade trägt fast auf seiner ganzen 
Länge ziemhch lange, schlaffe, gefiederte Haare. 

Das l.trlied d<'r Kiefer fuße ist, wie gew()hnlicli, in der Auf- 
sicht lialb-licrznh'Hiig ; kui'z vor seiner inneren distalen Ecke trägt es 
einen Busch ki'äftiger, branner Borsten. Das 2. (ilied ist kiii'/; da. 
wo es sich nach innen und)iegt, um in die Lade überzugehen, hetindet 
sicli, dem 1. (diede eiit.spi'et'hend, ein Duscli von brainien Porsten, die 

51 10* 



1 26 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien, 

etwas kürzer sind, als die des 1 Gliedes. Wie gewöhnlich, tragen die 
beiden Glieder auch an der äußeren distalen Ecke einige Haare. Das 
3. Glied ist schmal, kurz und unbehaart, seine äußere distale Ecke ist 
ein wenig ausgezogen. Das 4. Glied ist ganz außerordentlich lang und 
schlank, fast so lang, wie die drei proximalen Glieder zusannuen ge- 
nommen, nirgends ausgezogen; an seiner distalen äußeren Ecke steht 
eine hyaline Borste. Der größte Teil seiner nach innen und aboral 
gelegenen Fläche ist mit kräftigen, braunen Borsten bestanden. Das 
vorletzte Glied ist sehr viel schlanker und noch nicht hall) so lang 
Avie das voraufgehende , kräftig beborstet, nirgends ausgezogen. Die 
Piudklaue ist kräftig, schlank, fast so lang wie das vorletzte Glied. 
Die Innenlade reicht nach vorn etwas über die Hälfte der Außenlade 
hinweg; an ihrem Innenrande trägt sie einige wenige, schlaffe, gefiederte 
Haare ; das distale Elnde trägt hyaline, ziemlich schwache, gebogene 
Stiftborsten; an der inneren aboralen Ecke stehen einige kräftige braune 
Stachehi. Die Außenlade ist groß und breit ; sie reicht nach vorn so 
weit wie das lange 4. (Jlied; sie trägt am distalen Ende zu äußerst 
einige Fiederhaare, zumeist jedoch schlanke Borsten, die n;icli der 
inneren Ecke zu kürzer und kräftiger werden. Die distale Hälfte des 
Innenrandes ist dicht besetzt mit kurzen, schwach gebogenen, kräftigen, 
hyalinen Stiftborsten. Nahe dem Imienrande trägt die aborale Fläche 
eine Reihe brauner, ziemlich dünner Borsten, die })roximalwärts auf 
den Innenrand str)ßt. 

Das 1 . B e i n p a a r des M i 1 1 e 1 1 e i 1j e s steht an Länge und 
Kräftigkeit weit hinter dem zweiten zurück. Das 2, Glied, neben das 
entsprechende der 2. Gliedmaße gelegt, reicht nur über etwas mehr 
als die Hälfte derselben. Das 3. Glied ist im Profil dreieckig, die 
Spitze vorn, die Basis hinten; das 4. Glied ist im Profil sehr breit 
dreieckig, ebenso gelagert wie das 3. Glied. Das 5. Glied ist so lang 
wie das 2.; sein Außenrand ist schwach konvex gebogen, der Innenrand 
dagegen nach der Mitte zu bucklig herausgezogen. Das C. (ilied ist 
fast so lang wie das 5., nach vorn breiter werdend, vorn in ziemhch 
grader Kante abgesetzt ; diese Kante ist an Länge gleich zwei Dritteln 
der Vorderkante. Das ganze Ghed ist als eine dünne, auf der Innen- 
fläche etwas konkave Platte entwickelt. Das Endglied zeigt die ge- 
wöhnliche Bildung. Die Hinter- und Innenflächen der Glieder sind mit 
langen, schlaffen Haaren besetzt. 

Das 2. Paar schließt sich an das 1. an, ist aber viel größer 
und kräftiger entwickelt. Das 5. Glied ist im Profil dreieckig, hinten 
ganz schmal ausgebildet, die scheinbare Distalkante so lang wie die 
scheinbare Vorderkante. Das vorletzte Glied ist plattenförmig, sehr stark; 

52 



rtt'ffer, Krebse von Süd-Georji^ien. 127 

es bat eine sclnvacli konkave Anßen- und Innenkante und erweitert sieli 
distal schwaeh; die Abstutzungskante ist etwas kürzer als die innere 
und ebenso lang wie die äuCjere; die Länge des Gliedes ist etwa gleich 
der des 2. Gliedes. Die x\l)stutzungskante ist etwas buckelig, ilir inneres 
Ende in einen kleinen, spitzen, festen Zahn ausgezogen; die eingeschlagene 
Endklaue erreicht nicht ganz diese Spitze. Mit Ausnahme der AuPsen- 
kante des 5. und G. Gliedes sind die Außen- und Innenkanten der 
Glieder mit schlaffen Haaren versehen, die schwächer sind, als am 
1. Paare. — Beim $ ist die ganze Gliedmaße, vor allem das 6. Ghed, 
kk'iner und längst nicht so breit. 

Die l)eiden folgenden Paare sind von gleicher Bildung, 
schwach und unbewehrt; sie halten in iln-er Länge etwa die Mitte 
zwischen dem 1. und 2. Paare. 

Die drei folgenden Paare sind stark und bewehrt, viel 
länger als das 3. und 4. Paar, jedes länger als das voraufgehende. Die 
Coxalglieder sind l)reit; ihre größte Breite liegt proximal, von da 
verschmälern sie sich mit schwach konvexen Eändern gegen das Distal- 
ende zu; die größte Breite ist etwa gleich ■* -• der Länge; das Femoral- 
ghed des 7. Paares ist etwa um Va länger als das des 5. Paares und 
so lang, wie die dorsale JVIittellinie des 4. und 5. Segmentes zusammen. 
Die 6. Gheder sind ganz außerordenthch dünn im Verhältnis zu dem 
vorangehenden. Der Vorderrand der Coxae ist schwach gesägt, der 
Hinterrand des 2. und 3. schwach bedornt. Glied 2, 3 und 4 sind 
glatt; die andern am Vorderrande mit den üblichen Quer-Eeihen 
von Dornen bewehrt; am Hinterrande finden sich gleichfalls einige 
wenige Dornen. 

Die drei Schwimmfüße sind sehr schlank und ziemlich lang, 
von gleicher Bildung, etwa so lang, wie das 3., 4. und 5. Mittelleibs- 
Segment zusammen. Der Stamm ist unregelmäßig filzig behaart, die 
Geißeln von gleicher Länge, fadenförmig, dicht und zicmlicb kurz behaart. 

Die Springfüße sind zu ganz besonderer Stärke ausgel)üdet. 
Der Stamm des \. Paares ist so lang, wie das Coxalglied des 5. Mittel- 
leibs - Paares ; vorn trägt er eine Längs - Kante , hinten eine konkave 
Längs - Fläche , deren seithche Ränder kielartig vorgezogen, spärlicb 
behaart und bedornt sind. Von den Ästen ist cU'r hniere länger 
und stärker, etwa so lang wie das H. Mittclleibs-Segment, sicli all- 
niähhch zuspitzend, am bintcren Rande spärlicb behaart mid bedornt, 
mit kräftigem, hornigen Enddorn. — Das 2. Paar entspricht dem ersten; 
sein Stammglied ist etwa ^/i von der Länge dt's voraufgebenden Paares; 
der Innenast ist etwa so lang wie der Aul.senast des 1. Paares, der 
äußere etwa um 's kürzer als der innere. s(tnst ebenso gebildet wie 

53 



128 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

l)eim I.Paar. — Der Stamm des B. Pnares hat etwa die Länge des 
n. Segmentes, ist hall) so hreit wie hing, an der Vorderseite mit ethehen 
schwaclien Dornflecken. Die heiden Äste sind sclnnale hinge Phitter, 
heim (^ von ganz l)esonderer Grfiße, \)n- Innenast ist beim o^ um 
ein kaum merkhches, beim $ um i^iu deutliclies Stück hinger und etwas 
breiter als der Auüenast. Sie hal)en l)eini o^ die Länge des 4., H. 
und C). Mittelleibs-Segmentes zusainnien, während der Linenast heim $ 
nur der Länge des 4. und 5. Segmentes gleichkonnnt. Die Breite ist 
beim q^ noch nicht 'A der Breite, beim 9 noch nicht '/c. Die Form 
ist l)eim o^ die eines schmalen, sich distal s(^hwach verltreiternden, 
stumpf zugerundet endigenden Blattes ; l)eim $ sind sie ganz schmal 
elliptisch. Die Kanten sind ganz schwach geker))t nnd hier mit Haar- 
flecken versehen; anf dem proximalen Teile der hinteren (in der 
Zeichmmg natürlich nach vorn gewandten) Kante stehen einige Dornen. 
Über die lebenden Tiere tinden sich folgende Angaben : „Orangerot; 
tiefe Ebbe." 3 Stück; ein o^ von 46 mm, zwei $ von 38 und 35 mm 
Körperlänge. 

Leucotiioe Leucotlioe antarctica nov. spcc. (Taf. ii, Fig-. 4.) 

antarctica. 

Zwar ist nur ein einziges und zwar ziendich mäßiges Stück 
dieser Art vorhanden, doch zeigen die äußeren Charaktere zur Ge- 
nüge, daß die vorliegende Art zur (Jattung Leucothoe gelifirt. Ln 
Habitus Avie hi vielen Einzelheiten , l)esonders der Scheerenbildung, 
ähnelt sie durchaus unserer nordischen Leucothoe articulosa Mtg. 

Die Höhe der Mi ttelleibs- Ringe wächst bis zum 4. Ringe 
außerordentlich schnell. Die Rückenkanten der Segmente sind glatt; 
an den ersten IMittelleibs -Ringen grade, an den folgenden schwach 
gebogen; auf den drei letzten Hinterleibs-Ringen wieder sich abflacliend 
und soiiar etwas eingesattelt. 

Die Hinterkanten der Segmente richten sich nach hinten; ihre 
untere Ecke ist etwas ausgezogen und zugerundot; beim 7. Segment 
stellt sie einen rundlichen Lappen dar ; die Ventralkanten der Segmente 
liegen in einer Flucht; das 0. und 7. setzt, soweit der Sachverhalt zu 
erkennen ist, nicht tiefer an. 

Die Epimeren der vier ersten Mi ttelleibs- Ringe sind 
groß und höher als die Profile der dazu gehörigen Segmente; eine 
besondere Eigentümlichkeit ist ihre Verschiebung um ein halbes Segment 
nach vorn. Das 1 . Epimer legt sich weit über die Seiten des Kopfes 
hinweg, so daß die vordere Kante über das Auge hinweg streicht; der 
Vorderrand ist mäßig gebogen, ebenso der Untei-rand; beide stoßen 
in einem gerundeten spitzen Winkel von etwa 70*^ zusammen. Das 

54 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 129 

2. Epimer hat einen ziemlich graden Vorder- und Unterrand; der 
vordere stumpf zugerundete Winkel beträgt etwa J^ö". Am 3. Epimer 
geht der Vorderrand, nachdem er eine Strecke lang grade verlaufen 
ist, in weitem Bogen in den gleichfalls kräftig gebogenen Ventralrand 
über. Das 4. Epimer ähnelt dem o. im Vorderrand und vorderen 
Winkel; sein unterer bez. hinterer Rand steigt indessen ziemlich grade 
nach oben und hinten an. 

Die epimerialen Lappen der drei ersten Hinterleibs- 
Ringe sind sehr wohl entwickelt; der des l.ist verhältnismäßig klein, 
nicht abgesetzt, und bildet eine halbeiförmige untere hintere l'artie 
des Segmentes. Auch am folgenden Ring ist der Absatz an der 
Hinterkante des Segmentes nicht ausgeprägt; der Lappen selbst aber 
ist groß, breit blattförmig mit spitziger Spitze, mit wohl gerundetem 
Ventral- und doppelt geschwungenem Hinterrande. Der Hinterrand 
des 3. Segmentes zeigt die kappenförmige Bildung des dorsalen Teiles, 
wenn auch nicht so stark, wie bei andern Gattungen, von der sich im 
stumpfen Winkel der übrige Teil des Hinterrandes absetzt ; der Lappen 
ist wie der des vorangegangenen Segmentes gel)ildet, nur ein wenig 
stumpfer, etwa mit der ( )ftYnnig des rechten Winkels. Das 4. Nachleibs- 
Segment zeigt die übliche Einsattelung, das 5. und 0. werden immer 
niedriger und kürzer. Das Telson ist lang, sitzt mit konvexer Basis 
auf, verjüngt sich lanzetthch und endigt in eine Spitze. 

Die Stirn ist etwas kappenförmig nach vorn und im Bogen nach 
unten vorgezogen; der W^inkel der vorderen Stiriu'änder beträgt etwas 
über 100"; der Scheitel des Winkels dringt nicht zwischen die FiÜiler- 
wurzeln ein; die seitlichen Ausschnitte für die Grundglieder der oberen 
Fühler sind seicht; der Backenlappen ist nicht genau zu beobachten. 
Das Auge ist ziemlich groß, annähernd kreisrund. 

Die Fühler sind verhältnismäßig kurz; die ol)eren etwas länger 
als die unteren, nicht ganz von der Länge der drei ersten Mittelleibs- 
Segmente. Werden beide Fühler nach vorn gestreckt, so fällt der 
Distalrand des 2. Gliedes der oberen Fühler auf die Mitte der Länge 
des 5. Gliedes der unteren Fühler. Der Stannn der oberen Fühler ist 
dünn, der der unteren noch dünner; die Geißeln beider l'aare sind kurz, 
die der oberen länger. 

Die beiden ersten Stanimglieder der ()l)eren Antennen sind 
etwa gleich lang, das 2. jedoch nur von halber Dicke des 1.; das 
3. Ghed ist ganz kurz und dümi und schheßt sich in seinem Habitus 
an die etwa in der Zald von 10 vorhandenen, undeutlich abgesetzten 
Geißelglieder an. Uoi'stcnbiUlungen sind nicht vorhanden; das Ende 
der Geißel zeigt einige Haarbildungen. 

55 



130 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

Von don unteren Antennen-Cirundoliedern ist nur das 4. 
nnd 5. Glied zu beobachten; beide sind lang und schlaidv, an Länge 
und Dicke abnehmend; die Geißel besteht aus etwa 7 (iliedern; die 
unteren Fühler sind kahl mit Ausnalnne einiger Haarbildungen an der 
Fühlerspitze. 

Das 2. Glied des 1. Älit t eil eibs -Beinpaar es ist lang und 
kräftig; das 3, imd 4. Glied ist nicht deutlich zu erkennen und ist in 
Folge dessen auch in der Zeichnung nur im allgemeinen Kontur an- 
gegeben. Das 5. (jllied hat gerundete Seitenränder, ist ein klein wenig 
länger als breit und sendet seine innere distale Ecke als einen dem 
G. Glied an Länge gleichkommenden, am Ende auf dieses zu ein- 
gekrümmten schlanken Fortsatz aus, der die doppelte Länge seines 
Gliedes hat. Das (». Glied ist, als Handglied betrachtet, schlank, fast 
von vierfacher Länge seiner P)reite, fast so lang wie die Doi'salkante 
der beiden ersten Segmente, nach dem distalen Ende zu sich ganz 
wenig verschmälernd, im allgemeinen J(m1oc1i mit parallelen Seiten- 
rändern, Die Endklaue ist schlank und kräftig gebogen und schlägt 
sich in der für die (iattung charakteristischen Weise gegen das 
G. Glied ein. 

Die 2. Gliedmaße ist ganz außerordentlich kräftig ausgebildet. 
Das 2. Glied ist lang und stark, an der Außenkante ein wenig ein- 
gekerbt; die beiden folgenden Glieder sind kurz und kräftig; das 
5. Glied ist ganz kurz und sendet seine iiniere distale Ecke als einen 
langen Fortsatz nach vorn, der jedoch weder die Länge noch die 
Schlankheit noch auch die gebogene Spitze des homodynamen Gebildes 
der 1 . Gliedmaße aufweist und die halbe Länge des Handgliedes 
erreicht, derart, daß die Endklaue und die Spitze des Fortsatzes sich 
hall)wegs auf dem Innein-ande des Handgliedes begegnen. Das Hand- 
glied selber ist ganz außerordentlich kräftig ausgebildet, schlaidv eifiirmig, 
proximal etwas schmaler als distal, von 2 '/sfacher Länge seiner Breite; 
es ist so lang wie die Rückenlinie der drei ersten Segmente. Das 
distale Ende des Handgliedes ist nicht erweitert und läßt deutlich die 
Bildung des eigentlichen Ghedes erkennen. 

Die beiden folgenden Gliedmaßen fehlen dem Stück. 

Die 1. Glieder der f)., G und 7. Gliedmaße sind, ebenso wie 
die Einmeren der vorangehenden Beine, außerordentlich nach ^orn 
verschoben, so daß in der auf der Zeichnung dargestellten Profil-Ansicht 
das 1. (Jlied der 5. G. und 7. Ghedmaße unter dem 4., 5. und G. Segment 
zu liegen kommt. Die Grundgheder sind klein ; der hintere abgegliederte 
La]>pen ist bei den beiden ersten deutlich abgesetzt, klein, rundlich, 
nicht nach hinten ausgezogen; das 1. Glied der 7. Gliedmaße ist 

56 



lugens. 



Pfeffer, Krehse von Süd-Georgien. 131 

schlank oiförniiü; nach liintoii und unten ausgezogen; der liintere 
Lappen, wie gewöhnlicli, nicht al)gesetzt, — Die Coxalglieder sind hocli, 
verhreitert, mit der gewcUmHchen, stumpf lappenfürmig ausgezogenen 
distalen Ecke. Das Coxalgiied des 7. Paares ist kleiner gezeichnet, 
als die l)eiden anderen, ein Verhältnis. Avelches der nunmehrige mangel- 
hafte Zustand des Stückes nicht nochmals festzustellen gestattet. 

Die übrigen Glieder der Beinpaare fehlen. 

Die Nektopoden sind lang und ziemlich kräftig ausgebildet. 

Di(! Haitopoden sind im allgemeinen lang, in den Grund- 
gliedern sowohl wie in den Spaltästen; das 1. Paar reicht am weitesten 
nach hinten; das ?k war schon vor der Untersuchung auf beiden Seiten 
verloren gegangen. Der Stamm des 1. Paares reicht nach hinten so 
weit Avie das Telson. Weder die Stammglieder noch die Spaltäste 
zeigen die mindeste Bewehrung. Die äußeren Spaltäste sind etwas 
kürzer als die inneren. 

Die Länge des einzigen^ sehr mäßigen Stückes beträgt etwa .5 mm. 

Podocerus ingens uor. spec. (Xaf. iir, Fig-. i.) Podocerus 

Die allgemeine Gestalt und das Wachstum der Segmente ent- 
spricht den gewöhnlichen Befunden der Gattung, indem das 2. Segment 
sich durch seine Länge auszeichnet. — Die Hinterränder der Segmente 
des Mittelleibes wenden sich wenig nach hinten ; im Profil betrachtet 
bilden sie mit der Eückenlinie im allgemeinen einen rechten Winkel. — 
Der Ventralrand des 3., 4. und .5. Segmentes bildet eine einheitliche 
grade Linie; das 2. Segment setzt ventral etwas tiefer an als das 1., 
und ebenso verhält sich das 3. zum 9.; wie üblich findet dies Ver- 
hältnis auch zwischen dem 5.. G. und 7. Segment statt. Der hintere 
untere Winkel der Mittelleibs-Segmente ist ülierall deutlich ausgezeichnet. 
Am 1 . Segment ist er stumpf, indem sich der hintere Teil des Ventral- 
randes erhebt, und kaum ausgezogen; am 9. bis 4. Segment ist die Ecke, 
immer gr<)ßer und sjtitzwinkliger werdend, kräftig ausgezogen; am ('». 
und 7. Segment setzt sich die Ecke als rundliclier Lappen gerundet 
winklig vom Hinterrande des Segments ab. Bei den jüngeren Stücken 
sind diese IMei'kmale nicht scharf ausgeprägt, so daß hier, wie ge\v(">Iiiih(li. 
di<' Ventralkanten der ersten fünf Segmente eine grade Linie bihh'n. 

Die Epimeren sind in verhältnismäßiger (irciüe und in sehr 
charakteristischen l'\>rnieii ausge])ildet. Das 9. ist nicht ganz so hocli, 
die andern jedoch h()her als das Profil der betretfenden Segmente. 
Das 1. ist i)aralleh>grammatisch. an allen Pändei'n irei. mit unt(M'(Mn 
spitzen Winkel von etwa .'>(»" weit und sclii-;'ig nach vorn reiiliiMid. 
\'on den lolgcnden Segmenten sind nur die NOrdcrräiidei' tVei. uiilirend 

57 



132 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

die Hmtcrräiidcr von den ii;iclifol,i;('iKl(')i iilx/rdeekt werden. Das folgende 
Epimer ist Lmg , mit naeli vorn gerichtetem Vorder- und nach hinten 
gerichtetem Hinterrande; nach hinten wird es etwas l)reiter; der vordere 
Winkel ist gerundet und l)eträgt etwa 70"; der vordere und hintere 
Teil des Ventralrandes ist grade, der mittlere etwas konvex; die Gestalt 
des Epimers ist unregelmäßig viereckig. iJei jüngeren Stücken schließt 
sich das 2. Epimer in seinen Merkmalen viel mehr an das 1, an, indem 
der vordere Winkel kleiner und das ganze Epimer parallelogramiuatisch 
ist mit vorderer scliwacli konvexer Kante. Das ?>. Epimer ist schu])pen- 
förmig, mit stark gebogenem Vorderrand uud al)gestntztem schräg nach 
oben aufsteigendem Ventralrand. Bei den jüngeren .Stücken ist die 
Abstutzung des Venti-alrandes nicht so schroff und infolge dessen der 
vordere Winkel nicht so ausgei)rägt, wie bei dem griißeren Stück. 
Das folgende Epimer ist sehr groß, wiederum schuppenförmig, der 
sehr stark gebogene Vorderrand geht allmählich in den gleichfalls 
stark gebogenen Ventralrand über; der hintere Wiidvcl ist gerundet, 
etwa 90 "^ betragend. 

Die epimerialen Lappen der drei ersten Nachleibsringe 
sind deutlich und charakteristisch ausgebildet und wachsen an Größe; 
alle drei sind durch eine kräftige Einkerlmng von dem graden Teile 
des Hinterrandes des Segmentes abgesetzt. Der 1 . ist breit blattförmig, 
schräg nach unten und hinten gewandt, mit schrägem Vorder- und 
Ventralrande, am Ende zugerundet. Der 3. hat eine grade hinunter 
steigende Vorderkante, die mit gerundetem rechten Winkel in die 
gebogene Ventralkante ül)ergeht, auf welche in stumi)fem, etwas ab- 
gesetzten Winkel die kräftig gebogene Hinterkante stößt. Der Lappen 
des 3. Nachleibs -Segmentes ist besonders lang, insofern er hinten, 
annähernd rechtwinkhg vom Hinterraiule des Segmentes absteigend, 
sich weit nach hinten streckt, mit sehr stark gerundetem Hinterrande, 
der in kräftigem Bogen in die konvexe Ventralkantc ül)ergeht; der 
vordere Teil des Laj)pens gleicht dem des voraufgehendeu Segmentes. 
Der dorsale Teil des 3. Segmentes ist nicht, wie es häuhg der Eall 
ist, kai^penartig ausgezogen, sondern seine Hinterkante stößt, ebenso 
wie bei den andern Segmenten, annähernd in einem rechten Winkel 
auf die Rückenlinie. — Die drei folgenden Segmente zeigen keine be- 
merkenswerten Eigenschaften. 

Das Telson ist sehr klein, dreieckig, etwas breiter als lang, 
die Basis schwach konvex, an den Ecken stärker gebogen; die Seiten 
sind ganz außerordentlich schwach konvex; der Winkel, den sie 
mit dem stark gebogenen Teil der Hinterkante bilden, ist etwas 
zugerundet. 

58 



PfeftVr, Krebse von Süd-Georgien. 133 

Die dorsale Kante des Kopfes ist ziemlich grade, länger als 
die des 2. Segmentes, Die vorderen Stirnkanten sind grade nnd bilden 
einen Winkel von etwa 120". Der Ausschnitt für die oberen Fühler ist 
nicht besonders stark, doch dringt er an seinem oberen Teik^ ziendich 
tief ein, während er sicli nach unten vertlacht. Der Ausschnitt für 
die unteren Fühler ist, wie gewcihnlich in der (Jattung, kräftig; er 
dringt zuerst, annähernd parallel der Rückenlinie des Kopfes hinein 
und wendet sich dann in einem Winkel von annähernd 100" nach 
unten. Auf diese Weise wird ein spitz dreieckiger, mit vorderer, ge- 
rundeter Spitze versehener La})pen gebildet, der seitlich zwischen das 
obere und untere Fühlerpaar eindringt, und in dessen '. irunde das 
kleine, stumpf ('llii)tische, mit der Längsaxe in einem Winkel von 
etwa 45'' gegen die Rückenlinie des Kopfes gerichtete Auge liegt. 

Die Fühler sind groß und stark; die unteren sind so lang 
wie die Rückenlinie des Kopfes, des Mittellei1)es und der Ijeiden ersten 
Nachleibs -Segmente; die ol)eren Fühler reichen bis etwas über die 
Hälfte des vorletzten Stamnigliedes der unteren. Bei ganz jungen 
Tieren sind beide Fühler gleich lang. 

Das 1. Glied der oberen Fühler ist so lang wie der Kopf, 
fast so dick wie das 5. Glied der unteren Antennen ; das 2. ist dünner, 
um ein viertel länger; das 3. ist etwa so lang wie das 2. und etwas 
dünner. Das erste Glied der Geißel ist sehr lang und ähnelt durchaus 
einem Stammgliede; es hat etwa die fünffache Länge seiner Dicke. Bei 
den mittelgroßen Stücken folgen auf dies (jllied etwa noch sechs andere, 
deren Länge etwas größer ist als die Breite. Ganz kleine Stücke lassen 
auf das große 1 . Geißelglied, welches durchaus den Habitus der übrigen 
Stammglieder hat, nur noch ein einziges Glied folgen. Das dritte Glied 
trägt am Ende eine eingliedrige kleine Nebengeißel, die an ihrer Spitze 
ein oder zwei kleine rundliche, kui)penförmige Gebilde trägt, ohne daß 
man von einer wirklichen Abgliederung einer oder zweier ferneren 
Glieder reden könnte. Die Unterseite des ganzen l*'ühlers trägt lange, 
steife, kräftige Haare, die auf den Stammgliedern in Einschnitten, auf 
den Geißelgliedern an den unteren distalen Ecken stehen. Die distalen 
Geißelglieder tragen auf der oberen distalen Ecke Büschel kleiner 
Haare. Außerdem finden sich auf der Unterseite der Geißel kleinere, 
hyaline, durch die großen Borsten geschützte Sinneshaare. 

Die unteren Fühler der kleinsten Stücke gewäbren durchaus 
den Anblick der typischen siebengliedrigen (iliedmaße ; es scheinen 
ül)erhaui)t diese jungen Tiere die Ansicht sehr nahe zu h\gen, welclu^ 
bei den Isojxxlen gleichfalls einige Berechtigung einzuholen vei-mag, 
daß sowol bei den oberen wie bei den unteren Fiddern das erste, thircli 

59 



134 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

seine Größe und auch häufig durch den Halütus sich den Stannngliedern 
gleichstellende Ghed in der That am besten als Stammglied zu betrachten 
ist. Man kann nun an den verschiedenen Entwicklungsstufen die 
Spaltung des Endgliedes in 2, 3, und 4 Glieder verfolgen; das grciüte 
Exeni})lar zeigt sogar deren 0, — Die beiden Grundglieder der Fühler 
haben den ül)lichen Habitus; sie sind im allgemeinen Schuppen, von 
denen die erste l)esonders außen und oben, die zweite unten und innen 
entwickelt ist; doch tritt außer der unten Hegenden Schuppe noch ein 
schmales, meist freilich mir als Gelenkhaut ausgebildetes Ringstück im 
Profil mit zu Tage. Das 3. Glied ist sehr dick, fast doppelt so lang 
wie dick; das folgende Glied ist doi)pelt so lang wie das 3. und etwas 
dünner; das folgende ist das größte Glied des Krebses id)erhaupt, etwas 
dünner als das 4. und überanderhalb mal so lang; das G. Ghed (bez. 

1. Glied der Geißel ist wiederum etwas dünner, so lang wie das 3. Ghed 
und Avie die drei folgenden Geißelglieder. Diese sind dick, pigmentiert, 
durchaus von demselben Halutus wie die ül)rigen Glieder des Fühlers. 
Die Stammglieder zeigen nur eine schwache, wenig typische fiaumartige 
Behaarung, die bei dem größten Stücke völlig abgerieben ist; es finden 
sich nur auf der Unterseite des 4. Ghedes noch schwache Haarbildungen. 
Die distale Hälfte der Unterseite der Geißelgheder ist mit ziemlich 
dünnen aber festen, braunen Haaren bewachsen; ebenso tragen die 
distalen oberen Ecken der Glieder kleine Haarbüschel. 

Das erste Beinpaar des Mittelleibes ist im Verhältnis 
zum 2. Paare mäßig, im Verhältnis zu den andern Gliedmaßen ziendich 
kräftig ausgebildet. Die 2. Glieder der beiden ersten Paare sind lang 
und kräftig, das des 2. von doppelter Größe des 1.; das 3. ist nur 
ein Angelghed mit kräftiger Ausbildung innen und schwacher außen; 
das 4. Glied ist dies noch ausgeprägter, insofern es einen ganz kurzen 
Außenrand und einen sehr langen, kurz vor dem Distalende rechtwinkhg 
unduegenden Innenrand hat, so daß der Distah'and parallel mit dem 
proximalen Teile des Innenrandes zu hegen kommt. Das 5. Glied ist 
bei beiden Paaren etwas verschieden ausgebildet, insofern es lieim 

2. Paare kleiner ist, einen Innenrand kaum besitzt und sich mäßig nach 
dem distalen Ende zu erweitert.; beim 1. Paare dagegen ist der Innen- 
rand ])edeutend ausgebddet und bildet den häufig auftretenden rnnd- 
lichen Lappen, der sich mit seinem distalen Teile gegen die Scheeren- 
basis anlegt. — Die Hand des 1, Paares hat einen etwa dreieckigen 
Umriß mit schwach konvexen Seiten, doppelt so hoch wie breit. Der 
Außenrand ist mäßig stark und einheitlich gebogen, während der Iimen- 
rand einen bedeutenden Lapi)en entwickelt, der sich zunächst an dem 
distalen Teil des Innenrandes des 5. Gliedes anlegt, dann rechtwinklig 

60 



rfeft'er, Krebse von Süd-Georgien. 135 

umbiegt und gegen den AuCjenrnnd zu konvergiert. Bei den mitten 
großen Stücken ist der enge Anschluß des G. an das 5. (iilied nicht 
so stark ausgehiklet und deshalb die Winkelbildung der Innenränder 
nicht so schroff. An der Stelle, gegen die sich die Klaue einschlägt, 
steht eine Reihe von vier bis sechs starken Stacheln, von denen 
einer innen, die andern außen am Eande stehen. Die Klaue ist groß, 
schneidend, mondsichelföruiig, mit schwach ausgeljildetem Höcker auf 
dem Innenrande nahe der Basis, mit fein gesägtem Innenrande. — 
Das Handglied der '2. Gliedmaße ist nächst dem 5. Gliede der unteren 
Fühler das längste (Uied des Tieres; das Glied im ganzen betrachtet, 
ist verhältnismäßig schmal, in seinem mittleren Bereiche beträgt die 
Höhe nicht virl mehr als ein Viertel der Länge. Der Außenrand ist 
mäßig gebogen und der Innenrand verläuft zum grcißten Teile parallel; 
dieser zeigt zwei sehr charakteristische Höckerbildungen, zunächst 
nahe dem Grunde einen, gegen dessen mittleren Teil sich die Klauen- 
sjutze einschlägt, ferner einen nahe dem distalen Enib' des Innenrandes 
stehenden, scharf dreieckigen, gegen dessen InuenÜäche die Außen- 
Häche des Hik'kers am Innenrande dcu- Klaue wirkt. Die Basis des 
ersterern Höckers ist das jn'oximalc \'iertel des liincurandcs; rr hat 
ein annähernd })arallelogranimatisches Profil; jedoch ist sein Distalrand 
schräger gegen den Innenrand der Hand geneigt, als der proximale ; 
durch diese Bildung und dadurcli. daß der freie Rand des Höckers 
zur Aufnahme des Klauenendes tief eingeschnitten ist. erhält der vordere 
Teil des Höckers die Gestalt eines fingerförmig ausgezogenen Fortsatzes. 
An dem proximalen, senkrecht zum freien Rande verlaufenden Teile 
des Einschnittes stehen eine x^nzahl kräftiger, gegen die Klauens])itze 
ZU gekehrter, braun chitinisierter Stacheln. Die Klaue ist sehr groß, 
stark gebogen, am Innenrande nicht geschärft und kurz vor dem (irunde 
des Innenrandes mit einem kräftigen Hcicker versehen. Nur der Höcker 
und die Klauenspitze beriihrcn beim Finsrhlagcn das tiandglicd, wälireud 
zwischen dem Innenrandc der Hand nnd der Klaue ein weiter leerer 
Raum bleibt. 

Beim Weibchen ist der distale Höcker des Iniieiirandes (so wie 
ol)en besehrieben) ansgel)ildet . wogegen der pi'oximale eine rundhClie, 
al)gestutzte Krhebung des Imiein'andes vorstellt. Der Finselniiü und 
die Stachelbewehrung des freien Randes ist die gleiche wie l»eim Mäiiiiehen. 

I)ie vier distalen (ilieder der 1. Glied nialie sind au den Innen- 
rändern, besonders der distalen Kante, mit ui-oßeii lirauueu, burstigeu 
Haaren bes(>tzt. Auf der Inneidläeiu' der Hand finden sieh zwei 
Längszonen, deren jede eine größere Zahl von (,)ueii-eilien straÜ'ei' Haare 
aufweist. Die 2. <!lie(lniaße ist im allgeuu'ineu kaliler. (Ii>cli linden sieh 

61 



136 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

an den tyjjischen Stellen Haare entwickelt, besonders kräftig auf den 
Höckerbildungen des Innenrandes ; die beiden Reiben von Haarbüscheln 
anf der Innenfläclie der Hand sind bei dem größten Exemplare etwas 
rückgebildet. — Die vordere Fläche des 2. nnd 3. Gliedes des 1. und 
des 3. Beinpaares ist tief ausgehöhlt zur Aufnahme der gerundeten 
Kanten des Handgliedes, Avenn es angezogen wird. 

Die beiden folgenden Beinpaare sind sehr kurz und 
schwächlich im Verhältnis zu den folgenden Paaren. Das 2. Glied hat 
einen gradrandigen, scharfkantigen Höcker eben vor dem Distalrande ; 
das 3. Glied ist kurz, mit gebogenem kurzen Außen- und gradem, 
längeren Innenrande. Das 4. Glied besitzt mehr als die doppelte Länge 
des 3., ist breit, distal verbreitert, mit spitz ausgezogener, bedeutend 
entwickelter, distaler äußerer Ecke. Das 5. Glied ist ganz kurz, sehr viel 
schmaler als das 4., distal etwas verbreitert. Das 6. Glied ist sehr 
klein, eiförmig, die Klaue kurz. Die Behaarung ist spärlich und typisch. 

Die folgenden drei Beinpaare des Mittelleibes sind gleichartig, 
sie wachsen an Länge, Das 1. Glied des 5. Beinpaares entwickelt 
H^ach vorn ein gewaltiges Epimer, Avelches fast die Höhe des großen 
4. Epimers erreicht; seine Gestalt ist rundlich -dreieckig, mit unterer 
al)gcrundeter Spitze, stark konvexem Vorder- und etAvas geschwungenem 
Hinterrande. Das Epimer des G. Paares ist klein, rundlich lap})en- 
f()rmig; das des 7. Paares ist nicht mehi' wahrzunehmen. Die eigent- 
lichen 1. Glieder des 5. und (!. Paares sind halbkreisförmig, vorn etwas 
weniger stark gebogen. Die Coxalglieder sind kräftig ver])reitert, mit 
rundlich auseezoffener Proximalecke des Außenrandes; die distale Ecke 
ist l)eim 5. Paar rechtwinklich ziendich schwach ausgezogen; beim (1. 
und 7. Paare spitzwinklig und stärker ausgezogen. Der Hinterrand des 
Coxalgliedes ist. abgescdien von dem ])roxinialen Ecklajipen, beim 5. Paar 
schwach konkav, beim (i. grade, beim 7. schwach konvex. Die beiden 
folgenden (ilieder zeigen dieselbe Entwickelung wie bei den vorauf- 
gehenden (Jhedmaßen, doch sind sie länger imd schlanker. Die folgenden 
drei Glieder sind im Verhältnis viel länger entwickelt und nidn'rn sich 
den typischen Am})hi])(»(lcnliciiicn viel nu-hr als bei den l)eiden voi'auf- 
gegangenen Paaren. 

Die im Vorigen nicht l)eliaiidelten Charaktere , liesonders der 
Mundteile, bieten für die spezihsche Behandlung der Art so wenig, 
für die moi'phologische Auffassnng dagegen so viel, daß ich es vor- 
ziehe, Abbildungen wie Beschreil)ungen dieser Verhältnisse in einer 
demnächst erscheinenden Arl)eit üljer die morphologischen Ergebnisse 
meiner Amphipoden-Studien zu biingen. 

62 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 137 

Die Farl)e der leLeiuleii Tiere ist nach den Bemerkungen der 
Station or au grünlich; ferner finden sich die Bemerkungen: „Rücken 
grauviolet, unten weir3Hch ; Eückenmitte hellbraun, sonst auf weifslichem 
Untergrun(k^ hellbraun gegittert. GewöhnHche Art. Tiefe Ebbe". 

Das gröfste Stück mir3t vom Kopfanfaug l)is zum Ende des 
Schwanzschildes fast 2G mm, während die gewöhnliche Gröfse der Art 
12 mm nicht übersteigt. 

Caprellina Mayeri nov. spec. (Tnf. iii, Fio. 4.) capreiiina 

Der Kopf ist fast um die Hälfte höher als lang; die Stelle des 
Auges ist bei einem Stück als runder pigmentloser Fleck erkennbar. 

Das 1. Segment stellt nur einen kurzen Hals dar; sein wie 
gewöhnlich gebildeter Vorderrand hat über die doppelte Länge des 
Dorsalrandes, der seinerseits etwas kürzer ist als der Hinterrand. 

Das 2. Segment ist kurz; es mißt noch nicht die Hälfte der 
Länge des 3. Segments; seine Höhe übertrifft seine Länge. Auf dem 
Rücken trägt das Segment kurz hinter der Vorderkante ehien kräftigen, 
spitzen, besonders auf der Mi'dianen ausgebildeten Höcker und kurz 
vor dem hinteren Rande einen (pieren, erhabenen, in der Medianen 
etwas stärker ausgezogenen Gürtel. Der Höcker übertrifft den (iürtel 
bedeutend an Höhe; der Grat zwischen den beiden höchsten Punkten 
ist konkav. Die Ventralseite des Segmentes steigt nach dem Ursprung 
der Gliedmaßen zu sehr steil heral). 

Das 3. Segment ist lang, von doppelter Länge seiner Höhe; 
der Höcker, auf der Medianen im Halbirungspunkte der Länge des 
Segmentes gelegen, ist noch etwas höher als der des 2. Segmentes; 
seine höchste Breite erreicht das Segment (abgerechnet vom Höcker) 
etwas hinter der Mitte, trotzdem liegt wegen der Schrägheit der 
Segmente diese Stelle vor dem Höcker des Rückens; an der tiefsten 
Stelle des Ventralrandes stehen die länglich ovalen Kiemen. 

Das I. Segment ist um ein gutes Drittel länger und höher 
als das .;.: in der ]\Iitte seinei' Dorsallinie steht ein mäßiger H()cker; 
die Bauclilinic und die Kienn'n sind gebildet wie beim 3. Segment. 

Das "). SegnuMit ist noch ein wenig länger als das 4.. son)it, 
wie bei den echten ('a])i'ellen, das längste di's ganzen Tieres; es ist 
vorn etwas lifiber als hinten, im allgemeinen jedoch an H(»he sich 
ziendieh gleichbleibend; seine Länge ist etwa das vielfache seiner Höhe. 
Hintei' dei' Mitte seiner Doi's;dlinie ist das IfudinnMit eines Höckers 
zu sehen. 

Das (). Segnu'nt ist dünner und enciclil nicht \iel über dn' 
Hälfte des 5. Segmentes. An der Ursprungsstelle der (diednndie, die 

63 



138 Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 

sich kurz vor dem hinteren Rande befindet, ist das Segment knollig 
aufgetrieben ; diese Auftreibung springt nach oljen, unten und nach den 
Seiten über das allgemeine Niveau des Segmentes hinaus. 

Das 7. Segment ist ganz kurz; es besteht nur aus den l)eiden 
in der dorsalen Mitte zusammenstoßenden, knolligen Auftreibungen, 
die außerordentlich viel weniger entwickelt sind, als beim voraufgehenden 
Segment. 

Die Fühler sind verhältnismäßig kurz; die oberen so lang wie 
das 4. Segment, die unteren halb so lang. 

Der Stamm der oberen Fühler ist ungefähr so lang wie die 
(leißel. Die Stirn trägt keinen Ausschnitt für das Grundglied, sondern 
dies sitzt mit seinem zngerundet-verjüngten Proximalende locker auf. 
Die beiden ersten (Jlieder sind sich in (iröße und Form gleich; sie 
sind eif()rmig, mit der größten Dicke in einem mittleren Bereiche, nach 
den beiden Enden zu sich verjüngend. Das 3. Glied ist von halber 
Länge der voraufgehenden, zylindrisch, distal ein wenig erweitert, sehr 
viel düiiiicr als die l)cidcii voraufgehenden Gliecler. Die Geißel besteht 
aus — 11 (jiliedern. die länger sind als l)reit. Das 1. Glied der Geißel 
ist zwei einhalbmal so lang als breit und trägt auf der Unterseit«! zwei 
bel»orstete Kerl)sehnitte. P]s ist das ein Habitus-Charakter, der dies 
Glied den Stanungliedern nähert. Die Stannnglieder zeigen keine be- 
merkenswerten Haarbildungen; di(^ (ieißelglieder tragen am Distalrande, 
besonders der oberen uiul noch viel mehr der unteren Ecke, kleine, 
steife Haarbild nngen. 

Die unteren Fühler gelenken in einem seichten Ausschnitt des 
seitlichen vorderen Kopfrandes. Das 1. Glied ist dick, so lang wie breit; 
distal im Prolil mit zwei graden, sich in stumjjfem Winkel treffenden 
Kanten. Das :1. (ilied ist im Profil nur als ein ganz schnuiler, unpig- 
mentierter Eing ausgebildet, der unten einen dreieckigen s])Ltzen Fortsatz 
nach vorn entsendet. Das 3. Glied ist stumpf eifrirmig, kaum länger 
als breit, das ■! . ziemlich länglich eifiu-mig, von anderthalblai-her Länge 
seiner Breite. Das 5. Glied ist viel kleiner und schmaler, noch schlanker 
als das voraufgehende. Eis macht völlig den Ültergang zur (ieißel 
aus; bei eim'gen Stücken ist es })igmeiitiert, bei einem andern mir 
auf der proximalen Hälfte, bei anderen ])igmentlos. Di(^ Geißel hat 
etwa- 1 (ilied(^r, deren Länge mehr als das do])pelte ihrer eigenen 
Breite 1)eträgt. 

Auf die Mundteile gehe ich vorläutig nicht ein, weil ich das 
spärliche Material den in Bälde folgenden morphologischen Unter- 
suchungen vorbehalte. Als systematisch wichtiges Merknnil hebe ich 
nur die Anwesenheit des Oberkiefer-Tasters hervor. 

(M 



Pfeffer, Krebse von Süd-Georgien. 139 

Das 1. Beinpaar ist sehr klein niul wird zwischen dem ü. Paare 
verborgen getragen; es ist demgemäl.j mit Ausnahme des "2. Ghedes 
unpiomentiert. Das ;2. (iUed ist, wie gew()hnhch, das hingste und 
kräftigste. GHed 3. 4 und 5 sind kurz, die ersten beiden besonders 
auf der Innenseite, das letzte mehr ;uif der Außenseite der Gliedmaße 
entwickelt. Hand- und Klauenglied zeigen keine besonderen Merkmale ; 
an dem Punkte, gegen den die KUiuenspitze wirkt, stoßen die Rcänder des 
Handgliedes in ganz scharfem, annähernd rechten Winkel zusammen. 

Am Ü. P)eiupaar ist Ghed 2 lang und kräftig, Glied 3 und 4 
klein und auf der Innenseite der Gliedmaße entwickelt; Glied 5 ganz 
klein, auf der dargestellten Figur gar nicht zu bemerken. Das Hand- 
glied ist fast so lang wie das 3. Mittelleibs -Segment, halb so breit 
wie lang. Der neben dem basalen Teile des Grundes hegende Teil 
des Innenrandes ist vorgezogen und bildet eine scharfe Ecke, gegen 
welche sich die Klauenspitze einschlägt. 

Das Beinpaar des 5. Segmentes ist ganz rudimentär, halb so 
lang Avie die Kiemenplatten des 3. und 4. Segmentes, aus zwei ganz 
kleinen, schmalen Gliedern l)estehend. 

Das Beinpaar dc^s 6. und 7. Segmentes ist nach dem Typus der 
übrigen Gaprelliden gel)ihl('t: der basale innere Fortsatz des Handgliedes 
ist beim 7. I'aare kralliger als l)eim 0. 

Am ;2. Beinpaare ist keine Kieme entwickelt; immerhin stelle 
ich die neue Art zur (iattung Caprelhna. 

Das Postal)domen ist ein ganz kleiner Anhang des letzten 
Mittelleibs-Segments von l)lattförmigem Umriß, mit zwei Kerbschnitten 
versehen, sodaß ein runder Mittellappen und zwei noch stumpfer zu- 
gerundete Seitenlappen entstehen. 

Größe vom Anfang des Kopfes Ijis zum Pustalidimiiualanhang 
8,5 mm. 



65 



140 Figuren - Eiklriruug. 



Figuren-Erklärung. 



Tafel 1. 

Fig. 1. A II orclie s t es geur giauiis uov. speo. ^/i. 

a. Hinterleib, von der Seite gesehen. 

b. Leibesende, von oben gesehen ; t. Telsou. 

c. 2. Paar der Mittelleibs-Benie. 

^^- ^' n n 5) V 

e. Kieferfüße. 

f. Distalende der rechten Innenlade der Kieferfüfse. 

g. Proximales Stück der Kieferfüße, von der oralen Seite gesehen, 
h. Distalende der rechten Außenlade der Kieferfüße. 

i. Ollerer Fühler, 

k. 1. Unterkiefer. 

1 2 

m. Distale Enden der beiden Laden des 1. Unterkiefers, 

n. Ko])f eines ganz jungen Stückes. '^*ji, 
Fig. 2. Kieferfuß von Bovallia gigantea nov. sj^ec. 
Fig. 3. Eurymera monticulosa nov. spec. Vi- 

a. Kieferfüße. 

b. 2. Unterkiefer. 

c. 1. 

d. 4. Beinpaar. 

e. 1. 

f. 2. 

Fig. 4. Oberkiefer von A Horch es tes georgianus nov. spec. 
Fig. 5. Bovallia gigantea nov. spec. 
a. Telson. 

Tafel II. 

Fig. 1. Anonyx Zschauii nov. spec. Vi- 

a. 1. Unterkiefer. 

b. Telson. 

c. 2. Unterkiefer. 

d. Kieferfüße. 

e. 1. Beinpaar des Mittelleibes. 

Fig. 2. Anonyx femoratus nov. spec. '•''/s. 
a. Telson. 

66 



Figuren -Erklärung-. 141 

Fig. 3. Kiefer fuße von Metopa Sarsii nov. spec. 
Fig. 4. Leucothoe antarctica nov. spec. ",i. 

Fig. 5. Schraderia gracilis nov. spec. ■'•'i. Die Beschreibung dieser Art 
erfolgt in der demnächst erscheinenden Fortsetzung der Bearbeitung der 
Krebse von Süd-Georgien. 
Fig. 6. Calliopius georgianus nov. sjiec. "/i. 
Fig. 7. Stebbingia gregaria nov. spec. ^l->. 
a. 1. Beinpaar des Mittelleibes. 
1) 2 

^- 3- » >! » 

d. Telson. 
Fig. 8. Metopa Sarsii nov. spec. '^*'/i. 

Tafel III. 

Fig. 1. Podocerus in g ans nov. spec. 

a. Das ganze Tier, größtes Stück, r/", ^/|. 

b. Die drei ersten Nachleibsringe, von der Seite gesehen. 

c. Telson, von oben gesehen. 
Fig. 2. Metojja Sarsii nov. spec. 

a. Schwanzschild; t Telson, h^ drittes llaltopoden-Paar. 

b. 1. 



d. 4. ^ Mittelleibs-Beinpaar. 

e. 5. 



f. ■; 

Fig. 3. Megamoera Miersii nov. spec. 

a. Das ganze Tier, größtes Stück cf', %. 

b. Telson, •'i. 

c. Oberkiefer. 

d. 1. Unterkiefer. 

e. Kieferfuß. „ „ 

Fig. 4. Caprelliua Mayeri nov. spec. '^). 

a. Das ganze Tier, c^. 

b. Die Grundglieder eines äußern Fühlers. 

c. Das Ende des Leibes mit dem rechten letzten Beinpaar, von oben 
gesehen; po Postabdomen; p letztes Beinpaar 

d. Zweites und drittes Mittelleibs-Segnient eines $. 



67 



142 Inhalt. 



I II Ii a 1 1. 



Soito Seiti 

AUorchestes georgiaiius Fj'f'r 77 3 

Metopa Sarsii Pffr 84 ] 

Anoiiyx Zschauü Pffr 87 18 

„ ffmoratus Pffr 93 1 i) 

Bovallia Pffr 95 21 

gigantea Pffr 96 22 

Euiyuicra Pffr 102 28 

„ monticulosa Pffr 103 29 

Stebbitigia Pffr 110 3(i 

gregaria Pffr 1 10 36 

Callidpius gL'orgianus Pffr 116 42 

INIegamoera Miersii Pffr • 121 47 

Lcucothöc antarctiea Pffr 128 54 

rudoccrus iiigens Pffr 131 57 

Caprellina Mayeri PffV 137 63 



68 



Pfeffer, Krebse von Siul Georgien U 
Zum Beric/if öder das . Yafu/^istorisc/ie j¥useu/n zu Nam/^uj-t/ S'^/. 



Tai; 1.. 




Stendsrdd et iüh 



Jahrbuch der Hnmhiirt|. \\i.sspiis(]i. .AnsialtPii \. 1888. 



Pfeffer Krebse von Süd Ueorgieji H 
^umBer/c/if öder das .Va/urAfsforisc/te Museum zu Namdur^ /^&/. 



Tal^ E. 




Stenderdel et Utk. 



Jahrbuch (1(M- Hamhnrn. wi.ssensfli. Anst.illPii V. 1888. 



Pfpflci-, Kn>b.so von Siul (iooniieii 11 
^umßenr/// ül/e/y/as . ]'(f/////;/.s/o/'{sr//f' Museum zi/ /faw/wrt/ /SW. 



Tai: in. 




Stendei- uPfslfer del. ' 



.Jnlirhnch der ll.iml.uni. Wissens.!.. .An.slnllcii V. INH8. ^ra/dscNafeilu/!. 



InhaltSYerzeichniss. 



Seite 
Nachruf an Herrn Bürgerinoister Di'. G. H. Kirc.henpaner III 

I. Jahresberichte der wissenschaftlichen Anstalten 

für (las Jahr 1887. 

1. Stadtbibliothek VII — XII 

2. Museum für Kunst und Gewerbe XIII — XXXV 

3. Naturhistorisclies Museum XXXVI — XLIV 

4. Botanischer Garten XLIV — XLV 

j). Botanisclies Museum und Laboratorium für Waarenkunde . XL^T — LI 

ix Chemisches Staats-Lalioratorium LH — LXVII 

7. Physikalisches Staats-Laboratorium LXVIII — LXXII 

8. Sternwarte LXXII — LXXV 

9. Museum für Völkerkunde LXXV — LXXVI 

10. Sammlung vorgeschichtlicher Altertümei- LXXVI — LXXIX 

II. Sammlung Hamlnirgischer Altertümer LXXIX — LXXX 

II. Uebersicht der im Jahre 1887 gehaltenen 
Vorlesnngen. 

a) im Sommerhalbjahr 1887 LXXXIII — LXXXIV 

1)) im Winterhalbjahr 1887/88 LXXXIV — LXXXV 

III. Wissenschaftliche Abhandinngen. 

Seite 

Ilerpetologische Mitteilungen. Von Dr. .J. G, Fischer 1 — 52 

Die Ohgochaeten von Süd-Georgien nach der Ausbeute der Deutschen 

Station von 1882—83. Von Dr. W. Michaelsen 53— 73 

Die Krebse von Süd-Georgien nach der Ausbeute dei- Deutschen Station 

1882—83. 2. Teil. Die Amphipoden. Von Dr. Georg Pfeffer 75—142 



3 2044 106 260 342